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1884

Fuldaer

(Nachdr. verb.)

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72)

fort,

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Pfarr- und 8 Jndianerschulen, und nach dem Maße der Einwanderung wird sich auch die Zahl der Priester und Lehrer, Gotteshäuser und Schulen vermehren.

Deutsche Katholiken muffen möglichst nur nach solchen Gegenden auswandern, wo der deutschen Sprache kundige Priester und Lehrer zu finden, und ihre Kinder gleichzeitig englischen und deutschen Schulunterrichts theilhaftig werden können; man darf keck behaupten: „nur da, wo der Einwanderer mit seiner Familie die Muttersprache pflegen und bewahren kann, bleibt er ein treues Mitglied der katholischen Kirche."

Arrr Auswanderungs-Frage.

I.

Wie einst die astatische Völkerwanderung sich dem westlichen Europa zuwälzte, also wiederholt sich insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hundert ein ähnliches Schauspiel bei den Europa­müden nach dem Westen Nordamerikas, das der Besiedelung und dem Verkehr fort und fort neue Gebiete eröffnete durch die Fortsetzung seiner Haupt- schienenwege und deren Abzweigungen, so daß heute durch sie der atlantische mit dem stillen Ozean be­reits verbunden ist.

Zur Zeit des Goldftebers bedurfte es einer län­geren, gefahrvollen Reise zu Waffer von Newyork nach der kalifornischen Küste, jetzt wird die unge­heuere Entfernung per Dampfroß für sh. 65,00 in 8—10 Tagen zu Land zurückgelegt, wobei Rei- sendeg reichlich Gelegenheit geboten wird, sich von dem Wechsel verschiedenartigster Naturscenerien und

ober

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Innerstes getroffen hatte.

„Miß Strange," sagte Lady Wolga freundlich, „ich bitte Sie zu glauben, daß ich keinen Theil an dieser Scene habe. Ich bin fest überzeugt, daß Lady Markham sich in einem Jrrthum be- findet. Meine alte Freundin scheint hart und grausam zu sein, aber ich glaube an den Ernst ihrer aus Ueberzeugung hervorgebrachten Aeuße- r untren. Ich weiß, daß Sie Ihre einfache Ver- „enjung ihrer Beschuldigung als Beweis ihres Jrrthums ansehen wird. Ich bitte Sie nicht um meinetwegen, denn ich zweifle nicht an Ihnen, sondern um Ihrer selbst willen; sagen Sie Lady Markham, daß sie sich in einem Jrrthum be­findet. Sie sind eine Fremde in England und

„Miß Strange," fuhr Lady Markham fort, „können Sie es leugnen, daß Sie in Lady Wolga's Dienst getreten sind, um ihre eignen, geheimen Zwecke zu verfolgen?"

Ein leises Zucken, ein Zittern am ganzen Körper zeigte, daß diese Frage Alexa bis in ihr

Weihnachts-AnMgtr.

Wir beabsichtigen, in diesem Jahre als GratiS- Beilage zu unserer Zeitung einen

Weihnachts-Anzeiger herauszugeben, der am 6., 13. und 20. dS. Mts. erscheint.

Derselbe soll außerdem in vielen Exemplaren gratis zur Vertheilung gelangen, weßhalb eine Gesammt-Auflage von ca. 4000 «ttmpl-rrn her- gestellt wird.

Der Weihnachts-Anzeiger enthält als Originalarbeiten eine Auswahl interessanter Weih­nachts-Erzählungen, sowie gediegene Fest-Artikel von bekannten Autoren.

Bei der großen Verbreitung dürften Inserate, die speziell auf das Weihnachtsfest Bezug haben und Empfehlungen van Gegenständen enthalten, die ' sich zu Fest-Geschenken eignen, von ganz besonderer Wirkung sein.

Wir berechnen die Zeile mit nur 10 Pfg. und gewähren bei wiederholter Insertion entsprechen­den Rabatt. Aufträge werden baldgefl. erbeten.

Fulda, im Dezember 1884.

Hochachtungsvoll

Die Redaktion und Sr-rditivn der Faldarr Zeitung.

Die Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnemcntLpreis ohne Bringerlohn undBestellgeld: 1 Mk. SO Pfg., m,t bet ' ä (r ’ belletristischen Wochenbeil-g- .Sterne und Blumen' in Fulba 1 Mk. 70 Psg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile ober beten Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bet Wiederholungen entsprechender Rabatt.________________

den Fortschritten der Jngenieurkunst zu überzeugen. Warum soll der Einwanderer heutzutage nur west­lich gehen? — Weil östlich und südlich aller kul- turfähige Grundbesitz längst in fester Hand, und, abgesehen von der klimatischen Frage, dort kleinere und größere Stapel- und Marktplätze auck mit Gewerbetreibenden und Arbeitern jeder Art bereits überfüllt sind.

Ganz nordwärts sollen sich die Einwanderer wenden, welche in Minen und Bergwerken, bei Bahnbauten und Sägmühlen, oder als Holzfäller, Flößer, oder mit Fischfang und Jagd ihre Nah­rungsquelle suchen wollen, und sich auch nicht an einen langen strengen Winter kehren.

Die christianlsirten Indianer des Nordwestens aber thun friedfertigen, gefälligen und gastfreund­schaftlichen Weißen nicht nur nichts zu Leide, son­dern Erstere als etwaige Nachbaren der Letzteren beschützen diese auch gegen Raub- und Mordgesindel bei eigener Lebensgefahr. — Viele Indianer besitzen bereits größere Farmen (Güter), bebauen sie rich­tig, treiben Vieh« und Pferdezucht, haben reinliche, wohnlich eingerichtete Häuser und führen ein muster­haftes Familienleben. Manche erlernen Handwerke, Andere ernähren sich von Jagd, Fischfang und wiederum Andere, Männer wie Weiber, mit Pelz- und Fellenhandel, Hausiren und Tauschhandel, ähn­lich den Juden.

So werden denn — Dank den» großen Anstren­gungen und Fleiße der Priester und Missionäre — die Kinder der Wildniß allmählich der.christlichen Kirche zugeführt und durch diese der wahren Civi- lisation Segnungen theilhaftig gemacht. Und solch' erhabenem, geheiligtem Zweck widmet sich ganz be­sonders mit unermüdlichem Eifer und Hingebung der apostolische Vikar und Bischof von Dakota, der hochw. Herr Martin Marty, O. S.B, der alljähr- sich seine weit ausgedehnte Diözese 1—2 mal bereist, sich nach den religiösen Bedürfnisten und Wohlergehen seiner Gläubigen eingehend erkundigt; bei Gründung von kath. Gemeinden, Kirchen, Schulen rc. mit Rath und That hilft; Wünsche, wenn immer erfüllbar und berechtigt, berücksichtigt, so z. B. ihnen tüchtige Priester und Lehrer stellt, die der deutschen wie der englischen Sprache mäch­tig sind. — Seit dieses Oberhirten Wirken (1880) befinden sich nun im Bisthum Dakota 45 Prie­ster, 82 Kirchen und Kapellen, 75 Missions­stationen, 6 Klöster, 6 höhere Mädchenschulen, 12 deshalb ist es undenkbar, daß Sie mit einem be­freundeten Manne in meinem Garten zusammen­getroffen sein können."

Alexa hatte sich aufgerichtet. Lady Wolga, ihre eigene Mutter, schien zu ihrem Richter ge­worden zu sein. Sie fühlte ein allmächtiges Sehnen, sich an die mit Juwelen gezierte Brust biefer Frau zu flüchten, die Liebe zu fordern, auf welche sie einen rechtmäßigen Anspruch hatte und ihren ganzen Kummer auszuweinen; aber wieder war es der Gedanke an ihren Vater, der sie stärkte, dem gewaltsamen Drängen Widerstand entgegensetzen zu können.

Sie dachte daran, in welcher Gefahr ihr Vater schwebte, daß sein Geschick, sein Leben von ihrer Vorsicht abhing. Sie konnte die Aussage der Lady Markham nicht in Abrede stellen, lieber wollte sie Alles ertragen, was auch über sie kommen mochte. Keine Furcht war es, die aus ihren Augen sprach, aber ein inständiges Flehen, welches Lady Wolga einen Stich ins Herz gab, fand in denselben Ausdruck.

„Ich kann diese Beschuldigung, welche Lady Markham gegen mich hervorbringt, nicht in Abrede stellen," sagte sie zitternd; „aber ich bin keine Un­würdige. Ich bin keine Abenteuerin! Glauben

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Dezember.

(♦) Der König von Sachsen empfing anläßlich seiner Anwesenheit in Berlin am Sonntag eine Deputation der sächsischen Abgeordneten aller Par­teien mit Ausnahme der Sozialdemokra­ten. Der König unterhielt sich mit den Herren in leutseligster Weise und nahm ein besonders reges Interesse an dem Gange der Reichstagsarbeiten.

* Offiziös wird geschrieben: In der Thronrede zur Eröffnung des Reichstages wird der Versuch, der Rübenzuckersteuer im Wege der Reform höhere Reinerträge abzugewinnen, für jetzt durch die Nothlage der beteiligten Industrie und der in Mitleidenschaft gezogenen Landwirtschaft als er­schwert bezeichnet. Hieraus darf der Schluß ge­zogen werden, daß der dem Reichstage im Juni d. I. vorgelegte, aber nicht mehr zur Beratung gelangte Gesetzentwurf über die Zuckersteuer wäh­rend der laufenden Session im Reichstage nicht wieder eingebracht werden wird. Dieser Gesetzentwurf schlug eine Erhöhung der Rübensteuer von 80 auf 90 Pf. für den Gentner vor und wollte es bei der bisherigen, durch das Gesetz vorn 9. Juli 1883 von 9 Mk. 40 Pf. auf 9 Mk. für den Cent- ner Rohzucker ermäßigten Ausfuhrvergütung be­lasten, weil, wie es in den Motiven zu dem Ge- setzentwurf hieß, die „begründete Hoffnung" bestehe, es werde insbesondere durch weitere Fortschritte im Rübenbau und in der Fabrikationstechnik in Zu­kunft zu einem vollständigen Ausgleich zwischen der Steuer und der Steuervergütung kommen. Die Enquetekommission hatte eine Verbindung der Steuer- erhöhung mit der Ermäßigung der Ausfuhrver-

Sir mir, Lady Wolga; ich beschwöre Sie, ver- trauen Sie mir. Eines Tages vielleicht kann ich Ihnen Alles erklären, nur jetzt darf ich es nicht."

„Sie trennten sich nicht im Garten von einem Manne unter Küsten und Umarmungen?" fragte Lady Wolga, das Unglaubliche noch immer nicht fastend.

Alexa erröthete.

„Ich läugne es nicht," entgegnete sie standhaft. „Dann war es Lord Kingscourt. Das hat nichts Besonderes auf sich, mein liebes Kmd —"

„Der Mann war nicht Lord Kingscourt," fiel Lady Markham ein.

„Nein er war es nicht," bestätigte Alexa, „O, Mylady, schonen Sie mich! Wenn Sie mir nur eine zeitlang Vertrauen schenken könnten."

Lady Wolga schien verwirrt und bekümmert. Ihr Vertrauen war nicht leicht zu erschüttern. Sie hatte das Mädchen lieben gelernt mit einer Zärtlichkeit, die ihr selbst unerklärlich war. Daß Alexa ein Geheimniß besaß, war ihr klar; aber wie konnte sie etwas Schlechtes von diesem Mäd­chen glauben? Sprachen doch ihre Augen voller Treue und Aufrichtigkeit für die Reinheit ihrer Seele.

In ihrer Unentschlostenheit und Verwirrung machte sie der Scene ein rasches Ende.