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1884

Dienstag, den 18. November

Fuldaer

KM-!

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Deutsches Reich.

Berlin, 17. November.

(*) Der Kaiser wird am Donnerstag Nach­mittag l'/r Uhr im Weißen Saale des königlichen Schlosses den Reichstag in Person eröffnen. -- Der Eröffnung werden wie gewöhnlich Gottesdienste im Dom und in der Hedwigskirche vorausgehen. — Auf der heutigen Tagesordnung des Bundes­raths stand zunächst eine Mittheilung de» Reichs­tagspräsidenten betreffend die Aufhebung des Ex- patriirungsgesetzes, ferner Der Entwurf des Etats­gesetzes pro 1885/86 sowie Ausführungsbestim­mungen zur deutsch-italienischen Literarkonvention, endlich Ausschußberichte über die Dampfersubven­tionsvorlage und über den Antrag Ackermann (Lehrlingsparagraph).

* Das Centrum hat nach endgültiger Feststel­lung bei den letzten Reichstagsmahlen gewonnen: Von den Nationalliberalen: 1. Schweinfurt, 2. Willingen, 3. Offenburg. Von der Volkspartei: 4. Würzburg. Von den Konservativen: 5. Forch­heim. Von den Deutschfreisinnigen: 6. Mainz. Verloren: An die Konservativen: 1. Creuzburg, 2. Danzig Land. An die Nationalliberalen: 3. Bochum, 4. München I, 5. Waldshut. An die Sozialdemokraten: 6. München II.

* Es sind mehrfach und namentlich in neuerer Zeit Fälle vorgekommen, daß ein Zug, der bei der Einfahrt in eine Station nicht rechtzeitig zum Stehen gebracht werden konnte, mit einem aus entgegengesetzter Richtung einfahrenden Zuge zu­sammengestoßen ist, weil die von Letzterem zu pas- sirende Eingangsweiche nur in geringer Entfernung von demjenigen Punkte lag, über welchen der erstere Zug vorschriftsmäßig nicht hinausfahren sollte. Der preußische Minister für öffentliche Arbeiten hat daher die königl. Eisenbahndirektionen veranlaßt, eingehend zu prüfen, ob auf einzelnen Bahnhöfen ihrer Verwaltungsbezirke Verhältniffe vorliegen, welche die Gefahr eines derartigen Zu­sammenstoßes in sich tragen und eventuell, in wel­cher Weise dieser Gefahr wirksam vorzubeugen sein möchte. Die etwa zu treffenden Maßnahmen zur sicheren Verhütung des Zusammenstoßes von Zügen, die nahezu gleichzeitig in einen Bahnhof einfahren und bei unvorsichtiger Einfahrt einander gegenseitig gefährden, werden auf der nächsten Sicherheits­konferenz erörtert werden.

X Alcrn oder Auf dunklen Wegen.

Roman von 8. Wagner.

23. Kapitel.

Ein willkommenes Anerbieten.

Lady Wolga Clyffe blieb beinahe eine halbe Stunde in den so lange unbenutzt gebliebenen Zimmern, die sie einst gemeinsam mit ihrem Gatten und ihrem Kinde bewohnt hatte. Was sie fühlte, was sie litt, indem sie die alten Wun­den, die niemals ganz geheilt waren, von Neuem so grausam aufriß, erfuhr Niemand. Sie durch­kostete aber gleichsam noch einmal all' die Bitter­keit, all' die Qualen und Angst, die sie in der Zeit, als sie dieses Haus verlassen, bis zu dieser Stunde erlebt hatte. Sie gedachte aber auch der glücklichen Tage, die sie vor langen Zeiten zuge- bracht, und die Wunden ihres Herzens bluteten bei diesen Erinnerungen um so heftiger, ihr Schmerz wurde um so größer.

Sie sah ihren Gatten vor sich leuchtenden Auges und froh lachend, seine kleine Tochter auf

(•) Beim Betriebe auf den deutschen Eisenbah­nen (mit Ausschluß der bayerischen) sind im Sep­tember 36 Personen, darunter 1 Reisender, ge- tödtet und 131 Personen, darunter 12 Reisende, verletzt worden. Außerdem suchten 15 Personen freiwillig auf den Schienen den Tod, doch wurden davon nur 13 getödtet.

(*) Es wird behauptet, Preußen habe beim Bundesrath den Antrag gestellt, das Recht der Reichstagsmitglieder auf freie Eisenbahn­fahrt künftig nur für die Fahrten zwischen dem Wohnort derselben und der Reichshauptstadt be­stehen zu lassen. Es würde hiermit dem Mißbrauch begegnet werden, der dadurch getrieben wird, daß die Freifahrtscheine zu Agitations- und Ver­gnügungsreisen benutzt werden. Andererseits würde den Abgeordneten damit die Möglichkeit genommen werden, sich an Ort und Stelle über die Nothwen- digkeit irgend einer Etatsfordecung zu informiren. — Die Freifahrtkarten für die Reichstagsabgeord­neten werden für die neue Legislaturperiode in der Weise ausgestellt, daß sie den Inhabern die freie Fahrt auf den, in den Karten bezeichneten, den Verkehr zwischen Berlin und dem Wohnort der In­haber vermittelnden Eisenbahnstrecken gewähren, Demzufolge werden diejenigen Abgeordneten keine Karte erhalten, welche in oder in solcher Nähe der Stadt Berlin wohnen, daß die Benutzung der Eisen­bahn für den Verkehr zwischen beiden Orten aus­geschlossen ist. Die Karten werden den Abgeord­neten an deren, von den Wahlkommissarien amtlich bezeichneten Wohnort durch die Post zugesendet.

* Trier, 16. Noo. Gestern trat unser hoch­würdigster Herr Bischof Felix in Begleitung seines Geheimsekretärs Herrn Dr. Ditscheid eine vier- bis fünfwöchentliche Reife nach Rom an, um dort ge­mäß feiner bischöflichen Pflicht die Gräber der hl. Apostelfürsten zu besuchen. Tags vorher erschien vor ihm der Reihe nach das Kollegium der Semi- nar-Professoren und das hohe Domkapitel, um ihm eine glückliche Hin- und Herfahrt zu wünschen und ihn zu bitten, die Versicherung ihrer kindlichen Treue und Ergebenheit zu den Füßen des hl. Vaters niederzulegen. Zu gleichem Zwecke hatte auch die Pfarrgeistlichkeit der Stadt und der Vertreter des ehemaligen Landdekanates Trier, Herr Domkapitu­lar Klauck, eine Audienz.

♦ Aus Kassel schreibt man der,Köln. Vztg.': Die Wahlen zum Reichstag sind im ehemaligen

dem Arme tanzen lassend. So lebhaft, so täu­schend war die Vision, daß sie ihre Arme aus- streckte, um die lieben Gestalten zu umfangen, und als diese dann entwichen, entfuhr ein Schmerzensschrei ihren Lippen.

All' die glücklichen Stunden, die sie hier ver­lebt, die kleinen Ereignisse, die sich hier unter ihren Augen zugetragen, zogen an ihrem Geiste vorüber. Die Liebe der Gattin und Mutter, die nie in ihr erkaltet war, loderte jetzt wieder zu einer Flamme auf, heftiger und verzehrender, als je zuvor, und mächtig wurde ihre Sehnsucht nach ihrem Gatten und ihrem Kinde. Der Wunsch, noch einmal mit ihnen vereint zu werden, wurde zum inbrünstigen Gebet. Aber es war ein thörichter Wunsch; denn beide waren ja tobt! Ihr Gatte starb als Flüchtling in fremdem Lande, beladen mit dem schmachvollen Urtheilsspruch: „Schuldig des Mordes", und ihr Kind ertrank im Meere.

Und während sie drinnen heiße Thränen vergoß um ihren verloren Liebling, stand Alexa draußen vor der Thür, mit ihrer Mutter fühlend, welche keine Ahnung von ihrer Existenz hatte.

Sie hörte kein Schluchzen, kein Stöhnen, und fte begriff, daß die Prüfung, welche sich Lady

Kurfürstenthum Hessen ganz überwiegend im kon­servativen, und zwar altkonservativen Sinne ausgefallen. Der Fortschritt ist gänzlich ver­drängt und auch derNationalliberalismus, dessen Domäne das Land früher war, hat keinen Boden mehr. Selbst der Name Oetker zieht nicht mehr, denn der Träger desselben, Justizrath Oetker zu Kassel, konnte nur durch die Hülfe der Bewoh­ner des Kreises Rinteln, seiner engem Heimath, über den konservativen Dorf-Bürgermeister Knobel zu Ehlen, und zwar nur mit wenigen Stimmen, siegen und in den Reichstag gelangen. Bei den Stichwahlen zu K a s s e l und Hanau, wo die Konservativen und Sozialdemokraten sich gegenüber standen, haben die Nationalliberalen der Abstim­mung sich enthalten, in Kassel öffentlich durch einen Aufruf, in welchem der konservative Kandidat, Re­gierungsrath Dr. Lotz, gewissermaßen schlecht ge­macht wurde, und in Hanau heimlich. Trotzdem haben die konservativen Kandidaten gesiegt, und zwar durch die ländlichen Wähler. In einer großen Zahl von Dörfern haben alle Wahlberechtigten ge­wählt, und ist dabei keine Stimme für den Sozia­lismus abgefallen. In den 8 Wahlbezirken des ehemaligen Kurfürstenthums Hessen sind zum Reichs­tage gewählt sechs Konservative, und zwar: Regie- rungsrath Dr. Lotz zu Kassel, Landrath v. Gehren zu Homberg, Gutsbesitzer v. Thiemen im Kreise Eschwege, Gutsbesitzer Seyffarth int Kreise Hers­feld, Justizrath Dr. Grimm zu Marburg und der Dorf-Bürgermeister Hellwig zu Hadamar im Kreise Fritzlar für Hanau, ein Centrumsmann, der Graf von Droste-Vischering, Erbgraf zu Droste, für Fulda, und ein Nationalliberaler, Justizrath Oetker zu Kassel, für Ninteln-Hofgeismar-Wolfhagen.

*Friedberg(Hessen). Hinze (deutschfreisinnig) mit 7195 Stimmen gewählt, Goerz (nationalliberal) 7067 Stimmen.

* München, 17. Nov. Wie hochgradig hier die durch die Stichwahlen verursachte Aufre­gung war, geht daraus hervor, daß in allen Ka­sernen Bereitschaft befohlen war, daß Militär-Pa­trouillen zur Beaufsichtigung der Umgebung der Wahllokale die Straßen durchzogen, die Mannschaft der Hauptwache bedeutend verstärkt und das erste schwere Reiter-Regiment bis 10 Uhr Nachts gesat­telt und zum Aufsitzen bereit war. In etwa drei Wochen finden die Gemeindewahl en statt, bei welchen es ebenfalls an Stürmen nicht fehien.wird.

Wolga auferlegt, in ihr Schmerzen erweckt hatte, zu groß und herzzerreißend, als daß sie sich laut äußern konnten.

Die Zeit schlich langsam dahin, und Alexa fing an zu fürchten, es möchte Lady Wolga etwas zu- gestoßen sein, da sie so lange blieb und keinen Laut vernehmen ließ. Sie überlegte, ob sie es wagen könnte, einzutreten, um sich zu erkundigen, ob Lady Wolga ihrer bedürfe. Da kam eine ältliche in schwarze Seide gekleidete Frau auf sie zu, welche sehr aufgeregt schien. Diese Frau war Mrs. Matthews, die Haushälterin. Je näher sie Alexa kam, desto langsamer ging sie, und blickte unentschlossen bald auf diese, bald auf die Thür.

„Ich bitte um Verzeihung, Miß," sagte sie endlich. „Der Diener des Marquis von Mont- Heron sagte mir, daß Lady Wolga in ihren Zimmern sei. Ich habe Mylady seit Jahren nicht gesehen, — seitdem sie vor achtzehn Jahren das Schloß verließ, — und ich möchte ihr gern bei ihrem heutigen Besuch meine Ergebenheit zu er­kennen geben."

„Lady Wolga wird bald herauskommen," sagte Alexa freundlich; „aber ich weiß nicht, ob es ihr angenehm fein wird, Jemanden zu empfangen,