Dienstag, den 25. November
Fuldser
Sie .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiert««« ausgenommen. Vierteljährlicher »bonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne UN» Blume«' in Fulda 1 Mk. 70 Psg., auswärts 1 Mk. 75 Psg.
Inserat«: Di- einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg., sog. Platzannoncen 10 Psg.; 6et Wiederholungen entsprechender Rabatt
Einladung zum Abonnement
auf die
Fuldaer Zeitung'
für den Monat Dezember.
Mit dem 1. December eröffnen wir ein Abonnement auf einen Monat zum Preise von 50 Pf. ohne Bestellgeld. Bestellungen werden durch di« Expedition (Buttermarkt 112), die Postanstalten und auch durch die Landbriefträger entgegengenommen.
Wer die ,Fuldaer Zeitung' schon jetzt bestellt, erhält dieselbe bis 1. Dezember gratis.
Gegen Weihnachten erhalten sämmtliche Abonnenten einen in 3 Farben elegant ausgeführten Wandkalender als Gratis-Beilage.
Der mit großem Beifall aufgenommene Roman „Alexa" wird, soweit der Vorrath reicht, auf Verlangen nachgeliefert.
An unsere verehrten Leser richten wir die wiederholte Bitte, die .Fuldaer Zeitung', das einzige Centrumsorgan der Diözese Fulda und des Regierungsbezirks Kaffel, in den Kreisen ihrer Bekannten empfehlen zu wollen, damit nicht die der ,Fuldaer Zeitung' einzig und allein gebührende Unterstützung aus Unkenntniß oder Gleichgültigkeit solchen Blättern zugewendet wird, die der katholischen Sache entweder schroff gegenüber- stehen oder ihr vielleicht noch mehr zuwiderhandeln dadurch, daß sie der Halbheit und Verschwommenheit Vorschub leisten.
Die .Fuldaer Zeitung' hat unter den in Fulda erscheinenden Blattern die weitaus größte Verbreitung und eignet sich deshalb am besten zur wirksamen Verbreitung von Anzeigen. Wir betonen dies mit besonderer Rücksicht auf die Weihnachtszeit
Jnsertionsaufträge wolle man uns stets frühzeitig genug zugehen lassen. Die .Fuldaer Zeitung' muß täglich Vormittags 11 Uhr druckfertig sein, damit sie noch am selbigen Tage in die Hände aller auswärtigen Abonnenten gelangt. Es ist darum dringend nothwendig, daß die betreffenden Anzeigen bis spätestens Vormittags 9 Uhr in unseren Händen sind.
Wir sehen recht zahlreichen Aufträgen entgegen und werden für solide und möglichst entgegenkommende Berechnung Sorge tragen.
Fulda, Ende November 1884.
Die Rrdartioll und ßrpkditian der Luldarr Zeitung'.
X Alk!» oder Auf dunklen Wegen. Roman von E. Wagner.
„Ich werde Ihre Beleidigungen Lady Wolga mittheilen," sagte Alexa kalt.
„Thun Sie das, und zeigen Sie sich selbst als das verräterische Wesen, für welches ich Sie halte!" rief Lady Markham mit unverhohlenem Aerger. „Sie werden finden, daß ich eine alte und vertraute Freundin der Lady Wolga bin und daß eine Fremde keinen genügenden Einfluß besitzen wird, um sie mir abwendig zu machen. Sagen Sie es ihr und sehen Sie, was dann geschehen wird."
Alsra erwiderte nichts. Sie erkannte, daß sie eine Fremde in diesem Hause, die Beleidigungen der Lady Markham nicht Lady Wolga mittheilen konnte. Vielleicht konnten ihre Angaben bezweifelt werden, vielleicht würde sie entlasien werden, wenn sie Klage erhob; dann schien ihr auch die Sache zu unbedeutend. Es blieb ihr nichts übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
„Wenigstens bin ich nicht gezwungen, Sie ferner
Deutsches Reich.
Berlin, 24. November.
** Der mit 261 Stimmen gegen 71 weiße Zettel gewählte neue Präsident des Reichstages, Herr v. Wedell-Piesdorf, ist Regierungspräsident in Magdeburg. Er siegte mit Hilfe der Katholiken im Wahlkreise Mühlhausen-Langen« fast za gegen den freisinnigen Kandidaten. Der neue Präsident ist zum ersten Mal Mitglied desReichstages; seine Aufgabe ist daher doppelt schwer. Eins bringt er' für dieselbe mit: ein mächtiges Organ und eine imposante, vornehme Figur. Hr. Wilhelm v. Wedell- Piesdorf ist seit dem Jahre 1879 Mitglied des Abgeordnetenhauses für den sechsten Wahlkreis des Regierungsbezirks Merseburg (Sangerhausen, Eckartsberger). In der vergangenen Landtagssession hat er sich wiederholt an der Debatte be- theiligt und besonders bei der Vorlage über die hannöversche Provinzialordnung Namens der kon- servativen Partei das Wort genommen. Auch an der Diskussion über die Jagdordnung und beim Etat des Kultusministeriums nahm Hr. v. Wedell regen Antheil. Er ist am 20. Mai 1837 geboren und bekleidet im Hofdienst die Stellung als Kammerherr. Wie die .Magdeb. Ztg.' schreibt, soll sich derselbe dahin geäußert haben, er gedenke demnächst sein Amt als Regierungspräsident niederzulegen.
* Mehrere Geschäftssirmen sollen, wie bereits mitgetheilt, dem Reichskanzler einen neuen Entwurf einerQuittnugssteuer unterbreitet haben. Wie der ,Hann. Cour.' wisien will, hat der „Verein mit dem langen Namen" die Anregung dazu gegeben.
* Die Westafrikanische Konferenz hat bekanntlich nach Berlin einen Mann geführt, dessen Name fchon längst in Aller Munde und auf's Engste mit Afrika verknüpft ist. Henry Stanley ist als Sachverständiger Beirath der Regierung der Vereinigten Staaten nach Berlin gekommen. Sowohl sein Name, wie das Interesse, welches Afrika heute in Deutschland findet, haben schnell die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese interessante Persönlichkeit gelenkt. Stanley wurde mit den Namen James M. Rowland 1840 in St. Asaph, einer Stadt der kleinen Grafschaft Flint in Wales, geboren. Sehr früh elternlos, machte er — 13 Jahre alt — als Schiffsjunge eine Reise von
anzuhören, Lady Markham," sagte fie. „Ich bitte mich zu entschuldigen."
Sie erhob sich, schritt durch den Saal und trat in die Halle. Die Hausthür stand offen, und das Brausen der gegen die Felsen schlagenden Wellen drang in ihr Ohr. Sie zögerte einen Augenblick, dann eilte sie hinauf in ihr Zimmer, nahm einen Shawl, huschte dann wieder die Treppe hinab und ging hinaus in's Freie.
Es wehte ein rauher Wind. Alexa wickelte sich fest in den Shawl und schritt den Felsen zu, wo sie sich im Schutze eines hohen Felsens niedersetzte und dem Getöse des Anpralls der Wellen an dem zerklüfteten Felsenufer lauschte.
„Ich habe eine Feindin im Hause," dachte sie. „Es ist gut, daß Mrs. Jngestre mir eine zeitweilige Heimath zu Montheron angeboten hat, denn wahrscheinlich werde ich Clyffebourne verlassen müssen. Aber was kann ich gethan haben, um mir den Haß der Lady Markham zuzuziehen?"
Der Himmel war mit Wolken bedeckt. Tiefe Dunkelheit umgab die Felsen, aber die weißen, Schaumhäupter der Wellen unter ihnen waren sichtbar. Offenbar war ein Sturm im Anzuge. Alexa hüllte sich noch fester in ihren Shawl und zog sich
Liverpool nach Neu-Orleans. Dort fand ein Kaufmann Stanley an ihm Gefallen, adoptirte ihn und machte ihn zu seinem Erben und nun nahm der junge Rowland den Namen seines Wohlthäters Stanley an. Im Jahre 1865 bereiste er die Türkei und Kleinasien und trat als Zeitungskorrespondent auf, als welcher er für den New-Aork Herald gewonnen wurde. Im Jahre 1870 wurde er von dieser Zeitung ausgeschickt, Livingstone zu suchen. Januar 1871 kam er, nachdem er vorher Persien und Indien durchreist, in Zanzibar an, im November traf er in Udfchidschi mit Livingstone zusammen, der Zweck seiner Reise war erfüllt. Er kehrte zurück. Livingstone war inzwischen gestorben. Stanley war von dem Wunsch erfüllt, das Werk Livingstones zu vollenden und in das Her; Afrikas einzudringen. Im September 1874 unternahm er seine zweite Reise in
das Innere von Afrika, von dem Londoner Daily
Telegraph und dem NewUorker Herald gemeinsam ausgesandt. Langsam drang Stanley von Zanzibar aus mit einer großen Karawane nach dem Ukerewe-See (Viktoria-Nyanza) und dem
westlich davon gelegenen Muta-See, und von dort — im Jahre 1876 — nach Njangwe, neunhundert Meilen von der Ostküste, neunhundertdreißig von
der Westküste entfernt.
• Stanley ist dem ,Deutsch. Tgbl.' zufolge von der Universität Halle zum Doctor philoso- phiae ernannt worden.
* Straßburg i. E., 24. Nov. Ein Erlaß des -Statthalters vom 22. d. M. verbietet das fernere Erscheinen folgender drei Blatter: Der (katholischen) .Union Elsaß-Lothringens', des (prot.) .Echo' von Schiltigheim und des (katholischen) ,St. Odilienblattes'.
* Leipzig, 24. Nov. Die Hauptverhandlung des Hochverrathsprozesses gegen die Anarchisten Reinsdorfs und Genossen vor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts beginnt am 15. December. Sie dürfte voraussichtlich eine Woche dauern.
* Braunschweig, 22. Nov. Die evangelischen Geistlichen wurden angewiesen, in das Kirchengebet eine Fürbitte für den Regentschaftsrath aufzunehmen.
* Der mecklenburgische Landtag hat zum Bau des Hoftheaters in Schwerin 50,000 Mark bewilligt.
in eine in den Felsen gehauene Vertiefung zurück, um vor dem Wind geschützt zu sein.
In demselben Augenblick wurden nahende Schritte und Stimmen hörbar. Alexa erschrack, blickte aus ihrem Versteck hervor und sah einen Mann und eine Frau Arm in Arm sich dem Felsen nähern, hinter welchem sie sich befand. Sie waren nur noch einige Schritte von Alexa entfernt.
Alexa zog sich ganz in die Höhle zurück. Sie dachte, es seien Gäste des Hauses und würden an ihr vorübergehen, ohne sie zu bemerken. Aber bei den ersten ihr verständlichen Worten des Mannes wurde ihre Aufmerksamkeit erregt und sie zum Horchen gezwungen.
Das Pärchen waren Pierre Renard und Felice, Lady Wolga's Kammermädchen, und sie sprachen über Alexa.
Pierre Renard war von Montheron herübergeritten, um Felice zu besuchen, mit der er schon lange ein Liebesverhältniß unterhielt. Er hatte seine Geliebte zu einem Spaziergang eingeladen, was diese auch angenommen. Was ihn heute hierhergeführt, war vorzugsweise, etwas Nähere» über Alexa zu erfahren.
„Wer ist diese neue Gesellschafterin der Lady