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M 27«. Dienstag, den 2. Dezember 1884*

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint ttzlich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Lbonnem«it»vreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Woch-nbeilage .Sterne uuö Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Roum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Fuldm

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Dezember.

* Sicherem Vernehmen nach wird der Bundes­rath die Postsparkaffen-Vorlage in der Weise um­ändern, daß sie auf Bayern nicht Anwendung findet. Württemberg hat sich die definitive Ent­scheidung noch vorbehalten.

* Es liegt, wie man der ,Nat.-Ztg.' schreibt, in der Absicht der Reichsregierung, die Berathun- gen des Rei chs tages zunächst nur so lange fort­setzen zu laffen, bis der Reichshaushalts-Etat und die Dampfervorläge festgestellt sind. Man geht angeblich von der Ansicht aus, daß dies bis zum 1. Februar k. I. zu erreichen sein wird. Sodann soll, je nachdem dringende Vorlagen vorhanden sind, entweder eine Vertagung des Reichstags bis zum Frühjahr erfolgen, bis der preußische Landtag die von ihm zu lösenden Aufgaben erledigt haben wird, oder im Februar der Schluß des Reichstages erfolgen.

* Im Finanz- und Justizministerium wird eifrig an der Aenderung des Gerichtskosten­wesens gearbeitet, wonach die Aufgabe der Er­hebung, Beitreibung und Verwaltung der Gerichts­kosten mit dem 1. April k. I. ausschließlich den Gerichten zufallen wird. Es wird beabsichtigt, bei den kleineren Amtsgerichten den Gerichts­schreiber mit der Erhebung und Verwaltung der Kosten zu beauftragen und den aufsichtführenden Amtsrichter als Kassenkurator fungiren zu lassen, dagegen bei allen größeren Amtsgerichten, insbe­sondere bei denen am Sitze eines Landgerichts, besondere Gerichtskassen zn schaffen, die dann auch die Gerichtskosten für die Landgerichte zu erheben und für beide Gerichte sämmtliche Ausgaben zu bestreiten haben, und endlich für jeden Ober- landesgerichtsbezik, und zwar am Sitze des Ober­landesgerichts, eine Justizhauptkaffe einzurichten, welche einen Kontrolleur, einen Rendanten und einen Kassirer, sowie mehrere Justiz-Hauptkassen- Buchhalter erhalten wird. Die Beitreibung der Gerichtskosten, soweit sie bisher durch die Voll­ziehungsbeamten der Steuerbehörde erfolgte, soll den Gerichtsvollziehern übertragen werden, bezw. dürften Gerichtsdiener mit dem Amte als Hilfs­gerichtsvollzieher betraut werden.

* Nach dem neuesten ,Mil.-Wochenblatt' sind 1 Major, 5 Premierlieutenants und 4 Sekonde- lieutenants aus preußischen Regimentern zum

xAtkra

oder

Auf dunkle» Wegen.

Roman von E. Wagner.

,,Das ist eine Spur, aber kannst du sie ver­folgen, Alexa?"

„Ich will es versuchen. Ich gehe morgen auf vierzehn Tage nach Schloß Mont Heron zum Besuch der Mrß. Jngestre, der Wittwe von Lord Montheron's älterem Bruder. Was vermag ich in diesen zwei Wochen nicht alles zu ermitteln!"

„So hast Du einen Verdacht auf Pierre Re- nard?" fragte Mr. Strange gedankenvoll.

„Ja Vater, ich glaube, daß er der Mörder meines Onkels ist," antwortete Alexa voller lieber« zeugung.

„Manchmal hoffte ich, daß es Dir gelingen werde, die Schatten zu beseitigen, welche so lange auf meinem Namen lagen, und dann wieder ver­zweifelte ich gänzlich. Das Glück scheint mich verlassen zu haben. Ich bin ein Flüchtling und ein geächteter gewesen so viele Jahre lang, daß ich nicht daran glauben kann, je wieder zu Ehren und Ansehen zu gelangen. Doch davon wollen

braunschweigischen Infanterie-Regiment Nr. 92 abkommandirt, während 1 Major von diesem Regiment zur Dienstleistung beim Leibregiment in Frankfurt a. O. beordert ist. Zum 92. Regiment sind jetzt im Ganzen 13 preußische Offiziere, stimmt- lich unter Stellung ä la suite ihrer betreffenden Regimenter, kommandirt. Diese Kommandirung dürfte die Vorstufe zu einem definitiven Uebertritt in braunschweigische Dienste sein; angeblich leidet das braunschweigische Regiment an einem außer­ordentlichen Offiziersmangel.

* Aus der Pfalz, 1. Dez. Der ,Pf. B.' schreibt: Die Generaldirektion der Großh. Badi­schen Staatseisenbahnen hat folgende Verfügung erlassen: „Durch eingekommene Beschwerde ist zu unserer Kenntniß gebracht worden, daß die die Züge Zwecks des täglichen Schulbesuches benutzenden Schüler nicht selten Zeuge unanständiger Unterhal­tungen sind, welche in deren Gegenwart von erwach­senen Reisenden geführt werden. Um dies zu ver­meiden, ist das Zugspersonal anzuweisen, die Schü­ler thunlichst in ein Koup« und jedenfalls nicht mit solchen Erwachsenen zusammenzusetzen, von welchen die Führung unsittlicher Gespräche zu be­fürchten steht."

"Limburg, 1. Dez. Es wird seitens der nassauischen Centrumspartei beabsichtigt, »in jedem Wahlkreise einen besondern Wahlverein zu bilden. Die Mitglieder sollen einen kleinen Beitrag zahlen. Jeder Wahlkreis wählt einen Vertreter für den allgemeinen Wahlverein in Nassau. Wenn dieses Projekt verwirklicht lpird, so könnte, da eine Neu­wahl des Reichstags in nicht weiter Ferne zu sein scheint, dadurch erzielt werden, daß die Centrums­partei auch den ersten und vierten nassauischen Wahlkreis eroberte.

Ausland.

(*) Linz a. d. Donau, 30. Nov. Der gestern verstorbene hochw. Hr. Bischof Franz Josef Rudigier war am 6. April 1811 zu Parthenen in Vorarl­berg geboren, am 12. April 1838 zum Priester geweiht, später als Professor der Moral an der bischöflichen Anstalt in Brixen angestellt, und darauf zum Studiendirektor am Frintaneum und zum k. k. Hoskaplan in Wien ernannt. Am 19. Dezember 1852 zum Bischof von Linz erhoben, ward er am 10. März 1853 als solcher präconisirt. Er wußte

wir nicht sprechen. Erzähle mir von meinem Vetter Roland Jngestre, dem jetzigen Marquis."

„Er ist geehrt und geachtet von Jedermann und auch beliebt. Er ist freundlich in seinem Wesen; aber er scheint schwermüthig und von schwacher Gesundheit zu sein."

„Wann wird er sich verheirathen?" fragte Mr. Strange stockend.

„Ich glaube sehr bald," antwortete Alexa traurig.

„Er liebt sie?"

„Von ganzer Seele; er hat sie schon seit Jahren geliebt."

„Und sie liebt ihn auch?" fragte Mr. Strange weiter; aber nur mit Anstrengung brachte er die Worte hervor.

„Ich weiß es nicht, Vater. Ich denke, sie achtet ihn, aber sie kann Dich nicht vergessen haben, dessen bin ich gewiß. Sie meint, Du seist tobt."

„Ich bin tobt für sie. Wir müssen sie bei dem Glauben laßen, bis ich einst gerechtfertigt sein werde. Ist der Tag der Hochzeit festgesetzt, Alexa?"

„Ich glaube es. Lady Markham, eine Freun-

aus den fernsten Diözesen Deutschlands, wie aus anderen böhmischen, seeleneifrige Priester in seiner Diözese anzustellen und dadurch einen ganz neuen Geist, einen Geist der Thatkraft in derselben zu verbreiten. Die Diözese Linz wurde ein blühender Garten, ein reichtragender Acker, eine palmenreiche Oase im Katholizismus Oesterreichs. Sein Hirten­brief vom 7. September 1868 bekämpfte uner­schrocken und muthig die neuen konfessionellen Ge­setze, verursachte dem Bischof aber eine Kerkerstrafe von 14 Tagen, die er unter Anwendung von Ge­walt antrat, aber am selben Tage durch Begna­digung beendet sah. Jener Tag der rohen Staats­gewalt war eine neue Glorie für den Bischof von Linz, während seine Feinde triumphirten, um gleich darauf vor der Huld des Kaisers zu erstaunen. Seine fernere Thätigkeit bis zu seiner letzten Er­krankung, vor welcher die Sache Roh rweck seiner Namen in alle Welt trug, war eine unausgesetzte, eine unermüdete." Sie bewirkte schließlich seine Er­krankung und seinen Tod, und so starb er mitten im Kampfe der Pflicht.

* Paris, 1. Dez. ,Agenze HavaS' meldet Ferry empfahl in einem Cirkular den diplomatischen Agenten, den Mächten von dem vollständigen Er­löschen der Cholera in Frankreich Mitthciiung zn machen und die Aufhebung der Quarantäne zu beantragen.

** lieber die mehrfach erwähnte Affaire Morin- Hugues schreibt man aus Paris folgende Details: Am 27. Ngv. hat sich im Palais de Justize ein blutiges Drama abgespielt. Man wird sich viel­leicht noch erinnern, daß ein Agent d'Affaires Morin vor nicht langer Zeit wegen Verleumdung der Madame Claris Hugues zu zwei Monaten &e fängniß verurtheilt wurde. Seitdem hat der 21 gem mehrere Male Berufung eingelegt und die Ange legenheit zog sich in die Länge, ja schien sogar ein für den Verleumder günstiges Ende nehmen zu wollen, Am 27. kam die Sache wieder vor „chambre des appels correctionels“ vor. Ma­dame Cloris Hugues war außer sich, daß du Richter dem Verurtheilten einen neuen Termin be­willigten, aber Niemand glaubte, daß die Sach< noch einen so tragischen Ausgang nehmen sollte Kurz vor Mittag verließ Madame Hugues air Arme des Deputirten Gatineau den Gerichtssaal als sie im Salle des Pas perdus Morin bemerkte, der, als er ihrer ansichtig wurde, schnell zu ent-

din der Lady Wolga, sagte mir, daß die Hochzeit bald stattfinden werde."

Mr. Strange seufzte schwer.

„Ist sie glücklich?" fragte er weiter.

„Sie ist so stolz, daß man nicht erkennen kann, ob sie wirklich glücklich ist; aber sie ist immer freundlich gegen mich.

„Sie ist Dir zugethan, Alexa?"

„Es scheint, als ob eine innere Stimme ihr Herz für mich erwärmt hat. Und ich habe sie lieben gelernt. Bei all' ihrem Stolz und ihrer Kälte hat sie ein warmes und zartfühlendes Herz!" entgegnete Alexa mit Wärme. „O, wenn das Schickial sich doch zu unseren Gunsten wendete und Du mit ihr vereinigt würdest!"

Mr. Strange stand plötzlich auf; er bemühte sich, eine heftige Aufregung niederzukämpfen.

„Eine Wiedervereinigung zwischen Deiner Mutter und mir würde auf jeden Fall unmöglich sein," sprach er nach einer Weile mit gepreßter Stimme. „Sie wähnt mich fern in einem unbekannten Grabe und hat einen andern Mann lieben gelernt. Eine unausfüllbare Kluft trennt uns. Und dennoch fühle ich, daß ich sie nie vergessen kann, daß ich sie immer lieben werde."

Er bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen