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Jfä 295. Montag, den 22. Dezember 1884

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Jnserate^Die eMspaltig« Zeile oder deren'Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Wn.; b-: Wiederholungen entsprechet.der Rabatt.

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Abonnements-Einladung.

Der Quartalswechsel steht wiederum bevor, und bitten wir deshalb unsere Leser sowie alle, die cs werden wollen, die .Fuldaer Zeitung' unverzüglich bei der betr. Postanstalt, den Briefboten, Zeitungsträgern oder in der Expedition (Buttermarkt) bestellen zu wollen, damit sie sämmtliche Nummern vom Beginn des neuen Jahres ab pünktlich erhalten.

Das Programm der ,Fuldaer Zeitung' ist seit den 12 Jahren ihres Bestehens den Katholiken so oft an's Herz gelegt worden, daß wir füglich einmal von Erörterung desselben absehen können. Dagegen wollen wir der Ab­wechslung halber bei dieser Gelegenheit auf Folgendes aufmerksam machen:

„Das katholische Blatt ist eine Nothwendigkeit geworden, und es zu erhalten, zu fördern und zu heben, ist Ehren­sache für die katholische Partei und jeden Katholiken der Diözese. Es durch Abonnement und Inserate, durch Be­fürwortung und Empfehlung, namentlich aber auch durch freiwillige Mitarbeit und Zusendung von Nachrichten zu unterstützen, ist eine Pflicht, die Jedermann erfüllen kann, und der sich Niemand entziehen sollte. So ein Blatt soll gleichsam der Brennpunkt der geistigen Strömungen sein, die in dem Leserkreise leben und weben, und in je engerer Beziehung alle Leser zu der Redaktion des Blattes stehen, um so besser, wichtiger und reichhaltiger wird das Blatt. Aber gerade daran fehlt es der katholischen Presse noch so vielfach; weite Kreise glauben, sie könnten nichts für ein Blatt leisten, ’t’mb diejenigen, die es notorisch könnten und sollten, thun es nicht. Diese Indolenz wirkt wie ein Hemmschuh auf die Frische und das Streben des Blattes, lähmt die Kräfte und schädigt die katholische Sache. Der Redacteur ist ein einzelner Mann, der noch obendrein, wie kein Anderer, an sein Bureau gefesselt ist, und es dauert lange Zeit, ehe er über die Personen und Ver­hältnisse seines weiten Leserkreises die nöthige Erfahrung gesammelt hat; — wie kann er da alles selbst wisien, prüfen und untersuchen? Handelt es sich auch nur um ein kleines Tagesereigniß, einen Unglücksfall, eine neue Einrichtung in Kirche, Schule und Gemeinde, vielfach Dinge, die gewissermaßen auf der Straße liegen, so ist es, zumal bei der Concurrenz liberaler und halbliberaler Blätter, doch von Werth, darüber kurz und klar, möglichst sachlich und ,druckfertig' insormirt zu werden, und das kann Jedermann. Der Redakteur, er mag heißen, wie er will, muß auf der ganzen Linie der Leser that- kräftige Unterstützung finden. Nur dadurch kann der

xAlera

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Der Schiffer schwamm zur Mrs. Jngestre und erfaßte sie gerade in dem Augenblick, als eine mächtige Welle sie von dem schlüpfrigen, keinen sichern' Halt bietenden Boote wegspülte. Renard schwamm langsam nach Alexa hin, machte aber keinen Versuch, sie zu ersaffen oder zu halten.

„Mag sie ertrinken," dachte er. „Das war ja der Zweck dieser Bootfahrt. Wenn sie nicht bald sinkt, werde ich sie hinunterstoßen."

Er sah nach dem Fischerkahn, welcher sich noch in beträchtlicher Entfernung befand.

„Zeit genug," dachte er; „sie kann noch etn Dutzend Mal ertrinken, ehe Hilfe kommt."

Pembroke war zu sehr mit der ächzenden und stöhnenden Mrs. Jngestre beschäftigt, als daß er auf Alexa und Renard hätte achten können. Des Mädchens Kopf ragte noch immer aus dem Waffer hervor und ihr Feind beobachtete 'sie mit heimlicher Freude. Der Kahn kam näher und Renard schwamm mit kräftigen Bewegungen auf das Mädchen zu. Diese sah ihn kommen, las

Leser heften harte Arbeit erleichtern und ihm seine saure Mühe versüßen."

Auch wollen wir jetzt schon darauf Hinweisen, daß wir uns bereits wieder in den Besitz eines hervorragend schönen Romans gesetzt haben, welcher das Interesse unserer Leser nicht minder fesseln wird als der so außer­ordentlich beifällig aufgensmmene Roman „Alexa", dessen Abdruck im Laufe des nächsten Monats zu Ende geht.

Ueberhaupt wird es die Revaction ihrerseits an dem Bestreben, das Blatt recht reichhaltig zu gestalten, nicht fehlen lassen. Wenn zugleich die Leser im Interesse der gemeinsamen guten Sache das Ihrige zur Hebung des Blattes beitragen, so wird die .Fuldaer Zeitung' ihrer Ausgabe vollauf gerecht werden.

Fulda, Ende Dezember 1884.

Die Redaetio«.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Dezember.

*• Die große Razzia nach sozialistischen Schriften beim Militär hat sich nicht bloß auf die preußische Armee, sondern auf das ganze Reich erstreckt. Dieselbe muß also mit Einwilli­gung oder auf Befehl des obersten Kriegsherrn erfolgt sein. Daß die Uniformen durchsucht wur- den, wird von mehreren Stellen speziell gemeldet, dagegen bisher nur von einer Garnison, und also vielleicht ohne Gewähr, daß die Soldaten sich so­gar entkleiden mußten, und ebenfalls bisher nur vsn einer Garnison, .interessanter Weise aber von dem Orte der Verbrüderung zwischen Sozialdemo­kraten, Nationalliberalen und sogar vielen Be- amten, von München, daß die Einjährig-Freiwilligen nicht bloß die Durchsuchung ausmstehen, sondern auch auf die Frage der recherchirenden Offiziere zu antworten hatten, ob sie Sozialdemokraten seien. Als Grund der Maßregel war in Wittenberg den Soldaten gesagt worden, es handele sich um abhanden gekommene Patronen. Daß anderswo überhaupt ein Grund angegeben worden sei, haben wir nirgends gelesen. In Düsseldorf hatte die Consignirung aller Truppen in den Kasernen zu dem wie ein Lauffeuer die Stadt durcheilenden Gerüchte Anlaß gegeben, der Kaiser habe die Re­gierung niedergelegt. Von Grund und Anlaß der Blaßregel ist es noch ganz still, von etwaigen Resultaten der Nachforschungen ebenso. Die Offiziösen ignoriren die Vorgänge sogar vollständig.

seine mörderische Absicht aus seinen Augen und sank mit einem wilden Schrei in die Tiefe.

Mit teuflischer Freude sah Renard sie ver- schwinden, und seine Freude wurde noch größer, als er nach kurzem Warten sie nicht wieder auf- tauchen sah. Er hatte sich nicht darüber gewun­dert, daß sie sich mehrere Minuten über dem Waffer zu halten vermochte, und er wunderte sich nicht, daß sie jetzt so plötzlich untersank, ohne wieder zum Vorschein zu kommen.

Als der Kahn näher kam und Renard sicher glaubte, daß Alexa ihren Tod gefunden hatte, schrie er laut um Hilfe.

„Miß Strange ist ertrunken!" rief er. „Sie sank unter, als ich sie erfaßen wollte. Pembroke, sie ist verloren! Hilfe! Hilfe!"

Aber Pembroke konnte nicht helfen. Mrs. Jn­gestre hielt sich in ihrer Verzweiflung so fest an ihn, daß er sich nicht von der Stelle zu bewegen vermochte. Der Kahn langte an der Unglücks- stätte an. Mrs. Jngestre ward hineingezogen, ihr folgte Renard und dann kam Pembroke.

„Es war noch eine junge Dame bei uns," sagte Pierre Renard, anscheinend tief erschüttert. „Sie ertrank vor meinen Augen gerade in dem Augenblick, als ich sie retten wollte. Ist keine

Daß sie ihnen höchst unangenehm sind, ist be­greiflich, wird auch von jedem Deutschen mitge­fühlt. Sogar im Ausland wird die Maßregel Aufsehen erregen. Zu den zweischneidigen Seiten des Ereignisses gehört auch noch die Scheidung innerhalb der Armee: vom Sergeanten herab durch alle Stufen Untersuchung, über den Ser­geanten durch alle Chargen — — reine Luft. — Diese Durchsuchung, und daneben die entsetzlichen Enthüllungen des Hochverrathsprozesses in Leipzig — das sind die beiden wichtigsten Ereig- niffe der letzten Woche! Trotz aller Leidenschaft des Fürsten Bismarck, trotz aller „Entrüstung" der „Nationalen" ist dagegen die „Frage" der zweiten Direktor stelle int Auswärtigen Amt nach Grund, Anlaß, Art und Ziel des Streites nichts weiter, als ein Sturm im Glase Waffer. Das ist so sicher und liegt auch bann, wenn die „Auf­regung" noch mehr Ädreffen und Erklärungen und Bismarck-Pfennige eintrüge, so sehr auf der Hand, daß man beinahe auf die Vermuthung kommen könnte, die „Nationalen" hätten diese künstliche „Aufregung" für nöthig gehalten und sie nur zu dem Zwecke geschaffen, um die Augen des ihnen Zugänglichen von der militärischen Durchsuchung und von dem Leipziger Prozeße ab­zulenken, weil beide Ereigniße in Verbindung mit der durch die Wahlen konstatirten Stärke der Sozialdemokratie beweisen, wie furchtbar „faul im Staate Dänemark" es zu werden anfängt. Wenn dem gegenüber die „Nationalen" gerade jetzt einen großartigen Lobgesang anstimmen und nachsingen laßen von der Macht und Herrlichkeit des neuen Reichs, so sind auch wir gegen Macht und Herrlichkeit des Vaterlandes nicht gleichgültig. Die Centrumspreße hat oft erklärt, daß eine christ­lich-konservative und gründlich sozial-reformerische innere Politik in Deutschland im Jahre 1871 und noch 1878 Deutschland zum ruhigsten, blühendsten und glücklichsten Lande der Welt hätten machen können — dafür waren alle Bedingungen vor­handen. Aber bei einer von Gegensatz zu Gegen­satz schwankenden und die wichtigsten Lebensbe­dingungen der Völker auf religiösem und sozialem Gebiete theils nicht beachtenden, theils sogar miß­achtenden inneren Politik, da rettet die glän­zendste äußere Politik auf die Dauer nicht vom Ruin, und die 24 sozialdemokratischen Abgeord­neten, die Durchsuchung der Armee und der Leip-

Hilfe möglich? Kann nicht wenigstens ihr Leich­nam aufgefunden werden?"

Mrs. Jngestre brach in heftiges Weinen aus.

„Wenn sie ertrunken ist," sagte einer der Fischer, so ist natürlich keine Hilfe möglich, und wenn ihr Leichnam von den Wellen nicht an das Land gespült wird, wird er niemals aufgefunden werden."

Renard stöhnte und seufzte.

„Dann bringen Sie uns nach Mont Heron," bat er. „Mylady wird vor Nässe und Kälte um- kommen. „O, die arme junge Lady! Arme Miß Strange!"

In diesem Augenblick wurde Alexa ganz in der Nähe des Fahrzeuges sichtbar, dem sie nut einer Ruhe zuschwamm, als bade sie zum Vergnügen.

Sie war am Meer ausgewachsen und hatte von frühester Jugend an fast täglich gebadet. Sie war mit dem Waßer vertraut geworden und konnte vortrefflich schwimmen. Sie war beim Kentern des Bootes unter dasselbe gerathen, hatte sich aber rasch emporgemacht und dann mit Leich­tigkeit über dem Wasser gehalten; als sie aber Pierre Renard mit Mord verrathenden Blicken kommen sah, war sie blitzschnell im Waßer ver­schwunden, um an einer andern Stelle hinter ihm