1884.
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(Nachdr. verb.)
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Sozialdemokraten erklären: wir sind geb lieben, was wir waren. Im Zweifel wird man in diesem Falle jedenfalls annehmen können, daß die Sozialdemokraten selbst am besten wissen, was sie sind. Recht interesiant ist das Sätzchen: „der nationalliberale Kandidat bietet der auf dem Rechtsboden stehenden Sozialdemokratie genau, was der ultramontane Kandidat bietet: Aufhebung des Sozia- listengesetzes/ Der Kniff — die .Köln. Ztg.' arbeitet ganz besonders gern mit Kniffen liegt in den Worten: „der auf dem Rechtsboden stehenden". Die .Köln. Ztg/ knüpft ihre Stellungnahme — Hr. Seyenbecker selbst sagt gar nichts — an eineFiktion; käme Hr. Leyendecker mit Hülfe der Sozialdemokraten in den Reichstag, so würde derselbe bei Vorlage des Entwurfes wegen Verlängerung des Sozialistengesetzes zweifellos seinen sozialistischen Wählern sagen: ihr steht eben nicht auf dem Rechtsboden. Interesiant ist auch die Bescheinigung, daß in Frankfurt die Nationalliberalen für den Sozialisten gestimmt haben, und daß sie in Hannover für denselben stimmen werden. Nun denke man an das entrüstete Geschrei der .Köln. Ztg.' und der Nationalliberalen, wenn bei früheren Wahlen auch nur die Vermuthung ent- stand, es hätten eine Anzahl Wähler der CentrumS- Partei bei einer Stichwahl dem sozialdemokratischen Kandidaten ihre Stimme gegeben! Liberale Heuchelei!
X Alt!« oder Auf dunklen Wegen Roman von E. Wagner.
Alexa sprang auf. Ihre Augen flammten, ihre Lippen öffneten sich, ihre Arme erhoben sich, - sie war im Begriff, sich ihrer Mutter an die Brust zu werfen und sich zu erkennen zu geben. Aber dies Alles war nur ein rasches Aufflammen, welches der Gedanke an das ihr geschehene Unrecht im Entstehen erstickte. Das Feuer erlosch in ihren Augen, die Arme sanken an ihre Seite herab, die Lippen schloffen sich feit, das Wort, welches ihre Mutter so unendlich glücklich gemacht haben würde, unausgesprochen lassend. Ent- schloffen ließ sie sich wieder aus ihren Sesiel nieder, ihr Herz auf's Neue gestählt gegen die geschiebene Gattin ihres Vaters.
Aber Lady Wolga hatte die rasche Bewegung, die momentane Verklärung auf Alexa s Gesicht bemerkt. Sie hielt es für innige Theilnahme, welche sich nicht vollständig zu äußern wagte der hochgestellten Dame gegenüber, und ihr Herz er- wärmte sich noch mehr für Alexa.
„Nieniand weiß von meinen emsamen trüben
Zur Kölner Stichwahl.
** Unter die Zahl jener Stichwahlen, die besonders viel von sich reden machten, dürfte auch die zwischen Röckerath (Centr.) und Kammer- zienrath Leyendecker (nationall.) zu rechnen sein. Geradezu denkwürdig ist dieselbe dadurch geworden, daß sich die nationalliberale «Parteileitung Kölns und der Kölnischen Zeitung den unsterblichen „Ruhm" erwarben, um die Unterstützung der Sozialdemokraten gebettelt zu haben und damit abgewiesen worden zu sein. Die,Nordd. Allgem. Ztg.' hat die Sozialdemokraten in der Reihe der schlimmste» Feinde als die ersten aufgeführt, und daß die Regierung und ihre nationalliberalen Freunde sie als solche betrachten, haben die parlamentarischen Verhandlungen von Jahr zu Jahr, hat noch jüngst die Verlängerung des So- zialistengesetzes dargethan, indem die National- liberalen wie Ein Mann dafür stimmten. Aber was erleben wir heute? Heute buhlen dieselben Nationalliberalen um die Stimmen der Sozialdemokra- ten. Das rheinische Hauptorgan des Nationalliberalismus und mit ihm die übrige nationalliberale Presse proklamiren jetzt nicht nur für die rheinische Hauptstadt, sondern für alle Stichwahlen Wahl- bündnisse mit den Sozialdemokraten.
Gleichzeitig aber verdächtigt man das Centrum des Versuches, die sozialdemokratischen Stimmen für sich zu gewinnen. Lasten wir die .Kölnische Zei- tung' selbst reden. Ihre neueste Auslastung ist sehr interestant und noch weit interestanter, was die .Kölnische Volkszeitung' ihr darauf erwidert. Erstere, schreibt: „ m ,,
Die Mehrzahl der Arbeiter, die im ersten Wahlgange für den Sozialdemokraten gestimmt haben, waren von vornherein unzweideutig entschlossen, für den Nationalliberalen «inzutreten, eine Minderheit wollte Wahlenthaltung üben, für welche sich auch die Parteileitung ausgesprochen zu haben scheint. Inzwischen hat sich das Wahlkomitö der Centrumspartei mit einer Einladung an die Sozialdemokraten gewandt, die größere Vertrautheit mit der Sprache eines gewissen Theiles der Sozialdemokraten zeigt, als sie uns zu Gebote steht, und die Sozialdemokraten für ihren Kandidaten zu gewinnen gesucht. Das Ergcbniß dieser Liebeswerbung war, daß gestern Abend in einer Arbelterversamm- lunq auf dem Gürzenich nach verschiedenen Reden gegen die Nationalliberalen sowie gegen das Centrum und deren beiderseitig- Zeitungen beschlossen wurde, sich der Wahl streng zu enthalten und keinesfalls für den National- liberalen zu stimmen. Wenn die Sozialdemokraten an unseren Aussührungen Anstoß genommen haben, wie das gestern einer ihrer Redner erklärt hat, so sind nur zwei
Fälle möglich: entweder haben sie diese Aussührungen nicht verstanden oder sie wollen sich auf den strengen Rechtsboden nicht stellen und betrachten die Zuinuthung an sie, es zu thun, als eine Beleidigung. Ob im Reichstage ein Nationalliberaler oder ein Ultramontaner mehr sitzt das kann uns vom Standpunkte der großen Politik gleichgültig sein; aber es wäre ein Gewinn für unsere Stabt und unsere Verhältnisse, ein Gewinn ganz besonders für die Arbeiter, wenn der Bann des Ultramontanismus, der unsere niederen Schichten bedrückt, gebrochen werden konnte. Das zu thun, haben die Arbeiter in der Hand. Nach unserer Meinung müßten sie es geradezu thun, wenn sie stch die beiderseitigen Kandidaten ansehen, und wenn sie erwägen, wie von jeher die ultramontane Partei mit der Reaktion zu gehen bis zum Aeußersten sich bereit gefunden hat. Die extremsten Reaktionäre sind mit Hülfe der Centrumspartei in den Reichstag gewählt worden; Frankfurt und demnächst Hannover verdanken die Sozialdemokraten der Unterstützung der Na- rionalliberalen. Daß wir den Sozialdemokraten hier nichts zumuthen, was gegen ihr Programm geht, sei nochmals betont; der nationalliberale Kandidat bietet der auf dem Rechtsboden stehenden Sozialdemokratie genau, was der ultramontane bietet: Aufhebung des Sozialistengesetzes, er wird sich aber nicht dazu verstehen, wozu die ultramontane Partei bereit ist: Zwangsinnungen und Arbeitsbücher einzuführen. Man sagt, die nationalliberale Partei hat einmütbig das Sozialistengesetz verlängert. Das ist wahr; man befand sich damals einer andern sozraldemokra- tischenPartei gegenüber als heute. Wahlenthaltung bedeutet in Köln nichts anderes als Wahl des Ultramontanen, o-n Lübeck stehen ein Nationallibcraler und ein Fortschrittler in engerer Wahl; Wahlenthaltung seitens der Sozialdemokraten bedeutet den sichern Sieg des Natlonalllberalen; und die Sozialdemokraten in Lübeck haben Wahlenthaltung beschlossen. Wenn es in Lübeck sozialdemokratisch ist, dem Nationalliberalen über den Forrschrmier zum Sieg zu verhelfen, so sollte es in Köln nicht sozialdemokratisch sein, dem Nationalliberalen vor einem Centrumsmanne — und welchem dazu! — den Vorzug zu geben! Wir sind fest überzeuat, daß bei reiflicher Erwägung und eingeholtem ruhigen Rath dl- Mehrzahl btr Arbeiter Kölns Mon- - toa mit der gejammten liberalen Bürgerschaft bis auf den letzten Mann für den nationalliberalen Kandidaten stim- me2ßir haben zu diesem Versuch, schreibt die ,Köln. Volksztg.', eine blutige Blamage abzuwafche», nur wenig zu bemerken. Daß das Wahlkomitee bfcr CentrumSpartei in irgend eine Beziehung zu den Sozialdemokraten getreten fei, ist eine freche Un- Wahrheit der .Köln.Ztg.'und, woran wir nicht zweifeln, eine bewußte Unwahrheit, d. h. eine Lüge. Kein Schritt, weder ein offizieller, noch ein offiziöser, ist geschehen, um eine sozialdemokratische Stimme für unfern Kandidaten zu gewinnen. Die Köln. Zlg.' sagt, man befinde sich heute einer andern sozialdemokratischen Partei gegenüber, wie jur Zeit der Berathung des Sozialistengesetzes; die
Stunden," begann sie nach einer längeren Pause wieder, ihre Bewegung gewaltsam zurückhaltend.
Ich würde eine jüngere Schwester oder em Kind innig lieben, - ein theures Wesen, welches mir in Liebe zugethan wäre. Ich habe eine tiefe Neigung zu Ihnen gefaßt, Miß Strange, und hoffe, daß mir mit der Zeit einander näher treten. Es mag seltsam scheinen, daß ich ohne Zurückhaltung zu Ihnen spreche, aber ich fühle mein Herz allmächtig zu Ihnen hingezogen. Es mutz eine wunderbare Gleichheit zwischen uns bestehen, — etwas, was man Seelenverwandlschaft nennt. Es ist mir fast, als ob Sie mir angehörten, wenn Sie mir auch eine Fremde sind."
Alexa öffnete die Lippen zum Sprechen, konnte aber kein Wort hervorbringen, denn die imder- ftrebenbften Gefühle tobten in ihrer Brust. Wah- renb die Güte und Freundlichkeit ihrer Mutter, deren noch fo innige Liebe zu ihrer Tochter, ihre Leiden und Klagen um den Verlust ihres Kindes sie unwiderstehlich zu ihr hinzogen, wirkte der Ge- danke, daß die stolze Frau ihren Gatten m der Noth oerlaffen, daß sie jetzt einen Andern zu heirathen im Begriff stand, erkältend auf ihr Herz.
Ich schmeichle mir, ein treffendes Urtheil über Menschen nach ihrem Aeußern fällen zu können,
Deutsches Reich.
Berlin, 10. November.
• Das Plenum des Staatsraths tritt nach einem Telegramm der ,Hamb. Nachr.' Mitte No- vemb»r zusammrn. dohin werben bie vier Vorlagen in ben Abheilungen burchberathen unb bie betreffenben Berichte erstattet fein. Zur Theilnahme an ber Kongokonferenz sind ber englische Beirath Crowe unb ber spanische Coello hier eingetroffen. — Die .Norbd. Allg. Ztg.' schreibt, ber Grunb bafür, baß bieEinberufung bes Reichstages noch nicht erfolgt, fei barin zu suchen, baß noch viele Stichwahlen ausstehen.
* Die Ergebnisse ber lanbwirthschaftlichen Betriebsstatistik, welche mit ber Berusszäh- lung vom 5. Juni 1882 verbunben war, hegen im Septemberhest zur Statistik bes beulschen Reiches vor. Danach gab es zur Zählungszeit im Reiche 5,276,344 lanbwirthschastliche Betriebe, welche ihre bewirthschastete Fläche in Summa auf 40,178,681 sagte Laby Wolga, unb ich sehe, baß Ihr Charakter ebel, Ihr Herz voll Liebe ist. Diese Liebe mir zu erwerben, soll mein Bestreben sein. Was sagen Sie bazu, Miß Strange? Wollen wir einen Freunbschaftsvertrag schließen?"
Alexa war versucht, bas Freunbschaftsanerbleten ber Laby Wolga abzulehnen, mit Rücksicht auf bas ihrem Vater geschehene Unrecht. Unb konnte sie Liebe geben ohne Vertrauen? Konnte sie bie Frau liebgewinnen, bie ihren Vater verlassen hatte? Sie blickte auf zu bem eblen, schönen Gesicht, welches nicht mehr falt unb stolz war, fonbern in Innigkeit unb Wärme strahlte, unb bie wahre Natur bes Mäbchens erwachte zu mächtig, als baß fte ber künstlich durch Vorvrtheile erzeugten Abneigung hätte Wiberstanb leisten können. Diese Frau war ihre Mutter, welche sie als tobt betrauert hatte, welche noch um sie trauerte; an ihrer Brust, an ihrem Herzen hatte sie einst als Kinb geruht, — unb bi-ses Herz neigte sich jetzt instinktmätzig ihr zu in Siebe und Zärtlichkeit. Konnte sie die Liebe ihrer Mutter zurückweifen? Des Mädchens Brust hob und senkte sich schwer. Sie war verwirrt, erregt und zitterte an allen Gliedern; ein leiser, unbestimmter Ruf kam von ihren Lippen, und ihre Augen, strahlend in erwachender Siebe, be»