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M 275. Freitag, den 28. November 1884.

Fuldaer

•;e .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne tut» Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Rk. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 27. November.

* Die offiziöse Behandlung der braunschwei­gischen Thronfolgefrage scheint bei den Bundes­fürsten einen tiefen Eindruck gemacht zu haben; denn auf ein Mal taucht eine neue Thronfolge­frage in Lippe-Detmold auf, über die ver­schiedene Blätter berichten. So wird dem ,Berl. Tagebl.' aus Detmold geschrieben:

Der Landtag ist auf den 4. k. M. einberufen. Außer den Regierungsvorlagen, betreffend Etat re. werden vor­aussichtlich verschiedene hochwichtige Fragen aus dem Land­tage zur Sprache gebracht werden. Da nämlich der jetzige Fürst Waldemar kinderlos, der einzig noch lebende Prinz Alexander seiner Kränklichkeit wegen aber unfähig zur Thronfolge ist, so tritt zunächst die Thronfolgefrage an die Volksvertretung heran. An höchster Stelle soll nun zwar die feste Absicht bestehen, die Thronfolgefrage noch in die­ser Session endgültig zu regeln, da die braunschweigischen Verwickelungen ihren Eindruck am hiesigen Hofe nicht ver­fehlt haben; eine diesbezügliche Vorlage ist jedoch bisher nicht ausgearbeitet. Sollte die Regierung nicht gewillt sein, mit Entschiedenheit an diese Frage heranzutreten, so dürfte wenigstens die Vorlage eines Regentschafts-Gesetzes nach modernen Grundsätzen zu erwarten sein, und man sieht einer sülchen in Abgeordnetenkreisen mit Bestimmtheit ent­gegen. Sollte jedoch auch diesem allgemeinen Erwarten nicht entsprochen werden, so gilt als bestimmt, daß aus dem Landtage selbst mit Entschiedenheit eine Klärung der jetzigen verworrenen Lage gefordert wird, und beson­ders wird die fortschrittliche Mehrheit des Landtages mit Energie diese Forderung unterstützen. Jedenfalls wird die Regierung Auskunft über ihre Absichten und Ansichten in dieser hochwichtigen Angelegenheit geben müssen.

(*) An der königlichen landwiriyschafilichen Hoch­schule in Berlin sollen im Laufe des jetzigen Win- tersemesters, und zwar in der Zeit vom 23. Feb­ruar bis zum 4. März Unterrichtskurse für praktische Landwirthe stattfinden. Der Ver­anstaltung liegt die Ueberzeugung zu Grunde, daß kaum ein gewerblicher Beruf zu finden sein dürfte, der es in gleichem Maße wie der landwirthschaft« liche erschwert, sich bezüglich des praktischen Wirkens in einer llmfaffenden Unternehmung auf der Höhe der Zeit zu erhalten und zu diesem Zweck mit den einschlägigen theoretischen Erkenntnissen fortdauernd vertraut zu bleiben. Und doch liegt in der Schwie­rigkeit und Komplizirtheit des Betriebes der Wirth- schaft des Landwirths die dringendste Aufforderung, durch gediegenes Wissen und Können die sich der Rentabilität des Landbaues heute mehr denn je entgegenstellenden Hemmnisse zu überwinden. Zur Theilnahme an den Kursen ist Jeder berechtigt,

86) | J d (Nachdr. »erb.)

ober

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Ah", entgegnete Lady Markham überrascht, „So hat sie es gethan, verlassen Sie sich darauf, um mir zuvorzukommen, denn sie hat erforscht, daß ich ihr Geheimniß entdeckt habe. Sie haben Sie mit Ihren Gästen gleichgestellt und behandeln sie wie eine jüngere Schwester. Natürlich steht es Ihnen frei, Ihren eigenen Launen zu will­fahren; aber haben Sie ein Recht, Ihren Gästen eine Bekanntschaft aufzuzwingen, von deren Ver­gangenheit Sie nichts wissen? Ihre Gäste sind von hoher Geburt. Von welcher Abkunft ist Miß Strange? Wer und was ist ihr Vater? Wer war ihre Mutter? Hatten ihre Eltern, welche beide Engländer sind, keine Verwandten? Ich bin eine alte Frau, Wolga, wie ich schon vorhin bemerkte, und mein Alter und meine lange Freundschaft zu Ihrer Mutter geben mir das Recht, ja machen mir es zur Pflicht, offen und aufrichtig zu Ihnen zu sprechen. Können Sie in Abrede stellen, daß ich Recht habe?"

Bei all' ihren Fehlem war Lady Markham

der sich dazu meldet und das Honorar für die von ihr gewählten Vorträge entrichtet.

(*) Wie mehrfach berichtet wird, hat man sich - in den leitenden Kreisen entschlossen, sehr wesent- • liche Veränderungen an der Ausrüstung der Kavallerie vorzunehmen, welche vor allen Dingen darauf abzielen, eine Erleichterung der Belastung des Pferdes eintreten zu lassen und gleichzeitig die Leute besser zu befähigen, ein Feuer­gefecht zu Fuß durchzuführen. Die Veränderungen in der Ausrüstung werden zunächst darin bestehen, daß der jetzige ungarische Bocksattel beseitigt und an seine Stelle ein leichterer Sattel eingeführt wird, welcher zudem den Vortheil gewähren soll, daß weniger Druckschäden bei den Pferden ein­treten sollen. Die Weibachs, welche das Pferd schon belasten, sollen durch leichtere Decken ersetzt werden. Die Zahl der mitzunehmenden Reserve- Hufeisen soll verringert werden und die Mann­schaften werden nur mit einem Paar Stiefeln ausgerüstet, erhalten dafür aber ein Paar leichter Schuhe. Ferner soll der Säbel nicht mehr um den Leib getragen werden, sondern wird seine Be­festigung am Sattel erhalten, so daß die Mann­schaften nicht bei dem Fußgesecht durch das Tragen des Säbels an ihrer freien Bewegung gehindert werden. Endlich werden die Karabiner nicht mehr an dem Sattel in dem Lederfutteral befestigt, sondern werden von den Mannschaften über Schulter und Rücken gehängt getragen, wodurch ebenfalls eine schnellere Fruecbereitschafl erniöglicht werden soll. Die Einführung dieser Maßregeln steht äußerem Vernehmen nach schon in nächster Zeit zu erwarten und wird damit einem in kavalle- ristischen Kreisen schon seit langer Zeit bestehendem Wunsche Genüge geleistet.

* Die,Nordd.Allg.Ztg.' schreibt heute: „Einige Blätter brachten vor kurzem die Mittheilung, daß die hiesige medicinische Facultät kraft einhelligen Beschlusses in einem Schreiben an den außer­ordentlichen Professor Dr. Schwenninger sich dessen gesellschaftlichen Umgang verbeten oder, was in der Sache auf dasselbe hinausläuft, keinen an­dern als den dienstlich und gesetzlich vorgeschrie­benen Verkehr mit ihm unterhalten zu wollen er­klärt habe. Wir befinden uns in der Lage, die Richtigkeit dieser Angabe mit dem Hinzufügen zu bestätigen, daß dieses Vorgehen der Facultät in­zwischen die erforderliche Remedur erfahren hat."

eine Frau von gesundem Verstand. Lady Wolga vertraute ihr.

Sie würde wissentlich, nie eine Lüge gesagt haben; was sie gegen Alexa vorbrachte, glaubte sie selbst, und die Würde fester Ueberzeugung gab ihren Worten umsomehr Gewicht.

„Ich stelle Ihren Scharfsinn nicht in Abrede, meine liebe Freundin," erwiderte Lady Wolga lächelnd; „ich leugne auch nicht, daß manche Ihrer Beweise einen Grund haben. Es ist etwas Räthselthaftes um das junge Mädchen, wie es mir selbst scheint; aber ihr Geheimniß würde, wenn sie es erklärte, gewiß als sehr einfach be­funden werden. Sie hat mein Herz gewonnen und ich glaube ihr. Mein Herz erwärmte sich für sie im ersten Augenblick, als ich sie sah. Sie ist ein feingebildetes, junges Mädchen, auf welches ich stolz sein würde, wenn sie meine Tochter wäre. Ihr Geheimniß hängt, denke ich, mit ihrem Vater zusammen. Wenn er ein Verschwender und arm wäre? Das Mädchen ist von vornehmer Geburt, davon bin ich überzeugt. Sie spricht mit zärt­licher Liebe und Ehrerbietung von ihrem Vater, welche sie der größten Achtung werth zeigt. Lassen Sie Miß Strange ihr Geheimniß bewahren, Lady Mark­ham; wir wollen sie für da» nehmen, was sie ist."

Die „Remedur" wird höchstens in einer ministe­riellen Rüge bestanden haben, da doch Niemand die Mitglieder der medicinischen Facultät zum gesellschaftlichen Umgänge mit dem Leibarzt des Fürsten Bismarck zwingen kann.

• Elberfeld, 26. Nov. Der Hochverrats« Proceß gegen die Anarchisten Reinsdorff und Ge­nossen wird also am 15. Dezember vor dem Reichsgericht seinen Anfang nehmen. Die Ver­handlungen sollen in dem Maße beschleunigt werden, daß das Urtheil noch vor Weihnachten gesprochen werden kann, wiewohl das Anklagematerial rin ganz ungeheures ist. Gegen 50 Zeugen gelangen zur Vernehmung. Es kommen acht Angeklagte in Frage. Der Haupttheil der Anklage betrifft das bei Gelegenheit der Einweihung des Nieder­wald - Denkmals gegen den Kaiser und die in seiner Begleitung befindlichen deutschen Fürsten geplante und vollständig vorbereitete Dynamit- Attentat, dessen Mißlingen einem Zufall zuzu­schreiben ist, indem durch atmosphärische Einflüsse die Zündschnur verlöschte. Auf dieses Verbrechen steht die Strafe des Todes. Außerdem sind die Angeklagten noch zweier Verbrechen beschuldigt. Es sind von ihnen die nicht explodirten, mit Dynamit gefüllten Röhren ausgegraben und nach Rüdesheim befördert worden, wo sie alsdann in dem Lokal, in dem ein großer patriotisches Fest­essen stattfand, eine Explosion in Scene setzten, bei der zum Glück Menschenleben verschont blieben. Das dritte Verbrecher: besteht darin, daß dis Angeklagten in Elberfeld im Restaurant Willemsen ebenfalls größere Dynamitmengen explodiren ließen.

Ausland.

* Linz, 26. Nov. Bischof Nudigier hat eine ziemlich ruhige Nacht verbracht. Eßlust und Kräfte­zunahme ist noch nicht in erwünschtem Maße ein­getreten.

* Paris, 27. Nov. Heute feuerte im Schwur­gerichtssaal Madame Clovis Hugnes, die Frau des Deputaten der äußersten Linken, mehrere Revolverschüsse auf einen gewissen Morin ab, welcher sie früher verleumdet hatte. Morin ist tobt. — Die Eheleute Hugnes hatten schon lange gegen Morin wegen Verleumdung der Ehefrau Hugnes prozessirt. Morin wußte stets die Ent­scheidung hinauszuschieben, und setzte auch heute

„Aber es ist thöricht Wolga, — verzeihen Sie! 1 Ist es recht, Ihren Gästen ein Mädchen gleich­zustellen, welches vielleicht, — welches unzweifel­haft eine Abenteuerin ist? Sie kann oder will Ihnen nicht sagen, wo Sie geboren ist. Fragen Sie sie, Wolga."

„Ich werde mit der Zeit ihr Vertrauen ge­winnen; bis dahin wollen wir die Sache auf sich beruhen lassen," sagte Lady Wolga stolz, die Unterhaltung abbrechend. „Sie können mein Ver­trauen zu Miß Strange nicht erschüttern; denüoch danke ich Ihnen für den Antheil, den Sie an meinen Interessen nehmen.

Sie lenkte das Gespräch auf einen anderen Gegenstand, daß ein Zurückkommen auf das so­eben Besprochene nicht möglich war.

„Ich kann aber doch sehen, daß meine Worte einen Eindruck gemacht haben," dachte Lady Mark­ham, „sie werden das Resultat bewirken, welches ich herbeiwünsche. Des Mädchens Verbleiben in Lady Wolga's Nähe wird ein kurzes sein."

Mit sich zufrieden verließ sie das Zimmer, als Alexa eintrat, um ihrer Pflicht nachzu­kommen.

Die Briese wurden gelesen und beantwortet. Lady Wolga schien etwas verstimmt zu sein. Die