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Sonnabend, den 29. Nover

mit bet

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Erstes Blatt.

* Palästinaverein der Katholiken Deutschlands.

Im Anschluß an den vor Kurzem veröffent­lichten Aufruf an die Katholiken Deutschlands zur Bildung eines Palästinavereins wird das Aachener Komitee, das auch einstweilen, nach § 12 der Statuten, den Vorstand des gen. Vereins bildet, von Zeit zu Zeit den Katholiken Deutschlands Mittheilung machen über Alles, was die Jnter- effen des Palästinavereins berührt. Für heute mögen einige Bemerkungen folgen über die Ge­schichte unseres Vereins; denn wenn derselbe auch erst vor einigen Tagen in seiner jetzigen Gestalt in die Oeffentlichkeit getreten ist, so besitzt er nichtsdestoweniger jetzt schon eine Geschichte, so wie er auch jetzt schon einen realen Boden unter sich hat.

Der jetzige Franziskanerpater Ladislaus Schneider besuchte im Jahre 1860, als er noch Priester der Diözese Breslau war, als Pilger das h. Land. Nachdem er später Franziskaner geworden und dann in Folge des sog. „Kulturkampfes" Deutsch- land verlaffen mußte, war er mehrere Jahre in Jerusalem stationirt, bis er vor einiger Zeit nach Alexandria versetzt wurde Schon bei seinem ersten Besuche, und mehr noch bei seinem letzten langjährigen Aufenthalt, gewann Pater Ladislaus die Ueberzeugung, daß, Dank der Fürsorge Roms nnd Dank dem Eiser der Franziskaner im h. Land«, für die religiösen Bedürfnisse der Be­wohner Palästinas im Ganzen hinreichend gesorgt wird, daß es aber um so trauriger in Betreff " ihrer materiellen Lage bestellt ist. Durch fleißige Arbeit sich selbst das tägliche Brot verdienen, scheint den Bewohnern Palästinas fremd zu sein. Weil sie das hl. Land bewohnen, so glauben sie einen Anspruck auf die Almosen anderer Länder zu haben, und verbringen daher ihr Leben zum großen Theil in einer an Müssiggang grenzenden Unthä- tigkeit; und doch nährt das heil. Land, wenn es auch nicht wie ehedem vonWilch und Honig fließt, noch immer seinen Mann, wenn es nur fleißig be­baut wird; desgleichen sind die Bedürfniffe der Bewohner rücksichtlich industrieller Erzeugniffe immer- hin so groß, daß die Pflege des ehrsamen Hand­werks chinreichenden Verdienst gewähren würde,

< l 1 * w * (Rachdr. eetb.)

x Alera oder Auf dunklen Wegen. Roman von E. Wagner.

„Es ist durchaus nicht sonderbar," erklärte stolz der Graf. „Der Räuber Spiridion hatte ihre Heimath zerstört, und sie war gezwungen, irgendwo ein Unterkommen zu suchen. Sie war in Griechenland vor den Verfolgungen jenes Ban­diten nicht sicher, und was konnte somit natür­licher sein, als daß sie nach England kam, dem Lande ihrer Geburt?"

„Wissen Sie," sagte Lady Markham, „es schwebt etwas sehr Räthselhafte» um dieses junge Mädchen. Ist ihr Vater etwa ein verkommener Mensch, Lord KingScourt?"

„Das ist er nicht. Er ist einer der edelsten und trefflichsten Männer, welche diese Welt je­mals gesehen hat," rief der Graf begeistert. „Ec ist ein wahrer und ehrenwerther Gentleman, ein Mann, auf den England stolz sein kann, und für welches es ein Unglück ist, daß er sich eine Wohn­stätte im Ausland« wählte'"

Lady Wolga lächelte zufrieden.

wenn die Bewohner sich nur zum fleißigen und umsichtigen Betriebe der verschiedenen Handwerke verstehen wollten. ,

Eine ähnliche Erfahrung macht Pater Lavtslaus rücksichtlich der vielen Pilger, die alljährlich aus allen Ländern zu den hl. Stätten kommen. Für ihre religiösen Bedürfnisse ist viel geschehen, denn der Kirchen und auch der Priester sind nicht wenige im heil. Lande. Was aber fehlt, wenigstens den deutschen Pilgern fehlt, ist die ihnen neben den anderen Nationalitäten gebührende kirchliche wie soziale Stellung. Während die anderen Nationen: Franzosen, Italiener, Spanier, sogar die Russen großartige Pilgerhäuser, Hospitäler, Schulen und sonstige Institute in Jerusalem sowohl wie an an- deren Orten Palästinas besitzen, wo ihre Lands­leute Aufnahme, Rath und Hülfe finden, von wo aus sie, wenn sie im hl. Lande bleiben wollen, die nöthige Anleitung und Unterstützung erhalten, haben die deutschen Katholiken von allen diesen Dingen — Nichts; und doch fließen jährlich aus dem ka­tholischen Deutschland große Summen nach Valä- stina, die, da es noch an dem deutschen Elemente fehlt, den Instituten der anderen Nationen zu­geschickt werden! Der katholische Deutsche steht trotz der reichen Almosen, die seine Heimath spen­det, als Fremdling im heil. Lande; er wird so­gar, weil er keine Repräsentation, keinen Mittel- punkt, kein Hospiz, kein Hospital — Nichts hat, von den Eingeborenen sowohl rote von den dort ansässigen Franzosen, Italienern u. s. w. zum Min- besten bemitleidet, wenn nicht gar verachtet.

Diese beiden Uebelstände: die Trägheit und Un- geschicklichkeit der Eingeborenen und anderseits die unwürdige Stellung der katholischen deutschen Pil- ger im hl. Lande zu beseitigen, betrachtete Pater Ladislaus als seinen besonderen Beruf und grün- bete zu dem Zwecke unter endlosen Mühen ein deutsches Hospiz in Jerusalem und eine zweite klei­nere Niederlassung in Emaus. Diese beiden Ob­jekte, über die wir bei anderer Gelegenheit unseren Lesern mehr sagen werden, bilden das schon ge­legte .Fundament des Palästinavereins, der hoffent­lich in Bälde aus diesen beiden Senfkörnlein zu einem stattlichen Baum heranwachsen wird.

Außer den Unterzeichnern des Aufrufes bitten wir auch die hochwürdigen Herren Ortsgeistlichen, sowie die verehrlichen Redaktionen, bis allerorts dre

„Ihre Beschreibung entspricht meiner Vor- stellung von Alexa's Vater," sagte sie.

„Aber weßhalb lebt ein solcher Mann rm Auslande?" fragte Lady Markham. „Weßhalb bleibt er in solcher Abgeschlossenheit?"

, Seine Gründe sind mir nicht bekannt," ant­wortete der Graf kalt. „Ich habe geglaubt, daß irgend ein Unglück oder eine bittere Enttäuschung die Ursache seiner Abgeschiedenheit von der Welt sein mochte. Einmal, als ich zufällig eine An­spielung auf seine Gattin fallen ließ, es war in einer meiner ersten Unterredungen mit ihm, — veränderte sich plötzlich sein Gesicht und nahm einen Ausdruck an, daß ich g'aubte, seine Zurück­gezogenheit sei die Folge ihres frühen Todes. Er ist ein Mann von hohen staatsmännischen Talenten, und wenn er zur Rückkehr nach England ver­anlaßt werden könnte, würde er bald eine hervor­ragende Rolle in der Politik spielen. Aber er wird nie zurückkehren."

„Ein geheimnißvoller Einsiedler!' bemerkte der Marguis, mit einem leichten höhnischen Zug auf seinem freundlichen Gesicht. Ein Mann ohne Charakter, verbittert für das ganze Leben wegen einer Enttäufchungl"

„Sie sind im Jrrthum, MarqmS," unterbrach

erforderliche Organisation getroffen ist, die Anmel­dungen zum Eintritt in den Palästinavcrein ent­gegenzunehmen und das betreffende Namensverzeich- niß nebst den Mitgliederbeiträgen (1 Mark) dem Schatzmeister des Aachener Komito's, Rentner Jos. Degraa in Aachen, Peterstraße 54, von Zeit zu Zeit einsenden zu wollen.

Deutsches Reich.

Berkin, 28. November.

• Auf die Aeußerung des Fürsten Bismarck in der Sitzung des Reichstags vom 26. ds., es gäbe nur drei Parteien, welche mit ihm für Kaiser und Reich einträten, erwiderte Frhr. v. Schor- lemer-Alst:

M. H.! Sie werden fühlen, daß der Angriff, den der Reichskanzler aus heiterem Himmel auf uns gemacht hat, mich zwingt, einige Worte zu erwidern. Bei seiner zweiten Rede hat der Herr Reichskanzler in dem Bedürfnisse, seine Herzensmeinung zum Ausdruck zu bringen, viel weniger ruhig gesprochen. Ich werde ihm sehr ruhig antworten und bemerke ihm zunächst, daß seine Ausführungen uns in keiner Weise imponiren. (Sehr richtig!) Wenn er sagte, es seien nur 3 Parteien, welche mit ihm für die Herr­schaft für Kaiser und Reich eintreten, — das ist die er­strebte, aber nicht zu Stande gekommene Mittelpartei (Heiterkeit) — so liegt darin ein schwerer Vorwurf für die anderen Parteien des Hauses (Zustimmung im Centrum und links), den ich-entschieden zurückweise. Der Zorw des Kanzlers erklärt sich nur dadurch, daß die Mit­telpartei nicht zu Stande gekommen ist. Wenn so mit dem Prädikat „Reichsfeind" herumgeworfen wird, dann wird bald der Augenblick kommen, wo nur noch Fürst Bismarck und Herr Pindter [ber Chefredakteur der ,Rordd. Allg. Zig.) reichsfreundlich sind. Außer den Aeußerungen des Reichskanzlers über die Sozialdemokratie klang es fast wie eine stille Sehnsucht, sie möchten das dritte Dutzend von Abgeordneten voll machen. Vielleicht geschieht das auch bald, denn bie Sozialdemokratie befindet sich mehr oder weniger in der Reinkultur der Regierung. (Heiterkeit.) Vielleicht beantragt die Regierung bald selbst die Aufhebung des Sozialistengesetzes. Wir sollen nur für die Herrschaft der Geistlichen kämpfen. Heißt das etwa für die Herrschaft der Kirche kämpfen, wenn wir den Reichs­kanzler in der Zollpolitik und in der Sozialreform unter­stützt haben? Heißt es für die Herrschaft der Geistlichen kämpfen, wenn wir verlangen, daß ein vom Reichstage mit überwältigender Majorität »urückgewiesenes Gesetz end­lich abgeschafft wird? Kämpfen wir nicht vielmehr für die Würde des Reichstags, wenn wir für Aufhebung des Ex- patriirungsgesetzes Eintreten, dessen wiederholte Ablehnung der Reichstag als einen Schlag in's Gesicht empfinden muß? Glaubt der Reichskanzler die Gemüther der Katho­liken durch eine solche Politik zu gewinnen? Und die Ver­fassung sollen wir respektiren, nachdem bem Kulturkampf zu Liebe Verfaffungsartikel leichten Herzens über Bord ihn Lord Kingscourt. „Mr. Strange hat einen sehr festen Charakter und einen hohen Sinn für alles Edle. Er ist ein Mann, welcher Ehrfurcht einflößt. Ich verstehe ihn nicht ganz, aber er ist einer der besten Menschen, welche ich jemals kennen lernte."

„Wissen Sie etwas Näheres über ihn, Lord Kingscourt? fragte plötzlich Lady Markham. „Ueber seine Familie, seinen früheren Wohnort, die Familie seiner Frau?"

„Ich wagte nicht, ihn mit solchen Fragen zu belästigen," antwortete der Graf in zurückweisen - dem Tone. „Er ist nicht der Mann, welcher un­gebührliche Vertraulichkeit gestatten würde."

„Ich habe e» von Anfang an gesagt, daß etwas Geheimnißoolles um Miß Strange ist," sagte Lady Markham. „Sie werden die Wahr­heit meines Verdachts erfahren, Sie ist nicht, was sie scheint."

„Ich stimme mit Lady Markham überein." sprach der Marquis. „Ich muß mich wundern, daß sie sich von dem hübschen Gesicht des Mäd­chens so verblenden lassen, Lady Wolga. Sie würden am besten thun, sie zu entlassen."

„Das werde ich nicht thun!" erklärte Lady Polga entschieden. „Sie hat mit ihren wunder-