1884
Montag, den 8. Dezember
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Erstes Blatt
(Rochdr. »erb.)
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Verehrung der ganzen katholischen Welt geschaffen; dabei freilich auch den Haß des Liberalismus erregt, der aber trotzdem den großen Bischof wegen feiner Standhaftigkeit und Konsequenz achten muß.
Vor allem aber hat die katholische Presse alle Ursache, diesem edlen Kirchenfürsten zu bauten und einen Palmenzweig auf seinen Sarg zu legen, denn gleich wie sein Ebenbild, der selige Bischof Ketteler von Mainz, war Bffchof Rudigier unermüdlich für die Hebung und Förderung der katholischen Preffe thätig. Er hat nicht blos in seiner Diözese dieselbe auf eine musterhafte Höhe gebracht und ihr Einfluß verschafft; er hat auch sonst keine Gelegenheit versäumt, um in Hirtenbriefen, An- sprachen und Reden die Gläubigen auf die hohe Bedeutung der katholischen Preffe aufmerksam zu machen und selbe ihnen angelegentlichsi zur Unterstützung zu empfehlen, wie er denn auch felbst ein großer Wohlthäter und eifriger Mitarbeiter.
Ist nun auch der gottbegeisterte Bischof, der große Wohlthäter der katholischen Preffe und wahre österreichische Patriot tobt, sein berebter Mund geschloffen und das edle Herz still, so ist doch sem Andenken ein unvergängliches und gesegnetes. Das trauernde Vaterland, die Katholiken nicht blos seiner Diözese, sondern aller Länder werden diesen großen Bischof nie vergessen und seine treukirch- liche Gesinnung als das theuere Vermächtniß einer Gottesmannes betrachten, den jetzt die himmlische Krone umstrahlt ! Möge Gott der Herr der schwer- geprüften Diözese nun als Trost in der Bitte ‘*eit der Verwaisung die Hoffnung auf einen Nachfolger im Geiste Rudigiers gewähren und möge das katholische Oesterreich das Werk fortführen, war er so thatkräftig begonnen.
Feindin ihren Kummer und ihre Niedergeschlagenheit zu zeigen. Sie war nahe daran dem Schmerze zu erliegen, aber ihr fester Charakter schützte sie vor weiteren Demüthigungen und bewahrte sie vor Verzweiflung.
Es war eben Mittag als der Wagen gemeldet wurde. Alexa begab sich sogleich hinab und nahm in dem Fuhrwerk Platz. So verließ sie da» Haus, in welchem sie so viel Freude und bitteres Weh erfahren hatte. Ihr Gepäck war schon eine Stunde früher nach Mont Heron geschickt worden.
Alexa lag in den weichen Kiffen zurückgelehnt, als aber der Wagen in die schattige Allee einbog, richtete sie sich auf und warf einen sehnsüchtigen Blick zurück nach den Fenstern des Zimmers der Lady Wolga.
Eine der Gardinen wurde von einer weißen Hand zurückgehalten und Alexa sah noch einmal flüchtig das liebe, halbverborgene Gesicht ihrer Mutter; bann fuhr ber Wagen hinter bie bicht verzweigten, noch theilweise mit Laub bedeckten Bäume und Alexa sank mit einem schweren Seufzer wieder in die Kiffen zurück.
„Die Rose des Glücks ist von tausend Dornen bewacht," dachte sie, „und jeder Dorn scheint mir in'» Herz zu bringen!"
4» Fürstbischof Franz Josef Rudigier.
Im neuen Empfängnißbome zu Linz, ber seinem nun tobten Bischöfe bie Errichtung verbankt, hat sich vor wenigen Tagen erst bie Gruft über einem Kirchenfürsten geschlossen, bet als ein treuer Bekennet bes kath. Glaubens, als unerschrockener Streiter für bas Reich Gottes auf Erben unb als wahrhaft heiligmäßiger Nachfolger ber Apostel bie Bewunberung unb Verehrung nicht blos seiner ihn wie einen Vater liebenben Diözesanen unb bes engeren Vaterlanbe», sondern ber ganzen katholischen Welt besaß. Mit fürstlichem Gepränge warb ber eble Bischof zur letzten Ruhe bestattet; bie höchsten Autoritäten in Staat unb Kirche haben betn großen Tobten ben Tribut ihrer Anerkennung bei seinem Leichenbegräbnisse gezollt; Der Monarch selbst ehrte ihn noch im Tobte; bie Blätter aller Parteischattirungen erschöpfen sich in Würbigung ber seltenen Eigenschaften unb ber Bebentnng bes Dahingeschiebenen; aber höher als alles bieses halten wir bie Thränen bes Volkes, die an seinem frischen Grabe so reichlich stoffen unb ein schmerzliches Echo in ben Herzen ber Katholiken aller Länder fanben. Bischof Rudigier starb nicht blos seinen Diözesanen, bie ihren Ober- Hirten und ihren gottbegeisterten Führer in allen ihren kirchlichen unb politischen Fragen verloren haben, nicht blos bem Staat Oesterreich, ber in feinem Hinscheiben ben Verlust eine Zierde bes Episcopates unb eines wahren Patrioten beklagt, sondern der ganzen Welt. Denn Bischof Rudigier von Linz war ein Bischof, wie er sein soll, er war in unser glaubenslosen Zeit ein Fels, an welchem sich die Brandung des modernen Unglaubens brach, er war ein Josua im Kampfe gegen die verderblichen Ideen des Liberalismus und er hat sein ganzes Denken und Fühlen durch all' die Jahre seines verdienstvollen Wirkens nur der Ausbreitung der Kirche, der begeisterten Vertretung ihrer Rechte und der Verherrlichung ihres Stiftes gewsdmet. Sein entschiedener, unbeugsamer Kampf gegen den Liberalismus auf der einen, seine unermüdliche Wirksamkeit für die Hebung des kirchlichen Lebens, insbesondere aber de« kath. Vereinswesens und ber katholischen Preffe auf ber »nbern Seite haben ihm volle Bewunberung unb
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Dezember.
• Die .Norbb. Allg.' macht roieber einmal ben nicht gerade überraschenden Versuch, die Katholiken von Windthorst zu trennen. Darauf antwortet die .Germania': Sollte sich denn der Artikelschrerber der Norddeutschen' nicht mehr erinnern, mit welch' großem Beifall unb welcher Zustimmung bas Centrum bie meisterhaften Reden ihres Führers am Mittwoch aufgenommen hat? Ueber die Aufnahme, welche dieselben Reben im katholischen Volke ge- funben haben, wollen wir ber .Norddeutschen' ver-
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Auf dunklen Wegen.
Roman von E. Wagner.
Alexa's Toilette war so weit fertig, daß sie Felice's Hilfe nicht mehr bedurfte. Sie dankte der Kammerzofe für ihre Dienste und für ihre Freundlichkeit und reichte ihr ein ansehnliches Geldgeschenk, welches Felice jedoch zuerst entschieden zurückwies.
„Behalten Sie es," sagte Alexa, „und kaufen Sie sich etwas, was Sie als Andenken an mich ansehen wollen. Vielleicht komme ich nicht wieder nach Clyffebourne. Man kann nicht in bie Zukunft blicken."
Felice nahm bas Geschenk an unb entfernte sich, nachbem sie ihre besten Wünsche für Alexa's Glück unb Wohlergehen ausgesprochen hatte.
Balb barauf wurde das Frühstück gebracht; Alexa trank ihren Kaffee und nahm etwas Weife- brod, obwohl sie nicht den geringsten Appetit hatte. Von Lady Wolga erhielt sie keine weitere Botschaft; nur Lady Markham kam noch auf einen Auaenblick zu ihr, um übet die Besiegte zu r iumphiren. Alexa war jedoch zu stolz um ihrer
rathen, daß die Auflage ber Nummer ber ,Ger- mania', welche biefe Reben im Wortlaut brachte, bei weitem nicht hinreichte, um bem zahlreichen Verlangen nach biefer Nummer zu genügen. Da» mag sich bie .Norddeutsche' gefaßt fein lasten: je weniger ihr ber Abg. Dr. Windthorst gefällt, desto bester gefällt er ben Katholiken unb je mehr sie benselben haßt unb verdächtigt, desto mehr wird er vom katholischen Volke geliebt und verehrt.
» Einem von der ,Nat.-Ztg.' mitgetheilten Gerüchte zufolge, sollvr. Schwerting er zum Oberstabsarzt ernannt werden. (?)
• Die ,Germ.' erhält Folgendes zur Veröffentlichung: „Verschiedene Zeitungen brachten dieser Tage die Nachricht, ich hätte 150,000 Mark zur Gründung einer katholischen Universität in Salzburg zur Verfügung gestellt. Zu meinem großen Bedauern ist jedoch erwähnte Mittheilung ganz unbegründet und bitte ich, diese Berichtigung in Ihrem geschätzten Blatte abdrucken zu wollen. Kleinheubach, den 5. Dezember 1884. Karl Fürst zu Löwenstein."
• Posen, 6. Dezbr. Das Expatriirungsgesetz — von welchem Fürst Bismarck in der Debatte über den Windthorst'schen Antrag sagte, daß daffelbe seit dem Rücktritt Falk's „reponirt" sei — ist, wie polnische Blätter mittheilen, in diesen Tagen gegen den Geistlichen Barcikowski in Gr.-Laki bei Kosten angewendet worden. Demselben ist nämlich wegen unbefugter Vornahme von geistlichen Amtshandlungen der Aufenthalt im Regierungsbezirk Posen untersagt morden. Der Ausgewiesene ist seit zwanzig Jahren Geistlicher und wiederholt mit ben Maigesetzen in Konflikt gerathen.
» Hückeswagen, 6. Dezbr. Ein Erlaß bes Kultusministers orbnet an, daß die hiesige Simultanschule mit Beginn des nächsten Schuljahres auf konfessioneller Grundlage organifirt werde.
* Straßburg, 6. Dez. Ein ost recht gut unterrichteter Korrespondent des ,Psälz. Kur.' läßt diesem Blatte folgende von uns mit allem Vorbehalt hier wiedergegebene Meldung zukommen: „Wie ich von ganz unterrichteter Seite erfahre, hat der Herr Statthalter bei seiner Anwesenheit in Berlin um Enthebung von seiner verantwortungsvollen Stellung gebeten und zwar unter Gel- tendmachung folgender Gründe: Nicht sein Alter und nicht die auf ihm ruhende Arbeitslast hätten
Während der Fahrt hatte Alexa Zeit, sich zu beruhigen und zu der ihr bevorstehenden Aufgabe zu faffen. Sie ging nach Mont Heron in der festen Ueberzeugung, daß Pierre Renard der Mörder ihres Onkels war, und mit dem festen Entschluß, ihn der Schuld zu überführen, wenn ihr die Vorsehung beisteben würde. Sie hatte sich noch teilten bestimmten Plan gemacht, sondern mußte es dem Zufall überlasten, ihr den Weg zu zeigen, den sie einschlagen sollte.
Das Schloß war endlich erreicht. Der Wagen hielt vor dem prachtvollen Portal, ein Diener öffnete die Wagenthür unb Alexa stieg heraus, schritt bie breiten Marmorstufen hinauf unb trat in bie Halle. Ein eigenthümliches Gefühl beschlich sie, als sie ben Fuß über bie Schwelle bes Schlöffe» ihrer Ahnen, ihrer rechtmäßigen Heimath setzte. Unwillkürlich hemmten sich ihre Schritte, als ffe ihren flüchtigen Blick über bie die Wände zierenden Schilder, Fahnen, Standarten, Rüstungen und Waffen aller Art, sowie über die Statuen in ben Nischen und auf dem Treppengeländer schweifen liefe. Es schien in ihr, al» nickten die Steinfiguren ihr ein Willkommen zu unb als lächelten ihr bie Familienporträts freunblich entgegen. Würbe ste bieses herrliche Schlafe jemals