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in Berlin mit parlamentarischen und politischen Fragen überhaupt nicht in Beziehung gestanden haben. Derselbe wohnte vielmehr den Sitzungen der Centralmoorkommission bei, und es ist richtig, daß er sich außer um diese Angelegenheit um nichts zu kümmern schien. Es scheint demnach, daß der Eindruck, den seine Rede über Beseitigung der Minister v. Puttkamer und v. Goßler machte, noch nicht verwischt ist.
(♦) Die afrikanische Konferenz hat gestern die Schifffahrtsnote für Congo und Niger ohne wesentliche Abänderungen angenommen. Ebenso fordern die gestern erwähnten deutschen Vorschläge wegen der Ueberwachung der Ausführung der Handelsfreiheit und wegen Einführung des internationalen Postvertrags in das vertragsmäßig festgestellte Becken des Congo. — Heute ist die Kommijsion der Konferenz zur Berathung des englisch-italienischen Antrags wegen Einschränkung des Handels mit Spirituosen zusammengetreten. Wahrscheinlich hält die Konferenz morgen wieder eine Plenarsitzung ab, um diese Frage zu erledigen. Der Erledigung harren ferner noch der Neutralitätsantrag und der englische Antrag wegen Unterdrückung der Sklaverei.
* In Obersch'lesien sind jüngst wieder, der ,Voss. 3? zufolge, gerichtliche Entscheidungen gegen Konsum-Vereine ergangen, welche zur Umgehung der Vorschriften wegen Konzessionspflichtig- keit des Ausschanks von Branntwein gegründet waren. Es sind Strafen bis zu 600 M. gegen die Vorstandsmitglieder verhängt.
♦ Braunschweig, 19. Dezbr. Es steht jetzt fest, daß der Uebergang der braunschweigischen Rahnen an den preußischen Staat den.Landtag in Berlin in der nächsten Session beschäftigen wird.
* München, 19. Dez. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Eisenbahnunfälle beabsichtigt die Generaldirektion der bayer. Verkehrsanstalten auf allen größeren Stationen das Centralweichensystem einzuführen.
Q) Das Reichsgericht zu Leipzig hat die gegen das Urtheil in der Ehescheidungssache des Großherzogs von Heffen und der Gräfin Hutten-CzapSka von der Letzteren eingelegte Revision verworfen. — In dem gegen die Anarchisten Reinsdorff und Genoffen wegen des Dynamitattentats bei der Enthüllungsfeier des Nationaldenkmals auf dem Niederwald vor dem Reichsgericht zu Leipzig verhandelten Prozeß hat die Reichsanwaltschaft folgende Strafanträge gestellt: gegen Reinsdorff auf Todesstrafe und 15 Jahre Zuchthaus, gegen Bachmann auf 12 Jahre Zuchthaus, gegen Rupsch und Küchler auf Todesstrafe und 12 Jahre Zuchthaus, gegen Holzhauer auf 10 Jahre Zuchthaus, gegen Söhngen und Rheinbach auf je 5 Jahre Zuchthaus; bezüglich Töllner's ist Freisprechung beantragt.
Ausland.
/X Wien, 19. Dezbr. Der eben vor dem Reichsgerichte in Leipzig verhandelte Hochverraths- prozeß gegen den Anarchisten Reinsdorf und Genoffen wegen des Versuches, den deutschen Kaiser und die übrigen Fürstlichkeiten bei der Enthüllung des „Germania" denkmals am Nieder- wald durch Dynamit in die Luft zu sprengen, welch' schauerlicher Plan Gottlob noch im letzten Momente nicht zur Ausführung kam, enthüllt uns die gmv.e Verruchtheit der anarchistischen Richtung. Dieser Reinsdorf, ein Mensch ohne Glauben und voll finsterem Fanatismus, war ein Freund des in Wien Hingerichteten Mörders Stellmacher, mit welchem er in Bezug auf Charakter und Cynismus sgroße Ähnlichkeit besitzt. Wie Stellmacher ist auch Reinsdorf Anarchist^ durch und
» Die freie katholische Universität.
Lange Jahre sind verflossen, seit auf der 14. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands mit großer Begeisterung der Beschluß gefaßt wor- den ist, eine freie katholische Universität zu gründen. Man wollte nachahmen, was das kleine Belgien zu Stande gebracht hatte und wollte auch Deutschland den Segen und den Fortschritt sichern, den die freie katholische Universität in Löwen den Belgiern gebracht hat. In Belgien hatten im Februar des Jahres 1834 die belgischen Bischöfe den Beschluß gefaßt, in Benutzung der den Katholiken durch die belgischeVerfaffung gewährleisteten Un- t e r r i ch t s f r e i h e i t eine freie katholische Universität zu gründen und schon am 4. November desselben Jahres konnten sie dieselbe feierlich eröffnen. Sie war zu Stande gekommen durch freiwillige einmal oder jährlich zu entrichtenden Geldbeiträge und durch Zeichnung von Aktien von 1, 10, 100 u. s. w. Frs. mit DividendeN'Anweisungen auf den Himmel; wie sie zu Stande gekommen war, so erhielt sie sich auch durch freiwillige Beiträge, insbesondere aber d>krch4mL.Erttägniß zweierLjrchen-, sammlungen im Jahre, die bei der Opferwilligkeit der belgischen Katholiken immer reichlich ausfielen. Freilich konnte man auch in Belgien nicht sofort mit Großem beginnen, die Universität zählte Anfangs bei ihrer Eröffnung in Mecheln nur zwei Fakultäten mit 13 Lehrern und 86 Schülern, aber man hatte Hand an's Werk gelegt im Vertrauen auf Gott und auf die gute Sache und von dem Augenblicke an flössen die Hülssquellen immer reichlicher. Schon im nächsten Jahre konnte sie in die Räume der eben aufgehobenen Staatsuniversität in Löwen übersiedeln und sämmtliche Fakultäten orga- nisiren, da schon in diesem Jahre 261 Schüler sie besuchten. Bekannt ist, daß in späterer Zeit die katholische Universität in Löwen in mancher Beziehung allen anderen Universitäten den Rang abgelaufen hat.
In Deutschland ist es mit der Gründung einer freien katholischen Universität nicht so schnell gegangen. Wohl fühlten alle echte Katholiken sich begeistert, als die Kunde in's Land ging, daß die Stiftung einer katholischen wiffenschastlichen Pflanzschule beabsichtigt sei, aber diese Begeisterung wurde abgeschwächt durch die zweifelnde Sorge, wo in deutschen Landen unter der Herrschaft des bekann- ten Schulabsolutismus eine Stätte für eine solche Pflanzschule sich wohl finden werde. Vorerst suchte man durch Gründung eines Vereins, des St. Katharinen-Vereins, für den beabsichtigten Zweck Geldmittel zu sammeln und thatsächlich kamen trotz schwieriger Verhältniffe ansehnliche Summen ein. Der Krieg von 1870, bald darauf der Ausbruch des Kulturkampfes vernichteten jede Hoffnung auf eine gedeihliche Fortbeschaffung und leider auch für lange Zeit die Aussicht auf Gründung einer freien katholischen deutschen Hochschule.
Es ist der besondere Verdienst der konservativen Mehrheit des Salzburger Landtages, die Gründung einer freien katholischen Universität wieder auf die Tagesordnung gesetzt zu haben. Kaum hatte der Salzburger Landtag den Beschluß gefaßt, die Universitätsfrage in diesem Sinne selbst in die Hand
zu nehmen, da sprach auch schon der oberösterreichische Landtag seine volle Zustimmung hierzu aus, und kamen von allen Seiten Sympathie-Beweise. Ein Verein, der sich die Aufgabe macht, die Geld- mittel zu beschaffen, ist bereits begründet und wird zwischen Weihnachten und Neujahr seine konstitui- rende Hauptversammlung halten. Die Aussichten für Gelingen des Planes sind nicht ungünstig. Der hl. Vater hat sich über dieses Unternehmen hoch- erfreut erklärt und demselben seine volle Theilnahme und kräftigste Unterstützung verheißen. Seitens der staatlichen Gesetzgebung besteht kein Hinderniß. Eine theologische Fakultät mit dem Rechte, Doktordiplome zu verleihen, ist in Salzburg bereits vorhanden; ihr wird zunächst, sowie die Mittel aufgebracht sind, eine philosophisch-historische Fakultät sich anschließen. Auch die Stadt Salzburg selbst bezeigt großes Jn- tereffe an dem Zustandekommen der kathol. Universität, die ihr eine schöne, goldene Zukunft sichern wird. Endlich sind noch Gebäude und Fonds übrig von der alten kathol. Universität, welche die Salzburger Fürsterzbischöfe zur Ehre Gottes und Ver- theidigung des Glaubens gegründet haben. Seit der Säkularisation sind die'e Fonds im Betrage von 319,000 ft., sowie die alten Gebäude und die Bibliothek der alten Universität allerdings in Staatsverwaltung, aber vielleicht ist doch durch den Salzburger Landesausschuß die Möglichkeit gegeben, die begründeten Ansprüche darauf mit Erfolg durchzusetzen. Wie sehr auf allen Seiten die Begeisterung für den Universitätsgedanken sich Bahn bricht, beweisen unter Anderem die vielen Beträge, die zu diesem Zwecke auch in Deutschland fließen. Er- ^WälmunoSwerth ist..hiervon .dos.Anerbieten einer großen Verlagsbuchhandlung, je ein Exemplar von ihrem Verlage der neu zu gründenden Universitäts- Bibliothek zu widmen.
Unter diesen Umständen ist auch die Möglichkeit gegeben, daß der vom St. Katharinenoerein gesammelte Fond zur Gründung einer freien kathol. Universität dem Salzburger Konnte zur Verfügung gestellt wird.
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Dezember.
• Der Lärm um die nicht bewilligten 20,000 Mark dauert fort. Die nationalliberale Presse ist sogar schon auf den Gedanken verfallen, die Wähler zu feierlichem „Zeugniß" zu Gunsten der Bis- marck'schen Direktorstelle aufzurufen, was die,Nordd. Allgem. Ztg.' freundlich abdruckt, indem sie zugleich einzelne Kondolenz- und Vertrauens-Telegramme, die dem Reichskanzler zugegangen sind, wiedergiebt. Der Telegramme sind bis jetzt drei, je eines aus Bielefeld, Schorndorf und Mannheim; andere werden folgen. Soll wirklich eine Volks- demon stration in Scene gesetzt werden, so wäre es jedenfalls großartiger, wenn die „Reichsfreunde" die 20,000 Mk. auf ihre eigene Tasche nähmen. Bemerkt zu werden verdient, daß mehr als einem deutsch-freisinnigen Organ ob des gewaltigen Geschreies der Ossiziösen und der Nationalliberalen recht unbehaglich zu Muthe geworden ist, so daß „man" bereits beute die Bewilligung der neuen Direktorstelle im auswärtigen Amte in dritter Lesung durch Abschwenkung von mindestens einem Theil der Deutsch-Freisinnigen für ge- sichert betrachtet. Natürlich überbietet die .Köln. Zeitung' an Liebedienerei wieder alle anderen Blätter. Sie nennt die 20,000 Mk. eine „Prämie auf die Aufreibung des Reichskanzlers"! '
♦ Wie mehrere Blätter melden, hat Hr. von Bennigsen jüngst in tiefstem Jncognilo zwei Tage hier sich aufgehalten. - • Wie man nachträglich berichtet, soll die Anwesenheit v. Bennigsen's
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