M 253. Montag, den 3. November 1884.
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* Nach den Wahlen.
Wieder hast du, Schaar des Centrums, Oft erprobt in Kampf und Sturm, In der heißen Reichstags-Wahlschlacht Dich bewährt als „Felsenthurm"!
Hundertgarde, Ehrengarde Deutscher Tapferkeit und Treue, Kämpfe für die Sache Gottes Nun mit Löwenmuth auf's Neue!
Kämpfe für des Volkes Sache, Für den Thron und den Altar! Kämpfe für den Sieg und Frieden, Tapfre Gottesstreiterschaar!
Kluge Führer und Strategen Stellt euch muthig an die Spitze, Redner, zieht das Schwert der Rede, Werft Geschoste, schleudert Blitze!
Laßt des Rechtes Banner wehen, Mit der Wahrheit blankem Schild Scheucht die Lüge, schützt die Freiheit Vor der Willkür, schnöd und wild! Stets auf's Neu' und immer kühner Laßt des Geistes Waffen blitzen. Bis durch euern Sieg wir Alle Froh des Friedens Gut besitzen!
„Männer, sollen uns vertreten". Sprach das Volk am Tag der Wahl, „Die nicht wenden sich und drehen Nach dem Wind und Sonnenstrahl, Männer, die in Kampf und Stürmen Nimmer wanken, nimmer weichen, Bis wir unsre heil'gen Rechte Ganz und ehrenvoll erreichen!"
Und so gingst du, Schaar der Hundert, Neu gestärkt, in frischem Flor, Vielgehaßt, geliebt, bewundert. Aus dem Kampf der Wahl hervor. Heil dir auf der Bahn zum Siege, Hundertgarde, Ehrengarde!
Möge bald das Siegesbanner Flattern auf des Thurmes Warte!
tt) y > l ( I H (Nachbr. «tri.)
»der
Auf dunklen Wegen.
Roman von 6. Wagner.
„Verzeihen Sie, Mylady," sagte Felice, „aber Sie sagten mir, daß Sie diesen Morgen nicht gestört sein wollten, es sei denn in dringenden Geschäften, und so wollte ich Niemanden zu Ihnen lassen."
„Und dies ist ein dringendes Geschäft?"
„Ja, Mylady. Eine junge Dame ist in einem Wagen aus dem Dorfe Mont Heron gekommen. Ich habe sie selbst gesehen, denn ich ging gerade durch die große Halle, als sie James den Brief gab, und erbot mich, ihn zu Ihnen zu bringen. Sie ist die schönste junge Lady, — eine wirkliche Lady, — die Sie jemals gesehen haben, — glauben Sie mir, Mylady; und ich bin überzeugt, daß sie einer vornehmen Familie angehört. James führte sie in das Empfangszimmer, und dort ist ste jetzt."
„Eine junge Dame, unbegleitet," sagte Lady Wolga. „Wahrscheinlich ist sie eine von den Sommergästen des Dorfes, welche das Haus und die Anlagen zu sehen wünscht."
Sie nahm den Brief und öffnete ihn. Das
Postsparkassen.
IV.
Wenn in der dem betreff. Gesetzentwurf beigegebenen „Begründung" behauptet wird, daß die in einem großen Neichsfonds sich vereinigenden Postsparkassen den Kommunal- und Privat-Sparkaffen keine Konkurrenz machen, so ist diese Behauptung keineswegs stichhaltig.
Was die Höhe des Zinsfußes angeht, so bieten die Postsparkaffen 3 pCt. Das bleibt freilich hinter dem Durchschnittszinsfaß der übrigen Sparkaffen etwas zurück, aber bei einigen kommt es dem Zinsfuß doch bedenklich nahe. Nimmt man hinzu, daß gerade die kleinen Sparer weniger auf den Prozentsatz, als auf die Sicherheit und Bequemlichkeit achten und daß die Postkaffen in letzterer Hinsicht das Maximum dec Erleichterungen bieten, so liegt es auf der Hand, daß die Sparer in ganzen Haufen zur Post strömen werden.
Es wird ferner behauptet, daß die Post nur kleinere Beträge annehme, die größeren also den Orts-Sparkaffen verbleiben würden. Dem ist durchaus nicht so. Der Durchschnitt der Einlagen in die Ortskaffen beträgt 550 Mark; die Post nimmt aber auf ein Buch ein Kapital von 1000 Mark an. Und wer noch mehr einlegen will, der hat noch zwei Wege vor sich. Erstens kann er ein Buch auf den Namen seiner Frau, seiner Kinder u. f.-ro. ausstellen lassen und auf jedes abermals 1000 Mark -inlegen. Und., zweitens kann er durch die Post sich Staats- oder Reichs - Schuldverschreibungen kommen laffen. Diese Möglichkeit, die Postanstalt als Bankier zu benutzen, steigert die einlegbare Summe in’s Unbegrenzte.
Die Statistik der bestehenden Sparkaffen ergiebt laut der ,Dtsch. Reichsztg.', welcher wir diese Widerlegungsgründe entnehmen, daß der Durschnitts- satz der Einlage in den ländlichen Bezirken um 226 Mark höher ist, als in den städtischen, wo doch die Ansammlung des Geldes viel stärker ist (417 Mk. ist der Durchschnitt der städtischen, 643' Mk. der übrigen Kaffen). Daraus ergiebt sich, daß viele kleine Kapitalisten auf dem Lande in Ermangelung von Bankiers und Börse ihr Besitzthum den Sparkaffen anvertrauen, während der kleine Besitzer in der Stadt hinreichende Gelegenheit zur selbst- 'tändigen Anlage seines Geldes findet. Diese Art von ländlichen Kunden der Sparkassen würden zwei
einfache Couvert enthielt einen einfachen weißen Briefbogen, ohne Monogramm oder Wappen. Die Schrift war zierlich, aber doch fest und charakteristisch.
Der Brief war von Alexa Strange, welche darin einfach erklärte, daß sie eine Fremde in England sei, und daß sie im Dorfe gehört habe, daß Lady Wolga Clyffe eine junge Dame als Gesellschafterin gehalten, daß das Mädchen aber, welches diese Stelle bisher inne gehabt, an der Ausübung ihrer Pflichten durch Krankheit verhindert sei, weshalb sie, Alexa, sich erlaube, um die Stelle nachzusuchen. Sie könne gute Referenzen aufweisen und sei überzeugt, sich die Zufriedenheit der Lady Wolga zu erwerben, sollte ihr dazu Gelegenheit geboten werden. Schließlich bat sie dringend um eine Unterredung.
Die Lady las den Brief aufmerksam zum zweiten Male. Der gänzliche Mangel an Unterwürfigkeit und Schmeichelei in dem Schreiben fiel ihr auf. Die Schreiberin war ohne Zweifel eine wirklich gebildete Dame. Die Ausdrucksweise, der Stolz, selbst die Handschrift gefiel ihr.
„Lies den Brief, Felice," sagte sie, ihn der Dienerin hinreichend. „Du hast gewöhnlich ein gutes Urtheil über den Charakter der Menschen. Sage mir, was du von Miß Strange denkst."
fellos in ihrer Mehrzahl von den offerirten Bankiers-Diensten der Post Gebrauch machen, und auch dadurch würde das neue Gesetz auf den Bestand
> der jetzigen Sparkaffen bedeutend einwirkcn.
n Die Verwaltung der centralisirten Fonds der ;• Postsparkassen (welche die Vorlage mit Hunderten n von Millionen gewiß nicht zu hoch abschätzt), ist g eine komplizirte und keineswegs ungefährlich. Die Verwaltung des Jnvalidenfonds soll die Sache in - dieHand bekommen. DieLandesregierungen, h welche für Hypotheken, für die Bedürfnisse der i kommunalen Verbände oder anderer öffentlicher Kor-
t porationen Geld gebrauchen, sollen Kostgänger die-
t ser Fonds werden, der ihnen etwas abgeben kann,
f aber nicht muß. Der andere Theil des Geldes soll
- von der Reichsbehörde in ähnlicher Weise, wie die - Gelder des Jnvalidenfonds, verwaltet werden, i Man erinnert sich, welche Aufregung seiner Zeit : entstand, als der Jnvalidenfonds auf Unsummen
von Eisenbahn-Aktien ertappt wurde, deren Kurs : im Rückgänge war. Sollen derartige Erschütte- i rungen, welche jedes Börsenspiel mit sich bringen ■ kann, uns von Neuem beschieden werden?
Allen diesen grundsätzlichen und praktischen Bedenken würde durch dieDecentralisation und ! den Anschluß an die bestehenden kommunalen Kaffen mit einem Schlage abgeholfen. Die Motive erklären diesen Gedanken für unausführbar, weil die örtlichen Kaffen seiner Zeit gegen den Vorschlag, die Postanstalten als Ein- und Auszahlungsstellen anzuerkennen, eine ablehnende Haltung eingenommen hätten; ein gesetzlicher Zwang sei nicht thunlich. Sonst ist man doch in Bezug auf die Auferlegung gesetzlicher Verpflichtungen nicht so spröde. —
Wenn nun die Ortskaffen vor der Alternative stehen, entweder der gefährlichen Konkurrenz der Postsparkassen zu verfallen oder sich mit den Postanstalten zu arrangiren, so werden sie aus ihrer bequemen Ruhe sich schon aufraffen. Mag nun das System, daß die Postanstalten Annahmestellen der einzelnen Sparkassen werden, praktisch seine Mißlichkeiten haben, so erscheint es doch wohl durchführbar, daß die Oberpostdirektion sich als Mittelglied zwischen die Sparer und die kommunalen Kassen einschiebt. Etwa in folgender Weise: Alle im Bezirke eingesammelten Gelder fließen bei der Oberpostdirektion zusammen, welche ihrerseits den Einlegern als Schuldnerin hastet, das gefönt
Felice las den Brief und sprach sich dann warm zu Gunsten Alexa's aus.
„Ich bitte Sie, Mylady, sie zu sehen," sagte sie. Sie hat ein Gesicht wie ein Engel; und wenn sie so gut und geschickt ist wie schön, so werden Mylady einen Schatz in ihr finden.
„Du bist enthusiastisch, Felice. Aber da sie einmal hier ist, kann ich sie wenigstens sehen; und ich muß doch eine Gesellschafterin haben. Führe sie herein."
Felice entfernte sich, und eine Minute später trat Alexa in’s Zimmer.
Des Mädchens Her; schlug heftig, das Blut wallte rascher; alle Sinne schienen ihr zu schwinden; aber der Gedanke an ihren Vater und ihre Sendung brachten sie wieder zu sich selbst. Wenn es auch noch in ihr stürmte, so faßte sie sich gewaltsam und verneigte sich vor der stolzen Lady, welche sich erhoben hatte, um sie zu empfangen. Da stand sie von Angesicht zu Angesicht vor der Frau, welche ihren Vater eines feigen und entsetzlichen Verbrechens schuldig geglaubt und ihn in der Stunde der schwersten Prüfung herzlos verlassen hatte, vor der Frau die er noch liebte und verehrte, nach der er sich sehnte mit dem ganzen Feuer seines edlen Herzens; vor ihr, deren