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JK 288. Sonnabend, den 13. Dezember 1884.

Fuldaer 831 Jeitung.

Di- Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und F.'-rtage au,ger.°mmen. V^teIjährticherAb°nn^E°preis°hneB^ 1 Mk. 50 Pf?., - mit der

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Erstes Blatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Dezember.

(*) Dir Kaiserin empfing gestern Abend das Präsidium des Reichstags. — Der König und die Königin von Sachsen sind heute Abend hier^ein­getroffen und vom Kaiser, vom Kronprinzen^und dem Prinzen Wilhelm begrüßt worden.

* Der zweite Theil des Blaubuches erscheint heute. Er enthält zwei Theile. Der erste begreift die Korrespondenzen betreffs der Niederlaffung der Rheinischen Missionsgesellschaft im Herrero-Land (vier Aktenstücke aus 1880/81). Der zweite be­trifft Angra Pequenna selbst (54 Aktenstücke aus 1882 bis Oktober 1884).

* Der General-Auditeur der Armee, Oe hl- schläger, ist zum Präsidenten des Kammerge­richts ernannt worden.

• Der Afrikaforscher Dr. Eduard Rüppel ist im Alter von 90 Jahren in seiner Vaterstadt Frankfurt a. M. gestorben.

(*) Die ,Hamb. Nachr.' erhalten aus Klein- Popo u. a. folgende Mittheilungen: Hinter Lama und Bagidah ist die Lagune für den Verkehr nicht zu benutzen, bei Porto Saguro geht ein Arm der­selben weit in's Land, Wald wechselt ab mit Sa­vannen und ist zur Anlage von Plantagen sowie zur Viehzucht vorzüglich geeignet. Etwa 10—15 Tagereisen von der Brach sind große Märkte, die mit dem Jnnekn Afrika's in Verbindung stehen; die größten, wie z. B. Salaga, werden von 6000 bis 10000 Menschen täglich besucht. Haupt­artikel auf diesen Märkten sind Pferde, Rindvieh, ferner Gold, Elfenbein und Rohseide. Die Einwohner sind dort Muhamedaner. Wenn in späterer Zeit durch günstige Verkehrsmittel mit diesen Plätzen Verbindungen angeknüpft werden, so muß sich ein großer Handel entwickeln. Ver­einzelt sind bereits Leute von Salaga nach Lama gekommen. Die Agatimeleute, 4 Tagereisen von Lama entfernt, -haben sich seit kurzem ihren Weg nach 'Lama gebahnt. Die Bewohner des Landes sind ffanz und gar nicht kriegerisch und würden es nie wagen, sich gegen Weiße aufzulehnen. Das Klima, felbst an der Küste, ist für Europäer für westafrikanische Verhältniffe ziemlich gesund. Epi­demische Krankheiten sind unbekannt. Unter dem

81) xjleia

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von 6. Wagner.

. Da fand sich auf dem Boden, so gut wie möglich versteckt, eine hübsche und sehr kostbare Brosche, welche sie am Tage vorher Mrs. Jngestre hatte tragen sehen.

Ihr Schreck über diesen Fund war unbeschreib­lich. Sie zweifelte keinen Augenblick daran, daß Pierre Renard die Brosche gestohlen und in dem Kästchen versteckt hatte, um sie in den Verdacht des Diebstahls, vielleicht gar um sie in's Ge- fängniß zu bringen.

Kalter Schweiß trat auf ihre Stirn und eine tiefe Verzagtheit kam einen Augenblick über sie. Wie konnte sie hoffen, ihr Werk erfolgreich zu Ende zu führen, da sie bei jedem Schritt von ihren Feinden, die sie sich ohne ihr Verschulden zugezogen, beobachtet und verfolgt wurde, denen kein Mittel zu gering war, um sie zu verdächtigen und zu verdrängen und die selbst gewissenlos genug waren, sie zur Verbrecherin stempeln zu wollen. , .

Sie durste sich nicht über den Diener bei

Schutze des deutschen Reiches wird der Handel in's Innere sich von diesen Plätzen aus mit der Zeit zu einem blühenden entwickeln. Bemerken will ich noch, daß Aschanti und Dahomey im Innern nicht zusammenstoßen, wie auf den meisten Karten verzeichnet ist, das Land zwischen diesen beiden Staaten, das Hinterland also des Pro- tectorates, ist freies Gebiet.

• Braunschweig, 12. Dezbr. Die Landes­synode wurde heute vertagt. — Der am 27. Ok­tober vertagte außerordentliche Landtag wurde behufs Schließung auf den 17. d. M., und der ordentliche Landtag auf den 18. d. M. vom Regentichaftsrathe einberufen.

♦ München, 11. Dez. Durch den Ausfall der Gemeinderathswahlen hat die katholische Partei die Dreiviertel-Majorität erhalten. Das Kollegium zählt 60 Mann. 37 katholische Stimmen sind geblieben und 9 kamen neu hinzu, somit haben die Katholken 46, die Liberalen 14 Stimmen. ,

• Leipzig, 12. Dezbr. Unter dem Vorsitze des Senatspräsidenten Henrici fand heute vor dem Reichsgericht die Verhandlung in der Ehe­streitigkeit des Großherzogs von Heffey statt. Der Großherzog war durch die Rechtsanwälte Patzki- Leipzig und Justizrath Lotheisen-Darmstadt vor- treten, Frau v. Kolemine durch die Rechtsanwälte Lewald-Leipzig und Köhler - Mannheim. Die Oeffentlichkeit wurde ausgeschloffen. Der Ober­reichsanwalt beantragte den Ausspruch der In- competenz- des Reichsgerichts. Dieses erklärte sich durch besonder» Beschluß für zuständig. Darauf wurde die Sache verhandelt. Die Urtheilsver- kündigung wurde auf 8 Tage ausgesetzt.

Ausland.

• • Wien, 12. Dezbr. Der Schwerpunkt der Reichsrathsthätigkeit liegt z. Z. in den Ausschüffen, wo die neuen und wichtigeren Vorlagen eben der Berathung unterstellt sind. So beschäftigt sich der Gewerbeausschuß mit der Regierungsvorlage betreffs der Arbeiter-Unfallversicherung. Der Entwurf dieses Gesetzes ist nach überein- stimmendem Urtheil aller Fachleute sehr glücklich gerathen und wird als ein Fortschritt gegenüber der deutschen Gesetzgebung bezeichnet. Die An­nahme der Vorlage ist zweifellos. Der Regie­rungsvertreter kündigt im Ausschuffe die Vorlage eines neuen Krankenkassengesetzes an. —

seinem Herrn beklagen, sie durfte sich auch nicht Mrs. Jngestre verrathen; denn wie hätte sie die Feindschaft des Dieners erklären wollen, ohne sich selbst zu verrathen? Sie mußte selbst die Brosche wieder in das Zimmer ihrer Beschützerin bringen. Sie steckte sie in die Tasche und machte sich auf den Weg nach dem Gemach der alten Dame, wo sie sich nach deren Befinden erkundigte. Sie fand Gelegenheit, die Brosche in ein offenes Schmuck­kästchen fallen zu lasien, aus welchem Renard sie ohne Zweifel genommen hatte. Dann kehrte sie, erleichtert aufathmend, zurück.

In der Halle begegnete sie ihrem Feinde, der auf dem Wege zu dem Zimmer seines Herrn war. Es blitzte eine unverkennbare Schadenfreude aus seinen Augen. Ihr Besuch in Mrs. Jngestre's Zimmer kam seinen Anschlägen jedenfalls gelegen. Er gMSte mit unterthäniger Höflichkeit und ging an ihr vorüber.

„Was wird er unternehmen, wenn er findet, das fein Vorhaben vereitelt ist?" dachte Alexa, als sie ihrem Zimmer zuschritt.

37. Kapitel. Erkannt.

Ungeduldig wartete Pierre Renard am anbent Tage auf die Nachricht von dem Verschwinden

Der besondere Ausschuß hat die Verlängerung der im Vorjahre gegen die Anarchisten geschaffenen Ausnahmegesetze genehmigt. In den Couloirs circulirten Gerüchte von der Vorlage eines eige­nen Socialistengesetzes durch die Regierung, doch ist hierüber nichts Bestimmtes bekannt. — Der Eisenbahnausschuß genehmigte die Vorlage wegen Uebernahme der Arlberg bahn in das Staatseigenthum. — Von neuen Anträgen liegen dem Hause vor: ein sehr dankenswerther Antrag des conservativen Abgeordneten Lienbacher betreffs strenger Bestrafung der L e d e n s m i t t e l« fälschung, ferner neue Anträge Schöffel's in Sachen des Vagabundenwesens, der u. a. auch die körperliche Züchtigung bei unverbesserlichen Stromern augewendet wiffen will. — Die Regie­rung will ein Gesetz wegen Ueberwachung der Anfertigung und des Verkaufs von Explosions­stoffen im ReichSrathe einbringen. — Eine Ver­längerung der Ausnahmegesetze gegen die Anar­chisten wird sicher erfolgen. — Der liberale Abg. Dr. Portugal hat im Abgeordnetenhause den höchst überflüssigen Antrag auf Einführung der Leichenverbrennung eingebracht.

* Rom, 10. Dez. Die Nachricht der ,Temps', daß Kardinal Laurenzi demnächst an die Stelle des Staatssekretärs Jacobini trete, entbehrt der Begründung. Es entspräche dies vielleicht den Wünschen einiger Diplomaten, z. B. der Name v. Schlöxr, welcher für den liebenswürdigen Kar­dinal sehr eingenommen ist, und am Ende san­guinische Hoffnungen auf diese hohe Persönlichkeit setzt — allein vor der Hand ist keine Rede davon. — Der ,Osservatore Romano' erklärt die Meldung des ,Dirilto', der Vatikan hätte China ermächtigt, daß die verfolgten italienischen Missionäre sich an die Vertreter Italiens wendeten, für unbegründet.

• Paris, 11. Dez. Der frühere Botschafter in Petersburg, General Fleury, ist gestorben. — Eine Depesche Miots aus Tamatave vom 6. d. M. meldet die Besetzung Vohemars, sowie der Forts von Embanion und zeigt zahlreiche Unterwerfungen an. Die Franzosen hatten weder Tobte noch Ver­wundete. Der Gesundheitszustand ist ein be- friedigender.

• London, 12. Dez. Der .Times' wird aus Hongkong gemeldet, daß Stiere de l'Jsle drohe, das Kommando niederzulegen, falls er nicht Ver­stärkungen erhalte.

der Brosche der Mrs. Jngestre. Ungewöhnlich erregt schritt er im Hause umher, horchte überall, wo zwei Dienstboten zusammenstanden und plau­derten. Aber Niemand wußte, daß etwas Außer­gewöhnliches vorgefallen sei. Erst am Abend sah er Mrs. Jngestre, und er machte ein sehr er­stauntes Gesicht, als er die fragliche Brosche auf der Brust der alten Dame bemerkte.

Alexa war während der letzten Tage sehr auf ihrer Hut; sie untersuchte jeden Abend ihre Sachen, sand aber nichts, was nicht ihr gehörte.

Mrs. Jngestre wurde Alexa immer mehr zu- gethan und dachte mit Bangen daran, daß das Mädchen nun bald zu Lady Wolga zurückkehren sollte. Alexa war eine so angenehme Gesell- schafterin, so sanft, so natürlich und aufrichtig theilnehmend in ihren Leiden, daß Mrs. Jngestre beschloß sie für immer zu engagiren, wenn es irgend möglich sein würde.

„Die Vorsehung hat mir ein Kind versagt," dachte sie; „aber diese« Mädchen kann mir eine Tochter sein. Ich will sie nicht wieder Lady Wolga lassen, wenn ich es verhindern kann."

Lady Wolga schrieb nicht an Alexa und ver­langte ihre Rückkehr nicht. Lord KingScourt hatte die Lady wieder besucht; er hatte sie von seiner