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,U 283. Montag, den 8. Dezember 1884*

Fuldaer fll Jalung.

Sie .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Viert-liährlicher Nbonnementspreis ohne Bringttlohn und Bestellgeld. 1 Mk. 50 Pfg., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Ster«e «Nd Blumen' m Fulda I M-!. 70 Pfg., aus«ärtS 1 Mk. 75 Pfg

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Zweites Blatt.

-rr Zur^Auswanderungs-Frage.

Im Hinblicke nun auf die Pflege solchen ka­tholischen Gemeindelebens in Nordamerika, in dem sich deutscher Geist und Sitten schon wie­derspiegeln, welchem Einwanderer sollte eine der­artige neue Heimath nicht nur einleuchten, sondern geradezu ein tief empfundenes Herzensbedürfniß sein, wenn überdies, wie in Dakota, auch alle Ga­rantien zur irdischen Wohlfahrt und für erfolg­reiches Wirken vorhanden sind?

Man muß eben hier zu Lande rasch und prak­tisch angreifen, guten Rath anwenden, mit Beharr­lichkeit und Genügsamkeit gemäß den verfügbaren Mitteln arbeiten und haushalten; dann wird Got­tes Segen auch niemals ferne sein. — Eine an­dere Lebensfrage aber ist diese: „Wer soll über­haupt auswandern? — Wohl nur Diejenigen, denen die heimathlichen Verhältniffe unbehaglich und entleibet sind; Alle, die nicht an Arbeits­scheu und Vergnügungssucht laboriren; und endlich Alle, so da vorziehen den furchtbaren Schrecken und Folgen eines unausbleiblichen europäischen Krieges — der schon weit vorgeschritten ist in seiner Vorbereitung — rechtzeilig auszuweichen, und die im gesunden amerikanischen Nordwesten noch ein sehr billiges, werthvolles, allezeit friedliches Besitz- thum und ein schnelleres Fortkommen sich sichern wollen als Landwirthe, Handwerker und Geschäfts­leute. — Man merke sich aber auch Folgendes:

.1) Arme, gebrechliche, oder arbeitsunfähige Ein­wanderer werden jetzt sogleich nach deren Landung wieder nach Europa abgeschoben.

2) Desgleichen ledige oder verwittwete kräftige Männer, wenn sie sich nicht über ein Baarvermögen von mindestens 50 Doll. (Mcs. 200) ausweisen kön­nen; solche mögen nur daheim bleiben bei „Mutter Germania" und dieser Dienst und Leben weihen; ebenso erginge es

3) ganzen, gesund sein sollenden Familien, wenn sie sich nicht mit entsprechendem Mehrbetrag zu legitimiren vermögen.

x Alkra

oder

Attf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Miß Strange wird vierzehn Tage bei uns bleiben, Roland," sagte Mrs. Jngestre, „wenn es mir nicht gelingen sollte, sie für immer bei mir zu behalten. Unsere liebe Lady Wolga wird keiner Gesellschafterin mehr bedürfen nach ihrer Hochzeit, und ich rechne darauf, daß Du Deinen Einfluß verwendest, mir die Gesellschaft Miß Strange's für immer zu sichern."

„Du magst gewiß sein, daß ich meinen Einfluß zu Deinem Vortheil verwenden werde," erwiderte der Marquis leicht. „Hast Du Miß Strange das Schloß gezeigt, Augusta? die Terrasien, den Wintergarten, die Gewächshäuser, die Bilder- gallerie, die alte Capelle und die Ruinen?"

„Noch nicht, Roland. Du vergißt meinen Ge- sundheitszustand. Aber ich werde Jemanden be­auftragen, ihr alle Sehenswürdigkeiten des Schlosses und Alles, was von Interesse ist, zu zeigen, wenn ich nicht selbst im Stande bin, sie zu führen. Sie wissen wohl mein Kind," wandte sich Mrs. Jnge­stre an Alexa, „daß Mont Heron ein interessanter Schauplatz ist, daß Touristen von Nah und Fern kommen, um es zu besuchen, und daß mehrere Zeichnungen von dem Schloß und den Ruinen ausgenommen sind? Sie können sich viel angenehme

Nordamerika schickt fortan alle mittellosen und erwerbsunfähigen Einwanderer auf Kosten deren alten Heimathsgemeinden rücksichtslos zurück, weil es selbst Ueberfluß an eigenen Armen, resp. Unterstützungsbedürftigen habe.

Eine aus schlimmem Ursachen benöthigte Aus­wanderung einzelner Individuen ist immerhin zu beklagen, aber sie hat doch nach mannigfachen harten Prüfungen wieder Viele auf den rechten Weg zurück­gebracht und oft noch aus ihnen gemacht, was Keiner sich geträumt hätte.

In den letzten Jahren also hatte das große Territorium Dakota — (ganz Süddeutschland hätte bequem darin Platz), welches innerhalb 2 Jahren als Nord- und Süd-Dakota die Verein. Staaten Nordamerikas um zwei vermehren wird — einen ununterbrochenen Zudrang von Ansiedlern ver­schiedenster Glaubensbekenntnisse und großartigen Verkehrsaufschwung, namentlich nordwestlich, zu verzeichnen. Vorzüglicher Weizen, Hafer, Gerste, Mais, Kartoffeln, Gemüse gedeihen dort und haben dessen Produkte bereits den Vorzug auf dem westl. Markt erlangt, welchem sie durch die Chicago — Milwaukee — St. Paul Eisenbahn zugeführt wur­den, wie denn auch alle Anzeichen dafür sprechen, daß bis zum Jahre 1900 Chicago der Bevölke- rungs- und Verkehrsmittelpunkt der Vereinigten Staaten werden wird.

Ob dieses gewaltigen Zuzugs in Dakota neidisch gewordene Landspekulanten aus den Staaten Michi­gan, Wiskonsin, Minnesota, Iowa, Nebraska, Ar­kansas begannen dieses Territorium herunterzusetzen durch lächerliche Kritik: „Dieses Land sei „ent­setzlich reizlos" und seine Winterkälte so „ab­schreckend", daß sich diese ungeheure Anziehungs­kraft, welche Dakota ausübe, schwer begreifen lasse." Allerdings sehr richtig angewandt bei den Herren Spekulanten selbst, haben doch diese Volksfreunde stets mehr ihren Vortheil, denn de» Emigranten Nutzen im Auge gehabt.

In den östlichen Staaten Minnesota, Wisconsin, Michigan arbeiten sie mit förmlicher Wuth an der raschen Vernichtung ihrer herrlichen Tannen- und Fichtenwälder, entziehen dadurch nicht nur dem

Unterhaltung machen, wenn Sie romantisch sind, wie die meisten jungen Leute. Die Ruinen sind in gutem Zustande gehalten, und es heißt, es geht in ihnen um."

„Der Geist eines früheren Lords von Mont- Heron," ergänzte der Marquis lächelnd. „Keiner von der Dienerschaft wird es wagen, nach Ein­bruch der Nacht die Ruinen zu besuchen; sie er­zählen sich schauerliche Geschichten von Geister­lichtern und Geistererscheinungen, welche von Zeit zu Zeit furchtsame Personen gesehen haben wollen."

„Es bestehen viele Sagen von Mont Heron," bemerkte Mrs. Jngestre. „Es sind schreckliche Thaten in diesen alten Mauern geschehen."

Der Marquis wandte sich rasch ab und ver­ließ hastig das Zimmer, indem er etwas vor sich hinmurmelte, was Alexa jedoch nicht verstehen konnte.

„Roland ist so empfindsam," sagte Mrs. Jnge­stre, als ihr Schwager die Thür hinter sich ge­schloffen hatte. „Er kann es nicht leiden, wenn man nur die leis.ste Anspielung auf die Unglücks­fälle macht, welche sich in diesem Schlosse zuge- tragen haben. Er glaubt nicht an Geister. Da fällt mir ein, mein Kind, ich muß Sie bitten, nie in seiner Gegenwart des Trauerspiels von Mont- Heron zu ermähnen. Er mar seinem Verwandten, dem verstorbenen Marquis, sehr zugethan, und er kann es nicht ertragen, wenn man dessen tragi­sches Ende erwähnt. Wie war es noch — ja,

Boden seine Feuchtigkeit und Fruchtbarkeit, sondern öffnen auch der Kälte alle Thore, während Dakota erstlich ein wasserreiches Terrain hat, und zweitens anstatt seine Wälder zu entholzen, werden gerade noch solche in enormer Ausdehnung angelegt, und wenn diese Anpflanzung nicht ganz unterbrochen wird, so kann dieses Territorium die bis jetzt hoch gespannten Erwartungen auch erfüllen, welche auf seine Zukunft gesetzt werden. Freilich, wer den landesüblichen amerikanischen Raubbau (d. h. kein Fruchtwechsel, gleichgültige Bearbeitung und Ver­gessen der Düngung) nachäffen will, dessen Boden, wird seine ursprüngliche Fruchtbarkeit nicht lange' bewahren.

Der Schöpfer des Weltalls hatte auch nicht den ganzen Erdenrund zu einem Paradies gemacht; Er wollte gerade den größten Theil dieser Aufgabe den Menschen überlassen und hinterließ ihnen des­halb herrliche Vorbilder, und Tausende von Menschen haben sie aufgefaßt und innerhalb ihrer Grenzen nachzuahmen versucht. Aus Wildnissen und Sümpfen entstanden lachende Gefilde und grüne Auen, er­hoben sich auch unsere großen amerikanischen Städte, Flecken, Dörfer, und Obst-, Gemüse- und Blumen­gärten umgeben heute die wohleingerichteten mensch­lichen Wohnungen!

Und verdankt das jetzige Menschenthum nicht etwa den ersten Klöstern die Bekehrung der Heiden, waren nicht die Klöster die blühenden Stätten christlicher Kultur, Wissenschaft und Kunst, waren die Klöster nicht die Wegweiser zu rationeller Land« und Hauswirthschast? Was Menschengeist und Fleiß Schönes schafft, das verleiht stets seinem Urheber große Befriedigung und Stolz und erwirbt ihm besondere Achtung bei den Mitmenschen, darum wird auch Dakota s. Z. metamorphosirt sein zum Vortheil und Behagen seiner thätigen Bewohner. — Kälter als in Norddeutschland ist es wahrlich in Dakota nicht; bald werden auch die jungen Wälder dem Klima noch die hilfreiche Hand bieten und so jene angenehme, gesunde Temperatur schaffen, wie man sie in östlichern und südlichem baumlosen, von Heuschrecken, Prairiefeurern und Fiebern heim­gesuchten Gegenden stets vermissen wird.

ich glaube, er kam in den Besitz der Güter und Titel der Montherons in Folge des Mordes des einen Verwandten durch den andern."

„Ich werde von jenen Ereignissen nicht sprechen," bemerkte Alexa.

„Lord Montheron hat eine ganz eigenthümliche Gemüthsart," fuhr Mrs. Jngestre fort. „Ich habe ihn schon gekannt als er noch ein junger Mann war. Ich war die Gattin seines älteren Bruders. Er hatte stets eine zarte, sanfte, freund­liche Natur. Sie können sich denken, welchen tiefen Eindruck der Mord auf fein weichliches Ge- müth übte. Er kann Niemanden leiden sehen; selbst der Anblick eines Bettlers entsetzt ihn. Er giebt große Summen zu wohlthätigen Zwecken hin, aber kein Bettler darf den Boden von Mont Heron betreten."

„Würde es nicht besser fein, diesem Uebel energisch abzuhelfen, als ihm freien Lauf zu lassen?"

„Der Marquis gesteht das Vorhandensein des Uebels nicht zu, und es ist Niemand im Hause, der es wagen würde, ihn auf dasselbe aufmerksam zu machen. Bei all' seiner Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit ist er doch ein strenger Herr, und seine Leute wissen es."

Mrs. Jngestre hörte sich selbst gern erzählen, und da sie nun eine geduldige Zuhörerin gefunden hatte, sprach sie eifrig weiter. Plötzlich unter-