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1884.

Sonnabend, den 13. Dezember

Wcihnnlhls-Anicigcr

BeilageMr Fuldaer Zeitung'

seinen Ehrenplatz einnehmen, möge es dort, wo die Sitte oder vielmehr die „Mode" es verdrängt hat wieder Aufnahme finden und sich auch in solchen Gegenden und in solchen Familien em- dürgern, die von jeher dem Tannenbaum allein eine Stelle gönnten und vielleicht gar statt des Christkindchens den sogenannten Weihnachtsmann der kindlichen Phantasie als Glück- und Gaben-

Di- nächste NummerH-ihnachts-Anzeiger' wird Sonnabend den 20. Dezember er- scheinen. Annoncen werden bis Freitag den (9- d. erbeten.

Jerusalem in orientalisch angehauchter Unv gebung. Hier und dort traf das Auge auch auf Leben und Bewegung in dem bunten Landschaftsbilde, denn. nicht nur eine Wmd- und Wassermühle, sondern auch verschiedene Auto­maten (ein Einsiedler, eine Bäuerin und em wandernder Bettler) begannen ab und zu ihre allerdings einförmigen Bewegungen zur hohen Freuve der schaulustigen Jugend, die sich aber nur in einem leisen ehrfurchtsvollen Flüstern zu erkennen gab. In den Glasfenstern der zerstreut liegenden Häuser strahlte der Lichtschein wieder, und das Plätschern des Wasserfalles und der Fontaine brachte in die fonst herrschende Feierstille eine dauernde angenehme Abwechselung. Inmitten der ganzen herzerquickenden Landschaft aber schwebte hoch "über der Krippe anfangs der Engel mit der Friedensbotschaft „Gloria in excelsis Deo“ und später der Stern, der den Weisen den Weg ge- zeigt zur Geburtsstätte des Welterlösers.

Diese Krippenlandschaft in dem heimathlrchen Kloster hat in der Jugendzeit auf mein Gemüth und meine Einbildungskraft einen ganz überwäl­tigenden Eindruck gemacht, ihr Aufbau und ihre Einrichtung begeisterte nicht nur mich, sondern auch viele meiner Altersgenossen zu Nachahmungs­versuchen am häuslichen Heerde, und manches Häuschen aus ^Lappe oder Holz, mit natürlichen Glasfenstern und entsprechender Bemalung, manche bewegliche Mühle, ja selbst primitive automatische Figuren aus flachen Brettchen entstanden nach langen Versuchen bei unermüdlicher Ausdauer, als wahre Zierden der häuslichen Krippe, unter dem Einflüsse der Krippenbetrachtung im Kloster.

Und was für das eigene Vergnügen und die eigene Weihnachtskrippe bei zunehmendem Alter nicht mehr passend sein mochte, das wurde später für jüngere Geschwister oder Verwandte und für die Kinderwelt befreundeter Familien geschaffen. Wochenlang vor dem Weihnachtsfeste füllten die Vorbereitungsarbeiten zur Krippe die Mußestunden aus, und es war ein alljährlich wiederkehrendes Hauptvergnügen, viele Wochen vor dem Feste im nahen Wäldchen schwellendes MooS zu sammeln, um eS in getrocknetem Zustande als landschaftlichen Unterboden zu verwenden, sowie vor der benach­barten Eisenhütte aus dem Schlackengerölle die schönsten Steine zu Felsenbildungen auszulesen und heimwärts zu schleppen. Doch genug von solchen Erlebnissen srüherer Tage, die vielleicht einen gewissen Einfluß auf die ganze spätere Ent- Wickelung der begeisterten Jugend gehabt haben mögen. Eine solche Begeisterung für den Ausbau und die möglichst prächtige Ausstattung von Krippenland, schäften kommt aber in katholischen Gegenden in der Knabenwelt keineswegs vereinzelt vor

Je nach dem Alter der Kinder und den Ver- hältnissen der Eltern trifft man die Weihnachts­krippen in den mannigfaltigsten Formen und Ge- ftaiten an, die Figuren oarirren von den ein­fachsten, schmucklosesten Holzfigürchen bis zu fuß- hohen bekleideten Wachspuppen von frappirender Lebenswahrheit, und namentlich in der landschaft­lichen Ausstattung zeigt sich die größte Abweichung, von modernen Spielwaaren - Häuschen und -Thierchen bis zur naturgetreuen Nachbildung orientalischer Landschaftsscenerien.

Aber alle diese Krippenlandschaften, mögen sie klein, einfach und bescheiden, oder mit aller wohl­habender Pracht und Mannigfaltigkeit ausgestattet sein, mögen sie eine einzige Scene.darftellen oder nach Weihnachten von Woche zu Woche dem Gange der ersten Lebensgeschichte Jesu folgen haben das Eine gemeinsam, daß sie in der Jugend eme

spender vorführen. L ,

Der sinnige Gebrauch, die Geburt des ^esu- kindes, die Anbetung der Hirten und hl. Drei- könige im Stalle, und überhaupt die ersten Scenen aus dem Leben Jesu mit verstellbaren Figuren und landschaftlichem Beiwerk darzustellcn, läßt sich in Deutschland bis in das Mittelalter verfolgen. Wir haben Kunde davon, daß schon gegen Ende des Mittelalters in zahlreichen Klöstern entweder das ganze Jahr hindurch oder nur zur Weihnachts­zeit solche Krippenlandschaften ausgestellt wurden. Diese Sitte war zwar von Rom nach Deutschland herübergekommen, sie fand aber, namentlich bei der großen Vorliebe des Volkes für christliche Schauspiele, für die sogenannten Mysterien, in deutschen Gegenden einen sehr empfänglichen Bodem So kam es, daß die Weihnachtskrippe allmählich auch in wohlhabenden Bürgerfamilien eine Statte fand, bis sie nach und nach in einzelnen Gegenden zu derjenigen Allgemeinheit bei Reich und Arm, Hoch und Niedrig gelangte, die ihr gottlob hier und dort noch heure getreulich bewahrt bleibt.

An der Weihnachtskrippe.

Von Dr. Armin Kausen.

^Nachdr. verboten.) „Der hl. Abend nahet wieder. Die theu're heil ge Weihnachtszeit: Die Sterne schauen verheißt nd nieder, Die enge Erde wird so weit."

' Die enge Erde ist so weit, und die Schranken, welche menschliche Rücksichten, welche Eigennutz, Ehrgeiz, der Unterschied der Stände, der Bildung wie des Alters und nickt selten auch trügerische Illusionen aufgerichtet haben, sie fallen vor dem unwiderstehlichen Zauber des schönsten, des ideal­sten aller Feste, des Weihnachtsfestes. Das Christ­kind umspannt mit seiner unermeßlichen Liebe, mit seinen versöhnenden, freudeverkündenden Händchen die ganze Welt und die Engel des Himmels singen auch heute noch für Jeden der ihre Sprache ver­steht, die hehre Botschaft: „Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind."

Diese Friedens- und Versöhnungsbotschaft der Christnacht, mit welcher das große Erlösungswerk des Heilandes und damit die ganze christliche Zett­periode begann, wird auch durch den unbeschieib- lichen Zauber der alljährlich wiederkehrenden Weih­nachtsfeier versinnbildet. Selbst von den Tau- senden welche unter dem leuchtenden Tannenbaum und im Kreise fröhlicher Menschen den christlichen Ursprung und Grundgedanken dieser Feier, die Krippe zu Bethlebem und den menschgewordenen Gott vergessen, stehen die Meisten ganz unbewußt unter dem Eindruck der großen Friedensbotschaft von Bethlehem.

Leider ist die Weihnachtsfeier der modernen Welt nur zu oft geeignet, den Blick abzulenken von der Krippe und von dem lieblichen Jesuskinde, dem wir alles Glück und alle Freude verdanken. Bei den Einen sind es verschwommene neuheidnische

Humanitäts".Gefühle, bei den Anderen ist es die menschliche Eitelkeit, die Freude an glänzendem Tand, am Schenken und Beschenktwerden, vielleicht auch angeborenen Herzensgute und Freigebigkeit, die allein dem Weihnachtsabend und der Beschee- rung ihren glücklichen Lichtschein verleihen. Selbst die schöne Sitte, den Weihnachtsbaum mit einem goldenen Stern oder einem Friedensengel zu krönen, bringt die eigentliche Bedeutung des Tag.S Vielen nur ganz unbestimmt zum Bewußtsein. Die mensch­liche Unvollkommenheit bedarf aber so sehr der äußeren Zeichen zur Vermittlung und Erhöh- ung geistiger Stimmungen. Darum ist der sinn­reiche Gebrauch, unter dem Tannenbaum die Ge­burt Christi und die Anbetung der Hirten im Stalle darzustellen, für die Weihnachtsfeier der Kinderwelt nicht genug zu loben. Nur wer Ge­legenheit gehabt hat, in den verschiedensten Gegen­den, wo die deutsche Zunge klingt, einem Weih­nachtsabend anzuwohnen und die erhaltenen Ein­drücke zu vergleichen, wird den Werth einer, wenn auch noch so schlichten, „ Weihnachtskrippe" für die religiöse Weihe des kindlichen Gemüthes ganz zu schätzen wissen. Denn selbst die leider nur zu oft fehlende Belehrung der Erwachsenen findet in einer figürlichen Darstellung des eigentlichen Ur- sprungs des ganzen Weihnachtszaubers eine Er­gänzung und eine Stütze, welche bei der besonderen Vorliebe der Jugend für alles figürlich Greifbare und Sichtbare den nachhaltigsten Eindruck macht.

Darum möge neben dem ewiggrünen, lichtum- flosienen nnd von glänzendem Tand und Flitter­werk bekränzten Tannenbaum, neben den herzer­freuenden Christbescheerungen auch die Weihnachts­krippe, das namentlich dem Kindesgemüth so sehr zusagende „Krippchen" am Weihnachtsabend

landschaften. —

Als ich noch ein Knabe war, tneb es mich m der Weihnachtszeit täglich, ja oft mehrmals des Tages allein oder mit Geschwistern und Alters­genossen in das nahe Lazaristen-Kloster an die Krippe welche dem bescheidenen Kindesgemüth ganz unerreichbar schön, prächtig und großartig erschien. Eine weihevolle Stille herrschte in dem halb­dunklen Raume, dessen Hintergrund die für dre räumlichen Begriffe eines Kindes ungemein aus- gedehnte Krippenlandschaft bildete. An Sonntagen oder an schulfreien Nachmittagen standen die Kin­der schaarenweise in Anschauung und Bewunderung versunken vor dieser so natürlich und doch so ro­mantisch ausgestatteten Herrlichkeit. Im Vorder­gründe mit besonders effektvoller Beleuchtung der offene Stall mit der hl. Familie, davor die Hirten an der Spitze ihrer Heerden, deren weiße Schaf­lein über die grüne moosbedeckte Fläche vor der Krippe vertheilt waren, - oder aber später die hl Dreikönige mit ihr:r Dienerschaft mit den ge­zäumten Pferden und den mit Sckätzen beladenen Kameelen, und das alles dargestellt mit einer Na­türlichkeit der Körper und einer Pracht der Ge- wänder und Ausstattung, daß auch Erwachsene ihr Staunen nicht unterdrücken konnten. Hinter der

Krippe" breitete sich eine stufenweise ansteigende Landschaft aus, in welcher Meiereien und Baum- qruppen, Andeutungen eines nahegelegenen Stadt- chens (Bethlehem), verschiedene Mühlen, eine Ein­siedelei, ein Wasserfall nebst Springbrunnen und selbst Felsabhänge nebst Höhlen mit wilden Thieren ganz dicht bei einander lagen, ohne daß die kind­liche Phantasie daran Anstoß genommen hätte. Die Seitenwände waren mit Tannengrün dra- pirt und an der Rückwand zeigte ein gemalter Hintergrund die Thürme und Mauern von

Leider sind die Klosterkrippen mit den Klöstern l aus vielen deutschen Gegenden verschwunden, jedoch | hat die religiöse Toleranz auch auf deutschem Bo­den und in deutschredenden Ländern noch manches Prachtstück einer Klosterkrippe erhalten. Diese Klosterkrippen waren von jeher die Vorbilder für die in bürgerlichen Häusern aufgebauten Krippen-