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M 255

Mittwoch, den 5. November

Fuldaer

1884,

Die .^uldeer Zeitung' erscheint tSglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher «bonnemrntspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Ml. 75 Pfg.

Inserat«: Die einspaltige Zeil« ober bereit Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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* Zur »«»jährigen Gedächtnisfeier des hl. Karl Borromäus schreibt die »Köln. Volksztg.':

Drei Jahrhunderte sind seit dem Tage ver- flössen, an dem einer der einflußreichsten Männer der katholischen Kirche in dem stürmischen Zeit­alter der Reformation aus dieser Zeitlichkeit ab­berufen wurde. In der Hauptstadt der christlichen Welt wird das Andenken an den großen Staats­sekretair Pius' IV. und Kardinal-Erzbischof von Mailand feierlich begangen. Allerdings ist es dem Papste seit 1870 nicht mehr vergönnt, wie ehe­dem, alljährlich in feierlichem Aufzug vom Vatikan nach der herrlichen Kirche S. Carlo der Lombarden zu fahren, um hier den Schutz des Heiligen an- zurnfen. Jedoch hat Leo XIII. nichts Unterlasten, um die Feier großartig zu gestalten. Er hat drei­tägige Gebete in Rom angeordnet, nnd auf seine Veranlassung werden, da der hl. Karl der be­sondere Schutzpatron der kirchlichen Seminare ist, die Zöglinge aller Lehranstalten in Rom in Rede und Lied die Verdienste eines Mannes preisen, der sich in schwerer Zeit als starke Säule er­wiesen hat. Auch die Vorsteher der Seminare in allen übrigen Ländern der katholischen Christenheit sind ersucht worden, sich an der erhebenden Feier zu betheiligen. In unserer Heimath kann dieser Bitte leider nicht entsprochen werden, denn die Freiheit der Kirche in der Ausbildung ihrer Diener ist in Preußen bis zur Stunde nicht zu erlangen gewesen. Roch immer sind unsere Seminare ver­ödet, und die Landeskinder, welche sich dem Dienste der Kirche widmen, müssen in frenide Sprengel wandern, um sich auf den Empfang der hl. Weihen vorzubereiten. Um so mehr muß wenigstens an dieser Stelle an die bedeutungsvolle Gestalt des hl. Karl erinnert werden. Die Erfüllung dieser Pflicht ist um so angenehmer, als die katholischen Bewohner des engen und weitern Vaterlandes dem unter seinem Schutz stehenden Verein zur Ver­breitung guter Bücher zahllose Wohlthaten zu danken haben.

Den grundstürzenden Bestrebungen der sogen- Reformation gegenüber raffte im sechszehnten Jahr­hundert die alte Kirche all' ihre Kräfte zusammen. In Rom selbst entstand das Oratorium der christ­lichen Liebe mit jener Schaar gottbegeisterter Männer, welche nach den alten bewährten Grund-

43) J । । । (N-chdr. »er».)

> ober

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Am andern Tage zu früher Morgenstunde be­gaben sich Lady Wolga und ihre Gäste an Bord des. Schiffes, wo sie den Marquis und feine Be­gleiter trafen. Das Fahrzeug ging mit gutem Wind in See.

An demselben Tage empfing Alexa von Made­moiselle Gauthier eine Kiste, enthaltend eine kleine, aber sorgfältig au-gewählte Ausstattung, welche für sie in ihrer neuen Stellung zu Clyffebourne ganz besonders passend war und in einem schwarzen, einem grauen und einem hellblauen Kleide, sämmt- lich aus Seide und elegant nach der neuesten Mode angefertigt, sowie in einem weißen Mousselin­kleide, welches in Betreff der daran verwendeten Kunst die andern noch übertraf, bestand. Made­moiselle Gauthier hatte noch ein schönes Quantum Bänder, Spitzen, Kragen, Manschetten, Schleifen und dergleichen Kleinigkeiten beigelegt, ferner Stiefel, Morgenschuhe und einen Hut.

In einem obenauf liegenden Briefe zeigte Made­moiselle Gauthier ihrer ehemaligen Schülerin an,

sätzenEder Kirche zuerst sich selbst resormirten und diesen'Geist der Lebensbesserung darauf durch ganz Italien trugen. Dann trat die Gesellschaft Jesu auf den Plan, welche den Gedanken der Allge­meinheit der Kirche und die Vertheidigung ihres sichtbaren Oberhauptes auf ihr Panier schrieb. Endlich versammelte sich das allgemeine Concil von Trient 1546. Aber so groß war die Ungunst der Zeiten, daß die Kirchenversammlung nicht weniger als vier Mal berufen werden mußte. Die letzte Berufung (1562) ist unzertrennlich ver­bunden mit dem großen Staatssekretair Pius' IV. Kaum hatte Gian Angelo de Medici aus Mailand unter dem Namen Pius' IV. 1559 den hl. Stuhl bestiegen, als er seinen Neffen Carlo Borromeo an seine Seite berief und mit den wichtigsten Ge­schäften betraute. Der Letztere erwies sich dieses Vertrauens würdig. Streng gegen sich selbst, allem weltlichen Treiben abhold, tief durchdrungen von den Grundsätzen der Kirche, gelehrt, scharfsinnig und klug, entfaltete der junge Staatssekretair eine wunderbare Thätigkeit. Er bildete den Vermittler zwischen den Vätern zu Trient und dem Papst. Die Archive in Rom, Mailand und Trient be­wahren seine viele Bände umfaffenden Briefe, welche uns den gewiegten Theologen, gottbegeisterten Reformator und feinen Menschenkenner zeigen, der zu geben und zu nehmen, Strenge mit Milde zu paaren weiß. „Im Dienste des Herrn arbeiten wir," schrieb er dem Legaten in Trient. Seine Worte fielen nicht auf unfruchtbaren Boden; denn an der Spitze der Väter in Trient stand einer der edelsten Prälaten Deutschlands, eine Säule des alten Glaubens, Fürstbischof Hosius von Ermland, dessen Verdienste um die Kirche erst auf Grund der vor wenigen Jahren begonnenen neuen Gesa mmt- ausgabe seiner Werke gewürdigt werden können.

Der hl. Karl war ein Mann wie im Rathen so im Thaten. Noch zu Lebzeiten Pius' IV. hielt er in Mailand, dessen Stuhl der Oheim ihm ver­liehen, das ersteProvinzial-Concil, an das eine lange Reihe weiterer Bischofs-Versammlungen sich anschloß. Durch die Bestimmungen, die hier er­lassen wurden, hat der Erzbischof sich als Canonist und Theologe unsterblich gemacht. Sie galten in erster Linie der Reformation der Geistlichkeit, und hier sehen wir wieder, wie der große Kirchen­fürst das an sich selber vollzog, was die Gesetze vorschrieben, und er von Andern verlangte.

daß sie das Geld, welches diese ihr zurückgelaffen gänzlich verausgabt und solche Sachen gekauft habe, wie sie dem Stande Alexa's entsprechend seien.

Alexa lächelte über diese letzte Bemerkung bitter, ließ sich aber nicht Zeit, darüber Betrachtungen anzustellen, sondern setzte sich nieder und schrieb an Mademoiselle Gauthier, dieser ihre Freude über die getroffene Auswahl an Kleidern aus- sprechend; dann theilte sie ihr mit, daß sie eine Stelle als Gesellschafterin bei einer vornehmen Dame, der Tochter eines Herzogs, angenommen und Mademoiselle als Referenz aufgegeben habe in der Hoffnung, daß diese sie bereitwilligst em­pfehlen werde.

Am andern Tage kleioete sich Alexa sorgfältig an und wartete auf die Ankunft des Wagens von Clyffebourne; aber er kam nicht.

Das Schiff war von seiner Reise nicht zurückge­kehrt, da der Wind sich gedreht und ein Sturm hereingebrochen war, der die Fahrt längst der Küste gefährlich machte. Der Hafendamm und der Strand­weg waren menschenleer, aber in den Logirhäusern und Gasthöfen sprachen die Leute besorgt darüber, ob die „Regina" nicht an einer der zahlreichen Klippen scheitern werde.

Denkwürdig für ewige Zeiten sind seineABe- mühungen zur Wiedervereinigung der Verirrten mit der Kirche. Für die Schweiz errichtete er ein Seminar in Mailand, nach Naumburg sandte Pius IV. auf seine Veranlassung die Bischöfe Delfini und Commendone. Die Behandlung, welche sie im Convent der protestantischen Fürsten er­fuhren, stimmt zu tiefer Wehmuth. Während man mit der größten Heftigkeit über die Frage stritt, in welcher Form denn das Augsburgische Bekennt« niß anzunehmen sei, wurde die Einladung des Papstes zur Theilnahme am Concil schroff ab­gewiesen.

Ganz übersehen in der deutschen Geschichts­forschung ist die warme Theilnahme des großen Mailänder Erzbischofs für das schwere Schicksal der englischen Katholiken. Bei ihm nahm Einkehr der Stifter des englischen Seminars in Douai und nachmalige Cardinal Wilhelm Allen; englische Studenten, welche von Rom der nordischen Heimath zupilgerten, um unter Königin Elisabeth Kerker, Verbannung oder, wenn sie die Kirchen-Gesetze nicht anerkannten, Todesstrafe zu erdulden, genossen regelmäßig seine Gastfreundschaft; einen Engländer, den Dr. Lewis, machte er zu seinem General« Vicar.

Aber über alles hoch ist der Ruhm, den der heilige Erzbischof sich erwarb als Vater des Volkes zur Zeit der Hungersnoth und während der furcht­baren Pest von 1572. Die Siege, welche er hier errang im Dienste der Kranken und Ster­benden, ebneten ihm die Wege zur Ausführung seines großen Reformwerke!.

Mit den Statthaltern Philipp's II. kam er wegen Verletzung der kirchlichen Rechte durch die Ersteren wiederholt in Conflict. Sein Familien­schloß bei Arona wurde beschlagnahmt, seine Wohnung in Mailand durch spanische Soldaten abgesperrt. Aber des Erzbischofs würdevolle Hal­tung trug den Sieg davon, und in dem Bewußt­sein, den Frieden mit den Trägern der bürger­lichen Gewalt wieder hergestellt zu haben, schied er von hinnen am 4. November 1584. Das naturgemäße Verhältniß von Kirche und Staat ist freundliches Entgegenkommen, gegenseitige Ach­tung und einträchtiges Zusammenwirken zum zeit­lichen und ewigen Wohl der Bürger. Auch in dieser Beziehung ist der h. Karl das ewig denk­würdige Vorbild des katholischen Bischofs, der

Vor Beginn des Sturmes mar das Fahrzeug in einen Hafen eingelaufen, und am Abend einigte sich die Gesellschaft dahin, die Rückreise zu Lande und im Wagen anzutreten. Spät in der Nacht kamen sie im Dorfe Mont Heron an, wo sie sich trennten.

Am folgenden Morgen erhielt Lady Wolga einen Brief von ihrer Freundin in Paris und einen von Mademoiselle Gauthier, welche beide, ihren Erwar­tungen gemäß, sehr günstig lauteten.

„Ganz, wie ich erwartete," sprach Lady Wolga lächelnd. „Ich wartete nicht auf den Brief, denn ich hatte das vollste Vertrauen zu dem Mädchen. Aber ich muß sogleich den Wagen zu ihr schicken. Sie wird sich über mein Zögern wundern."

Sie klingelte und befahl, daß ihr Wagen nach Mont Heron fahren und Miß Strange abholen solle, dann besichtigte sie selbst die Zimmer, welche sie für ihre neue Gesellschafterin einzurichten ange­ordnet hatte und kehrte, als sie Alles in Ordnung befunden, in ihr eigenes Zimmer zurück, um sich hier wieder ihren Gedanken zu überlassen.

Als Alexa kam, wurde sie von Felice empfan­gen und in ihre Zimmer gebracht.

„Mylady hat sich ein wenig niedergelegt, ehe sie sich zum Mittagessen angekleidet," antwortete Felice