M 265. Montag, den 17. November 1884*
Fuldm
Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Ml. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
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Aufruf an die Katholiken Deutschlands.
Im Jahre 1879 traten in Aachen einige katholische Männer zusammen, welche, angeregt durch die Mittheilungen des Deutschland bereisenden Franziskaner-Paters LadislausSchneider über die der Aenderung dringend bedürftige Lage der deutschen Katholiken im heil. Lande, die Anbahnung besserer Zustände aus diesem Gebiete zum Ziele ihres eifrigen Strebens zu machen beschlossen. Viele Schwierigkeiten waren zu beseitigen, bevor das Unternehmen denjenigen Boden gefunden, auf welchem eine Schöpfung, des katholischen Deutschland würdig, sich errichten ließ. Gegenwärtig aber sind mit Gottes gnädiger Hülfe die Vorarbeiten so weit gediehen, daß an den Ausbau des Werkes Hand angelegt und die Betheiligung der Katholiken Deutschlands dafür angerufen werden kann. Das von Pater Ladislaus erworbene Grundeigenthum, bestehend in einem zu Jerusalem belegenen geräumigen Hause und einem ländlichen Grundstücke zu Emaus, ist in den Besitz des Aachener Komite's übergegangen; der hochwürdigste Herr Patriarch zu Jerusalem hat dem Anfänge des in jenem Hause errichteten deutschen Hospizes seine liebreiche Fürsorge zugewandt; der für die Förderung katholischer Institutionen in Palästina in rühmlichster Weise thätige Verein vom hl. Grabe unterstützt dasielbe aus seinen Fonds; einem jüngst nach Jerusalem übergesiedelten tüchtigen Verwalter ist bereits die Leitung der Anstalt übertragen. Jetzt ksmmt es daraus $R,--btt£-itt-^3en Gaueis unseres Vaterlandes die katholische Begeisterung für die Verherrlichung der Leidensorte unseres göttlichen Erlösers eine» mächtigen Aufschwung nehme, damit ein Werk erstehe, welches den von den Russen, den Franzosen und den deutschen Protestanten im hl. Lande errichteten großartigen kirchlichen und wohl- thätigen Anstalten an die Seite gestellt werden kann. Was Jene im auskömmlichsten Maße besitzen, fehlt uns noch ganz und gar. Gehen wir darum rüstig an die Arbeit! Seien wir eingedenk des Vorsatzes, den die wiederholtest Mahnungen unserer Redner auf den General-Versammlungen der deutschen Katholiken in uns wachgerufen Haden: einzutreten für die Stärkung deutschen katholischen Wtsens auf dem geheiligten BodenPalä- stinas!
oder
Auf dunklen Wegen.
Roman von E. Wagner.
Lady Wolga war bezaubernd schön, und ebenso schön war Alexa. Jmponirte die eine durch ihre majestätische Gestalt, so fesselte die andere durch ihre jugendliche Frische und Zartheit.
Der Marquis von Montheron bewillkommte Lady Wolga mit unverhehlter Freude, und Alexa wurde von Lord Kingscourt in Beschlag genommen, sobald sie mit MrS. Jngestre Grüße ausgetauscht hatte.
„Ich kann Ihnen nicht genug danken, Wolga, für Ihre Güte, mich heute mit ihrem Besuch zu beehren," sprach der Marquis, so leise, daß es von den Andern nicht vernommen werden konnte. „Lassen Sie mich Sie willkommen heißen in Ihrer alten Heimath, wo Sie einst als Herrin herrschten — in der Heimath, in die Sie jeden Tag als rechtmäßige und geehrte Herrin einziehen können. Willkommen! Wolga, tausendmal willkommen!"
Lady Wolga'S Augen durchschweiften das große Gemach. Ihre Lippen zitterten einen Moment,
Lassen wir diesen Vorsatz nunmehr zur That werden! Schaffen roft einen kirchlichen und sozialen Sammelort für unsere Landsleute, die sich im hl. Lande ansässig machen oder als Pilger einen vorübergehenden Aufenthalt daselbst nehmen wollen, damit ihnen christliche Unterweisung in ihrer Muttersprache, Krankenpflege, gastliche Aufnahme und verständige Berathung und Hülfe in wirthschaft- lichen Dingen nicht fehle! Fördern wir auch die Ausbreitung des katholischen Glaubens, die Liebe zur Arbeit und wahre christliche Kultur bei den Eingeborenen und betheiligen wir in dieser Weise das katholische Deutschland an der Wiederaufrich- tunq des hl. Landes.
Wir haben der in Aachen domizilirenden Vereinigung, zu welcher wir zusammengetreten sind, um die angegebenen Zwecke zu verfolgen, den Namen „Palästina-Verein der Katholiken Deutschlands"
gegeben und wenden uns an Alle, die sich an dem großen Werke eines friedlichen Kreuzzuges betheiligen wollen, mit der Bitte, sich unserem Vereine anzuschließen und sowohl durch die Entrichtung des auf 1 Mark pro Jahr bestimmten regelmäßigen Betrages, als auch durch Gewährung außerorvent- licher Zuwendungen zu den dem Unternehmen nöthigen Mitteln beizusteuern.
Jeder der Unterzeichneten ist bereit, Beitrittserklärungen und Geldbeiträge in Empfang zu nehmen.
Alljährlich auf der General-Versammlung der deutschen Katholiken wird über den Stand der Vereins-Angelegenheiten Bericht erstattet werden.
Staf ooTTStieftterrtr MMrarryerr mÄreslau; Louis Beißel, Fabrikbesitzer in Aachen; Stiftsvikar Becker in Aachen; Rechtsanwalt Biesenbach in Düsseldorf; 0r. A. Bock in Aachen; Fabrikbesitzer Franz Brandts jr. in Gladbach; Redakteur Cordier in Heiligenstadt; Rentner De- graa in Aachen; Christ. Sieben, Gutsbesitzer in Uerzig; Graf von Droste zu Vischering, Erbdroste zu Darfeld; Freiherr von Eynatten in Düsseldorf; Buchdruckereibesitzer Joh. Falk IIL in Mainz; Kaufmann Viktor Gielen in Bremen; General-Major z. D. von Gliszczinski in Bunz- lau; Andre von GrandRy in Eupen; Wilh. Haffner in Bochum; Dr. Freiherr von Heeremann in Münster; Generalsekretär Hitze in Gladbach; Fabrikbesitzer Karl Hoff- sümmer in Düren; Professor Dr. Holzammer in Mainz; Graf von Hompesch in Rurich; Landgerichtsrath Hüffer in Paderborn; Dr. Hülskamp in Münster; Stadtpfarrer Huhn in München; Chefredakteur Jmmelen in Aachen; Landrath z. D. Janssen in Burtscheid bei Aachen, Oberbürgermeister a. D. Kaufmann in Bonn; Legationsrath von Kehler in Berlin; Landgerichtsrath von Kesseler in Köln; Generalvikar Dr. Klein in Limburg; Graf von aber sie hatte sich gestählt zu der Aufgabe, die sie übernommen hatte, und kein anderes Zeichen der Erregung wurde an ihr bemerkbar.
„Täuschen Sie sich nicht, Roland," sagte sie freundlich. „Ich kam nicht nur deswegen, weil Sie mich nöthigten, sondern weil ich mich sehnte die alten lieben Räume einmal wiederzusehen und einige Andenken an mein Kind zu erlangen. Sie dürfen Ihr Versprechen nicht vergesien, sie mir zu zeigen."
„Gewiß nicht," versetzte der MarqurS. „Es ist Alles in Ihren früheren Zimmern zu Ihrem Besuch vorbereitet, und Niemand wird Ihre Abwesenheit hier bemerken."
Die Anmeldung des Esiens setzte der weiteren Unterhaltung ein vorläufiges Ende. Der Marquis bot Lady Wolga seinen Arm. Lord KingS- court führte Alexa und die Uebrigen folgten paarweise.
Das Speiseziminer bot einen brillanten Anblick. Palmen aller Art füllten die Nischen, Blumen zierten die Tafeln, und Krystall und Silber strahlten das Licht der zahlreichen Kandelaber zurück.
Lady Wolga war während des Esiens sehr heiter, heiterer, als der Marquis sie je gesehen hatte; aber er ahnte, daß ihre Fröhlichkeit nur
Landsberg-Belen uab Gemen auf Gemen; Dechant Lefranc in Crefelb; Dr. Lieber in Camberg; Freiherr Felix von Loö in Terporten; Rentner Karl Lucius in Aachen; Rentner Matern in Mehlsag (Ermelanb); Dr. Mahner in Bonn; Professor Dr. Mosler in Trier; Domkapitular Dr. Moufang in Mainz; Rechtsanwalt Müller in Koblenz; Geistlicher Rath Müller in Berlin; Rechtsanwalt Offer- gelt in Aachen; Chefrebakteur Otto in Crefelb; Domkapitular Dr. Perger in Münster ; Rechtsanwalt Dr. Porsch in Breslau; Hofprebiger Potthoff in Dresben; Professor Dr. Rebbert in Paberborn; Lanbgerichtsrath Schmibt in Amberg; Lanbrath z. D. Graf von SchmiesingKerssen- brock in Beckum; Kaplan Dr. Schmitz in Düsseldorf; C. I. Schmitz-Leven, Schatzmeister bes Vereins vom hl. Grabe in Köln; Lanbrath z. D. Graf von Spee in Maubach; Dr. Freiherr von Schorlemer zu Alst; Freiherr von Schor- lemer zu Overhagen; Domvikar Schröber in Paberborn; Freiherr von Spies-Büllesheim aus Haus Hall; Domkapitular Dr. Schulte in Paberborn; Berg-Assessor Tillmann in Dortmunb; Kaufmann Karl Walther in Erfurt; Fabrikbesitzer Math. Wiese in Werben; Staatsminister a. D. Dr. Winbthorst in Hannover; Rentner Aug. Wulff zu Dortmunb; Bischöfl. Kommissar Dr. Zehrt in Heiligenstabt.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. November.
* Der Bundesraih hält morgen eine Sitzung ab behufs Fortsetzung der Etatsberathung. Eingegangen ist ein Antrag Preußens betreffend die gleichmäßige Behandlung der Pulvertraus- porte in den verschiedensten Bundesstaaten. — Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf betreffend Aufnahme einer Anleihe bis zu 10,550,000 M. für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine und der Reichseifenbahnen zugegangen. — Das .Deutsche Tageblatt' gibt dem hier zirku- lirenden GcNicht Ausdruck, wonach eine beträchtliche Vermehrung der Marine, namentlich die Erbauung mehrerer starker Kreuzer und einer großen Zahl Torpedoboote beim Reichstag beantragt werden wird. Die Kosten würden auf mehrere Jahre vertheilt. — Die nächste Sitzung der afrikanischen Konferenz ist auf Dienstag anberaumt worden, damit inzwischen Berathungen der Experten stattfinden können.
(*) Der ,Voss. Ztg.' wird aus Hannover von angeblich zuverlässiger Seite geschrieben: Der braunschweigische Regentschaftsrath habe den Prinzen Albrecht von Preußen zum Nachfolger des Herzogs Wilhelm gewählt und das Wahler- gebniß dem Kaiser zur Bestätigung vorgelegt. Die Bestätigung sei auch erfolgt, jedoch mit der Maßgabe, daß die Uebergabe der Regierung erst nach
eine erzwungene war, dazu dienend, ihre Aufregung zu verdecken.
Nach dem Effen kehrten die Damen in den Salon zurück, während die Herren noch dem Weine zusprachen.
Die Damen vertrieben sich die Zeit so gut sie konnten. MrS. Jngestre setzte sich in einen Schaukelstuhl und schloß die Augen, da sie sich mehr als je „schwach und angegriffen" fühlte. Lady Mark- Ham hatte in mißvergnügter Stimmung mit mehreren Damen eine Unterhaltung angeknüpft, deren Gegenstand Al.xa war. Ein Paar junge Damen spielten und sangen zusammen, während Andere in dem Wintergarten umherspazierten.
Lady Wolga hielt jetzt ihre Zeit für gekommen, sie näherte sich Alexa, welche allein in einer Fensternische saß.
„Alexa kommen Sie mit mir in das Garderobezimmer !" sagte sie leis«.
Alexa erhob sich und folgte Lady Wolga. Sie fanden das Garderobezimmer leer.
„Mein liebes Kind," sprach die Lady, ihre Aufregung jetzt nicht mehr zurückhaltend, „einst war ich Herrin in diesem Schlöffe. Ich kam hierher als Brant, und ging, — doch ohne Zweifel haben Sie die Geschichte gehört. Es waren Folterqualen