M 264. Sonnabend, den 15. November 1884.
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Fuldaer
Erstes Blatt.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. November.
(*)j®ie westafrikanische Konferenz wird morgen Nachmittag im Reichskanzler-Palais durch den Fürsten Bismarck eröffnet. Zu derselben sind hier eingetroffen der belgische Bevollmächtigte Hr. Perez Anderson und Hr. Robert Meade, Bevollmächtigter Englands, und der Botschafter Frankreichs, Hr. v. Courcel, sammt seinen Beiräthen Herren Ballay, Desbuisson und Engelhard. — Die Sozialdemokraten, welche im Reichstage stark genug sein werden, um eigene Anträge einbringen zu können, wollen zunächst die Aufhebung des Sozialistengesetzes beantragen.
** Ueber die gestern begonnene Konferenz der Sachverständigen für das Submissionswesen liegt ein längerer Bericht vor, dem wir entnehmen, daß eine Abstimmung darüber nicht stattfand, ob die neu vorgeschlagenen Bestimmungen geeignet sind, einer zu weit gehenden Berücksichtigung absoluter Mindestgebote wirksam vorzubeugen. Die neuen Bestimmungen stellen den Grundsatz an die Spitze, daß der Zuschlag nur einem in jeder Beziehung annehmbaren Gebot, welches die tüchtige und rechtzeitige Ausführung der betreffenden Arbeit garantirt, ertheilt werden darf. Es wurden die mannigfachsten Vorschläge gemacht, deren Aufzählung hier zu weit führen würde. Dann wurden Maßregeln zur Beseitigung der Nebelstände diskutirt, welche aus der Veröffentlichung hervorgehen, und einstimmig beschlossen, daß Nichtbe- theiligte von dem Submissionstermin völlig auszuschließen sind. Die Zulassung der Gebote nach Prozenten des Anschlags wurde verworfen. Endlich entschied sich die Versammlung mit großer Mehrheit dafür, daß in den Submissionsbedingungen eine Bestimmung ausgenommen werde, wonach nach Ablauf einer bestimmten Zeit der Submittent von der Offerte zurücktreten könne. Die Verhandlungen wurden heute fortgesetzt.
(*) Die Uebersicht der Etatsstärke des deutschen Heeres für das Etatsjahr 1885/86 stellt sich folgendermaßen: 18,140 Offiziere, 51,496 Unteroffiziere, 789 Zahlmeister-Aspiranten, 13,443 Spielleute, 347,887 Gefreite und Gemeine, 3532 Lazarethgehülfen, 10,127 Oekonomie-Handwerker,
52) J J || (Nachbr. tert.)
oder
Arrf dunklen Wegen.
Roman von 6. Wagner.
X t. 24. Kapitel.
Teuerste Besuch im Schloß Mont Heron.
Schloß Mont Heron war hell erleuchtet; aus den großen französischen Fenstern warfen die zahllosen Lichter der mächtigen Kronleuchter ihre Strahlen weithin über das Meer, wie ein Leuchtfeuer zur Warnung für Schiffe vor dem gefährlichen Ufer. Auch die Teraffen, Plätze und Grotten waren erleuchtet, und an den Bäumen, welche die den steilen Hügel hinaufführenden Schlangenwege umsäumten, hingen bunte Laternen. In dieser Beleuchtung bot der Felsen mit dem alten Schloß einen imposanten zauberhaften Anblick dar.
Das Innere des Schlosses überbot jedoch bei Weitem die äußere Umgebung an Pracht und Glanz. Alle Räume waren festlich geschmückt. Die Wände der großen Hallen zierten Waffen, Fahnen und allerlei Kriegstrophäen aus früheren Jahrhunderten; lodernde Feuer in zwei mächtigen
also^ überhaupt $427,247. Dazu kommen 1698 Militärärzte, 783 Zahlmeister, 619 Roßärzte, 736 Büchsenmacher und Waffenmeister, 93 Sattler. Die Zahl der Dienstpferde ist mit 81,598 eingestellt. — Im Monat September sind über die deutschen Häfen und Antwerpen im Ganzen 11,092 Personen ausgewandert, gegen 14,753, 15,530, 11,669, 3334 und 2219 im entsprechenden Monat der letzten 5 Jahre. Die Zahl der von Anfang d. I. bis Ende September ausgewanderten Personen beträgt 122,345, gegen 133,954 im gleichen Zeitraum des Jahres 1883, 160,966 desgl. 1882, 172,584 besgl. 1881 und 79,957 desgl. 1880. Nahezu die Hälfte der preußischen Auswanderer kamen aus Westpreußen, Pommern und Posen.
Braunschweig, 13. Nov. Präsident von Dunkelmann hat sich nach der Audienz beim König Albert von Sachsen in Dresden von dort direkt zum Herzoge von Cumberlanv nach Gmunden begeben, um bei diesem weitere persönliche Informationen einzuholen.
cf Hersfeld, 14. Nov. Amtliches Ergebniß der Reichstags-Stichwahl im 6. Kasseler Wahlkreise : Von 9264 Stimmen erhielt Oekonom Seyffarth (kons.) 6384, Dr. Arenhold (Centr.) 2880 Stimmen.
* München, 14. Nov. Nach dem vorliegenden Gesammtergebniß ist Vollmar (S.-D.) mit 128 Stimmen Majorität gewählt.
Ausland.
(*) Wien, 13. Nov. Pester Blätter wollen wiffen, Oesterreich beabsichtige die Errichtung von Strafkolonien, verbunden mit Handelsfaktoreien, an der afrikanischen Küste. Angeblich fanden darüber bereits Verhandlungen zwischen den einzelnen Ministerien statt. Eine ähnliche Nachricht wurde vor Kurzem entschieden dementirt.
* In Holland ist endlich das liberale Regiment gestürzt. Die Liberalen haben 42, die Antiliberalen (Katholiken 19, Konservative 3, Antirevolutionäre 22) 44 Sitze in der neuen zweiten Kammer. Der Senat bleibt nach wie vor in seiner überwiegenden Mehrheit liberal. Es tritt nun die Frage auf: Wie soll Holland fernerhin regiert werden: liberal oder konservativ? Im Ministerium werden wohl keine wesentlichen Aenderungen statt-
Kaminen erfüllten den langen und breiten Raum mit behaglicher Wärme. Zu beiden Seiten der Halle lagen die Gesellschaftszimmer. Das erste war der Salon, auf's Eleganteste möblirt, und an diesen, durch eine Flügellhür verbunden, stieß ein Wintergarten, welcher die seltensten und kostbarsten Gewächse aufzuweisen hatte. Blumen aller Art verbreiteten berauschende Düfte, Fontainen und kleine Wasserfälle aus Steingrotten ergoßen sich plätschernd in kleinere und größere Bassins, in denen Goldfische munter umherschwammen und eine Anzahl Ampeln, halb von Palmengruppen und Schlingpflanzen verborgen, verbreiteten ein mildes Licht.
Der Salon war noch leer; nur der Marquis von Montheron schritt unruhig und erwartungsvoll auf und ab. Seine sanften Augen leuchteten lebhafter als gewöhnlich, sein Gesicht zeigte einen Ausdruck von Freude und Triumph.
„Es ist Zeit, daß sie kommen," sprach er zu sich selbst, nachdem er die schweren Fenstervorhänge ein wenig zurückgeschlagen und einen Blick hinaus auf den erleuchteten Schloßplatz und den Weg zum Schlöffe geworfen hatte. „Ich höre kein Geräusch von fahrenden Wag.en Aber sie wird sicher kommen!? Ich habe ihr Versprechen und
finden. Heemskerk, der im Grunde mehr konservativ als liberal ist, hat seit der Begründung des nach ihm benannten Kabinets es sehr gut verstanden, zwischen beiden Parteien die Waage zu halten, und er wird es wahrscheinlich auch fernerhin thun. Für die Rechte kommt es fernerhin in erster Linie darauf an, daß sie einig vorgeht; ob das geschehen wird, ist jedoch sehr zweifelhaft. Die große Frage der Zukunft bildet für Holland das „neutrale" Schulgesttz. Der Kampf zwischen den Anhängern der konfessions- und der religionslosen Schule wird zweifellos ein sehr heftiger werden.
* Brüssel, 14. Nov. Amtlicherseits wird die Nachricht der .Times' und anderer Blätter, es seien in Brüffel 60 Cholerafälle konstatirt, für durchaus unbegründet erklärt mit dem Bemerken, daß in Brüffel nicht ein einziger Cholerafall konstatirt sei. Der Gesundheitszustand Hierselbst sei überhaupt ein durchaus befriedigender.
* Die Versammlung der schismatischen Bischöfe Rußlands, welche in Wilna stattfinden sollte, wird nach einem Petersburger Telegramm des Moniteur de Rome' nicht stattfinden. Die russische Presse beschäftigt sich noch mit den bekannten Artikeln des römischen Blattes, allein eine gewiss; Mäßigung tritt dabei zu Tage, so daß es fast scheinen könnte, als solle eine kleine Wendung zum Befferen eintreten. —
* Die offiziöse Note, durch welche dem katholischen Klerus in Rußland die Gehaltssperre angedroht wird, liegt jetzt vor. Wir werden in der nächsten Nr. daraus zurückkommen.
Aus Stabt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 15. November.
+ In Folge des Eisenbahnunglücks bei Hanau, über welches wir an anderer Stelle Näheres berichten, traf gestern der Schnellzug, welcher fahrplanmäßig um 3 Uhr 13 Min. in Fulda sein sollte, erst gegen 7 Uhr ein. Der fahrplanmäßig um 6 Uhr 23 Min. hier eintreffende Zug fiel ganz aus, und der Personenzug, welcher fahrplanmäßig um 9 Uhr 59 Min. hier ankommt, hatte 1 Stunde und 14 Minuten Verspätung.
cf Morgen (Sonntag) begeht der hiesige Gesellenverein sein 29. Stiftungsfest. Da die Gesellenvereine gerade in unserer Zeit, wo es in den
Lady Wolga gehört nicht zu denen, die in der einen Minute ein Versprechen leichtfertig geben, um es in der nächsten zurückzunehmen. Sie kann nicht so launisch sei, im entscheidenden Augenblick ihre Absicht zu ändern und sich weigern, zu kommen! Eine plötzliche Beklommenheit ergriff ihn, denn während er so sprach, dachte er daran, daß Lady Wolga doch so launisch sein könnte. „Ihre alte Abneigung mag sie in der letzten Minute erfassen, der Gedanke an die längst vergangenen Schrecknisse mag sie aufs Neue erfüllen und zurückhalten. O, diese Ungewißheit! Dieses peinliche Warten!"
Er trat wieder an's Fenster, schlug die Vorhänge zurück und suchte das Dunkel in der Ferne zu durchdringen. Er horchte nach dem Geräusch von fahrenden Wagen; aber nichts ließ sich sehen, nichts war zu hören.
„Es hängt so viel von ihrem Kommen am heutigen Tage ab," murmelte er, seine unruhige Wanderung durch den großen Salon fortsetzend. „Hat sie ihren Widerwillen gegen dieses Haus besiegt, so hat sie es meinetwegen gethan. Sie hat mir nie eine direkte Ermuthigung zu meiner Bewerbung gegeben, obwohl ich Jahre lang um sie geworben habe. Zwar kam sie auf mein