1884
Mittwoch, den 26. November
Fuldm
vre »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage autaenommen. Vierteljährlicher Abonnemrr.tSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfz., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., südwärts 1 Mk. 75 Pfg.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
■
Cenirum in drr neuen
In artige Reimlein gebracht von einem Nichtgewählten.
Wieder tritt das Centrum an Stark wie nie, just 100 Wann Und dazu 11 tapfre Welfen, Die uns treulich wollen helfen. Voran zieht als erster Leiter Wiadthirß, siegsgewiß und heiter, Nimmt vergnügt sein Plüschen ein Bei dem hohen gtenlttnltin. Aeicheisperger auch, der Nein, Würdevoll und sicher geht er Neben Münster's „featrakönij“, Dessen Macht fürwahr nicht wenig, Bruder A«g«§ blieb zu Haus, Doch der Peter füllt ihn aus. In begeistertem Gedränge Folgt den Führern nun die Menge All' der Braven. Wie sie heißen. Zeigt mein Lied. Fang' an bei
Preutzerr:
Aus Ostpreußen rücken an Der KorowsKi und der Späh«, Jener alt und dieser neu. Aber pechschwarz alle Zwei.
Und aus Schießen kommt sogar Eine vierzehnköpf'ge Schaar. Vorn den Domherrn Dr. Franz; Dann ein Sieben-Srafen-Kranz: Wie so manches früh re Jahr Fand auch jetzt die Wählerschaar Praschma, Stolberg, Kailrßrem, Sanrma, Uatzhnnß angenehm. Beuchen macht sich diesmal stark Für Graf tzenchet-Donnersmarck. Frankenstein wählt stolz wie je Wieder seinen ßhamars.
Schalscha und der Steuer-Kuene, Wäller mit der finstern Miene, Stiftsrath Kor« und Dr. Korsch, Dann Zeticha, der stets forsch Anwalt der Bergleute war — Das ist unsrer Schlesier Schaar. Sachse« schickt zum Centrumsrath Strombeck aus der „Heilgen" Stadt. Aus Ki««o«rr kommt der Eine, Der, an Körper nur sehr kleine. Doch ein ganzes Dutzend werth,
Den uns Meppea stolz bescheert. Außerdem elf Hospitanten, Die in heißem Wahlkampf brannten: Eß-rff, Schrie, Keraßoff, Alte«, kaigwerth, einer der Araswaldfien; Ja, der Name Ma«ge«heim Kehrt zweimal als Sieger heim. Sle»h«sr«, Alberohaase« Siegten auch im Kampfesbrausen. Und der edle v. d. Decke« Ist der elfte dieser Recken. Wenn auch der bewährte Brüel Diesmal durch Verrath uns fiel, Nächstens winkt ihm doch der Kranz, Dann ist's Dutzend voll und ganz. Von Westfale«» schönster Zier Sprachen schon im Eingang wir. An Schortemer und den Peter Reihen sich noch sechs Vertreter: laabsberg, We«bt und Aeeremaa«, Ketteln; als Neuling dann Schulze Dackmia«, Rentner Kesse — Alle schwarz wie aus der Esse!
Vassaa schickt den lieber-Camberg, Dessen Wort wie'n schwerer Flamberg, Selten nur, doch kräftig haut, Daß den Feinden bangt und graut. Falba'o Reichsmandat empfing Graf zu Dnste-Pischermg.
An des Rheines schönem Lauf Finden „Schwarze" wir zu Häuf': WeaKea und der Lockerath Kommen aus Köln Land und Stadt. Mit Laboiphi triumphirt Wovsaag, fingen» und o. Fürth; Ferner Dalwigh, Trimdora, Perger (Der Schulrälhe Noth und Aerger!), Kompesch, Eiele«, sarias (Dem Minister Brudergruß!) Kertliag, Kochaaa, «raab-Kg, Diebe«, (Der weinkundigste hienieden!), Master, Kiatele« und Kaaaea Auch Graf Koeasbroick mit viel Ahnen, Keaber, Dr. Kock und Fritze« Nebst dem sozialen Kitze'n, Stöhrt, Pfasserott und Kehler — Sandten uns des Rheinlands Wähler.
Hierzu zählt nach Amtsgebrauch Graf von Hohenzollern auch.
Wie ist nun die Wahl gerathen In des Nordbunds
kleinern Staaten?
Um es ja nicht zu vergessen, Im Großherzogthume Kesse« Hatten wir feit Jahren kein's, Jetzt ist das Mandat von Mainz Fein erobert von Kackö (Mit 'nem Accent auf dem C). Und in Vechta l-lbe«b«rg) Kam Graf Sale« wieder durch.
So sind wir mit Deutschlands Norden Glücklich fertig schon geworden. Jetzo sehen wir uns an Was der Lübe« leisten kann.
Bayern fängt zwar an nicht heiter, Denn Kreis München, erst' und zweiter. Gingen diesmal uns perdü' Durch der Gegner Felonie.
Doch troßdem zählt Bayern's Schaar Einen mehr, als 's letzte Jahr. Ohne Ruppert, Westermaper Kommt sechsmal ein Oberbayer: Sroaeareath und Areti« Mit dem Geiger nordwärts zieh'n, Meg«rr (Tölz) und Seaeßreg Und Aichbächler auch dabei.
Nieberboger« hat gesandt Zwei Graf Preqfiag's, Koberlo«b, von Kehlheim, Ariern, Passau schickt Meadorfer her.
Leider ist an Rheinespfalz Noch verlor'n des Centrums Malz; Oberpfalz und Regensburg Bringen lauter Schwarze durch: ssehaer, Gleißaer, Grobe«, Gise Leben dort im Paradiese, Auch schickt wieder Neuburg-Cham Mihelsperger lobesam.
Wer auf Sberfroakea schaut, Lobt den Peholb gern und laut. Der uns Culmbach heimgeführt.
Wo einst Hohenloh' regiert'. Gagera sitzt in Lichtenfels Warm und sicher, wie im Pelz. Möller neu aus Bamberg kam, Er ist prächt'ger als sein Nam'. Mittelfraabea« weite Flur Zeitigt uns ein Blümlein nur: Schmidt von Eichstädt. — jlaterfnnrhea Aber und Aschaffenburg, Die sind schwarz jetzt durch und durch, Da in Schweinfurt unser Kärger Siegt als Liberalen-Würger Und in Würzburg unser Kotz Schlug den Demokraten-Troß. Popioo, Lchöabor«, Fraackrasseia, Keichert schwenken wieder ein.
Schauibra schickt uns Karbaam her, Keiabl, Fregberg, Wilbegger, Schelbert auch, der mit dem Schauß Siegreich ausfocht seinen Strauß, Endlich noch den wackern Kirhl, Der in Augsburg wohlgefiel.
Württemberg
— läßt treten an Walbbarg, fleipperg, Abelmaaa, Treu vereint zum Kirchenschutz Mit dem tapfern Pfarrer MH.
Vaden
— hielt recht trefflich Farbe: K«ol, frader, Kbßhirt, Morde Und «. Koraßei« sind erwählet. Und wenn auch umsonst gequälet Sich in Waldshut Birkenmayer, Werden doch aus froher Leier Jubelhymne laut gesungen. Weil zwei Kreise neu errungen.
Das ist uns're stolze Schaar, Die für Recht kämpft und Altar.
Der die Reimlein hat erdacht In ’ner stillen Winternacht, Bittet euch zum Schluffe noch: Ruft mit mir „das Centrum hoch!"
si Alera
(Nachdr. »erb.)
64)
oder
Arrf dunklen Wegen.
Roman von E. Wagner.
„Gewiß der erste Brief, seitdem Sie die Hei- math verlaffen haben? Es wundert mich, daß Sie nicht ungeduldig sind, ihn zu lesen. Alle lesen ihre Briefe. Sie sollten den Ihrigen auch lesen."
„Ich ziehe es vor, ihn in meinem Zimmer zu lesen," erwiderte Alexa mit Würde.
Lady Markham lächelte.
Sie will ihn nicht im Beisein Anderer öffnen," dachte sie. „Es ist sicher etwas nicht in Ordnung mit dem Mäochen und ihrem Vater. Ich fange an, ihre ganze Geschichte zu bezweifeln, obwohl das Mädchen so unschuldig aussieht."
Nach dem Frühstück eilte Alexa auf ihr Zimmer und öffnete den Brief. Er war von ihrem Vater und aus ihrer alten Heimath datirt.
Ihr Vater schrieb, daß er in dem Hause eines Weingärtners auf seinem Grundstück wohne und daß er mit einem griechischen Kaufmann wegen Verkaufs des Grundstücks zu einem annehinbaren Preise in Unterhandlung stehe.
„Unsere alte Heimath ist mir unerträglich geworden, seitdem Du nicht mehr hier bist," schrieb er. „Ich entbehre Dich überall und bereue, daß ich Dich nach England reisen ließ. Ich kann die Befürchtung nicht verbannen, daß Dein Plan uns großes Unheil bringen wird. Und wenn ich an Dich denke, so jung und unschuldig, so unbe
kannt mit der Welt, dann ist es mir, als müffe ich von Sinnen gewesen sein, daß ich Dich von mir gehen ließ. Wenn Du bei Empfang dieses Briefes noch keinen Schritt vorwärts gekommen, wenn sich Dir noch keine Aussicht auf eine Lösung Deiner Aufgabe eröffnet hat, bitte ich Dich und befehle Dir, sogleich zu mir zurückzukehren. Aber wenn Du Deinem Ziele näher kommst, dann bleibe und führe Deine heilige Misston zu Ende mit Deines Vaters Segen und seinen beständigen Gebeten. In Dich und die Vorsehung, der ich noch immer vertraue, habe ich meine einzige Hoffnung gesetzt. Wenn ich mein Grundstück verkaufe, werde ich mir eine andere Zufluchtsstätte in den Bergen aufsuchen. Ich habe seit Deiner Ankunft in England noch nichts weiter von Dir gehört.
„Mein Bote geht an jedem Tage, an dem dar Post-Dampfschiff ankommt, nach Athen. Adressire Deine Briefe an mich wie bisher, und ich werde sie erhalten, wo ich auch bin. Sei auf Deiner Hut, mein Kind, und bedenke, wie viel von Deiner Vorsicht und Verschwiegenheit abhängt. Du wirst Dich erinnern, daß, als ich auf dem Quai am Piräus stand, mich zwei Engländer anredeten, die ich für Touristen hielt. Gestern traf ich einen dieser Engländer bei deü Ruinen unserer Villa. Er fragte die alte Aminka aus, welche unter den Trümmern nach geschmolzenem Silber suchte. Als ich kam, redete er mich an und erkundigte sich nach Spiridion, welcher, nebenbei bemerkt, aus dem Gefängniß entsprungen und wied-r der Schrecken des Landes und besonders der Reisenden ist. Ich beantwortete die Fragen des Fremden, bot ihm
aber keine Bewirthung an, und er ging wieder. Die alte Aminka sagte mir, daß er sich sehr angelegentlich nach mir erkundigt habe. Es mag nur Einbildung sein, die mich in jedem Reisenden einen Spion erblicken läßt, und in diesem besonders einen Menschen, den ich meiden muß. Aber ich sehe mich doch veranlaßt, jetzt mehr al« je auf meiner Hut zu sein."
Es folgten einige weitere Auslaffungen, welche eine hoffnungsvollere Stimmung andeuten sollten; aber Alexa erkannte doch, wie sehr ihr Vater sie entbehrte und wie unerträglich ihm da« Alleinsein war.
Sie las den Brief noch einmal, dann zündete sie eine Wachskerze an, hielt den Brief über die Flamme und verbrannte ihn zu Asche.
Sie hielt die Kerze noch in der Hand, als nach flüchtigem Klopfen und ohne auf den Ruf: „Herein!" gemattet zu haben, Lady Markham eintrat. Ihre kalten, mißtrauischen Augen gewahrten die Erregung des Mädchens und ste vermuthete sofort, welches Schicksal der Brief erfahren hatte.
Ich bitte um Entschuldigung, Miß Strange," sagte sie, „wegen meines uncermoniellen Eintritts; aber ich war so besorgt um Sie, daß Sie sich so einsam fühlen möchten, und dann wollte ich mich erkundigen, ob Ihr Vater wohl ist und ob Sie gute Nachrichten erhalten haben. Wie, Sie haben Ihren Brief verbrannt?"
Alexa erröthete leicht. Sie setzte den Leuchter auf den Tisch, auf welchem noch die Asche al« Ueberrest des Briefer lag.
(Fortsetzung folgt.)