1884
Sonnabend, den 8. November
iföner
(Nochdr. »erb.)
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Die Präsidentenwahl in den Bereinigte« Stnaten Nordamerikas.
** Schon seit Mittwoch sieht man in Deutschland einem überaus wichtigen Wahlresultate entgegen, zu dem die Deutsch-Amerikaner nicht den geringsten Theil beizutragen haben. Jeder Augenblick kann die Entscheidung bringen. Es handelt sich zwar vorerst nur um die Wahl der Vertrauensmänner, welche am 4. Dezember den Präsidenten wählen, allein das eine Wahlresultat läßt mit Bestimmtheit auf das andere schließen.
In Amerika existiren zur Zeit zwei große politische Parteien, nämlich die Republikaner (Liberalen) und die Demokraten (Konservativen). Kandidat der Republikaner ist General Bla ine in Maine, Kandidat der Demokraten ist der Präsident des Staates Newyork, Cleveland. Für Ersteren sind die Iren, weil Blaine's Mutter Katholikin war und er selbst sich nie als Katholiken- scind gezeigt hat. Er ist in religiöser Beziehung getaufter Protestant und wirklicher Nihilist. Außerdem sind für ihn die Temperenzler (Mäßigkeitsmänner), weil er selbst a!s ein Gegner des Ge- nusies von Spirituosen gilt. Wegen seiner angeblichen Hineigung zu den Temperenzlern sind aber die Deutschen und selbst die deutschen Republikaner, wie Karl Schurz, seine Gegner geworden, da unter den Deutschen Viele Bier- und Schank- wirthschaft betreiben. Blaine soll ein Gegner Bis- marck's und der deutschen Politik sein und man befürchtet nicht ohne Grund, daß er als Präsident Amerika leichr m einen Krieg mit Deutschland verwickeln könne. Auch erwarten die Iren von ihm eine wirksame Unterstützung der irischen Sache, womöglich kräftige Beihülfe zur Lostrennung Jr- lands von England und zur Konstituirung einer irischen Republik. Cleveland ist auch Protestant, ist aber ebenfalls bisher den Katholiken freundlich gesinnt gewesen, so daß fast alle katholischen deutschen Blätter für ihn Partei nehmen. Auch gilt er für uneigennütziger als Blaine. In seiner Ver- waltung hat er sich jeder Zeit als einen tüchtigen und umsichtigen Beamten gezeigt. Er gilt für einen Freund der Deutschen und für einen Gegner des republikanische., „Tamany-Ringes", der großen republikanischen Ausplünderungsgesellschaft, die alle Staatsämter zur persönlichen Bereicherung aus- beutet. Cleveland hat sich auch als Richter von
Ihre Stimme erstickte im heftigen Schluchzen.
Es näherten sich unter lautem Gespräch einige Paare, und Lord Kingecourt zog Alexa von der Felsplatte unter den Schatten einer Baumgruppe zurück, wo er ihren Kunimer mit Liebkosungen verscheuchte. Sie hatten jedoch keine Zeit zu weiterem Meinungsaustausch, denn sie hörten plötzlich in der Nähe schleichende Tritte, welche sie zum Weitergehen nöthigten. Als sie aus dem Dunkel traten, begegneten sie Lady Markham, welche sie mit forschenden Augen betrachtete.
„Mein Verdacht wächst!" dachte Lady Markham, als sie, über die Schulter dem Pärchen nachsehend, langsam weiterging. „Sie ist nicht, was sie zu sein vorgiebt, diese Miß Strange. Ich will ihr Geheimniß ausfindig machen und nicht ruhen, bis ich sie aus dem Hause der Lady Wolga vertrieben habe. Wo mag Lord Kings- court sie früher gesehen haben? Wer ist sie? Ich werde mich ganz der Aufgabe widmen, dieser Miß Strange, welche so unschuldig scheint und
Buffalo, wo er lange Jahre war, viele Freunde erworben. Gleichwohl sind seine Aussichten gefährdet. Die in letzter Zeit stattgefundenen Wahlen für die Präsidenten einzelner Staaten hatten ein den Republikanern günstiges Resultat, so in Vermont, Maine und vor Allem in Ohio. Die Wahl des Präsident.. Staates Ohio ist aber stet» vorbedeutend für die Wahl des Unions-Präsidenten. Die Staatswahlen in Ohio si. d trotz aller Anstrengungen der Demokraten ganz republikanisch auSgefaßxit."-—
Auch ist es, da noch 2 and-re Kandidaten, General Benjamin Buttler und Mr. St. J"bn aus Kansas aufgestellt sind, nicht undenkbar, daß die Stimmen zersplittern würden und keiner der Kandidaten die nöthige absolute Mehrheit erhält. Die Präsidentenwahl mag ausfallen, wie immer, jedenfalls wird sie auf kürzere oder längere Zeit eine geschäftliche Krisis mit sich führen und damit auch ganz sicher sieben magere Jahre. Dann aber dreimal Wehe dem Proletariat, dann wird's schlimmer, als wie in Rußland in dieser glorreichen Republik, wo nur der Schwindel und Humbug das Scepter führen. Möchten doch alle deutschen Auswanderer gewarnt sein, denn Amerika steuert wieder der Sklaverei zu.
Auch die soeben einlaufenden Depeschen bringen noch immer nicht die erwünschte Gewißheit, daß der Demokrat Cleveland gewählt sei. Immerhin lauten dieselben äußerst günstig, und wollen wir hoffen, daß ein Dementi nicht erfolge. Sie lauten:
London, 7. Nov. Telegramme aus New-Iork lassen b-'ürchten, daß der N-csvch gemocht werde» wird, den Sieg Cleveland's durch betrügerische Stimmenzählung zu annulliren. m = m m ,
London, 7. Nov. Nach einem Berichte aus New-Dork von heute hat Gouverneur Cleveland im Staate New-Por! eine Mehrheit von 1200 Stimmen, wodurch seine Wahl zum Präsidenten gesichert ist.
New-Iork, 7. Nov., 9 Uhr Morgms. (Per Kabel.) Nach den bis zum Abgang dieser Depesche eingetroffenen Berichten ist die Wahl Cleveland's gesichert.
tragen. — Kammerpräsident Hantelmann, der gerichtliche Kurator der braunschweigischen Erbschaftsmaffe ist in Dresden eingetroffen und vom König Albert zur Entgegennahme der Erb-1 dokumente über Sibyllenort empfangen worden. |
* Es ist sehr bezeichnend, so schreibt die ,Köln. Volksztg/, daß in dem Parteiwirrwarr unserer Tage - gerade die zwei Parteien, welche im neuen Deutschen Reiche durch Ausnahmegesetze verfolgt werden, nämlich die Centrumspartei und die Sozialdemokratie, sich als „Thürme" erweisen. Die rne Partei vertritt die christliche Weltanschauung,, die andere die moderne naturalistisch-materialistische in ihrer äußersten Konsequenz. Uns will dünken als ob dir Schlußentscheidung zwischen beiden aus gefochten werde. Was zwischen beiden Thürmer liegt, möge es sich alt-, s-m-, ncukonserr j
nalliberal, fortschrittlich, freisinnig. ;
nennen, wird sich früher oder später um den i zur Rechten oder um den zur Linken schaaren müssen Es wird sich dann zeigen, wer siegt. Man sollte meinen, daß die Staatslenker unserer Tage, welche die Sozial-Revolutionäre mit Ausnahme-Gesetze! niederzuhalten suchen, in der konservativsten Mach: der Welt, der Kirche, einen willkommenen Bundes-1 genoffen suchen sollten. Statt dessen sieht man,I daß diese konservative Macht ebenso wie die Sozial- Revolutionäre mit Ausnahmegesetzen bedacht wird. Wir gestehen, daß wir das mit unserm „beschränk-1 ten Unterthanenverstand" nicht zu begreifen ver-1 mögen; vielleicht würde der Kanzler Oxenstjerna, wenn er heute noch lebte, den entsprechenden drastischen Ausdruck finden. Die ,Ncrdd. Allg. Ztg/ freilich hat einmal in unbewachter Stunde ausge- plaudert, wie sie sich die Lösung des Knotens denkt. I Sie schrieb bereits vor Jahren, daß die Armee der „eherne Wall" sei, „an dem der Unverstand sozial- demokratischer Doktrinen sich den Kopf zerschellen werde". Wir möchten das „freiwillig-gouverncmen- tale" Blatt demgegenüber an einen Ausspruch der Königs Friedrich Wilhelm IV. erinnern, wonach derjenige sich leicht selbst verwunden kann, der sich lediglich auf Bayonnette stützt!" J
* Hanau, 7. Nov. Stichwahl: Hellwig (K.) mit 7103 Stimmen gewählt. Frohme (S.-D.) erhielt 6861 Stimmen.
* Offenbach, 7. Nov. Stichwahl: Liebknecht (Soz.) mit 2000 Stimmen Majorität gewählt. ______________
Deutsches Reich.
Berlin, 7. November.
(•) Der Bundesrath hat gestern den Antrag Bremens um Aufnahme in den deutschen Zollverband einstimmig angenommen. Der Anschluß soll gleichzeitig mit dem Hamburgs, also 1888 erfolgen und das Reich 12 Millionen zu den auf 25 Millionen veranschlagten Anschlußkosten bei«
welche ohne Zweifel irgend etwas gegen Lady Wolga im Schilde führt, die Marke zu entreißen. Sie soll den Tag bereuen, an welchem sie in den Dienst der Lady Wolga trat."
20. Kapitel.
Der erste feindliche Angriff.
Alexa und Lord Kingscourt kehrten in den Salon zurück und bemerkten, daß ihre Abwesenheit von Niemanden beachtet worden war, als von Lady Markham, was Alexa einigermaßen beruhigte, denn sie hatte gefürchtet, es möchte nach ihr gefragt worden sein. Als sie auf ihren Platz zurückgekehrt war, bat sie den jungen Grafen, er möge sie verlassen, da sein ferneres Verweilen bei ihr Aufmerksamkeit erregen könnte.
„Schicke mich nicht fort, Alexa," bat der Graf. Lady Wolga sprach den Wunsch aus, daß ich mich Dir widmen sollte, und Du siehst, Alle sind beschäftigt."
Ohne eine Antwort abzuwarten, holte er ein großes Bilder Album, rückte einen Stuhl an ihre Seite, schlug das Buch auf und besah mit Alexa anscheinend die Bilder, während er leise mit ihr sprach.
„Ich habe an Deinen Vater geschrieben nach
x Alera
»der
Auf dunklen Wegen
Roman von 6. Wagner.
meiner Ankunft in England, Alexa," sagte er, ein Bild zurücklegend, welches sie Beide nicht gesehen, obwohl sie ihre Augen darauf gerichtet hatten, „und ihn gebeten, seine Entscheidung in Betreff unserer Heirath zurückzunehmen. Die Vorsehung hat Dich beschirmt, daß sie Dir diese Stellung zugewi^en hat. Lady Wolga Clyffe ist eine der liebenswerthesten Frauen Englands, — edel von, Natur und von Geburt." I
Alexa blickte zu Lady Wolga hinüber, welche in eine lebhafte Unterhaltung mit Lord Mont- Heron vertieft war. Des Mädchens Herz schlug heftiger. Diese Frau, stolz und kalt in ihrer blendenden Schönheit, war ihre Mutter, - ihres Vaters geschiedene Gattin! Brennende Eifersucht zog in ihr Herz und gab ihrem unschuldsvollen Antlitz einen seltsam bekümmerten Ausdruck.
„Ja, sie ist liebenswerth!" flüsterte sie.
„Und sie ist so gut, wie sie schön ist," erklärte Lord Kingscourt begeistert. „Die Welt nennt sie herzlos; aber ich kenne sie besser. Ich habe sie gekannt von meiner Kindheit an, denn ihr unglücklicher Gatte und mein Vater waren sehr intime Freunde. Sie ist nicht herzlos, obwohl sie auch ihr Herz nicht zur Schau trägt. Sie ist eine edle und erhabene Frau, und wenn er
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