Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

^ 298.

Sonnabend, den 27. Dezember

1384.

• Nationalliberale Blätter berichten, daß bezüg.

Erstes Blatt.

- Es war berichtet worden, daß das Staats» Ministerium in den nächsten Tagen behufs Be» rathung eines Börsensteuergesetzes zusammen» tritt. Das vorige Projekt, auch wie es in modlft» zirterForm au» denBerathungen des Bundesrathes hervorging, gelte als aufgegeben. Die ,Hamb. Nachr? bezeichnen die Mittheilung als erfunden.

• Die Frage der Reform des einjährig- freiwilligen Dienstes wird in jüngster Zeit in den militär-wissenschaftlichen Blättern lebhaft er» örtert; alle diese Auslassungen laufen auf das Ver­langen hinaus, die Anforderungen zu verschärfen und nur Abiturienten der Gymnasien und Real» schulen zuzulafsen. Dieses Institut besteht in Preu­ßen seit 1816. Früher wurde es nur vom null» tär-technischen Standpunkte aus betrachtet; in neuerer Qeit sind die Gesichtspunkte der Volkswirthschaft und der Pädagogik mehr und mehr in den Vor»

lohannl losepho SChMItt, per anno# seXaglnta presbytero, VIro egreglo, pastorl flDeLI, rarae pletatls, slngULarls VIgorls et strenUI Laborls faTJeta qUaeqüe eXoptan» ple gratULatUr.

N. N.

derarund getreten.

* Von der früher zur Unterstützung hilfsbe» dürftiger ehemaliger Krieger der Jahre 1806 bis 1815 festgesetzten Summe kommt üi Folge der Ahsabme der Zahl der Krieger immer weniger zur Verwendung. Eine Erhöhung der Untet' stützunqen ist nicht eingetreten, es wird vielmehr noch nach den alten Vorschriften verfahren, wo» nach die Unterstützung für jeden Veteranen Nicht mehr als 20 Mark per Monat betragen darf. Es wäre wohl am Platze, den wenigen noch leben- den Veteranen eine Erhöhung des geringen Ehrensoldes zu gewähren. Die noch lebenden alten Krieger stehen ausnahmslos im hohen Grei» senalter, so daß die Mehrbelastung der Staats» lasse eine kaum nennenswerthe sein würde.

. Der Nassauische Bauern-Verein nahet I dem Reichstage mit zwei Petitionen, die eine über I die Erhöhung der Getreide- und Wemzolle, welche I sich im Wesentlichen den bezüglichen Petitionen des Rheinischen und Westfälischen Bauernvereins an» schließt die andere nicht minder wichtige über eine Ergänzung resp. Verschärfung des Reichsgesetzes betreffend die Verfälschung der Nahrungsmittel. Der Stoed dieser Petition geht dahin, bezüglich des Prädikats „Wein" diejenigen Unterscheidungen einzuführen, welche die österreichische, die franzö» fische, die schweizerische Gesetzgebung längst dahm statuirt hat, daß unter dem Namen „Wem nur der reine unverfälschte Rebensaft in den Handel kommen darf; daß der verzuckerte, galllsirte, chap» talisirte rc. Wein nur als „Halbwein, Fasonwem

। in den Handel gebracht und das vorwiegend, zu mehr als einem Dritttheil, künstliche Zusätze ent­haltende Fabrikat auch nur als solches als „Kunst­wein" verkauft werden foll. Auch ein Marken- und Etiquettenschutz wird befürwortet. Der aus­führlichen Petition wird noch eine besondere, sie unter Hinweis auf jene Gesetze motivirende und die bisherige Behandlung der Frage m den ein­zelnen Handelskammern beleuchtende Broschüre bet» gegeben werden. Der Naffauische Bauernverein I hat auf sechs verschiedenen im Rheingau abzehal- tenen Lokal-Versammlungen, in denen kompetente Redner auftraten, diese Frage gründlichst erörtert.

* Die Prädikate in den Schulzeugnissen I der höheren Lehranstalten boten bis dahin em sehr I buntes Durcheinander. Wer in Lehrerkreisen bekannt ist, wird bestätigen, daß es oft nicht leicht war, - die Censur eines Schülers, der von einer Provmz

Deutsches Aerch.

Berlin, 26. Dezember.

* Der Leibarzt des Kaisers, Generalstabsarzt der Armee z. D., Dr. med. Grimm, ist am Mittwoch im Alter von 81 Jahren gestorben.

* Dem Vernehmen nach hat Most dem Jlnar» duften Reinsdorfs einen silbernen Lorbeerkranz übersandt, deffen Annahme von der Gefängnitzver- waltung selbstverständlich verweigert wurde.

* Für das demnächst zusammentretende Abge­ordnetenhaus stehen intereffante Debatten in Aus» sicht Seitens der Deutsch-Freiitmtigen will man beim etat der Universitäten tue Schwenninger- Affaire zur Sprache bringen, sonne die Maß­regelung des „Akademischen liberalen Vereins durch den derzeitigen Rektor der Universität. Durch Anschlag am „Schwarzen Brett" ist namlicy der genannte Verein als „illegal und als ge^tzwivrtg verboten" und den Studirenden die ^hetlnahme an demselben untersagt worden.

einen leibhaftigen Martprer ihrer Sache. noch^ckcht zu greifbaren Ergebniffen geführt haben,

.Viktor Rrntelen. geb.ren ^^.zu^Wefei. ^ll sich dabei ein volles Einvernehmen zwischen mergÄt und zum Titel Geh. Ober-Justizrath dem Fürsten Bismarck und dem Fmanzmimster «ÄH Ä»« 'Ermorden, daß da. Staat»- kirchlichen Gerichtshof - das „Küstertribunal nennen seine Parteigenoffen denselben - elnzu» treten, abgelehnt hat. Er erzählt uns auch noch, daß er 1865 al» Landtags-Kandidat der vereinig­ten Konservativen und Katholiken in Dortmund gegen den liberalen und demokratischen Kandidaten^ den rothen Becker, unterlegen sei, „jedoch nach zweitägiger Wahl". Es war das eine drollige Geschichte gewesen. Der Wahl-Kommtflar, Land­rath von Rynsch, hatte um Mitternacht, als die Wahl noch immer nicht zu einem Resultate ge­führt hatte, erklärt, sein Auftrag laute nur für den einen Tag, er schließe die Wahlhandlung, und das weitere werde sich finden. Es fand sichauch, der Landrath erhielt eine Nase und die Wahl» männer bekamen die in Folge der Unterbrechung ihnen erwachsenen Auslagen an» der Staatskaffe vergütet. Bei einer Nachwahl im vorigen Jahre erhielt Rintelen ein Landtagsmandat, jetzt hat ihm Trier den Reichstagssitz gegeben.

Ueber das Alter des Abgeordneten für Offen- I bürg tÄ'M.männiglich,rine Jdt£H£ MM und I Lebendigkeit. Dr. jur. Franz Roßhirt, badischer Ober-Hosgerichtskanzler a. D., ist eine in Baden wohlbekannte Persönlichkeit und erfreut sich tn der juristischen Welt eines hochangesehenen Namens. Geboren 1820 als Sohn des berühmten Heidel- berger Profeffors, war er von 1841 bis 1879 im badischen Justizdienst thätig; m den Jahren 1858 bis 1859 führte er in Rom die Verhand» langen über das mit Baden abzuschließende Kon- kordat durch welches das klerikal-konservative Mi­nisterium zu Falle und der Liberalismus ans Ruder kam. Vielfache Zurücksetzung, die er unter der Aera Lamey-Jolly zu erfahren hatte, trug Roßhirt mit der heiteren Gelassenheit des Ueber» leqenen; sein Ansehen al» Jurist litt nicht darunter, und seine Ehre als überzeugungstreuer Mann vliev unversehrt. Roßhirt ist kein parlamentarischer Neuling, er war viele Jahre hindurch und ist jetzt I wieder Mitglied der zweiten badischen Kammer und war Abgeordneter des Zollparlaments. Eine gewinnende Erscheinung vereint sich bet ihm nut freundlichem, gefälligen Wesen und wer tu ihm den jovialen Lebemann neben dem ernsten Gelehr­ten sucht, wird es nicht zu bereuen haben.

Di- auswärtigen Leser unseres Blat- tes wollen das Abonnement sür'ö nächste Quartal rechtzeitig erneuern, damit in der regel­mäßigen Zusendung keine Unterbrechung eintritt.

* Bier Centrums-„Rekruten."

Die .Franks. Ztg/ bringt eine intereffante Studie über neue Gesichter im Deutschen Reichstag. Wir entnehmen derselben folgende Einzelheiten über vier Centrums.„RekrutM", welche mit Zuversicht unfein schnelles AväneM?n. rechnen . ^Franz Hitze, geboren 1851 in Westfalen, hat während des Krilturkampfes in Würzburg Theo- loaie studirt, dort die Priesterweihe empfangen und dann zwei Jahre in Rom als Kaplan fungirt. Nach seiner Rückkehr in die Heimath trat er in die soziale Bewegung ein, für die er sich durch vielseitige gründliche Studien, von dnten mehrere Schriften zeugen, vorbereitet hatte. Ein Verband katholischer Industrieller, der den Namen „Arbeiter- wohl" führt, machte ihn zu seinem General» Sekretär; als solcher redigirt er auch die gleich» namige Monatsschrift des Vereins der ohne radikalen Maßregeln auszuweichen, die soziale Frage auf dem Boden des Christenthums losen will. Der junge Kaplan ist nichts weniger als em Mann der grauen Theorie, er kennt dre Noth der couches sociales, der die Sozialpolitik abhelfen will, aus dem täglichen Leben und seinen Diag» nosen wie seine Rezepte stützen sich auf diese Er» fabrunq. Für einen Mann, deffen ganzes Denken und Trachten die Arbeiterfrage ist, , bietet der Reichstag ein Feld fruchtbarer Thatigkelt; un Abgeordnetenhaufe, dem Hitze seit 1882 angehort, wird er sich nie heimisch fühlen. Auch äußerlich ist Hitze eine intereffante Erscheinung.

Auch Joseph Adolph Nicola Racke, der Ultra- montane den das goldene Mainz, das die Ver­änderung liebt, gesandt hat, zählt noch zu den ^unaeu Er hat die Handelswiffenschaft erlernt unh leitet seit 1866 die von seinem Vater ge- gründete Weinessigfabrik und Weinhandlung. Er zählt zu den redegewandten Agitatoren der E n» trumspartei, hat dabei aber, was bet «nem Mainzer natürlich, einen ausgeprägt demokratischen Zug. Natürliche Beredtsamkeit hat ihn schnell populär gemacht; 1874 wurde er Mitglied des Stadt- raths, 1875 kam er als Vertreter von Mainz in den hessischen Landtag. Orden und Strafen scheimn bei ihm gleichwerthig zu sein, bajr fie nachein­ander aufzählt: Pius Orden, hefsische Verdienst­medaille für Verdienste um Abwendung der Waffergefahr von der Stadt Mainz, drei Wochen Gesänqniß weil er eine von einem exkommunicirten Geistlicken abgehaltene Meffe für ein „Scckrilegium"

t-llgeld: 1 Mk. 56 Pfz.. — m t bet .Fulda« Zaitmi,' «scheint täglich. Sonn- und Feiertag. 70 Pfg/, auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

........