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Donnerstag, den 11. Dezember
1884.
Fuldaer
Zweites B l att
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79)
All-
wie
und meinen Vater?
eilte auf ihr Zimmer.
„Tas Licht wird Heller," murmelte sie. — malig treten die Dinge schärfer hervor. Aber wie kann ich meinen Verdacht begründen? Und rote kann ich meinen Vater vor diesem gefährlichen Feinde schützen? Sollte dennoch das Böse siegen und mein Vater und ich zusammen unlergehen? Dieser Diener hat meine Identität ausspionirt. Er ist mein Feind sowohl wie der meines Vaters, und rücksichtslos und schlau und droht uns zu vernichten. Mein Vater muß England verlassen und sich einen neuen Zufluchtsort suchen. Ich sehe, daß iß er re Renard mehr aus seinem Gewissen hat, als er seinem Bruder offenbaren konnte. Wird es mir möglich sein, mich gegen ihn zu schützen, mich
ober
Auf dunklen Wegen.
Roman von 6. Wagner.
„Ich muß gestehen, Pierre," sagte er dann, „daß ich fürchtete, Du würdest mir die verabredete Summe nicht auszahlen können, da ich Dich als einen Verschwender kenne. Woher bekommst Du so viel Geld, um alle Deine kostspieligen Be- dürfnisse zu befriedigen? Mylord muß Dich wie ein Fürst bezahlen. Ich möchte wohl ein Plätzchen hier im Schlosse haben."
„Logiist Du im Dorfe?"
„Ja, im „Gasthof zu Mont Heron". Die Leute sehen mich für einen Handlungsreisen- ben an."
„Gehe nach Loudon. Wenn ich Dich gebrauche, werde ich Dir schreiben. Vorläufig will ich die S^.che allein weiterführen. Wenn aber eine Be- lohnung gegeben wird, will ich zusehen, daß Du einen Theil davon erhältst. Nun, geh', Jean, und schweige gegen Jedermann!"
Sie gingen Beide bis zur Thür der Kapelle, wo sie noch eine Weile zusammen sprachen, jedoch verstand Alexa nichts davon; dann ging Jean durch die Ruinen hinaus in's Freie, Pierre aber kam zurück in die Kapelle und nahm seinen vor- herigen Platz wieder tin.
Alexa ermattete in ihrer gezwungenen, unbcque-
werden muß. Jedenfalls wird dem gnten^Willen der Regierung, durch sozialpolitische Reformversuche die Lage der arbeitenden Klasse zu bessern, die entsprechende Anerkennung nicht vorenthalten wer- den, mag auch der Erfolg dieser Versuche, wie sich ja nicht anders erwarten läßt, noch weit hinter den unerläßlichsten Bedürfnissen zurückbleiben. Wir möchten heute nur auf einen Fehler Hinweisen, der in dieser Hinsicht in außeramtlichen Gesellschaftsbestrebungen systematisch zu werden beginnt.
Es sind erst wenige Jahre her, seitdem sich successive in den meistern größern Städten Vereine konstituiren, die sich die Unterbringung entlassener Strafgefangener in eine ihren Fähigkeiten angemessene Beschäftigung zur Aufgabe machten. Der humane Zweck dieser Vereine springt ms Auge. Es ist unbestreitbar, daß in gewerblichen und in- dustriellen Kreisen ein — mehr oder minder berechtigtes — Vorurtheil dazu beiträgt, solchen Leuten, die ein Vergehen ihres seitherigen Lebens durch eine längere Freiheitsstrafe gesühnt haben, die Wiederaufnahme einer geordneten Thätigkest zu erschweren; es ist ebenso unleugbar, daß man einen erheblichen Prozentsatz der rückfälligen Verbrecher dem Umstande zuschreiben muß, daß ihre Bemühungen um einen geregelten Broderwerb gescheitert sind an der Voreingenommenheit, mit der man ihnen beim Bekanntwerden ihres vielleicht tief bereuten Fehltritts Herz und Thüren verschlossen hielt. Die Beseitigung dieses Hindernisses wird nun von den Arbeitsvermittelungsvereinen für entlassene Sträflinge angestrebt; daß sie damit nicht immer den gewünschten Erfolg erzielen und daß ihre rein humane Wirksamkeit oft von ehrlosen Subjekten mißbraucht wird, kann ihnen nicht als Vorwurf angerechnet werden, da man bei ihnen, als einem menschlichen Institut, Garantieen für eine absolute Vollkommenheit nicht voraussetzen darf. Aber eins ist zu bemerken. Eine Anzahl einflußreicher Brodherren, von denen es hierbei gleichgültig ist, ob sie jenem Vereine angehören ober nicht, verfällt in ihrer Fürsorge für schlecht beleumundete Arbeiter in ein Extrem, das zu der guten Sache, worunter wir hier die Verminderung des sozialen Elends verstehen, in schreiendem Gegen-
Lie ,9rü!bcet gettung* erscheint tilglich, 9 tttth in 7^ Psg^," auswärts ?Mk. 75 Psg.
satz steht. Ist nämlich unter den Arbeitern ihres Personals eine bevorzugte Beschäftigung zu ver- geben, erledigt sich eine einträglichere Stelle, viel- leicht gar ein Vertrauensposten, oder bietet sich sonst irgendwie im Geschäftsbetriebe Gelegenheit, den Erwerb eines Einzelnen zu verbessern — wem läßt man dann diese Vergünstigung zu Theil werden? etwa dem soliden, stillen Arbeiter, der sich redlich plackt, um die ©einigen ehrlich durchzubringen, und der dankbar für jede kleine Lohnaufbesserung mit verdoppeltem Eifer für die Interessen seines Herrn eintreten würde? Rein. Ein Theil der Arbeitgeber, die ja in den allerwenigsten Fällen die herbe Roth des Lebens selbst kennen gelernt haben, um ihre ganze Schwere und Bitterkeit für dsn ehrlichen und pflichttreuen Tagarbeiter ermessen zu können, geht von der Prämisse aus: zunächst muß man auf die zweifelhaften Charaktere Bedacht nehmen, was die braven Arbeiter sind, die bleiben genügsam und helfen sich selber. Und nach diesem Gesichtspunkte kann man denn viele Werkstätten eingerichtet sehen. Gewohnheitssäufern, die in einem nüchternen Augenblick Reueanwandlungen bekamen, glaubte der Prinzipal eine Handhabe zur Besserung bieten zu müssen; er prämiirt die Liederlichkeit — und erfährt neunundneunzig, mal in hundert Fällen den schwärzesten Undank, wie oft nicht auch die emsindlichsten Geschäftsnach« thekle. Der anspruchslose Arbeiter aber, der Nacht und Tag sein Stückchen Brod in saurem Schweiße wirkt und dem die Legitimatien des Lasterlebens nicht zur Seite steht, wird zurückgesetzt: er soll genügsam weiter arbeiten und — was nicht selten dasselbe ist — weiter hungern. Großsprecher und Raisonneure, deren Hauptstärke darin besteht, die Unzufriedenheit unter ihren Genossen zu schüren, während sie selbst in der Regel das geringste Maß von Arbeitslust an den Tag legen, machen durch ihr endloses Halloh, durch ihre unverfrorenen Belästigungen den Vorgesetzten endlich mürbe; sie haben sich nicht sobald zu dem gewünschten Einfluß emporschwadronirt, als sie sich auch schon mit ihren Pfennigdespotismus gegen die frühern Mitarbeiter aufspielen, die es grollend über sich ergehen lassen, daß der Unwürdigste aus ihrer Mitte mit leichter schienen Alexa Stunden zu sein. Dos Geräusch der ein- und ausfliegenden Dohlen war die einzige erleichternde Unterbrechung der peinlichen Stille. Doch endlich, als Alexa ihre Lage unerträglich geworden war und sie zu fürchten begann, daß sie sich werde verrathen müssen, stand Pierre auf, ging durch die Kapelle und verschwand in den äußeren Ruinen.
Alexa wartete, bis sie sicher war, daß er nicht zurückkehrte; dann kroch sie aus ihrem Versteck hervor, schüttelte den Staub von ihren Kleidern und machte sich ebenfalls auf den Weg aus den Ruinen, sich vorsichtig nach Pierre Renard umsehend. Als sie ihn nicht bemerkte, ging sie in'S Schloß und
§ Glosse« über »das Recht auf Arbeit".
Der Reichskanzler ist nicht der Mann, der mir nichts, dir nichts mit Thesen um sich wirft, ohne nicht wenigstens im Stande zu fein, ihren realen Hinterhalt durch eine Umsetzung in Praxis und Wirklichkeit zu erproben. Zu seinen letzten Novitäten auf fozialpolitischem Gebiet gehört bekanntlich das vielzitirte Wort vom „Recht auf Arbeit", 'das die Landboten nicht wenig frappirte und sogar Meister Nebeln dazu bewog, den Kmzler mit etwas sarkastischem Pathos als jüngsten Lehrling der sozialistischen Partei zu proklamiren Die gouvernementalen Schreiborgane haben ihre liebe Roth gehabt, den mitunter etwas rabulistischen Konsequenzen die Stange zu halten, mit denen die Opposition dies neue Paradoxon des unberechenbaren Gegners umgab. Wir können uns an dieser Stelle unmöglich auf die vielseitigen Jnterpretionen einlassen, zu denen jene fragliche These den Anhalt bietet; wie sehr es dem Fürsten Bismarck Ernst damit war, zeigt das von der Presse bereits besprochene neueste Projekt der Reichsregierung, für stellensuchende Arbeiter amtliche Arbeitsämter einzurichten, die sich mit der kostenfreien Vermittelung von Beschäftigungsgelegenheit und beziehungsweise Arbeitskräften zu befassen haben, lieber die Grenzen der Kompetenz und die Organisation der Arbeitsämter wird wohl erst die Reichstagsvorlage die gewünschte Ausklärung geben. Wenn die Mehrzahl der Parteirichtungen, u. a. auch, so viel dis jetzt darüber bekannt geworden, das Centrum, dem Projekt im Prinzip sympathisch gegenübersteht, so hat dieselbe doch zweifelsohne seine zwei Seiten. Es wird im Interesse der Arbeitgeber eine sehr peinliche Kontrolle über den Modus geführt werden müssen, nach welchem die Verminderung hinsichtlich der Lohnentschädigung erfolgt, damit nicht etwa durch spekulative Offerten die Arbeitspreise herabgedrückt werden, während im Interesse der Arbeitgeber auf mancherlei Eventualitäten z. B. für den Fall einer „Strike" u. dgl. m. Rücksicht genommen
. men Stellung und ihrer langen Gefangenschaft; | ihr Nacken schmerzte von der gebückten Haltung und ihre Augen brannten von dem scharfen Durchspähen der Dunkelheit. Sie sehnte sich nach Freiheit, wagte sich aber nicht zu rühren. Sie wußte jetzt, daß Pierre Renard ein Elender war und fürchtete sich vor ihm. Es ,chien ihr außer Zweifel, daß er ihren Onkel getöötet hatte und jetzt nach dem Leben ihres Vaters trachtete. Sie mar nur ein schwaches Mädchen, unerfahren mit den Schlichen und Ränken der Welt, wie konnte sie den Kampf mit einem solchen Menschen aufnehmen?"
„Wenn ich mich nur meiner Mutter anvertrauen könnte," dachte sie. „Vielleicht würde sie den Rath Rechtsgelehrter einholen und mir behilflich sein in der Wiederherstellung unserer Ehre. Doch nein, sie ist von meinem Vater geschieden und mit dem Manne verlobt, der an meines Vaters Stelle Marquis ist. Ich könnte ihr nichts sagen, selbst wenn ich das me.nem Vater gegebene Versprechen brechen dürste. Nein, ich muß allein handeln."
Sie seufzte in ihrer Hilflosigkeit.
Pierre Renard blickte erschreckt auf. So schwach auch das Geräusch des tiefen Aufathmens war, hatte er e6 bei der herrschenden Stille doch deutlich vernommen. In diesem Augenblicke flog eine Dohle aus einem Fenster, in dem Epheu ein starkes Rascheln verursachend, und Pierre Renard setzie sich wieder erleichtert nieder.
Die Zeit verstrich tödtlich langsam. D'e Minuten