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Donnerstag, den 13. November
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liebt, denn er hat schon seit Jahren um sie mit einer Ausdauer geworben, die eines Lohnes werth ist."
„Wenn aber Lady Wolga ihren Gatten unschuldig glaubte, weshalb ließ sie sich dann von ihm scheiden?" fragte Alexa.
„Tas war das Werk ihres Vaters. Er wollte nicht, daß seine Tochter den entehrten Namen Lord Stratford Heron's trage."
„Und wenn sie an ihres Gatten Unschuld glaubte," fuhr Alexa fragend fort, „weshalb machte sie keinen Versuch, seine Unschuld zu beweisen?"
„Das that sie, Mademoiselle. Sie beschäftigte Wochen lang Geheimpolizisten; aber diese erklärten, daß sie glaubten, Lord Stratford Heron sei der Mörder seines Bruders. Auf keinen Andern fiel ein Verdacht, kein Anderer hatte ein Jnteresie, wie er es hatte, an dem Tode seines Bruders. Es ist kein Zweifel; Lord Stratford war schuldig, und Mylady wird gut thun, sein Andenken zu ver- gesien und den jetzigen Marquis von Montheron zu heirathen. Sie schaudern und zittern, Mademoiselle. Es ist schon spät und Sie sind müde. Möge da», wa» ich Ihnen erzählt habe, dazu beitragen, Ihnen Liebe für Mylady einzuflößen, welche
* Die Bismarck sche Politik.
Anläßlich der jüngsten Neichstagswahlen hält die ,Germ.' Rundschau über die gelammte Bismarck'sche Politik, indem sie u. A. schreibt: Die Reichstags- wahlen des Jahre« 1874 und die Reichstagswahlen von 1884 bezeichnen die beiden größten Niederlagen im Leben des Fürsten Bismarck. Vor 10 Jahren wurde ihm gezeigt, daß das katholische Volk den Kulturkampf nicht, wie Fürst Bismarck ihm beizubringen bemüht war, als einen Vertheidigungskampf gegen „römische Herrschsuchl", sondern als einen Angriffskrieg gegen die katholische Kirche ansehe. Mit dieser Stellung der Katholiken aber war der Kulturkampf bereits entschieden. Eine feste, heilige Ueberzeugung von Fünfzehn Millionen ist unbesiegbar. Der weitere Kampf gegen sie kann nur Demjenigen schaden, der ihn fortführt. Das ist denn auch in reichlichem Maße, zum großen Schaden von Staat und Volk, geschehen. Sehen wir von all' den vielen sittlichen und materiellen Schädigungen, die so oft geschildert sind, hier ab und begnügen wir uns an dieser Stelle bloß mit der Bedeutung des fortdauernden Kulturkampfes für die Wahlen, so kann man mit voller Bestimmtheit sagen, Fürst Bismarck verdankt seine furchtbare Niederlage bei den Wahlen nur dem Kulturkämpfe. Wollte er eine christlich-konservative Politik, mit eifrigster Wirthschafts- und Sozialreform, allerdings aber v" mit strenger Aufrechterhaltung der versassungs- " Rechte, führen, so stände ihm für eine "■i:* immer die stärkste Fraktion zur Seite, Oie 'nen ->ms, und ein solches Programm, verbünde.. d!aä >n Einfluß der Regierung auf die protestantische ölkerung würde die Zahl der wirklich konserva i Abgeordneten gewaltig anschwellen. Es muß1’ rs immer von Neuem gesagt werden, damit endlich zum Bewußtsein kommt, daß es nur am Reichskanzler liegt, wenn Deutschland in seinem Innern nicht der ruhigsten und glücklichsten Entwickelung auf allen Lebensgebieten sich erfreut, einer Entwickelung, die zugleich das Fundament einer langen glücklichen Zukunft bilden würde.
An welchen Eigenschaften des Geistes und Charakters es liegt, daß der Reichskanzler diese auf der Hand liegende und von tausend Zeichen der Zeit auch dem Harthörigen verkündigte Wahrheit theils nicht erkennen und theils nicht anerkennen
kann, vermögen wir hier im Einzelnen nicht zu erörtern. Wie Fürst Bismarck in seiner auswärtigen Politik fort und fort als ein Meister in Berechnung und Verwerthung mechanischer Kräfte und als ein Meister in der Behandlung der auf diesem Gebiete in Betracht kommenden Menschen sich zeigt, so ist diesem Meister der mechanilchen Staatsauffasiung und Staatskunst die organische Staatsauffassung ein Buch mit sieben Siegeln, er schätzt die sittlichen und gemüthlichen Imponderabilien des Volkslebens nicht hoch genug, er versteht sich nicht auf die feineren Züge der Volks- Psychologie und wird das auch nicht mehr lernen. Er hat, so weit er selbst leitend eingriff, in den wichtigsten Fragen der Volks-Psychologie, der Kirchen- und Sozialpolitik, immer eine unglückliche Hand gehabt und wird sie behalten.
Soll die innere Politik Deutschlands nicht immer tiefer verwirrt werden und der Kampf Aller gegen Alle, der von Jahr auf Jahr sich verstärkt, statt abzunehmen, nicht auf die Dauer Land und Volk unglücklich machen, so muß Fürst Bismarck endlich der Wahrheit die Ehre geben, daß es mit bloß menschlicher Klugheit niemals und besonders nicht in unseren verwickelten und schwierigen Zeiten genug ist, daß aber das Christ ent hum Direktiven auf allen, auch den irrsten Wegen, und Heilmittel für alle Wunden enthält. Laffe der Kanzler die Kirche frei auf die Geister und die Herzen wirken, laffe er sie auch ihre soziale Mission erfüllen, und berathe und beschließe er die Staats« tbätigkeit auf sozialem Gebiete mit denjenigen Kreisen des Volkes und der Volksvertretung, die vom Geiste des Christenthums durchdrungen und deshalb mit Weisheit und Nächstenliebe auch in Fürsorge für die nothleidenden Klassen erfüllt sind. So lange der Kanzler aber diesen Leitstern des Christenthums nicht beachtet und die christlichkonservativen Elemente zurücksetzt oder nur anfeindet zu Gunsten der theils antichristlichen und theils unchristlichen und deshalb auch noch immer im Wesentlichen manchesterlichen Heidelbergerei und bergt, so lange wird der Reichskanzler in der inner» Politik, und vor Allem auf deren wichtigsten Gebieten, der Kirchen- und Sozialpolitik, niemals eine glückliche Hand haben, mag im Uebrigen sein Geist auch hier noch so viele Experimente und Auskunftsmittel ersinnen.
(Schluß folgt.)
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Auf dunklen Wegen.
Roman von 6. Wagner.
Noch schwieg Alexa. Sie konnte kaum die Wahrheit dessen faffen, was sie gehört. Hätte Felice ihr Gesicht gesehen, würde sie erschrocken gewesen sein über dessen Bläffe und den Ausdruck der Verwirrung.
„Und doch," brach nach einer Weile Alexa mit leiser Stimme das Schweigen, „und doch denkt sie nun an eine zweite Heirath?"
„Ja, Mademoiselle; aber viele Leute, welche einmal innig geliebt haben, heirathen zum zweiten Male. Mylady ist so allein in der Welt, — so gänzlich allein. Ihr großes Haus ist leer. Sie hat nur mich, und ich kann ihr nichts sein, da ich nur ein einfaches Mädchen bin. Der Herzog von Clyffebourne, ihr Bruder, hat selbst Familie und kann sich nicht viel um sie kümmern. Der Marquis von Montheron betet sie an; er kann sie in das Haus bringen, welches sie einst liebte; er kann ihr die Stellung geben, welche sie einst einzunehmen gedachte. Ich bin dessen nicht gewiß, glaube aber, daß sie den Marquis achtet und
Deutsches Reich.
Berlin, 12. November.
♦ Das Wahlresultat hat einschließlich der 55 als gesichert angegebenen Stichwahlen folgende Parteigruppirung ergeben:
Centrum 103, Konservative 69,
Reichspartei 31,
Nationalliberale 45, Freisinnige 49,
Polen 16,
Demokraten 6,
Sozialisten 19,
Elsässer 14,
Dänen 1,
Somit hätte bis dahin die „Mittelpartei" (Konservative, Reichspartei, Nationalliberale) 145, die übrigen Parteien 208 Sitze. Das Centrum hat in München einen doppelten herben Verlust zu beklagen, dessen Ursachen nicht zweifelhaft sein können, da die Nationalliberalen einen Pakt mit den Sozialdemokraten abgeschlossen haben, der jeder der beiden Parteien einen Sitz verschaffte. Aufsehen erregt ebenfalls die Wahl des Nationalliberalen Wörmann in Hamburg; die Partei hatte selber nicht auf den Sieg gerechnet.
• Das Krankenkassengesetz soll mit dem nächsten 1. Januar in Kraft treten. Bis zu diesem Zeitpunkte müssen also sämmtliche bisher wirksam gewesenen Kassen nach den nothwendig gewordenen neuen Bestimmungen umgeändert sein. Die hierdurch entstandene Arbeitslast ist geradezu eine ungeheure zu nennen, und es ist mehr als fraglich, ob sich dieselbe noch in den wenigen übrigen Wochen dieses Jahres wird bewältigen lassen. Allerdings wird an der betreffenden Centralstelle im Reichsamte mit verdoppelten Kräften gearbeitet, aber der behördliche Geschäftsgang bringt eine gewisse Langsamkeit mit sich. Daher kommt es denn auch, daß vor Monaten eingereichte Kassenstatuten-Entwürfe noch immer ihrer Erledigung harren. Mit einer an Gewißheit grenzenden Wahrscheinlichkeit kann man ja wohl annehmen, daß die eingereichten Entwürfe nicht so ohne Weiteres für genügend befunden werden dürften. Vielmehr wird es an Bedenken und Ausständen mannigfacher Art nicht fehlen. Eine theilweise Umarbeitung der beanstandeten Entwürfe ist also unerläßlich und somit auch eine zweimalige Begutachtung seitens der betreff. Aufsichtsbehörde. Inzwischen rückt der 1. Januar unauf«
eine so große Zuneigung zu Ihnen gefaßt hat. Ihr schönes Haar ist nun geordnet und Sie sollten zur Ruhe gehen."
Alexa sprach ihren Dank aus für den Dienst, welchen ihr Felice erwiesen, und diese verließ das Zimmer.
Al« die Thür sich wieder geschloffen hatte, trat Alexa an ein Fenster, sank auf ihre Knie und blickte mit dankerfüllten und zugleich flehenden Augen hinauf zu dem Sternenhimmel.
„Sie hat ihn stets geliebt?" murmelte sie leise. „Sie hat versucht, seine Unschuld zu beweisen, aber es mißlang ihr! Sie wollte zu ihm, al» er im Gefängniß schmachtete, wurde aber daran verhindert! Sie verlor nie das Vertrauen zu ihm, sie zweifelte nie an seiner Unschuld. O, wie mein Vater und ich ihr Unrecht gethan haben, meiner lieben, guten Mutter! Mein Vater muß die Wahrheit wiffen, er soll sie wissen! Er darf ihr nicht länger so großes Unrecht thun, wie er es in seiner Unwiffenheit gethan hat. Sie lieben einander und sind getrennt durch eine Kluft, so gähnend tief wie der Tod. Sie wird wieder hei- rathen. O, könnte ich doch meines Vaters Namen reinigen und ihn in seine Rechte einsetzen, und zwar so bald, daß ihre Wiedervereinigung noch möglich wäre! O, könnte ich es doch!