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Freitag, den 5. Dezember

Die ,Fuldoer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., mit d belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen mtsprechender Rabatt.

Meihnachts-AiMger.

Wir beabsichtigen, in diesem Jahre als Gratis- Beilage zu unserer Zeitung einen

Weihnachts-Anzeiger

herauszugeben, der am 6., 13. und 20. ds. Mts. erscheint.

Derselbe soll außerdem in vielen Exemplaren gratis zur Vertheilung gelangen, weßhalb eine Gesammt-Auflage von ca. 4000 Eremplarr» her- gestellt wird.

Der Weihnachts-Anzeiger enthält als Originalarbeiten eine Auswahl interessanter Weih­nachts-Erzählungen, sowie gediegene Fest-Artikel von bekannten Autoren.

Bei der großen Verbreitung dürften Inserate, die speziell auf das Weihnachtsfest Bezug haben und Empfehlungen von Gegenständen enthalten, die sich zu Fest-Geschenken eignen, von ganz besonderer Wirkung sein.

Wir berechnen die Zeile mit nur IO Pfg. und gewähren bei wiederholterJr.sertion entsprechen­den Rabatt. Aufträge werden baldgefl. erbeten.

Fulda, im Dezember 1884.

Hochachtungsvoll

Aik Redaktion und Erpedition der Fuldaer Zeitung.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Dezember.

(*) Die Petitionskommission des Reichstags hielt ihre erste Sitzung ab. Es wurde über eine größere Anzahl von Petitionen Beschluß gefaßt, die als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet erachtet wurden.

* Wie die ,Nat.-Ztg.' vernimmt, ist die for­melle Anerkennung der afrikanischen Gesell­schaft als souveränen Staates nunmehr auch durch England erfolgt. Die Ratifikation des Vertrages wird in den nächsten Tagen vollzogen werden.

* Der Staatsminister Falk, jetzt Präsident des Oberlandesgerichts zu Hamm, soll zum Chef­präsidenten des Kammergerichts designirt sein.

• ,Die Wahrheit', Hauptorgan des Anti-Semi- tismus, suchte früher auch unter katholischen Geistlichen Abonnenten. Seit den letzten Wahlen offenbart das Blatt die Gesinnung seiner „con-

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oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von ®. Wagner.

„Ihr Vater ist in Griechenlqnd. Sie sagten mir, Sie hätten keinen anderen Verwandten als ihn. Dieser Mann war nicht Lord Kingscourt, noch konnte er Ihr Verwandter sein. Wer also war es?"

„Ich kann es nicht sagen!"

Heber Lady Wolga'» Stirn zog eine dunkle Wolke.

„Sie sind nur ein Kind in Ihren Welter­fahrungen, Alexa," sprach sie sanft und liebevoll, „nnd Sie mögen in irgend einer Weise mit einer unwürdigen Person bekannt geworden sein. Ver­trauen Sie mir, als ob.ich ihre Mutter wäre, die Sie vor vielen Jahren verloren haben, und setzen Sie mich in die Lage, Ihnen zu helfen. Sagen Sie mir, wer war dieser Mann."

„Ich kann es nicht, Lady Wolga. O, es ist als ob mein Herz brechen sollte! Sie werden das Vertrauen zu mir verlieren, wenn es nicht bereits verloren ist, und ich möchte lieber sterben, als von Ihnen verkannt zu sein. Das Geheimniß,

servativen" Hinterleute, die gegen Katholiken nun­mehr denselben Ton anschlagen, den das Blatt bisher gegen Juden festhielt.

* Die deutsche Industrie hat neuerdings in England zwei schöne Erfolge errungen. Der englische General-Postmeister hat einer deutschen Firma die Lieferung von Postkarten übertragen, und der Director des Kriegsministeriums für Contracte, Reveau, erklärt in einem Schreiben an die .Industrielle Union' in Liverpool, daß die für den englischen Militairdienst angenommenen besten Pulversorten deutschen Ursprungs seien, und daß, so lange die Zusammensetzung derselben ein Ge­heimniß bleibe, die Bestellungen in Deutschland gemacht werden müßten.

"Breslau, 4. Dez. Die .Schlesische Kirchen­zeitung' hat auf dem Gebiete der Geschichte so reiche Lorbeeren geerntet, daß sie sich nun auch auf das der Literaturgeschichte wagt. Sie schrerbt: „Daß alle deutschen Dichter, mit Ausnahme des Friedrich v. Spee, Protestanten sind, ebenso alle hervorragenden Philosophen, ist bekannt!!!" Muß man sich denn, sagt dazu die „Schl. Volksztg.", nun mit aller Gewalt blamiren, Herr Diakonus? Hoffentlich erfreuen Sie uns nächstens mit einem fulminanten Artikel über die Nothwendigkeit des „Kulturexamens" für — katholische Geistliche.

* Elberfeld, 3. Dez. In der Prozeßsache wider Reinsdorff und Genoffen wurde, als ein weiteres aus das hier verübte Verbrechen bezüg­liches Heberführungsstück jener bei der Explosion zertrümmerte Stuhl aus dem Restaurant Willemsen, unter welchen die Dynamitpatrone gelegt war, nach Leipzig gesandt.

• Karlsruhe, 4. Dez. Die nationalliberale (!) ,Bad. Landeszeitung' ließ sich am letzten Freitag unter ,,* Karlsruhe, 28. Roo." an der Spitze der politischen Hebersicht also vernehmen:

„Seitdem die Ultramontanen, außer sich da- „rüber, daß von Seiten des Bundesrathes der vom „vorigen Reichstage angenommene Antrag Windthorst's „auf Aufhebung des Ausweisungsgesetzes verworfen „worden ist, beschlossen haben, an der feierlichen „Eröffnung des Reichstags durch den Kaiser nicht „theilzunehmen, was ihnen im ganzen Reiche „sehr verübelt worden ist, darf man sich daraus „gefaßt machen, daß von ihrer Seite her sehr Arges „unternommen werden wird. Denn wenn diese „Partei sich bereits weigerte, dem Staatsobcr- „haupte ihre schuldige Ehrfurcht zu bezeugen.

um welches Sie mich fragen, ist nicht das meinige und deshalb darf ich es nicht sagen!" rief Alexa, verzweifelnd die Hände ringend.

Lady Wolga's Augen wurden strenger.

„Alexa," sagte sie. „Ihr Vater ist nicht hier und kann nicht auf Sie achten; ich aber würde eine schlechte Freundin sein, wollte ich Unterlasten, Ihr volles Vertrauen zu verlangen, oder zu dulden, daß Sie in Ihrer Unerfahrenheit in die Hände eines Unwürdigen fallen. Sie lieben Lord Kingscourt. Weiß er von dem nächtlichen Besuch?"

„Nein, nein!"

„Werden Sie es ihm erzählen?"

„Nein, Lady Wolga, um Alles in der Welt nicht!"

„Was soll ich davon denken? Mein Herz hängt an Ihnen, aber ich muß Ihr Geheimniß wiffen. Ich muß es wissen, um Ihrer selbst willen. Sie können mir sicher vertrauen. Ich werde Ihre Mittheilungen treu bewahren. Ich beschwöre Sie, Alexa, erzählen Sie mir die ganze Wahrheit."

Alexa stand auf; sie war todtenbleich und aus ihren Augen perlten aus's Neue heiße Thränen.

„Ich kann es Ihnen nicht sagen," erwiederte sie. „O, Lady Wolga, was müssen Sie von mir denken? Ich würde lieber sterben als Ihre Ach-

„was wird sie erst gegen die von deffen ersten Rai „gebern und beziehungsweise vom Bundesrathe au „gehenden Vorlagen im Schilde führen u. s. w."

Der Artikel war auf Sensation berechn« Daß derselbe den Stempel der frechen Lüge off an der Stirn trug, mußte für Jeden, der t Centrumspartei kennt, auf den ersten Blick kl sein. Nichtsdestoweniger wandte sich die Redakti des ,Bad. Beob.' nach Berlin, um festzustelle ob vielleicht irgend ein dortiges Blatt ein bezü liches Gerücht verbreitet und zu diesem infam« Artikel Anlaß gegeben habe. Von dem badisch Reichstagsabgeordneten und Centrumsmitglie Freiherrn von Buol-Berenberg traf die Mittheilu: ein, an der ganzen Geschichte sei kein wahr Wort, das Centrum sei bei der feierlichen Erö nung des Reichstages durch den Kaiser, offizi und zahlreich vertreten gewesen. —

Der Sachverhalt ist also kurz der: Das Hau; blatt der nationalliberalen Partei in Baden h« um das Centrum vor der öffentlichen Mein» zu mißkreditiren, um seine Mitglieder als Fein des Kaisers und Reiches hinstellen zu können, i Nachricht erfunden, die Centrumspartei, die stärk Partei im Reiche, habe offiziell beschlossen, ostr tativ der Reichstagseröffnung durch den Kai fernzubleiben und dem Kaiser die schuldige EI furcht zu verweigern. Dabei darf nicht überseh werden, daß, offenbar, um die ganze Räub geschichte den liberalen Philistern glaubhafter machen, die weitere Lüge hinzugefügt ist, die' I (ganz und gar erdichtete) Verhalten sei bi Centrum im ganzen Reiche (!) sehr schwer nJ übelt worden. Durch diese zweite Lüge hat d ehrenwerthe Blatt sich selbst die etwaige Ausre! man habe es mit dieser Nachricht mystifizirt, v vornherein abgeschnitten. Die Frivolität die l nationalliberalen Verläumdung ist also in t That mehr al» empörend. Man ersieht daraii wie es die nationalliberalen Herren mach« um den „Ultramontanen" beizukommen. I

Ausland.

□ Linz, 4. Dez. Die Exequien beim Leich begängnisse des f Fürstbischofs Rudigier na! Se. Eminenz der Kardinalerzbischof von Wien un Assistenz des Fürstbischofs Zwerger von Graz, I Bischofs Binder von St. Pölten, des Armee schoss Gruscha von Wien und des Weihbischi

tung verlieren, und doch kann ich Sie in m Geheimniß nicht einweihen!"

Lady Wolga erhob sich; ihr Gesicht war fai los, wie das des Mädchens.

„Wo kein Vertrauen ist, kann keine Liebe fein sprach sie mit sichtbarer Kälte. „Wenn Sie n das Eine schenken, gebe ich Ihnen das Ande Inzwischen lassen Sie uns keine Zeichen gegk fettiger Zuneigung mehr austauschen. Sie werd morgen auf vierzehn Tage zu Mr. Jngestre n« Mont Heron gehen; sollte diese wünschen, E länger bei sich zu behalten, so haben Sie 1 Freiheit bei ihr zu bleiben!"

Und mit einem traurigen: „Gute Nacht!" u mit- einem Blick, welcher zeigte, wie tief sie i Herzen verwundet war, verließ Lady Wolga d Zimmer.

Alexa stand da wie erstarrt; lange noch blic sie nach der Thür, durch welche ihre Mutter v« schwunden war. Daun warf sie sich auf'S SopI und weinte bitterlich.

„Das ist eine förmliche Entlassung!" dachte j „Sie wird mir nicht gestatten, zu ihr zurück; kehren. Ich habe ihre Liebe, ihre Achtung u: ihr Vertrauen verloren. O, Himmel, erbarme D meiner! Es ist zu viel, was ich zu tragen habe