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* Preußen und der hl. Stuhl.

Der Moniteur de Rome' veröffentlichte dieser Tage folgenden Artikel:

In heftigen Reden und offiziösen Artikeln hat man in Deutschland neuerdings versucht, gegen die Katholiken in Preußen und gegen den hl. Stuhl einen wahren Tenbcnzprozeß anzustrengen. Indem man schmerzliche Erinnerungen wachrief und lächer- liche Vorurtheile vorbrachte, hat man dem hl. Stuhl und der Kirche vorgeworfen, nach der absoluten Herrschaft über den Staat zu streben, die In« tereffen der Seelen politischen Plänen unterzuordnen und Bestrebungen, welche man nicht eingesteht.

Diese Angriffe haben nicht mehr die Wirkung, die Katholiken zu verwirren. Die katholische Presse Deutschlands hat ein korrektes und stolzes Schweigen beobachtet. Wir würden es ebenfalls vorgezogen haben, dieses Beispiel nachzuahmen, allein, da man den Zweck verfolgt, die Kirche vor Europa in's Unrecht zu setzen, indem man ihr Hintergedanken unterschiebt, die sie nicht hat, und da man im Auslande über die wahre Lage der religiösen Frage in Preußen nicht genügend unterrichtet ist, so haben wir die Pflicht, jedes Mchverständniß zu zerstreuen und diesen wichtigen Gegenstand klar zu stellen.

Zu diesem Zweck genügt es, daß wir genau die beklagenswcrthe Lage erkennen lassen, in der die Kirche Preußens sich abquält. Wir wollen weder herausfo: dern, noch verletzen. Wenn wir das traurige Bild, welches die Kirche in Vreußen dar­bietet, unfern Lesern vorführen, wird man sehen, daß, wenn (ie Kirche Garantien verlangt, nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht ihr zur Seite steht. Schweigen oder nachgeben, das wäre eine Kapitulation, der Tod.

Ganz Europa hat bekanntlich die Maigesetze verurthcilt, die in kurzer Frist den Ruin der Kirche herbeigeführt haben würden, wenn sie angenommen und ausgeführt worden wären.

Diese Gesetze sind bisher bestehen geblieben: kein einziges hat man aufgehoben. Trotz der drei im­posanten Beschlüße des Reichstags hält die Re­gierung selbst das Ausweisungsgesetz aufrecht, diese besonders gehässige und drakonische Maßregel.

Außer Posen und Köln haben alle Bischofsstühle Hirten erhalten. Das sind jedoch Bischöfe in vinculis (in Fesseln) nach dem Aussvruche Windthorst's. Die diskretionären Gewalten schweben über ihnen

wie ein Damoklesschwert. Sie haben keine Semi- narien, keine bischöfliche Jurisdiktion. Die Aus­übung ihrer unveräußerlichsten Rechte hängt von dem guten Willen der Regierung ab. Tag für Tag können die Gefftlichen und Laien an den kirchlichen Gerichtshof appelliren gegen die Entscheidungen und Akte des Bischofs. Heute frei, werden sie morgen vielleicht verbannt sein. Das sind nicht Bischöfe, sondern Missionäre, welche allen lieber« raschungen und allen Verfolgungen ausgesetzt sind.

Die Erziehungshäuser sind geschlossen. Semi- narien sind nicht da, eine regelmäßige Ergänzung der Geistlichkeit findet nicht statt. Die Priesteramts­kandidaten sehen sich genöthigt, in andere Provinzen zu gehen, um sich aus ihr Amt vorzubereiten. Die Kirche hat kein Anrecht mehr an die Vorbildung und Erziehung des Klerus.

Und was sollen wir nun erst sagen von den Einrichtungen der Kirche, von jenen Anstalten, die ihre Kraft und ihren Ruhm ausmachen? Wie, wenn wir einen Blick werfen wollten auf alle zer­störten Klöster, die geschlossenen dem Wohlthun geweihten Häuser und die vertriebenen religiösen Orden?

Darf man angesichts dieses beklagenswerthen Anblickes sich wundern darüber, daß die Kirche Ga- rantieen für ihre Zukunft verlangt? Wer da meint, sie könne ein so prekäres und nicht ehrenvolles Leben hinnehmen, verlangt von ihr einen Selbst­mord, und wenn man chr schließlich vorwirft, sie strebe nicht nach der Freiheit, sondern nach der Herrschaft, so ist das eine schreiende und nicht zu rechtfertigende Ironie. w

Dßtttsches Reich.

Berlin, 11. Dezember.

♦ Der Bundesrath hat den Gesetzentwurf über die Ausdehnung der Unfall, und Krankenversiche­rung in zweiter Lesung, den Bericht der Ausschüffe für Eisenbahnen, Post-, Telegraphenwesen, Justiz und Rechnungswesen über den Entwurf des Post­sparkaffengesetzes in erster Lesung angenommen.

♦ Wie der ,B. 6.' wissen will, gebe man in parlamentarischen Kreisen bereits der Vermuthung Raum, daß auch im preußischen Haushalt sich Defizits einstellen würden, für deren Deckung eS an den nöthigen Mitteln fehle. Der dem Ab­geordnetenhause demnächst zugehende Etat wird

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Auf dunklen Wegen.

Montan von E. Wagner.

Graf Kingscourt kannte die feindselige Gesin­nung der Lady Markham und eine bange Vor­ahnung stieg in ihm auf, daß der Geliebten eine Gefahr drohte, welche abgewendet werden mußte, wollte er nicht ihr und sein Lebensglück zerstölt sehen.

Lady Markham erschien und erzählte ihre Ge­schichte mit einer Ausführlichkeit, daß fein Zweifel an der Wahrheit ihrer Aussagen aufkommen konnte.

Lord Kingscourt war erstaunt und betroffen, aber sein Vertrauen zu Alexa wankte nicht.

„Können Sie mir die Persönlichkeit des Mannes beschreiben, Lady Markham?" fragte er rasch.

„Ich habe ihn nicht genau sehen können, da es dunkel war, aber ich sah, daß er groß war und einen Vollbart trug," entgegnete die Gefragte; „und es schien mir, als ser er jung und hübsch."

„Das ist eine sonderbare Geschichte," sagte der Graf, nachdem die Sache hin und her besprochen war; „aber ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, Lady Wolga, daß Miß Strange nicht im Stande ist, etwas Unrechtes zu thun. Ich glaube nicht,

daß ein Mann ihre Lipxen küßte. Rur ihr eigenes Geständniß würde mich überzeugen. Ich kenne sie so gut, daß ich selbst dem Zeugniß eines Engels gegen sie nicht glauben würde."

Ein inniges Lächeln erheiterte Lady Wolga's Züge. Sie reichte ihre Hand dem Grafen, welcher sie ergriff und warm drückte.

„Doch nach dein halben Geständniß, welches Alexa vor mir machte, ist es nothwendig, daß sie ihr Geständniß vervollständigt," sagte Lady Wolga nach kurzem Schweigen. „Ich muß wissen. wer dieser Mann war und weshalb er nicht in's Haus kam, um nach ihr zu fragen. Es ist Ihre Pflicht, Lord Kingscourt, nut ihr in dieser Angelegenheit zu sprechen. Sie ist unerfahren in der Welt, sie reiste allein von Griechenland nach Paris. Viel­leicht hat sie auf die Reise den Mann kennen ge­lernt, der ihr dann gefolgt ist, sie hier ausgesucht hat und sie nun bedrängt. Vielleicht ist's ein Verwandter von ihr. Genug, es ist klar, daß Miß Strange des Rathes eines Freundes bedarf, und ich würde ihr gern helfen, wenn sie sich mir nur offenbaren wollte."

„Ihre Befürchtung, daß jener Mann Alexa zufällig auf der Reife kennen lernte, ist nicht un- wahrscheinlich, Lady Wolga," sprach der Graf be­

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Freitag, den 12. Dezember

»e ,W><ex SeiW «scheint "glich, Sonn- und Fe-er-ag- au^ommen. ‘ *

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zeigen, 'ob diese Vermuthungen traurige Wahr­heit sind.

(*)Die Kommission für Abänderung des Kran- kenkafsengef etzes hat heute den Antrag Struck- mann angenommen, wonach Mitglieder solcher be­stehender Hilsskaffen, welche am 1. Dez. 1884 den im Krankenversicherungsgesetz festgesetzten Anforde­rungen noch nicht genügt, aber bereits die vor diesem Tage die zur Erfüllung dieser Anforderungen erforderliche Abänderung ihrer Statuten mit dem Anträge auf fernere Zulassung ober Genehmigung bei ber zustänbigen Stelle eingebracht haben, sofern sie ber Kaffe schon vor dem 1. Dez. 1884 ange- bört haben, ber Austritt aus berjenigen Orts-, Betriebs- (Fabrik), Bau- ober Innungs-Kranken­kasse, welche bie auf Grunb bes Krankenversiche- rnngsgesetzes vermöge ihrer Beschäftigung ange­hören, auch im Laufe des Rechnungsjahres unb ohne bie vorgeschriebene Künbigung zu gestatten ist, wenn 1. bie Hilfskaffe, welcher sie angehören, bie fernere Zulassung ober Genehmigung auf Grund abgeänderter Statuten, nach welchen sie den An­forderungen ber § 74 u. m. A. genügt, bis zum 1. Juli 1885 erwirkt, 2. der Austritt innerhalb vier Wochen nach erfolgter fernerer Zulassung ober Genehmigung ber Kasse bei ber zustänbigen Stelle angemelbet wirb. Der Austritt ist in biesem Falle mit dein auf die Anmeldung folgenden Zah­lungstermin für die Kassenbetläge zu gestatten." Die Kommission ernannte den Abg. Gebhard (nl.) zum Referenten für's Plenum.

• Die Kommission des Reichstages zur Vorbe- rathung des Gesetzentwurfes, betreff, die Abänderung des Gesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter besteht aus folgenden Abgeordneten: Dr. Mousang, Vorsitzender, Köpfer, Stellvertreter, Gebhard, Schriftführer, Graf v. Dönhoff-Friebrich- stein, Stellvertreter, Frhr. v. Gravenrenth, Dr. Frhr. v. Gruben, Frhr. v. Hammerstein, Hitze, Kayser, Lipke, Lohren, Frhr. v. Schele, Struck- manu, Wichmann.

* Das ,Franks. Journal' meldet, Vertrauens- männer des M ahdi seien auf dem Wege nach Berlin begriffen, um bei ber Konferenz bie Rechte ihres Gebieters in Central-Afrika zu vertreten.

+ Von den im norbwestlichen Theile bes stillen Ozeans gelegenen, ben Spaniern gehörigen Ma- rianen-Jnseln, bie nörblich von ben Karo­linen-Inseln eine zwischen 13 unb 21 Grab nörb»

sorgt. „Ich will bie Sache mit ihr bei ber ersten Gelegenheit besprechen. Wenn Jemand gewagt hat, sie zu belästigen, soll er erfahren, daß sie nicht ohne Beschützer ist."

Bald darauf verabschiedete sich Lord Kings- court und ritt nach Mont Heron zurück.

Er sah Alexa vor der Tischzeit nicht wieder. Rach dem Essen begab sich Lord Montheron in die Bibliothek und ließ sich den ganzen Abend nicht wieder sehen. Mrs. Jngestre, welche sich noch immer unwohl fühlte, zog sich ebenfalls zurück, nachdem sie einige Musikstücke angehört hatte. Alexa wollte ihr folgen, aber ihre Wirthin bat sie zu bleiben. Somit waren die Liebenden allein. Es lag e.ne Unruhe in Alexa's Wesen, welche Lord Kingscourt's Aufmerksamkeit nicht entging.

Er rückte seinen Stuhl dem ihrigen näher und erzählte von seiner Unterredung mit Lady Wolga; er sprach von der gegen sie erhobenen Beschul- bigung unb ber Verlaumbung ber Laby Wolga in Betreff bes geheimnißvollen Besuchers.

„Ich wünsche nicht, mich in Dein Vertrauen zu brängen." sprach er zärtlich, „unb ich würbe bie ganze Sache nicht erwähnt haben, wenn ich nicht befürchtete, baß Jemanb, ben Du auf ber Reif