M 276.
Sonnabend, den 29. November
1884.
Di«
Fuldaer Zritung erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher «bonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellaeld- 1 Mk 50 «fo belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfa ’ '
_ Inserate: Dre einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt
— mit der
der hl. Sa-
sofern dazu
der Marien-
die Erfolge
68)
(Nachdr. Derb.)
Der Marquis von Montheron hatte sich Denen angeschloffen, welche Alexa für eine Abenteurin hielten. Sie erinnerte ihn unangenehm an seinen unglücklichen Verwandten Lord Stratford Heron, und er rieth Lady Wolga oft, ihre Gesellschafterin zu entlaffen. Er hatte sehr darauf gerechnet, daß Lady Wolga's Alleinsein sie ihm näher bringen würde, und ihre Zuneigung zu Alexa erschien ihm gefährlich zu werden.
Die Gäste auf Schloß Mont Heron waren abgereist, mit Ausnahme Lord Kingscourl's und seines Freundes Berlin Kollys. Mrs. Jngestre war sich meistens allein überlassen und fühlte sich daher um so verlassener. Damit steigerte sich auch ihr Verlangen nach einer Gesellschafterin, die ihr aufwarten und vorlesen konnte, welche theiluehmend ihre Klagen anhören und ihr die Langeweile vertreiben möchte.
Sie hatte noch nicht gewagt, Lady Wolga von
Auf das eigentliche Thema des Vortrages eingehend, führte Hr. Schmitt zunächst aus, daß als I Mutter der Marian. Sodalitäten die G e s e l l s ch a f t Jesu zu betrachten sei. Ignatius von Loyola, sagte er, der Stifter jenes Ordens, war bekanntlich ein Kriegsmann, und so erklärt es sich, daß der Jesuitenorden und ebenso die von demselben zu seinen Zwecken gegründeten Vereine etwas Militärisches haben, daß sie stramm und fest organisirt sind. Die Gesellschaft Jesu erschien gleichsam als Hülfstruppe, als Retterin zu jener Zeit, da der Sturm der Reformation die Kirche zu erschüttern drohte. Und was die Kirche damals in Europa einbüßte, hat ihr der Jesuitenorden in anderen Welttheilen doppelt und dreifach zurückerobert. Die Gründung der Marien-Sodalität soll des Jesuitenordens größte That gewesen sein. Die ersten Anfänge ihrer Gründung finden wir in Syrakus, wo Pater Cabarrasi zunächst die besten seiner Schüler,
Die Marianische Sodalität.
Fulda, 27. Rov. 1884.
** Wie bereits kurz erwähnt, hielt der Präfekt der hiesigen Marianischen Sodalität, Herr Josef Schmitt, am letzten Dienstag Abend im großen Saale der „Harmonie" über Entstehung, Geschichte und Erfolge dieses Vereins einen zweiten Vortrag, welcher dazu dienen sollte, die Mitglieder auf die am Sonnabend beginnende 300jährige Jubiläumsfeier vorzubereiten. Der Vortrag hatte nach unfern Aufzeichnungen folgenden Hauptinhalt:
Der hl. Vater, so begann der Vortragende, hat ! bekanntlich vor einiger Zeit ein Rundschreiben gegen die Freimaurer und überhaupt gegen alle dem christlichen Glauben und der christlichen Sitte feindlichen Gesellschaften erlassen, in welchem er als das wirksamste Gegengewicht die katholischen Vereine bezeichnete und zwar insbesondere die katholischen Arbeitervereine, den dritten Orden des hl. Franziskus, den Vincenzverein und die Marianische Sodalität. Letztere feiert nun dieser Tage ihr 300jähriges Jubiläum, denn am 5. Dezember 1584 wurde die erste Marian. Sodalität in Rom feierlich errichtet. Der hl. Vater hat nun allen Mit- gliedern der Marian. Sodalitäten, welche mit jener Hauptsodalität in Rom verbunden sind, die Früchte, Ablässe 2c. des 300jährigen Jubiläums zugewendet, sofern sie dasselbe nach seiner Intention mitbegehen, und das soll, wie überall, so auch in Fulda geschehen. Ueber die Feier selbst wurde bereits Einiges mitgetheilt.
abseits, um dem Spiel zuzusehen. Alle andern Damen waren zur Theilnahme am Spiele bereit und ergriffen die Bälle; nur eine blieb übrig.
„Sie haben das Spiel gelernt, Alexa," sagte Lady Wolga. „Sie müssen eine Partie übernehmen. Nehmen Sie den Ball, mein Kind."
Ehe Alexa ablehnen konnte, was ihre Absicht war, ließ eine junge Dame ihren Ball fallen und äußerte, sie möchte lieber einen Spaziergang nach den Klippen machen. Ihrem Beispiele folgte eine zweite, und sie gingen Arm in Arm dem Strande zu. Einige Andere zogen sich ebenfalls unter verschiedenen Vorwänden zurück, und nur zwei ältliche Damen blieben auf ihrem Posten verwirrt und halb unschlüssig zurück.
Diese kleine Revolte war ganz ruhig verlaufen.
Nicht ein Ton oder Blick deutete die Ursache des plötzlichen Auseinandergehens der Spielerinnen an; aber Alexa wußte sehr gut, was cs zu bedeuten hatte, und das Blut schoß ihr in die Wangen. Auch Lady Wolga schien die Ursache zu begreifen, denn ihre Augen schleuderten zornige Blitze. 3
ihrer Absicht, Alexa zu sich in'5 Schloß zu nehmen, in Kenntniß zu setzen, aber sie beschloß, nun nicht länger zu zögern. Sie glaubte, daß Lady Wolga bald nach London zurückkehren werde, daß ihr Hochzeitstag bereits festgesetzt war und daß sie Alexa sehr wohl entbehren konnte.
„Gewiß wird es Lady Wolga eine Erleichterung sein, wenn ich ihr anbiete, das Mädchen von ihr zu nehmen," dachte sie. „Roland kann Miß Strange nicht leiden, aber er hat nichts dagegen, wenn ich sie als Gesellschafterin um mich habe. Ich will noch heute nach Clyffebourne gehen und mit Lady Wolga über die Sache sprechen."
Sie machte sogleich sorgfältig Toilette und bestellte einen Wagen.
Die Damen von Clyffebourne waren seit einigen Tagen durch ungünstige« Wetter an's Haus ge- feffelt gewesen. Dieser Tag aber war milde und angenehm und die Gäste befanden sich auf dem großen Platze beim Croquetspiel. Alexa war auf den Wunsch der Lady mit ihnen hinausgegangen, obwohl sie sich lieber auf ihr Zimmer zurückgezogen hätte.
Lady Wolga und Lady Markham standen etwas
X Alk!«
oder
Auf dunklen Wegen
Roman von E. Wagner.
einer besonderen Verehrung Maria's veranlaßte, so daß ihr Beispiel auf alle übrigen Studenten mächtig wirkte. Die zweite Marien-Sodalität dieser Art wurde bald darauf an der höheren Studienanstalt in R o m gegründet unter dem Titel „Mariä Verkündigung". Ihre Wirksamkeit war eine so segensreiche, daß Gregor XIII. die Marien- Sodalität im Jahre 1584 als kirchliche Kongregation anerkannte und sie mit allen Rechten und Vorzügen ausstattete. Im Jahre 1599 zählte man bereits 30,000 Studenten zu Mitgliedern der Marien-Sodalitäten. Sixtus V. gestaltete im Jahre 1586,daß auch andereStände eine Marianische Sodalität bilden könnten, und so kam es, daß z. B. Köln 9 und Fulda 4 solcher Sodalitäten besaß. Hauptsächlich verbreiteten fich die Marien-Sodali- täten in Italien, Spanien und Frankreich, weil besonders in diesen Ländern die Verehrung der „Madonna" ohnedies von jeher besonders heimisch war. Die erste Marien-Sodalität auf deutschem Boden treffen wir in Dill in gen, im Jahre 1573, und waren ihre Statuten so ziemlich die- jenigen von heute. Die Mitglieder waren ver« pfiichtet 1) zur besonderen Verehrung Maria's, 2) zur Verrichtung täglicher Gebete, 3) zur 14- tägigen Versammlung, 4) zum monatlichen oder mindestens vierteljährlichen Empfang kramente, 5) zu jährlichen Exercitien, uu^u Gelegenheit geboten wurde und 6) war streng darauf zu halten, daß kein Unwürdiger der Marien- Sodalität als Mitglied angehöre.
Einladung zum Abonnement
auf die
Fuldaer Zeitung
für de» Monat Dezember.
Mit dem 1. Decembsr eröffnen wir ein Abonnement auf einen Monat zum Preise von 50 Pf. ohne Bestellgeld. Bestellungen werden durch die Expedition (Buttermarkt 112), die Postanstalten und auch durch die Landbriefträger entgegengenommen.
Wer die .Fuldaer Zeitung" schon jetzt bestellt, erhält dieselbe bis 1. Dezember gratis.
Gegen Weihnachten erhalten fämmtliche Abonnenten einen in 3 Farben elegant ausgeführten Wandkalender als Gratis-Beilage.
Der mit großem Beifall aufgenommene Roman „Alexa" wird, soweit der Vorrath reicht, auf Verlangen nachgeliefert.
An unsere verehrten Leser richten wir die wiederholte Bitte, die .Fuldaer Zeitung", das einzige Centrumsorgan der Diözese Fnlda und des Regierungsbezirks Kassel, in den Kreisen ihrer Bekannten empfehlen zu wollen, damit nicht die der .Fuldaer Zeitung" einzig und allein gebührende Unterstützung aus Unkenntniß oder Gleichgültigkeit solchen Blättern zugewendet wird, die der katholischen Sache entweder schroff gegenüberstehen oder ihr vielleicht noch mehr zuwiderhandeln dadurch. daß sie der Halbheit und Verschwommenheit Vorschub leisten.
Die .Fuldaer Zeitung' hat unter den in Fulda erscheinenden Blättern die weitaus größte Verbreitung und eignet sich deshalb am besten zur wirksamen Verbreitung von Anzeigen. Wir betonen dies mit besonderer Rücksicht auf die Weihnachtszeit.
Jnsertionsaufträge wolle man uns stets frühzeitig genug zugehen lassen. Die .Fuldaer Zeitung' muß täglich Vormittags 11 Uhr druckfertig sein, damit sie noch am selbigen Tage in die Hände aller auswärtigen Abonnenten gelangt. Es ist darum dringend nothwendig, daß die betreffenden Anzeigen bis spätestens Vormittags 9 Uhr in unseren Händen sind. |
Wir sehen recht zahlreichen Aufträgen entgegen und werden für solide und möglichst entgegenkommende Berechnung Sorge tragen.
Fulda, Ende November 1884.
Die Redaktion und Erpedition der Fuldaer Zeitung.
Diesen Mitteln entprechend waren der M. S. wahrhaft staunenswerth. Sie bewirkten einen förmlichen Umschwung bei den Studiren- den in ganz Europa und befestigten bei den Bürgern überall einen echt christlichen, entschieden katholischen Sinn. Dessen ist auch Fulda Zeuge, denn als man die Stadt im 30jährigen Kriege zur neuen Lehre bekehren wollte, trat auch nicht ein einziger über. Aus den M. S. sind große Männer, Zierden der Kirche und Zierden auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und der Wissenschaft hervorgegangen. Zu Mitgliedern der M. S. zähl- ten 7 Päpste, 100 Kardinäle, viele Bischöfe, wie Fenelon und Bossuet, mehrere deutsche Kaiser, wie Leopold I., Ferdinand II. und Ferdinand III., mehrere Kurfürsten von Bayern, wie Maximilian, der große Kurfürst, berühmte Feldherren, wie Tilly, Türenne, Nie. Esterhazi, auch Helden der Kunst, r».« v« «um juuu wie Rubens, der berühmte niederländische Maler
denen er grammatikalischen Unterricht ertheilte, zu ' und der Dichter Balde. Ein wahrer Frühling von