M 261. Mittwoch, den 12. November 1884*
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Erstes Blatt.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. November.
* Wie man der ,Frkf. Ztg/ vom Rhein mit- theilt, soll Kardinal Jacobini morgen hier eintreffen.
(*) Der Kaiser empfing heute den Reichskanzler Fürsten Bismarck und ließ sich von demselben Vortrag erstatten. — Der ,Reichscmz.' veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, mittelst welcher der Reichstag zum 20. November d. I. einberufen wird. — An der westafrikanischen Konferenz wird auch die Türkei theilnehmen. Sie wird dabei durch den türkischen Botschafter in Berlin vertreten sein. — Die Meldung, daß im Auswärtigen Amt eine dritte Abtheilung errichtet werden soll, wird jetzt bestätigt und dahin ergänzt, daß dieser Abtheilung die kolonialen Angelegenheiten zugewiesen werden sollen. — Im Jahre 1883 wurden innerhalb des deutschen Reichs 14 Dampfkesselexplosionen gezählt, wobei 23 Personen gelobtet, 32 verwundet wurden. Die Gesämmtzahl der in den letzten sieben Jahren gezählten Explosionen beträgt 112, die der dabei Getödteten 127, der Verwundeten 220.
ifch Kassel, l l.Nov. An der heutigen Stichwahl im Wahlkreis Kassel-Melsungen betheiligten sich in der Stadt Kassel 7121 Wähler. Von diesen gaben ihre Stimme 3048 dem Kandidaten der Konservativen, Dr. Lotz und 4073 dem Kandidaten der Sozialdemokraten W. Pfannkuch. Außerdem waren mehrere weiße Zettel abgegeben. Bei der Wahl am 23. October wurden in Kassel 7366 Stimmen abgegeben und erhielten davon W. Pfannkuch 2505 und Dr. Lotz 1397. Da das Land in seiner Majorität konservativ wählt, ist die Wahl Dr. Lotz gesichert und wird somit Kassel das erstemal im Reichstag durch einen konservativen Abgeordneten vertreten.
chj: Kassel, 11. Nov. Die in No. 258 d.Z. enthaltene Korrespondenz aus Hünfeld über die den Konservativen im Regierungs-Bez. Kassel bei den Reichstagswahlen von den Katholiken zugewendete wesentliche Unterstützung ist hier beifällig ausgenommen worden, auch ist man der Ansicht, daß der Wahlkreis Hers feld-Hünfeld-Rotenburg für die Folge dem Centrum überlassen
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X Alk!« ober
(Nachdr. verb.)
Auf dunklen Wegen.
Roman von E. Wagner.
„Sie sind Mylady in vielen Stücken ähnlich, Mademoiselle," sagte Felice, welche ganz besonders zum Plaudern aufgelegt schien. „Ich sagte Mylady heute Abend, daß Sie den Kopf genau fo tragen und einen eben solchen Gang haben, wie sie. Und Sie erinnern mich auch an sonst Jemanden
Sie brach rasch ab. Alexa'S Herz schlug rascher; sie wußte, wer dieser „Jemand" war.
„Mylady hat die Aehnlichkeit mit diesem Jemand auch bemerkt," fuhr Felice nach kurzem Zögern fort, „und zwar ehe ich mit ihr davon gesprochen hatte. Es ist ein wunderbarer Zufall, sehr wunderbar, aber die Welt ist voller Aehnlich- feiten. Manchmal sehen Menschen von verschiedenem Blut und Rang einander so ähnlich wie Zwillinge. Es würde ja auch sonderbar sein, wenn unter all' den Millionen Menschen nicht einmal zwei sich ähnlich sehen sollten."
„Gewiß," stimmte Alexa bei. „Aber an wen erinnere ich Sie denn, Felice?"
werden muß, als Entschädigung für in den übrigen hessischen Wahlkreisen zu Gunsten der Konservativen abgegebenen Centrumsstimmen. Sollte dies nicht zu erreichen sein, ist es das Beste, die Katholiken stellen in allen Kreisen eigene, wenn auch Zählkandidaten auf. Und warum? Einfach darum, weil die Konservativen überall die Hilfe der Katholiken in Anspruch nehmen, letzterem aber nirgends eine Unterstützung zu Theil wird. Selbst bei den Stichwahlen versagen die Konservativen jetzt dem Centrum nicht nur ihre Unterstützung, sondern stimmen sogar zu Gunsten der Mittelpartei, wie in Karlsruhe, gegen das Centrum. Sehr zu wünschen wäre es zu erfahren, ob ein Wahlkreis ixistirt, in welchem das Centrum von den Konservativen unterstützt worden und in welchen Wahlkreisen die Katholiken die Konservativen unterstützt haben, damit man Gewißheit erhält, wie man sich in Zukunft zu verhalten hat.
* Hünfeld, 10. Nov. Anläßlich der in Nro. 259 der ,Fuldaer Zeitung' veröffentlichten Korrespondenz „(3. Hünfeld, 7. Nov." geht uns folgende Erklärung zu:
1) Von betn Besuche, welchen Herr Bobo v. Trott am 19. September er. bem hochw. Herrn Dechanten Engel zu Hünfelb abgestattet hat, habe ich absolut vorher nichts gewußt, ich war also, wie man sagt, rein zufällig währenb desselben anwesend.
2) In die von Herrn Bodo v. Trott in Betreff der Wahlangelegenheit mit dem Herrn Dechanten gepflogene Verhandlung habe ich nicht eine Silbe hineinzureden mir erlaubt.
3) Vor dem 3. Oktober, an welchem Tage die Neuwirths- häuser Besprechung auf Wunsch des Herrn Dechanten Engel statlgefuuden yat, ist es mir nie in den Sinn getvmmen, daß Jemand den Einfall haben könnte, mich für die diesjährige Reichstagswahl als Zählkandidaten der Centrumspartei in Vorschlag zu bringen.
V 4) die Neuwirthshäuser Besprechung stellte ohne jede Rücksicht auf die Personalfrage in erster Linie fest, daß von uns für die Wahl am 28. Oktober ein eigener Kandidat aufzustellen fei.
5) Die Frage, welche in zweiter Linie aufgeworfen wurde, wer als Kandidat ausgestellt werden solle, wurde nach meinem Sinne nicht gelöst, da ich mich vergeblich bemühte, zwei außerhalb des Wahlkreises wohnende Centrumsmänner nacheinander zu empfehlen. Der Vorschlag, mich zum Zählkandidaten zu machen, ging von denjenigen Herren aus, die aus dem Amtsgerichtsbezirk Eiterfeld gekommen waren.
Mackenzell, den 10. November 1884.
Dr. I. W. Arenhold, Hilfsgeistlicher.
c/ Hanau, 10. Nov. Bei der am 6. d. M. im Wahlkreise Hanau-Gelnhausen-Orb statt- gehabten Stichwahl hat ber konservative Kanbibat
„An Einen, besten Schicksal schrecklich war, ber aber nun tobt ist," antwortete bie Dienerin, unb ihr Gesicht trübte sich. „Sein Name wirb roeber von Laby Wolga ausgesprochen, noch von benen, bie sie umgeben."
„Ich weiß, wen Sie meinen," sprach Alexa ernst. „Ich hörte i-ie traurige Geschichte im Gasthofe zu Mont Heron."
„Erzählen bie Leute ben Gästen bie Geschichte noch immer?" fragte Felice etwas unwillig. „Es sinb schon mehr al« achtzehn Jahre vergangen seit jenem schrecklichen E'eigniß! Aber solche. Dinge scheinen nie alt zu werben; man wirb bie Geschichte nach hunberk Jahren noch erzählen, glaube ich. Sprechen bie Dorfbewohner etwas Uebles über Mylaby? Doch bas ist nicht möglich. Sagen Sie mir, Mabemoiselle, was bie Dorfbewohner reben."
„Sie sprechen mit bet größten Achtung von Laby Wolga unb sagen, baß sie sich balb mit bem Marquis von Montheron verheirathen wirb."
„Sie sprechen, was sie wünschen," sagte Felice. „Sie möchten sie gewiß gern im Schloß Mont Heron als Herrin sehen?"
„Mrs. Goff sagte baS."
„Nun ihr Wunsch mag in Erfüllung gehen.
Hellwig, wie bereits berichtet würbe, mit etwa 700 Stimmen Majorität ben Sozialbemokraten Frohine besiegt. Dieses Wahlresultat übertrifft, so sehr es auch burch bie rege Agitation verbient ist, bie Erwartung ber meisten Wähler, zumal Frohme bereits im ersten Wahlgange einen Vorsprung von 1146 Stimmen hatte. In Anbetracht bieses Erfolges bürste ber so verschieben beurteilte Anschluß ber biesseitigen Centrumsfraktion an bie konservative Partei wohl in günstigerem Lichte erscheinen. Ein Hauptgrunb, ben man gegen diesen Anschluß geltenb machte, war ber, baß es nichts nütze, ben konservativen Kanbibaten in bie engere Wahl zu bringen, ba er ja ohne Zweifel im zweiten Wahlgange boch nicht siegen werbe, unb baß 1600—1800 Stimmen somit umsonst geopfert, unb bem Centrum entzogen wären. Dieser Grunb ist burch bas Ergebniß ber Wahl hinfällig geworben. Die Stimmen ber Centrumsfraktion haben ben wesentlichsten Einfluß ans bas Zustanbekommen bes erzielten Resultates gehabt. Ohne biefelben wäre Hellwig nicht in bie Stichwahl gekommen; noch viel weniger hätte er im zweiten Wahlgange gesiegt. Daß bie Centrumsfraktion bei diesem ber konservativen Partei zugefallenen Wahlsiege mit 1600 (?) Stimmen mitgewirkt hat, wirb baS konservative Wahlkomits gemäß eines gegebenen Versprechens in verschiebenen Blättern bekannt machen, unb so diese Stimmen vor ber Oeffentlichkeit betn Centrum gut schreiben. Hat aber einerseits ber Erfolg bie Unterstützung ber konservativen Partei gerechtfertigt, so waren auch noch anbere Gründe vorhanden, welche ein Zusammengehen mit den Konservativen räthlich machten und von einem Zählkandibaten absehen ließen. Erstens stanben bie Centrumswähler im hiesigen Wahlkreise nicht ber oft unzuverlässigen konservativen Partei im Allgemeinen, sonbern einem bestimmten konservativen Kanbibaten gegenüber, ber sowohl burch bie von ihm gegebenen Garantien, als auch burch seine seitherige parlamentarische Thätigkeit volles Vertrauen verbiente. Zweitens bot bie Aufstellung eines eigenen Zählkanbibaten, wie es aus früherer Erfahrung schon bekannt war, unb für bie Gegenwart noch mehr zu erwarten stand, keine günstigen Aussichten. Drittens mußte auch bie Sorge für bie sicher zu erwartenbe Stichwahl dahin brängen, einen Kanbibaten in bieselbe zu bringen, bem bie Centrumswähler im zweiten Wahlgange mit gutem
1 Ich hoffe, Mylaby wirb ben Marquis von Mont- Heron heirathen; ich glaube, sie wird es thun, obwohl bie Verlobung noch nicht veröffentlicht ist. Sie ist sehr verschwiegen; nicht einmal zu mir, bie ich boch stets um sie bin und ihr Vertrauen besitze, spricht sie von ihren Plänen unb Absichten. Unb was sagen sie sonst, Mabemoiselle, von bem Drama von Montheron? Wir sind so lange von hier fortgewesen, daß ich nicht mehr weiß, wie die Leute über dies Ereigniß denken."
„Mrs. Goff sagte, daß es keinem Zweifel unterliege, baß Lorb Stratforb Heron ber Mörber seines Bruders war," bemerkte Alexa mit unglaublicher Ruhe. Sie war entschlossen, die Gelegenheit zu benutzen und bie Dienerin auszuforschen. „Niemand in der ganzen Welt glaubte jemals an die Möglichkeit seiner Unschuld —" .
„Da ist Mrs. Goff im Jrrthum," unterbrach die Französin Alexo's Worte. „Eine glaubte nicht an seine Schuld, ungeachtet der überwältigenden Beweise gegen ihn. Eine war stets von seiner Unschuld überzeugt, obwohl sich alle seine Freunde gegen ihn wandten "
„Sie sind es, Felice?"
„Ich meine nicht mich selbst; denn Pierre Re- narb beseitigte gleich von Anfang an meine Zweifel.