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1884

Montag, den 24. November

Fuldaer j

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O Die katholischen Missio norc' sollen bekanntlich oon den neuenKolonieen JRafiie» run und Angra Pequena ausgeschloffen tzin, weil die Lüderitzgesellschaft das v freie" Afrika zu einem Lande machen möchte, >rt welchem geistige Knechtung, Intoleranz und Gewiffenszwang herr­schen Men. Das letzte Wort über dieses brüske Verfahren ist aber jedenfalls noch nicht gesprochen. Es wird sich zeigen, ob die protestanhschen Mis­sionsgesellschaften allein freimSpielraum in den deutschen Kolonien finden, oder ob die katholischen Missionäre das gleiche Recht gentzßen sollen. Wir haben unseren Lesern in der vorhergehenden Num­mer d? Bl. den Hauptinhalt eines Vortrages mit» getheilt, den der bekannte Afrikareisende Mr. St an- ley in der Sitzung des deutschen Kolonialvereins im Architektenhause zu Berlin am 18. d. M. unter stürmischem Beifall einer zahlreichen Zuhörerschaft gehalten hat. Stanley hat darin -folgenden beher- zigentzwrrthen Satz ausgesprochen': Fragen Sie mich nun, was wir wollen, so sage ich: wir sind ge­willt, „einem Jeden die Hanh. zu bieten in dem freien Afrika, der dort an den civilisatorischen Unternehmungen sich betheiligen will, einem Jeden, besonders aber den Deutschen! (Lebhaftes Bravo.) Wir wollen das Land dort bewohnen als eine Art internationalen, freien Handelspark, in dem ein Jeder für sein Wohl und das der Gesammtheit arbeiten kann." In der That, das ist ein Pro­gramm, merth des allgemeinen Beifalls, wie er auch in Berlin dem Engländer Stanley gespendet worden ist. Wie verhält sich aber dazu das Vor­gehen der Lüderitzgesellschaft, die von vornher­ein für das Lüderitzland bestimmt, daß keine katholische Mission jetzt oder in Zukunft begünstigt werden soll. Kann ein engherzigeres, in­toleranteres, bornirt-fanatischeres Ver­fahren gedacht werden? Wer hat feit Jahrhun­derten gewirkt und wirkt fort und fort civilisato- rischer, und dabei uneigennütziger für die eigene Person, als die katholischen Missionäre? Wer arbeitet selbstloser, aufopferungsvoller, segensreicher für die Eingeborenen sowohl als für die euro­päischen Kolonisten, für deren leibliches und geistiges Wohl, als wiederum die katholischen Missionäre? Die Herren von der Lüderitzgesellschaft, die sich so sehr für die ausschließliche Zulassung und Be­günstigung der protestantischen Missionäre ereifern,

sollten wohl bedenken, daß im Interesse der civili­satorischen Unternehmung eine Konkurrenz zwischen den katholischen und protestantischen Missionären recht sehr am Platze wäre. Oder wissen diese neuesten Kulturkämpfer nicht, welchen Bericht der Agent der Londoner afrikanischen Gesellschaft, Ms. Johnstone, über die „MissionS"thätigkeit protestan­tischer Missionäre in Afrika abgestattet hat? Selbst protestantischeBlätter haben erst ganz kürz­lich von jenen Vorgängen voll Entrüstung Akt genommen. Mr. Johnstone ist bis heute in keiner Weise und von Niemandem einer Unwahrheit oder Uebertreibung bezichtigt worden. „Die Herren-jener protestantischen Mission in Afrika haben beispielsweise — die anderen Dinge lassen sich aus S i 11 l i ch k e i t s- gründen nicht gut wiedergeben — laut der An­klage Mr. Johnstone's mit dem Gelbe, das in England zum Bau einer Kirche und eines Hospi­tals gesammelt wurde, für sich selbst ein luxuriös eingerichtetes Haus erbaut. Wann oder wo hat man jemals den Missionären der katholischen Kirche solch' ein Treiben zum Vorwurfe machen können? Wenn die katholischen Missionäre, wie von Freund und Feind oft genug zugegeben ist, treu und red­lich gearbeitet haben, um die armen unglücklichen Heiden für das Christenthnm und für die Civili- fation zu gewinnen, warum will man sie bann durchaus vorn Lüderitzlande fern halten? Setzt man in die protestantischen Missionäre und deren Arbeiten vielleicht so wenig Zutrauen, daß man befürchtet, dieselben würden neben den Arbeiten und Erfolgen der kachofisch-nMMoyäre den Ver­gleich nicht aushalten? Trauriges testimonium paupertatis! Da das Reich zu dem Lüveritz- lande in Beziehungen steht, so werden die Ver­treter des deutschen Volkes hoffentlich noch ein Wort in der Sache mitzureden haben.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. November.

• In der bereits erwähnten Angelegenheit der Errichtung von Arbeitsämtern ist dem Direk­torium des Centralverbandes deutscher Industrieller bas nachstehende Schreiben des Handelsministers zugegangen:

Berlin, den 31. Oktober 1884. Von betheiligter Seite ist, um dem in einzelnen Industriezweigen zu gewiffen Zeiten regelmäßig wiederkehrenden oder durch besondere Verhältnisse vorübergehend verursachten Arbeitermangel

wirksam entgegenzutreten, in Anregung gebracht worden, den Arbeit«- bezw Arbeiter-Nachweis öffentlich zu organi- siren und zu diesem Zwecke öffentliche Arbeits-Nachweis­ämter zu errichten. Da derartige Einrichtungen zum Zwecke des Ausgleiches des Ueberfluffes und des Mangels an Ar­beitern dazu beitragen würden, nicht bloß der Industrie im Bedarfsfälle die Erlangung der benöthigten Arbeiter, sondern auch den Letzteren die Erlangung einer günstigen Arbeitsgelegenheit zu erleichtern, so ersuche ich das Direk­torium ergebenst, die Angelegenheit der Erwägung zu un­terziehen und mich demnächst mit einer Aeußerung über das Ergebniß derselben zu versehen. Für den Minister für Handel und Gewerbe, gez. v. Bötticher.

* Der Vorstand des Landesvereins preußischer Volksschnllehrer Hal beschlossen, ein Gesuch an den Unterrichts-Minister um Wegfall der 25-prozentigen Abzügen von Gehaltsverbesserungen und eines an das Abgeordnetenhaus um Erscheinen eines Dolations- und RuhegehaltsgesetzeS ins Werk zu setzen.

(♦) Von dem Verein der Bäckergesellen ist an den Reichstag eine Petition um Erlaß eines allgemeinen Vereins- und Versammlungs-Gesetzes für ganz Deutschland gerichtet worden.

* Der Herzog Paul Friedrich, Bruder des regierenden Großherzogs von Mecklenburg, hat sich bekanntlich s. Z. mit einer Fürstin Windisch« grätz vermählt und läßt die Kinder aus dieser Ehe seinem Versprechen gemäß katholisch erziehen. In Folge hiervon hat er nunmehr für sich und feine Nachkommen auf die Erbfolge im Großher« zogthum Mecklenburg verzichtet. Im Falle die Brüder desselben und deren Nachkommen jedoch aussterben sollten, fällt die Thronfolge auf ihn unb feine Kinder wieder zurück mit der Maßgabe, daß Derjenige, welcher die Regierung antreten will, zur protestantischen Religion übertreten muß. Der Großherzog Frievrich Franz hat zu dieser Verzichtleistung seine Genehmigung ertheilt und die Ritter- und Landschaft hiervon in Kennt« niß gesetzt.

* Liegnitz, 22. Nov. Auf die Anfrage eines Mannes, der Lust hat, nach Kamerun anszu- wandern, antwortete das Hamburger Afrikanische Syndikat entschieden abrathend. Das Klima sei für deutsche Aswanderer ungeeignet.

* Elberfeld, 21. Noo. Vier ungewöhn­liche Beweisstücke in der HochverrathSprozeß- sache (Dynamitgeschichte vom Niederwald) wider die Anarchisten Reinsdorfs und Genossen sind, wie die .Elberf. Ztg.' meldet, gestern früh als Eilgut

xAlera oder Auf dunklen Wegen. Roman von 6. Wagner.

„Ich bin davon überzeugt. Aber welch' ein interessantes Abenteuer! Ich habe nie vermuthet, daß Sie den Grafen früher gesehen hatten, aber nur wundere ich mich, daß ich so blind gewesen bin. Ist die Heirath ganz außer Frage, Alexa?"

„Sie ist unmöglich, Lady Wolga, es sei denn, daß das Glück, von welchem ich vorhin sprach, meinen Vater wieder nach England zurückkehren läßt. Es besteht keine Verlobung zwischen mir und Lord KingScourt."

„Ich kenne ihn hinreichend, um zu wissen, daß, wenn er einmal liebt, er für immer liebt. Ich kenne ihn als Muster von Ehrlichkeit und als würdigen Repräsentanten eines großen und vor­nehmen Hauses, und es würde mir lieb sein, wenn ich die Rolle der guten Fee für Sie Beide spielen könnte. Seien Sie aufrichtig gegen mich, Alexa. Sind es ungünstige Vermögensverhältnisse, welche ihrer Verbindung entgegenstehen?"

„Nein, e» ist mehr als das!" rief Alexa leiden­

schaftlich. „Sie können uns nicht helfen, Lady Wolga. Niemand als Gott kann uns helfen! Selbst wenn mein Vater feine Einwilligung zu der Heirath geben würde, könnte ich Lord KingS­court nicht heirathen."

„Und doch lieben Sie ihn?"

Das Aufleuchten der blauen Augen des Mäd­chens, welches das ganze liebliche Gesicht verklärte, war eine genügende Antwort.

„Hier waltet ein Geheimniß," dachte Lady Wolga. „Was kann es fein?"

Ihre wärmste Sympathie war erweckt für die beiden Liebenden. Sie entschloß sich, Lord KingS­court ebenfalls zu befragen, und, wenn möglich, das Dunkel zu lichten, welches über Alexa und ihrem Vater zu schweben schien.

- „Es freut mich, daß Sie mir das gesagt haben," sprach sie ernst. „Es ist nicht mehr als Recht, daß ich das wissen sollte; aber Andere brauchen nicht zu erfahren, daß Sie die junge griechische Heldin sind, welche den Lord gerettet hat. Hoffent­lich wird sich noch Mes gut gestalten, verlieren Sie nur den Muth nicht, Alexa, und vertrauen Sie der Vorsehung.

Sie neigte sich vorwärts und küßte des Mäd­

chens Stirn. Von einer unwiderstehlichen Gewalt hingerissen, ergriff Alexa die Hand der Lady Wolga und bedeckte sie stürmisch mit glühenden Küssen. Ihr Gesicht war bleich und ihr Wesen so erregt, daß Lady Wolga für sie besorgt war.

„Sie sind übermäßig aufgeregt, mein Kind," sagte sie zärtlich. „Ich will sehen, was ich thun kann, um Ihrem Roman zu einem günstigen Ende zu verhelfen. Vertrauen Sie mir, Alexa, und vielleicht wird Alles gut."

Sie entließ das junge Mädchen freundlich, indem sie ihr sagte, sie möge sich zum Essen ankleiden.

Als sie wieder allein war, grübelte Lady Wolga über die Geschichte nach, die sie soeben gehört hatte, und leise murmelte sie vor sich hin:

„Was ist das für ein Geheimniß, welches ihre Heirath mit dem Grafen unmöglich macht? Ich will hören, was er dazu sagt. Ich werde nicht zufrieden fein, bis ich Alexa ergründet habe. Aber ich weiß jetzt, daß sie rein wie ein Engel ist. Ich will das Hinderniß, welches dem jungen Paare im Wege steht, beseitigen und den düsteren Schleier lüften, welcher das Geschick dieses sonderbaren Mädchens umgiebt, — ich will ihr Geheimniß kennen lernen um jeden Preis!"