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Montag, den 29. Dezember

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beider Regierungen zu einander sind derart, daß auffallend« und übelwollenden Deutungen ausgesetzte Schritte zu ihrer Erhaltung und Befestigung nicht erforderlich sind. D»e beiderseitigen Botschafter erfreuen sich des Vertrauens der beiden Regierungen, zwischen denen sie zu vermitteln haben und wenn dennoch der Fall einträte, daß die Leiter der deutschen und der französischen Politik einer persönlichen Besprechung bedürften, so würde sich eine solche erreichen laffen auch ohne das Aufsehen und die Partewom>äude herbeizuführen, welche sich an einen Besuch des Reichs­kanzlers in Paris knüpfen könnten."

Dieses Dementi schafft kurz und bündig das Gerücht von einer Pariser Reise des Fürsten Bis­marck aus der Welt; dagegen ist die Möglichkeit, daß Bismarck und Ferry irgendwo anders zu- sammenkommen könnten, nicht bestritten. Für den Augenblick scheint ein Zusammentreffen jedoch nicht geplant zu sein.

• Nach der Mn. Ztg/ haben vier Hambur­ger Herren, die Inhaber einer der ersten unserer überseeischen Firmen, dem Reichskanzler 60,000 Mark zur Verfügung gestellt, mit welchen er, falls der Reichstag die D i r e k t o r st e l l e auch m dritter Lesung ablehnen sollte, für die drei Jahre der jetzt laufenden Legislaturperiode den gewünschten Beamten besolden möge. Nachdem der Kanzler die Annahme solcher Gelder für unthunlich erklärt hat, könnend diese überseeischen Firmen probiren, der Dampfersubvention mit ihren Geldern unter die Arme zu greifen.

* Der am 22. Februar zusammentretenden Ge­neralversammlung des deutschen Stolonialöerein$ wsrd^w Lin°^ Derte^pMtMa uMMrM wer- den, den Sitz des Vereins von Frankfurt am Main nach Berlin zu verlegen. Der Antrag wird damit motivirt, daß von Frankfurt aus allerdings der erste Theil des Programms, die Propaganda für Kolonisation, zu erfüllen war, daß aber der zweite Theil, die praktische Durch- führung kolonialpolitischer Pläne, ohne die engste, stetige Fühlung mit der Regierung und den über See erfahrenen Beamten und Privaten, die am Sitze der Negierung sich aufhalten, außerordent­lichen Schwierigkeiten begegnen.

* Aachen, 27. Dez. Unter lebhafter Bether- ligung der katholischen Industriellen, Arbeitgeber und Arbeiterfreunde fand am 22. ds. Hierselbst die vierte Generalversammlung des Verbandes „Ar­tz e i t e r w o h l" statt. Hr. Fabrikbesitzer Brandts (M.-Gladtzach) eröffnete dieselbe mit einem licht­vollen Vortrag über die hohen Ziele des Verban­

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oder

Ans dunklen Wegen

Roman von 6. Wagner.

bleiben werde, da sie in 14 Tagen oder noch eher zurückzukehren gedenke. In Betreff des Diners schrieb sie, daß sie beabsichtigt hätte, ihren Gästen die Ruinen beim Mondschein zu zeigen. Da nun aber diesen Abend an Mondschein nicht zu denken sei, bitte sie den Marquis, die Ruinen beleuchten 3U „Eine' herrliche Idee!" rief Lord Montheron. „Der Weg über den Hof vom Schlöffe nach den Ruinen soll mit Leinen überdacht und die Ruinen sollen illuminirt werden. Es war oft so zu der Zeit, als Lady Wolga noch hier herrschte; sie soll denken, die alten Tage seien znrückgekehrt. Unsere einfache Mahlzeit soll in ein glänzendes Fest ver­wandelt werden!"

Er eilte hinaus, um die nöthrgen Anordnungen zu treffen. Alles wurde in Bewegung gesetzt. Wäh­rend eine Anzahl Männer auf dein Hofplatz Pfähle einrammten, darauf ein provisorisches Dacy stellten und mit Leinwand bedeckten, waren Andere, mit den Vorbereitungen zur Illumination beschäftigt.

Hunderte von bunten Laternen wurden aus dem Magazin geholt und an geeigneten Stellen aufge- hänat; zur Beleuchtung d.-e äußeren Theile der Ruinen und des Hofes wurden Pechkeffel auf Stan­gen und an den Ruinen angebracht.

Eine andere Abtheilung Männer und Frauen beauftragte der Marquis, die Wände und Fuß- böden vom Staub zu reinigen und in dem Schlöffe zunächst liegenden Theile zu beginnen.

Nachdem er Alles angeordnet, kehrte er in sein Zimmer zurück, wo er seinen Diener fand, welcher es sich in seines Herrn Lieblingsstuhl bequem machte. Der Ausdruck der Freude und Zufriedenheit wich von des Marquis Gesicht beim Anblick der Unver­schämtheit seines Dieners.

„Was thust Du in meinem Stuhl?" herrschte . er ihn an. „Warum stehst Du nicht auf, wenn ich komme?"

Pierre stand nicht auf, sondern wandte nur leicht den Kopf seinem Herrn zu.

„Wie viele Male haben Sie mich wohl so ge­fragt?" sagte er, den Zeigesinger an die Nase legend, als sinne er nach, „und was haben Sie' dadurch erreicht? Ich bin Kommunist in meinen Prinzipien, wie Sie wissen, und halte mich für ebenso gut, wie Sie, Mylord Montheron."

Zornesröthe bedeckte des Marquis Gesicht.

„Aber wenn Dich Jemand von der Dienerschaft so sähe!" ries er. „Man würde sich wundern und schwatzen —"

„Dazu bin ich zu vorsichtig. Nur wenn wir

Wie aber soll ich Zutritt zu den Zimmern er­langen?" fragte sie sich selbst. „Renard kennt mich und wird es zu vereiteln suchen. Mrs. Jngestre sagt, daß der Marquis niemals jenes Mordes er­wähnt und daß es Niemand wagt, in seiner Ge­genwart darauf anzuspielen. Selbst er hat das Zimmer nie betreten und er würde es nicht erlau­ben, daß es mir geöffnet wird. Ich möchte noch ein paar Tage hier bleiben und Mrs. Jngestre veranlaffen, mir den Zutritt zu gestatten. Wenn ich nichts finde, könnte ich dann allein Lady Wolga nach London folgen." ,

Sie durchdachte die Idee weiter und beschloß, sie auszuführen.

Währeno dessen wurden im Schlöffe dre Vor­bereitungen zu dem Diner fortgesetzt. Ein Bote von Clyffebourne brachte einen Brief, in welchem y Lady Wolga dem Marquis mittheilte, daß sie und ihre Gäste, da das Regenwetter anhaltend zu sein scheine, am andern Tage'nach London aufbrechen würden, daß jedoch die Dienerschaft in Clyffebourne

des und die großen Pflichten der katholischen Ar­beitgeber gegenüber ihren Arbeitern, besonders an­gesichts der wachsenden Sozialdemokratie. Das Referat des General-Sekretärs, Hrn. Franz Hitze (M.-Gladbach), hob zunächst hervor, daß dem Ver- bande in manchen Städten und Distrikten noch mcht genügende Sympathie und Unterstützung von Sei­ten der interessirten katholischen Industriellen zu Theil werde, und konstatirte dann die sehr befrie- digende weite Verbreitung der vom Verband her- ausgegebenen Volksschriften „Das häusliche Glück" und „Der Schnaps", die auch in einer Reihe fremd­sprachiger Übersetzungen bereits erschienen bezw. in Vorbereitung find, vom „Schnaps" sogar eine in chinesischer Sprache. Den eben erschienenen beiden neuesten Werkchen „Kompaß für den jungen und den verheiratheten Arbeiter", die in der Versamm- lung zur Vertheilung gelangten, durften mit vol­lem Recht gleich günstige Aussichten gestellt werden. Der vom Schatzmeister, Hrn. M. Commes (M.- Gladbach) vorgetragene Kassenbericht für 1883 wies bei 8160 Mk. Einnahme eine Ausgabe von 4856 Mk. und einen Bestand von 3304 Mk. nach. Die bisherigen bewährten Mitglieder des Vorstandes wurden durch Zuruf wiedergewählt. Es gelangten dann elf vom Vorstande formulirte Punkte zur Diskussion, die wertyvolle „Gedanken zur sozialen Praxis für Arbeitgeber" enthielten. An der leb- haften, angeregten Debatte beteiligten sich außer . dm Genannten noch die Herren Generaldirektor Hilt. Aha, j, Grand-Ry. Justizrath .Statz Pfar­rer Michel (Kohlscheibr), Abg. Rechtsanwalt Dr. Lingens, Fabrikant A. Kern, Bürgermeister Mooren (Eupen), Kaplan Loison (Oidtweiler) u. A. Die Kürze der Zeit erlaubte leider eine Aussprache nur über das schlimme Kostgängerwesen und die von Hrn. Brandts auf Grund eigener Erfahrung sehr warm befürwortete Einrichtung des „Vertrauens- Ausschuffes" in Fabriken. Ein Theil der Besucher der Generalversammlung blieb nach Schluß der­selben noch beisammen, um das wohleingerichtete Arbeiterinnen-Hospiz in Augenschein zu nehmen. Taffelbe ist bekanntlich von einer Reihe katholrscher Fabrikanten des Aachener Bezirks als Aktiengesell- schäft „Arbeiterwohl" errichtet und wird von den Armen Schwestern vom heil. Franziskus geleitet. Dasselbe gewährt gegenwärtig 193 FatzrikmädHen im Alter von 14 bis 20 Jahren eine vortreffliche Unterkunft.

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Deutsches Reich.

Berlin, 28. Dezember.

* Gegenüber den überall auftauchenden Reise- • planen des Fürsten Bismarck konstatirt die Magdeb. Ztg/, daß alle Entschließungen über eine etwaige Reise noch vorbehalten sind. Von Personen, welche mit dem Reichskanzler Beziehungen haben, wird die Reise überhaupt noch als fraglich bezeichnet. Jedenfalls soll als feststehend gelten, daß Fürst Bismarck vor Beendigung der Kongo­konferenz Berlin nicht verlaffen würde. Im Weiteren verlautet mit ziemlicher Gewißheit, daß der Reichs­kanzler Werth darauf lege, die Dampfervorlage und den Nachtragsetat, betreffend die Forderungen für den künftigen Gouverneur von Kamerun, vor dem Reichstage persönlich zu vertreten.

** Ein hochoffiziöser Artikel, in welchem an der Spitze der ,Nordd. Allg. Ztg.' der durch feinen Stil unverkennbare Mitarbeiter des Blattes sich über den angeblich beabsichtigten Besuch des Reichskanzlers in Paris ausläßt, verdient besondere Beachtung, weil sein Hauptzweck wohl die Erörterung unseres Verhältnisses zu Frankreich ist. Der Artikel fordert in mancher Beziehung die Jnterpretationskunst heraus und mag deshalb ür fcutoii Wortlaut mitgetheilt rvrrdenr -Erbautet -

Die irrtümliche Nachricht, daß ein Besuch des Herrn Reichskanzlers in Paris zu erwarten sei, ist ohne Zweifel aus der Thatsache entstanden, daß ärztlicher Rath der Fürstin Bismarck einen Winteraufenthalt im Süden, und dem Fürsten ein längeres Verweilen außerhalb des Be­reiches der Geschäfte, der laufenden Telegraphie und der Geselligkeit empfohlen hat. Jedoch war für die Fürstin nicht Nizza, sondern Süd-Italien in Aussicht genommen, für den Reichskanzler ohne Rücksicht auf klimatische Lage irgend ein entlegener und geschäftliche Beziehungen aus­schließender Ort, sei es Madeira oder Egypten, sei es Tiflis oder Drontheim. Beide ärztliche Vorschläge, wenn sie befolgt würden, implizirten keine Reise nach Frankreich und ist daher eine solche in den hiesigen Auffassungen niemals besprochen worden. Es ist also auch nicht nöthlg, Vermuthungen darüber aufzustellen, welchen Empfang der Reichskanzler bei einem Besuche in Paris zu erwarten hätte und zu berechnen, welches Gewicht auf einer Seite der Ritterlichkeit des französischen Charakters einem ehr­lichen Gegner gegenüber und auf der anderen Seite eine künstliche Erregung feindlicher Minoritäten in die Wag­schale legen könnten. Die Beziehungen beider Länder und