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Fuldaer

Mittwoch, den lOHDezember

(T.aibt. »erd.)

77)

mir

von Du

„Dies ist der sicherste Ort im ganzen König­reich," sagte Renard, wahrscheinlich eine bezüg­liche Frage seines Gefährten beantwortend. „Jeder- mann glaubt, daß es in der Kapelle und in den Ruinen spuckt. Kein Dienstbote des Schlosses würde es wagen, diese Räume zu betreten, es sei denn auf Mylords Befehl und dann nur in Be- gleitung. 2Btr können hier ungestört sprechen."

Die Männer setzten sich auf einer Bank in einer dunklen Ecke und ganz nahe am Altar nie­der, so daß selbst die leiseste Unterredung für Alexa verständlich sein mußte. Athemlos lauschte sie unter dem Altar in einer Stellung, in der sie die beiden Männer beobachten konnte.

„Em Glück, daß ich Dich sah, ehe Du in das Schloß kamst, Jean," sagte Pierre Renard. „Ich bin sicher, daß Dich Niemand gesehen hat, und sollte es doch sein, so werden sie Dich für einen Besucher gehalten haben. Aber Mylord weist seit Kurzem alle Fremden zurück; es wird Nie­mandem das Betreten k-r Ruinen erlaubt. Ich

kommen. Du bist nach einer Abwesenheit drei Wochen nach England zurückgekehrt, warst in Griechenland?"

„Ich ging nach Griechenland, wie Du

zu vergreifen, aber man hätte glauben können, ich wolle sein Zeuzniß aus der Welt schaffen, was nicht der Fall ist." Der Tod Morin's wird die Untersuchung beschleunigen. Neber die Frage, ob der Abg. Hugues als Mitschuldiger oder als Zeuge zu behandeln, ist noch kein Beschluß gefaßt.

• Rom, 8. Dez. Der hl. Vater wird dem Vernehmen nach an den Kardinal Parocchi einen Brief gegen die Ehescheidung richten und zwar aus Anlaß des Berichtes, der über diesen Gegen­stand der italienischen Kammer erstattet worden ist.

* New-Dork, 8. Dez. Durch die Wahl Cleve- land's zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und Hendrick's zum Vizepräsidenten (mit 219 gegen 182 Elektorat-Stimmen) ist endlich dem Wahl- kämpfe in Nordamerika ein Ziel gesetzt. — Prä­sident Arthur hat eine Pension für den Expräsi- deuten Grant beantragt, der bei dem Krack seiner Schwindelbanken sein Vermögen verloren hat. Früher ist demselben bereits ein Nationalgeschenk von mehr als einer Million Mark bewilligt wor­den, womit er seine Gründereien in Scene setzte. Wenn ihm wieder eine Summe gegeben wird, dürfte er es schwerlich besier machen.

parlamentarisches.

Berlin, Dienstag, 9. Dezember.

Der Reichstag genehmigte heute die Aufnahme der Fabriken, in welchen Röhren aus Blech zum Vernieten hergestellt werden, sowie der Anlagen zur Herstellung eiserner Schiffe, eiserner Brücken oder sonstiger eiserner Baukonstruktionen in das Verzeichniß der genehmigungs­pflichtigen Gewerbsanlagen. Darauf wurde die 2. Be- rathung des Militäretats fortgesetzt. Abg. Payer kri- tistrte das Militärstrafverfahren. Abg. Richter (Hagen) beantragte die Vorlegung eines Gesetzentwurfs, durch welchen verabschiedete Offiziere den Militärgerichten ent­zogen und der ordentlichen Gerichtsbarkeit unterstellt wer­den sollen. Kriegsminister v. Bronsart äußerte sich ent­gegenkommend zu diesem Anträge und sagte eingehende Erwägung zu. Abg. v. Vollmar forderte die Oeffentlich- keit für das Militärstrafgerichtsverfahren. Kriegsminister v. Bronsart erklärte, daß dies für die verbündeten Regie­rungen zur Zeit unannehmbar sein würde. Abg. v. Ber- nuth betonte die Rothwendigkeit einer Reform des Straf­verfahrens überhaupt. Abg. Dr. Windthorst bedauerte, daß der Kricgsminister die Revision der Militärstraf­recht sp siege nicht zu fordern geneigt zu sein scheme. Er befürwortete ebenso wie Abg. Payer die Einführung der Oeffentlichkeit in der Militärgerichtspflege. Kriegs- ministcr v. Bronsart entgegnete, daß diese Forderung für die verbündeten Regierungen zur Zeit unannehmbar sei. Sie erkenne die Mängel des jetzigen Verfahrens an, der Reichstag werde aber jetzt schwerlich für eine neue Vorlage

xjlltie oder Auf dunklen Wegen. Roman von 6. Wagner.

34. Kapitel.

Neue Entdeckungen.

Alexa lausckte gespannt auf die Antwort Jean Renard's. Sie fühlte, daß sie vor wichtigen Ent­deckungen stand, und es war ihr klar, daß diese beiden Männer Verworfene waren; denn welches Interesse konnte Pierre Renard an demselben haben?

Hatte ihre Aehnlichkeit mit ihrem Vater den Franzosen auf die Spur geführt, wer sie wirklich sei? Hatte sie in ihrem Streben, ihres Vaters Namen von der auf ihm lastenden Schmach zu reinigen, Verdacht in ihm erregt, — und damit tödtliche Gefahr für ihren Vater geschaffen? Wes- halb hatte Pierre Renard seinen Bruder nach Griechenland gesandt, um ihren Vater aufzusuchen? Watz hatte Jean Renard entdeckt? Hatte er seine Spur nach England verfolgt?

Das Her; in ihrem Busen schien still zck stehen bei dem Gedanken an die drohenden Gefahren.

„Du fragst nach dem Erfolg meiner Forschungen, ohne gehört zu haben, wie ich dazu gelangte," sagte Jean Renard. „Ich will Dir Alles erzählen, und Du sollst selbst urtheilen, ob ich nicht die doppelte Summe verdient habe, die Du mir ver­sprochen hast. Ich reiste nach Griechenland —"

aufgetragen hattest."

„Du hast den Vater dieser Miß Strange ge­funden ?"

„Ja."

„Du hast ihre Heimath besucht?"

„Ja."

„Hast Du ihren Vater gesehen?"

„Ja, und ich habe auch mit ihm gesprochen."

„Vortrefflich. Du bist schlau, Jean, und wirst Dir bald die Summe verdient haben, die ich Dir versprochen habe. Nun rasch zum Bericht! Wer ist dieser Mr. Strange?"

Alexa stockte fast da« Blut in den Adern. Sie hielt den Athem an, um schärfer lauschen zu können. Welche Antwort sollte sie hören? —

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Dezember.

»ßDie Stärke der Fraktionen des Reichs­tages ist gegenwärtig folgende: Die Centrums­fraktion zählt 99 Mitglieder (und 10 Hospitanten), die Deutschkonservativen 75 Mitglieder (und 1 Hospitant), die Reichspartei 28 Mitglieder, die Fraktion der Polen 16, die nationalliberale Frak­tion 50 Mitglieder, die deutschfreisinnige Partei zählt 60 Mitglieder (und 1 Hospitant), die Volks­partei 7; die Sozialdemokraten 22 Mitglieder. Keiner Fraktion angehörig sind 23 Mitglieder; darunter die 15 Elsaß-Lothringer, außerdem die Abgeord­neten v. Bertram, Graf v. Hacke, Frhr. v. Horn­stein, Junggreen, Frhr. Langwerth v. Simmern, Lenzmann, v. Wedell-Piesdorf und Sander. Er­ledigt sind zur Zeit 5 Mandate.

[*] Dem Reichstage ist die Berechnung der nach dem Reichshaushaltsetat für 1885/86 zur Deckung der Gesammtausgaben aufzubringenden Ma tri- kularbeiträge zugegangen. Danach vertheilen sich die baar zu zahlenden Matrikularbeiträge für 1885/86 verglichen mit den im Etat für 1884/85 angesetzten wie folgt:

Preußen

Bayern Sachsen Württemberg Baden Hessen Mecklenburg-Schwerin Sachsen-Weimar Mecklenburg-Strelitz Oldenburg Braunschweig Sachsen-Meiningen Sachsen-Altenburg Sachsen-Coburg-Gotha Anhalt Schwarzburg-Sondershausen Schwarzburg-Rudolstadt Waldeck

Reuß ältere Linie Reuß jüngere Linie Schaumburg-Lippe Lippe Lübeck Bremen Hamburg Elsaß-Lothringen

(*) Die Wahl des zweiten Bürgermeisters Hanse in Posen zum ersten Bürgermeister ist die könig­liche Bestätigung versagt woiden. Bürgermeister

Hanse war bis vor wenigengJahrenEFührer der dortigen Fortschrittspartei.

»Hannover, 8. Dez. gJn der Sitzung der Landes-Synode bemerkte Ober-Konsistorialrath Düsterdieck, in der lutherischen Kirche der Provinz seien jetzt 150 Pfarrstellen unbesetzt.

* Straßburg, 8. Dez. Die seither in Karls- ruhe im Verlage der Aktien-Gesellschaft „Badenia" erschienene katholische ,Kreuz-Zeitung' wird jetzt im benachbarten Kehl gedruckt. Ein gereifter Herr Butz, seither in Stuttgart, hat daselbst eine neue Druckerei eingerichtet und die Herstellung der .Kreuz- Zeitung' übernommen. Durch die Unterdrückung der drei katholischen Blätter im Elsaß dürfte dieses „ausländische" Blatt bedeutend an Abonnenten ge­winnen. Daß auch die.Kreuz-Zeitung' das gleiche Schicksal treffen wird, wie seine drei Kollegen, ist bei der statthalterfreundlichen Haltung des Blattes niemals zu erwarten.

Ausland.

• Paris, 8. Dezbr. Nach 10tägigen schreck- lichen Leiden ist der Agent Morin wie bereits kurz gemeldet endlich gestern Abend um 10 Uhr gestorben. Morin scheint weder Verwandte noch Freunde zu haben, die Antheil an seinem Schicksal nehmen; sein Rechtsanwalt, Herr Angeli, war die einzige Person, die ihn im Krankenhaus besuchte. Frau Hugues, die jeden Tag sich nach dem Befinden Morins erkundigt hat, nahm die Nach­richt von seinem Verscheiden früh mit lebhafter Erregung auf. Tie junge Frau ist nicht mehr wie in den ersten Tagen ihrer Untersuchungshaft sieberhaft aufgeregt, fcheint aber die Entfernung von ihren Kindern schwer zu ertragen, welche seit ihrem ersten Besuche nicht wieder nach dem (fte« fängniß gebracht worden sind, weil die Trennung zu aufregend gewesen war. Die Blätter ver­öffentlichen ein Schreiben auf's Neue, das Frau Hugues im September v. I. an ihren nach Mar­seille gereiften Gatten richtete, als der Skandal­prozeß zum ersten Mal an die Oeffentlichkeit trat. In jenem Schreiben gab Frau Hugues den Ent­schluß kund, Frau Lenormand, die Urheberin der Verleumdung, über welche sie sich beklagte, auf­zusuchen und zu erschießen; dabei ließ sie folgende Worte"'entschlüpfen, welche sich jetzt zu einer furcht- baren Belastung gegen sie aufrichten: „Ich hatte zuerst daran gedacht, mich an dem Zeugen Morin besitze große Vorrechte zu Mont Heron, wie Jedermann weiß, und wenn ich eine neue Ein- richtung treffe, wagt -s Niemand, mir entgegen zu treten."

„Ausgenommen Mylord."

„Auch er nicht. Ich bin mächtiger, als Du denkst. Aber laß uns zu untern Geschäften

Mk.

Mk. mehr.

64,436,798

24,584,641

23,452,891

5,125,284

7,016,868

2,679,170

8,740,704

1,891,426

6,157,269

1,542,000

2,211,) 51

1,363,079

520,057

731,261

278,999

236,848

90,365

797,166

304,143

824,629

314,858

489,138

186,621

366,215

139,722

459,944

175.483

549,412

209,617

167,964

64,084

189,669

72,364

133,513

50,940

119,955

45,767

239,356

91,323

83,558

31,880

284,036

108,368

150,164

57,293

370,199

141,242

1,072,097

409,038

4,536,012

1,519,395