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im Ein Kaiserwort über den Klerus.

Als ein theures Andenken an den edlen Fürst­bischof Franz Josef Rudigier darf der Klerus von Oberösterreich die letzte vor dem Tode des Ober­hirten herausgegebene Nummer des Linzer Diöze­sanblattes betrachten, in der der hochmürdigste Herr über eine Unterredung mit dem Monarchen Oester­reichs berichtet. Da das Aktenstück auch außer­halb Oesterreichs Interesse erregen dürfte: lasten wir es nachstehend folgen:

„Als ich am 19. August d. I. an der Spitze einer großen Zahl von Priestern, in welcher das hochwürdige Domkapitel, mehrere Abteien, aber auch der Pfarrklerus vertreten waren, Seine Majestät den Kaiser, Allerhöchstwelcher zur Besichtigung der Ausstellung nach Steyr gekommen war, im Schlosse des Herrn Grafen Lamberg alldort im Namen der Diözesangeist­lichkeit ehrfurchtsvoll begrüßte, antwortete Aller- höchderselbe: „Ich gratulire Ihnen zu Ihrem Klerus, der ebenso durch gute Disziplin als durch seine politische patriotische Hal­tung sich auszeichnet." Ich kann nicht unterlassen, dieses Kaiserwort im Diözesan­blatte niederzulegen; es ist eine reichliche Ent­schädigung für so manche große Schmach, die dem oberösterreichischen Klerus, besonders in der Zeit der Landtagswahl und seither, ange- than wurde. — Unsere Haltung in Sachen des Patriotismus und der Politik war eine ka­tholische, und diese belobte unser gelieb­ter Monarch. Unsere Freude darüber ist groß. Am Schluffe der Audienz sagte ich dem er­habenen Kaiser und Herrn, Allerhöchstderselbe könne unter allen Umständen auf den Klerus der Diözese Linz rechnen. Ich gebe mich dem festen Vertrauen hin, der Klerus werde dieses Wort zu aller Zeit einlösen. Dabei werden wir getragen sein von der Ueberzeugung, daß das Oberhaupt der österreichisch-ungarischen Monarchie, einer aus so vielen und so verschie­denen Ländern zusammengesetzten Monarchie einen starken Kaiser brauche; ein Monarch, der nur das Pünktlein auf dem i wäre, reicht zum Gedeihen, ja selbst zum Fortbestände eines solchen Ländergebietes offenbar nicht hin. Es lebe der Kaiser!

t Franz Joseph, Bischof von Linz/

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Auf dunklen Wegen.

Roman von C. Wagner.

„Alexa!" antwortete die Stimme ihres Vaters ebenso leise, ganz nahe bei ihr im Gebüsch.

Alexa schritt vorwärts; ihr Vater kam ihr ent­gegen, schloß sie in seine Arme und küßte sie.

„Komm' mit nach den Klippen," flüsterte sie. „Wir sind dort sicherer."

Ihr Vater zog ihren Arm in den seinigen, und sie eilten den Klippen zu, wo sie sich an einem geschützten Plätzchen niedersetzten. Hier' machte Alexa ihrem Vater Vorwürfe seiner Unvorsichtig, leit wegen.

„Aber ich habe mich unkenntlich gemacht," wendete Mr. Strange ein. „Ich weiß nicht, wie Du mich erkanntest, Alexa —"

„Ich wußte, daß Du es warst, obwohl ich Deine Züge nicht recht erkennen konnte. Es ist so dunkel, daß ich Deine Veränderung noch nicht bemerkt habe."

Sie betrachtete ihn forschend und sah, daß er verändert aussah; worin aber die Veränderung bestand konnte sie nicht herausfinden.

Um diesen ihren großen Bischof, deffen sterbliche Ueberreste in der stillen, mit Blumen geschmückten Gruft der Krypta des neuen Empfängnißdomes ruhen, trauert noch fortgesetzt die gesammte Diö­zese und mit ihr die katholische Welt. Dieser Dom, welcher nach seiner Anlage und Bauart dereinst zu den imposantesten Gotteshäusern der Monarchie gehören wird, ist ein sichtbares Denkmal des Schaf­fens des verblichenen Oberhirten und seine Voll­endung wird zur Pflicht der Diözesanen wie der Katholiken Oesterreichs. In der Förderung des Dombaues werden dieselben eine Ehren- und Dan­kesschuld gegen den Hochseligen abtragen. Möchte daselbst auch in seinen Hallen ein Denkmal von Erz oder Stein sich erheben, auf daß die Nachkom- men die Züge und Gestalt des Kirchenfürsten vor Augen haben und ihre Kinder und Kindeskinder vor das theure Bild führen können, um ihnen zu sagen: Das war Oberösterreichs größter Bischof und der unvergeßliche Vater der Diözese. Und in der That, er wird nicht vergeffen werden; denn sein Wirken ist mit ehernen Griffeln in die Ge­schichte des Landes eingeschrieben und seine Schöpfun- gen blühen fort; sie sind die köstlichsten Güter des Volkes geworden und werden von diesem als theure Vermächtnisse hochgehalten. — Wenn jetzt in ein­zelnen Zeitungen bereits die Frage eines Nach­folgers ventilirt und Weihbischof Haller als hierfür in Aussicht genommen bezeichnet wird, so dürste es zweckmäßiger sein, sich im Angesichte des frischen Grabes weiterer Erörterungen zu enthalten. Die Diözese hat das feste Vertrauen zur Krone, daß sie ihr einen würdigen Nachfolger im Geiste Rudigiers schenkt, und nach dem Ergebnisse der beiden letzten Bischofs-Ernennungen für Brixen und Laibach darf man in dieser Hinsicht vollkommen beruhigt sein.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Dezember.

* Der sozialdemokratische Stadtverordnete Ewald ist heute auf Grund des Sozialistengesetzes aus Berlin ausgewiesen worden. Ueber die Gründe ist amtlich noch nichts bekannt, doch wird man schwer­lich fehl gehen, wenn man die gestrige Versamm­lung der Sozialdemokraten in der „Norddeutschen Brauerei", welcher Herr Ewald präsidirte, als Veranlaffung der harten Maßregel annimmt. Die

„Ich habe meine Gesichtsfarbe gebräunt und mein Haar und meinen Bart schwarz gefärbt," erklärte Mr. Strange. „Du würdest mich am hellen Tage nicht erkennen, Alexa."

„Ich würde Deine Augen überall und zu jeder Zeit erkennen, ihr tiefes Blau kannst Du nicht ändern. Sie muffen sonderbar kontrastiren zu dem schwarzen Haar und der dunklen Gesichts­farbe, und der Widerspruch muß Verdacht, wenig­stens Aufmerksamkeit erregen —"

„Ich trage eine Brille, um sie zu verbergen," unterbrach sie ihr Vater hastig.

„Wie aber, wenn Dich Jemand am Fenster d-s Salons'gesehen hätte?"

„In der Aufregung vergaß ich mich und alles Andere. O, Alexa, wie schön sie ist! Vor acht­zehn Jahren war sie noch ein zartes, liebliches Mädchen — nun ist sie eine blendende Schönheit gleich einer stolzen Königin — und so weit von mir entfernt, wie dort am Himmel der Abendstern im fernen Westen."

„O, Vater! Lieber Vater!"

„Ich sah sie Roland Jngestre mit einem Lächeln anblicken, für welche» ich sterben möchte, wenn es mir gegolten hätte! Und er sah sie mit den glücklichen Augen eines Geliebten an. Mein

Versammlung war behufs Zusammenstellung jdes Wahlresultates seitens der SozialdemokratenMr den VI. Wahlkreis einberufen und als sie auf Grund des Sozialistengesetzes aufgelöst wurde, ent­stand eine solche Aufregung, daß die Polizei von der blanken Waffe Gebrauch machte, in Folge deffen sich ein heftiger Kampf entwickelte. Wie versichert wird, hat Herr Ewald sich nach Kräften bemüht, die Ruhe aufrecht zu erhalten und der Polizei einen Ausweg aus dem Saale zu verschaffen. Die folgenden Tage werden in diese sensationelle Aus« weisungs-Affaire eines Mitgliedes des hiesigen Stadt­verordnetenkollegiums hoffentlich mehr Licht bringen.

* Von dem der Reichspartei angehörigen Abg. Lohren ist beim Reichtag ein Antrag auf Verbot der Frauenarbeit an Sonn- und Festtagen sowie zur Nachtzeit eingebracht worden. Der An­trag stellt sich äußerlich als 'eine Abänderung der Gewerbe-Ordnung dar, indem er dem $. 136 der­selben, welcher von der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter handelt, folgenden Zusatz geben will: „Weibliche Personen dürfen in Fabriken weder an Sonn- und Festtagen, noch zur Nachtzeit zwischen 8V2 Uhr Abends und 5V2 Uhr Morgens be­schäftigt werden". Unterstützt ist der Antrag von 16 Mitgliedern der in Summa 24 Mitglieder zählenden Reichspartei.

• Dem ,Berl. Tgbl.' wird aus Leipzig, 11. d., geschrieben: „Wie man sich hier erzählt, sind Anarchisten in Leipzig eingetroffen; die Polizei soll aber gleichzeitig von deren Ankunft Meldung erhalten haben, und auf dieselben fahnden. Ihre Ankunft wird noch durch ein weiteres Gerücht wahrscheinlich gemacht, daß näm­lich einzelne am Hochverrathsprozesse betheiligte Reichsgerichtsräthe Brand- und Droh«Briefe erhalten hätten, wonach unter Umständen zu erwarten sein könnte, daß man, wie in Elberfeld, auf die hiesige Gefangeneu-Anstalt Dynamit- Attentate versuchen würde. Alle erdenklichen Vorsichtsmaßregeln sind in Folge dessen getroffen. Tag und Nacht findet die Bewachung der Zellen und Gesängniß-Corridore durch Doppelposten statt, und auch der Hof wird von Militair besetzt. Bis heute wurden alle Thüren nach dem Hofe Abends 8/47 Uhr geschloffen; von heute ab aber sind den ganzen Tag über die Thüren nicht ge­öffnet. Zur Ausstellung der Posten und Recog- noscirung des Terrains sind in den letzten Tagen

verlorenes Weib! Nie bis zu diesem Augenblick habe ich empfunden, was ich verloren habe!"

Er stand auf und starrte träumend hinaus über da» Meer. Seine Seelenqual war zu groß, sein Elend zu unermeßlich, als daß es in Worten hätte Ausdruck finden können. Ein schwerer Seufzer entrang sich seiner Brust, als er trostlos fort fuhr!

„Habe ich nicht genug gelitten? Weffen Ver­brechen ist es, welches mich in den Augen der Menschen erniedrigt und nstin Weib von mir trennt? Wer der wirkliche Mörder auch ist, möge der Fluch des Himmels und des Mannes, welcher die Strafe für sein Verbrechen empfangen hat, vernichtend auf ihm lasten! Möge — —"

Alexa hing in Angst und Verzweiflung an seinem Halse. Nie hatte sie ihn in solcher Stim­mung gesehen, nie in so wilder, leidenschaftlicher Erregung. Ihre Thränen und ihre abgebrochenen Bitten brachten ihn wieder zur Ruhe.

„Mein armes Kind," murmelte er, sie lieb­kosend. „Ich weiß, wie Du zu leiden haben mußt. Gott verzeihe mir, daß ich Deinen Schmerz noch vermehre."

Alexa zog ihn auf seinen Platz an ihrer Seite nieder.