Dienstag, dm 16. Dezember
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(Nachdr. »erb.) i
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Deutsches Reich.
Berlin, 15. Dezember.
* Die ,Nordd. Allg. Ztg.' bezeichnet die Gerüchte über angeblich bevorstehende Aenderungen in der Besetzung des preußischen Finanzminisier- PortefeuilleS als nach jeder Richtung irgendwelcher thatsächlichen Begründung entbehrend.
• In parlamentarischen Kreisen will man für die Dampfersubventions-Vorlage eine Majorität von ungefähr 70—80 Stimmen heraus- rechncn. — Nach einer der ,Polit.Corr.' aus Berlin zugehenden Mittheilung wird Fürst Bismark den bevorstehenden Berathungen des deutschen Reichstages über die kolonialpolitischeu Aktenstücke und die ersten Unkosten der deutschen Kolonialpolitik (170,000 M.) beiwohnen und seine Kolonialpolitik persönlich vertreten.
* Durch die am Samstag im .Reichsanzeiger' erfolgte Publicirung des R-ichstagsbeschluffes betreffend den Antrag Ackermann ist derselbe nun- . mehr Gesetz geworden. Die Bekanntmachung lautet:
Wir Wilhelm rc. verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesiaths und des Reichstags, wie folgt: Der § lOOe des Gesetzes, betreffend die Abänderung der Gewerbe Ordnung vom 18. Juli 1881, wird dahin ergänzt, daß nach dem weiten Absätze von Nr. 2 eingeschaltet wird:
3) daß Arbeitgeber der unter^Nr. 1 bezeichneten Art von einem bestimmten Zeitpunkte an Lehrlinge nicht mehr anneh men dürfen.
* Die Thatsache. daß der Bischof von Trier in Rom in der Kirche dell' Anima in französi- fcher Sprache gepredigt hat, wurde von liberalen Blättern als „Verletzung des deutschen Nationalgefühl" erachtet, was bei einem großen Theil der Presse stürmische Heiterkeit hervorrief. An den kirchlichen Festlichkeiten in jener Kirche beiheiligten sich nämlich auch viele Italiener der höheren Klassen, welche durchgängig zwar der französischen Sprache, aber nicht der deutschen Sprache mächtig sind; mit Rücksicht auf diese hatten die Veranstalter der Feierlichkeit, mir welcher eine Kollekte für die Bedürfniffe des apostolischen Stuhles verbunden war, ausdrücklich gewünscht, daß der hochw. Herr in französischer Sprache predigen möge. In Rom fällt es keinem Menschen ein, zu behaupten, daß in einem katholischeii Gotteshause nur in einer bestimmten Sprache gepredigt werden dürfe; Schreiber dieser Zeilen har in der italienischen Kirche al
oder
Auf dunklen Wegen.
Roman von E. Wagner.
„Wir würden von Renard 'verfolgt werden. Es ist zu spät; an eine Umkehr ist nicht zu denken, — für mich nicht!"
„Kannst Du hier bleiben, um Deine Mutter mit Lord Montheron verheiralhet zu sehen?" fragte Mr. Strange mit tonloser Stimme.
„Nein, mein Vater, ich werde vorher von hier forlgrhen. Ich habe oft gedacht, wie sie Dich geliebt haben muß. Lieber Vater, laß' mich sie in unser Geheimmß einweihen!"
„Bist Du von Sinnen, Alexa? Ihr zu sagen, daß ich lebe, wenn es ein Glück für sie ist, daß sie mich tovt glaubt? Sie liebte mich einst, aber nun hat sie mich in ihrer Erinnerung begraben und einen Andern lieben gelernt. Sie wiffen lösten, daß ich lebe, wurde für sie ein Zurückrufen der ganzen traurigen Vergangenheit sein. Nein, nein, Alexa, ffe darf nicht wiffen, daß ich lebe, bevor mein Name vor allen Menschen gereinigt werden kann."
„Aber wenn sie cs wüßte, würde sie Lord
Die , Fulda« Zeitung' «scheint täglich, ©onU'inib mii Blumen' in 75 Pfg.8
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verfahren ist. Der Tag der Zustellung einer^Ver- fügung, eines Bescheides oder Beschluffes, bezw. der letzte Tag der Offenlegung einer Steuerrolle wird bei Feststellung der Präklusivfrist, wie bisher, auch ferner nicht mitgerechnet werden.
»Breslau, 13. Dezbr. Bei einzelnen hie- sigen höhern städtischen Lehranstalten ist die Frequenz von Seiten jüdischer Schüler bezw. Schülerinnen so stark, daß sic fast derjenigen der christlichen Schüler gleichkommt. So zählt das Elisabeth-Gymnasium 358 evangelische, 28 katholische und 308 jüdische Schüler; ferner tue stad- tische höhere Töchterschule an der Taschenstraße 212 evangelische, 29 katholische und 216 jüdische Schülerinnen, eine Zahl die vollständig genügen würde, um das Bestehen einer eigenen israelitischen höhern Töchterschule zu sichern.
* Leipzig, 15. Dez. Im Anarchistenprozeß Reinsdorff und Genossen haben die Reichsgerichts- verhandlungen heute ihren Anfang genommen. Näheres folgt. .
• Paderborn, 14. Dezbr. Der ,Wests. Merkur' meldet: Der Herr Graf v. Bocholtz- Niesen ist vom Altkatholicismus zurückgetreten und hat sich mit der römisch-katholischen Kirche versöhnt.
* Trier, 14. Dezbr. Laut Depesche aus Nom ist der Hochw. Herr Bischof 0r. Komm vorgestern Nachmittag um 2 Uhr 35 Min. von dort abgereist. ___________
Ausland.
» Linz a. D., 15. Dezbr. Gestern wurden in Urfahr durch einen höheren Wiener Polizeibeamten vier Anarchisten verhaftet, die vorgefundenen Bestandtheile einer Buchdruckerpresse, sowie Projectile und Flugschriften wurden m Beschlag genommen.
• Die „Landkäufe" von den afrikanischen Eingeborenen sind fammt und sonders etwas seltsamer Natur. Die zur Abtretung verwendeten Mittel mögen verschiedene sein, aber daß die Häuptlinge und „Könige" keine Idee von dem Werthe des von ihnen verkauften Landes haben, ist unbestritten. Ein drastisches Beispiel eines solchen „Verkaufes" gibt die .Kreuzztg.' in Folgendem: „Authentische, aus Berber« kommende Nachrichten berichten über die Annexion dieses Platzes Folgendes: Zu Anfang Juni d. I. kam Man wird Dich vermissen. Ist das nicht das Geräusch eines Wagens?"
„Es wird die Montheron'sche Equipage sein, die zur Heimfahrt vorfährt," sagte Alexa. „Ja ich muß gehen. Was werden sie denken?"
„Wenn Jemand es wagt, Schlechtes zu denken, müffen wir es ertragen," versetzte Mr. Strange seufzend. „Es ist ein Theil jenes schrecklichen Fluches, dec so furchtbar auf mir ruht. Aber ich hatte gehofft, daß Dir die Schmach und der Kummer erspart bleiben möchten, die Dich ohne Dem Verschulden treffen."
„Und ich darf meiner Mutter das Gehermintz nicht mittheilen?"
„Nein, sage es Niemanden. Ich werde 4>ui) in Montheron wiedersehen und dann hören, w:e die Sachen stehen. Komm', mein Liebling, laff' uns eilen." .
Alexa nahm den Arm ihres Vaters, und >re schritten hastig dem Hause zu. Sie waren in der Nähe der Salonfenster und konnten den bereitstehenden Wagen sehen und eilige Schritte hören, als sie plötzlich auf zwei Personen stießen; cs waren Felice und — Pierre Renard.
Al.xa war vermißt worden. Lady Wolga hatte einer allgemeinen Unruhe vorgebeugt und einem
Gesu Bischof Mermillod und in der italienischen Kirche sopra Minerva P. Hyacinthe in französischer Sprache predigen gehört; in San Clemente sind Predigten in fast allen europäischen Sprachen gehalten worden, und in 8. Andrea della valle werden in jedem Jahre Predigten in sieben verschiedenen Sprachen gehalten. Umgekehrt werden in den Nationalkirchen auch Predigten in italtenr- scher und in französischer Sprache gehalten, ^weil die Bevölkerung Roms auch an den kirchlichen Feierlichkeiten in diesen Nationalkirchen Theil nimmt und nur Italienisch und Französisch, aber nicht Deutsch versteht. Es gehört die ganze Bornirtheit eines krankhaften National-Schwindels dazu, um wegen dieses höchst unschuldigen Vorganges auch nur einen Tropfen Tinte zu verschwenden.
(«) Die Budgetkommission des Reichstages setzte heute die Berathung des Extra- ordinariunis fort. Der Neubau eines Traindepots für das Gardekorps bei Berlin, letzte Rate 355 080 Mark, wurde bewilligt. Der Neubau eines Kafernements für die zweite Abtheilung des zweiten Garde-Feld-Artillerie-Regiments in Berlin, erste Rate 300 000 Mark, wurde abgelehnt. Der Neubau eines Kasernements für eine Eskadron des ersten Garde-Ulanen-Regiments in Potsdam, zweite Baurate 300000 Mark, wurde mit 18 gegen 12 Stimmen genehmigt. Abgelehnt wurden ferner Neubau und Ausstattung einer evangelischen Garnisonkirche in Spandau, erste Rate 10 000 Mark, 300000 Mark für den Neubau eines Generalkommandv-Dienstgebäudes für das fünfte Armeekorps in Posen, Neubau einer Kaserne für ein«. Eskadron in Düsseldorf, erste Rate 87 000 Mark, und für den Bau einer Garnison- waschaustalt in Münster die erste Baurathe van 30 000 Mark. Bewilligt wurden endlich für den Neubau einer evangelischen Garnisonkirche in Neisse die als erste Baurate geforderten 60000 M.
* Eine Anordnung deö Finanzministers über Fristen geht dahin, daß künftig nach der in § 200, Absatz 2, der Deutschen Civilprozeß-Ord- nung enthaltenen Bestimmung: „Fällt das Ende einer Frist auf einen Sonntag oder allgemeinen Feiertag, so endet die Frist mit Ablauf des näch- folgenden Werktages", auch hinsichtlich der in den Gesetzen über die direkten. Steuern vorgeschriebenen Fristen, insbesondere für Anbringung der Reklamationen, Remonstrationen, Rekurse u. s. w. zu Montheron nicht heirathen. Ich glaube nicht, daß sie ihn liebt, wie Dich: und ihre Hochzeit wird im nächsten Monat fein, wie Mrs. Jngestre fagt.
„Nächsten Monat!" wiederholte Mr. Strange in hohlem Tone. „Im nächsten Monat soll entweder wein Name von jedem Verdacht frei sein, — oder ich werde wieder in die Verbannung gehen," fügte er bitter hinzu. „Eins ist gewiß, Alexa. Die Schmach, daß Dein Vater wegen eines Verbrechens verurtheilt wurde, — welches er zwar nicht verübt hatte, — soll Dir erspart bleiben."
„Wirst Du nach London zurückgehen, Vater? fragte das Mädchen. „Ich mag Dich nicht fort« l affen." u
„Ich bin dort sicherer, als irgendwo m England.
„Lord Kingscourt sagte nur von einem geheime» Versteck in der alten Kapelle. Er sagte, kein lebendes Wesen kenne das Geheimniß, welches mit dem Tode RS ermordeten Marquis und Lord Stratford Heron's verloren gegangen sei. Könntest Du dort nicht eine Zuflucht finden im Falle der Roth?"
Mr. Strange zuckte zusammen.
„Vielleicht," antwortete er. „Ich hatte das geheime Cabinet vergassen. Aber es wirv spat.