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M 257. Freitag, den 7. November 1884.

Fuldaer

eilung

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□ Das Wahlresultat des ersten Wahlganges ist nunmehr amtlich fest- gestellt. Von besonderem Interesse waren die Ziffern, welche die Wahlkreise Hanau-Gelnhausen- Orb, Marburg-Frankenberg-Kirchhain und Hersfeld- Hünfeld-Rotenburg zu Tage gefördert haben. Die­selben erbringen nämlich den handgreiflichen Beweis, daß die Anhänger der Centrumspartei der beiden erstgenannten Wahlkreise durch ihre Verbrüderung mit den Konservativen auf den Ausfall der Wahl keinen Einfluß geübt haben. Im Wahlkreise Mar­burg-Frankenberg-Kirchhain wäre Justizrath Dr. Karl Grimm zu Mrrburg von den Konservativen allein mit erheblicherMajorität durchgebracht worden, auch ohne die ihm von der dortigen Centrumspartei überwiesenen ca. 1500 Stimmen.

Im Wahlkreise Hanau-Gelnhausen-Orb hat Herr Hellwig, Kandidat der Konservativen, über den fortschrittlichen Kandidaten, Vicebürgermeister Nickel, eine relative Majorität von 1281 Stim­men erzielt; die Nationalliberalen stehen um 724 Stimmen unter dem Fortschritt und von den Sozial­demokraten werden die Konservativen um 1146 Stimmen übertroffen. Bedenkt man nun, daß Herr Hellwig in den Orten, wo die größten katholischen Pfarreien des Wahlbezirkes besteh n, nämlich in Hanau, Großauheim und Orb, überhaupt wenig, und mithin von Anhängern der Centrumspartei sehr wenig, im Ganzen höchstens 100 Stimmen erhalten hat, daß ferner die in den übrigen katho­lischen Pfarreien des ganzen Bezirkes insgesammt abgegebenen konsersativen Stimmen die Zahl 1131 nicht erreichen, endlich daß selbst an den betreffen­den Orten überall wenigstens einige eigentlich kon­servative Wähler vorhanden sind, so ergibt sich klar, daß Herr Hellwig auch ohne die Unterstützung seitens der Centrumspartei in die Stichwahl ge­kommen wäre. Daß derselbe bei der 2. Wahl auch mit der Unterstützung des Centrums und der Nationalliberalen von dem sozialdemokratischen Gegner geschlagen werden wird, unterliegt wohl keinem Zweifel mehr.

In dem Wahlkreise Hersseld-Hünfeld-Rotenburg haben die Centrumswähler .ihren „Zählkandidaten" in die Stichwahl gebracht. Sie haben zwar keine Aussicht, den Kandidaten der Konservativen zu schlagen — denn allein sind sie zu schwach und Unterstützung haben sie von keiner Seite zu hoffen (?) —, allein sie haben doch manche schätzenswerthe

Vortheile errungen. Erstens haben sie dem Cen­trum 2377 Stimmen gegeben und damit ihrerseits das Programm des Centrums öffentlich und un­zweideutig unterschrieben. Zweitens haben sie den Konservativen des Bezirkes ihre Stärke gezeigt. Das war, wie man hört, in dem dortigen Wahl­kreis von Bedeutung. Das konservative Wahl- komits hatte nämlich in seinem „Wahlaufrufe", ohne der Centrumspartei mit einer Silbe zu ge­denken, ohne die Unterzeichnung seines Aufrufes seitens irgend eines Centrumsmannes für nöthig zu halten, ohne des Kulturkampfes auch nur mit einem Worte Erwähnung zu thrrn, die großsprecherische Behauptung aufgestellt: „Wir haben bei der letzten Reichstags­wahl mit großer Stimmenmehrheit Herrn vr.Perrot zu unserem Vertreter gewählt," obwohl es aller Welt bekannt ist, daß im Jahre 1881 jene „große Stimmenmehr­heit" über den Kandidaten der nationalliberalen Partei mit Hilfe der Centrumswähler erzielt worden war! Viertens haben demnach die Katholiken des dortigen Wahlkreises den Konservativen für die Zukunft ad oculos demonstrirt, daß man nicht blos mit ihnen rechnen muß, sondern auch ihre heiligsten Interessen berücksichtigen, daß sie sich nicht als Stimmvieh behandeln und sich keinen konservativen Kandidaten, der ohne ihre Mitwirkung ausgewählt und aufgestellt ist, octroyiren lassen.

Durch vorstehende Andeutungen dürfte auch die ,Hess. Ztg.' in Kassel genügend über die Gründe aufgeklärt sein, welche daL Verfahren der Centrums- Wähler in dem 6. kurhessischen Reichstagswahlkreise rechtfertigen.

Der verehrte Herr Gegner aber, welche meine strammere Wahltheorie vor den Wahlen bekämpfte, wird sich der Einsicht nicht verschließen, daß der Ausfall der Wahlen über unsere Streitfrage zu meinen Gunsten entschieden hat. Die auffallende Erscheinung, daß trotz dem Rathe des Herrn Dr. Windthorst, die Centrumswähler des Wahlkreises Hanau-Gelnhausen-Orb möchten schon im 1. Wahl­gange für den konservativen Kandidaten eintreten, demnach nicht weniger als 240 Wähler „Windthorst" gestimmt haben, läßt sich wohl nur durch die An­nahme erklären, daß man geglaubt hat, Herr Dr. Windthorst habe jenen Rath weniger aus objektiven Gründen, als vielmehr aus persönlichen Rücksichten ertheilt. _______________

Deutsches Reich.

Berlin, 6. November.

* Die Kommission, welche im Reichsgesundheits­amt die Impffrage berathen, hat ihre Ver­handlungen zu Ende geführt. Es ist über die wichtigsten Punkte eine Uebereinftimmung der Sachverständigen erzielt worden — mit Ausnahme der drei eingeladenen prinzipiellen Jmpfgegner (Dr. Böing, Dr. Weber und Dr. Betz). Die Kommission hat sich zu Gunsten des Uebergaugs von der Impfung mit humanisirter Lymphe (von Arm zu Arm) zu der mit animalischer Lymphe (Kälberlymphe) ausgesprochen und auch eine An­zahl wichtiger Normativbestimmungen "über die Ausführung des Jmpfgesttzes getroffen.

* Wie verlautet, dürften in Handwerkerkreisen, mit Rücksicht auf den für die Sache des Hand­werkes sehr günstigen Ausfall der Reichstagswahlen, Petitionen in großem Stile an den Bundesrath zum Zwecke der Annahme des Antrages Ackerrnann- Windthorst gerichtet werden.

* Es ist ein eigenthürnlicher Zufall, daß von den bisherigen 6 Präsidenten des Reichstages in der neuen Legislaturperiode voraussichtlich nicht ein einziger mehr im Hause erscheinen wird. Wie Dr. Simson schon seit einer Reihe von Jahren auf eine Wiederwahl verzichtet hat, so haben bei den letzten Wahlen Staatsminister v. Goßler und Graf v. Aruim-Boitzenburg eine neue Kandidatur abge­lehnt, und die Herren v. Forckenbeck, v. Seydewitz und v. Levchow unterlagen betmrnUich bei der Wahl.

* Braunschweig, 6. Noo. Der Tod unseres Herzogs hat für viele Beamte höchst unangenehme Sachen im Gefolge gehabt. Da ist erstens für keine Hofbeamten gesorgt. Wären dem Regent­schaftsrath nicht die 380,000 Thaler zur Verfügung gestellt, welche bisher die jährliche Civilliste unseres Landesfürflen betrugen, diese Beamten, vom Stall­meister bis zum Schloßdiener und Holzträger herab, wären in die größte Roth schon jetzt gerathen. Sehr böse sieht es ferner mit denjenigen Sachen aus, welche allerdings Eigenthum des Landes­fürsten sind, aber welche dem Lande Braunschweig seit langen lieben Jahren zur Nutzung und Ver­waltung überlassen worden sind. Dazu gehört vor allen Dingen die Bildergallerie und die in dem Kuustkabinet enthaltenen kostbaren Gegenstände. Zur Aufnahme dieser Werthobjekte baut jetzt unser

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Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Lord Kingscomt benahm sich auch während des Essens als Fremder gegen Alexa; er sprach mit ihr über gewöhnliche Sachen, und sie ver­suchte ihm mit Ruhe zu antworten. Er erwähnte der Vergangenheit mit keiner Silbe, aber Alexa bemerkte, daß er sehr ernst war und daß in seinen Augen eine große Besorgniß lag.

Alexa war froh, als Lady Wolga das Zeichen zur Aufhebung der Tafel gab und die Damen in den Salon zurückkehrten, wo sie sich bis zum Ein­tritt der Herren jede nach ihrer Weise unterhielten. Lady Wolga ersuchte Alexa, auf dem Klavier zu spielen, und diese gehorchte. Während des Spiels traten die Herren ein, von denen zwei ober drei sich dem Klavier näherten während die Andern sich zu den Damen gesellten. Eine Spielpartie wurde arrangirt; einige Paare gingen in den Garten, da der Abend mondhell und die Lust mild war, wie im Juni.

Als Alexa ihr Spiel beendet hatte, bemerkte sie, daß Niemand auf dasselbe geachtet hatte, selbst

die Herren, die erst an das Klavier getreten, waren wieder fortgegangen. Die Thatsache, daß sie Lady Wolga's gemietete Gesellschafterin war, wog ihre Schönheit und ihre Toilette vollkommen auf.

Sie stand auf und begab sich an einen Fenster­platz, von wo aus sie auf die glänzende Scene blickte. Einige Minuten später näherte sich ihr Lord Kinscourt und blieb vor ihr stehen.

„Sind Sie nicht geneigt zu einem kleinen Spaziergang, Miß Strange?" fragte er höflich. „Die Lust ist heute Abend weich und angenehm."

Alexa zögerte erröthend.

„Ich bitte Sie, mir Ihren Arm zu geben," sagte der Gras. „Kommen Sie!"

Es lag etwas sanft Befehlendes in seinem Ton, was Alexa zwang, zu gehorchen. Sie nahm seinen Arm und sie gingen hinaus in die Halle, von Allen unbemerkt, ausgenommen von Lady Markham, welche Alexa nicht aus den Augen ließ.

Das junge Paar wartete in der Halle, bis das Mädchen, welches der Graf nach einem Umhang für Alexa geschickt, mit einem weißen Shaml zu- rückkehrte. Diesen' warf Alexa über Kopf und Schullern, und dann gingen sie hinaus, dem Meere zu.

Keines von ihnen sprach ein Wort, bis sie einen einsamen Platz am Ufer erreicht hatten. Sie sahen andere Paare in einiger Entfernung, aber Niemand war so nahe, daß ihre Unterredung be­lauscht werden konnte.

An dem äußersten Rande des Ufervorsprunges blieben sie stehen, beide schweigend. Der Gras wartete, daß Alexa sprechen sollte, aber diese ver­mochte es nicht. Er ließ ihren Arm los und trat einen Schritt zurück, sie ernst, aber nicht streng ansehend; es 'lag eine unsägliche Liebe in sei­nem Blick.

„Alexa, was soll dies Alles bedeuten?" fragte er endlich.

„Es bedeutet," antwortete das Mädchen mit zitternder Stimme, „daß ich die Gesellschafterin der Lady Wolga bin."

„Dein Vater, Alexa? Er lebt?"

„Gott sei Dank, ja!"

„Wo ist er?"

„In Griechenland."

„Er kam nicht mit Dir nach England?"

„Nein."

„Wer brachte Dich hierher?"

„Ich kam allein," antrocTtete Alexa, deren Stimme jetzt fester geworden war. „Wenigstens