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M 249, Dienstag, den 28. October 1884.

Fuldaer

®te , ,-uldaer Zeitung erscheint tiglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnemenlsxreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld' 1 Mk 50 Pfa __ mit der

b-lletristö chen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 Ml. 70 Pfg., auswärts 1 Mk 75 Pfq. Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen mtsprechender Rabatt.

Für die Monate November und Dezember werden Bestellungen auf die

Julöaer Zeitung'

von allen Postanstalten, Landbriefboten und für Fulda von der Expedition (Buttermarkt 112) zum Preise von Mark 1,— (ohne Bestellgeld) jederzeit angenommen.

Wer die .Fuldaer Zeitung' schon jetzt bestellt, erhält dieselbe bis 1. November gratis.

Neu eintretenden Abonnenten werden auf Ver­langen die bisher erschienenen Fortsetzungen des spannend geschriebenen Romans »Alexa", soweit noch vorräthig, gratis und franco nachgeliefert.

Gegen Weihnachten erhalten sämmtliche Abon­nenten einen schönen, in drei Farben ausge­führten Wandkalender gratis.

Wir richten an unsere verehrlichen Leser wieder­holt die Bitte, die .Fuldaer Zeitung' durch Em­pfehlung im Kreise ihrer Bekannten, sowie durch Einsendung von Nachrichten unterstützen zu wollen, damit die von dem einzigen Centrums­organ der Diözese Fulda und des Regierungs­bezirks Kassel erwartete Stellung nicht allein rühmlich behauptet, sondern immer mehr befestigt wird.

Die .Fuldaer Zeitung' hat unter den in Fulda erscheinenden Blättern die weitaus größte Verbreitung und eignet sich deshalb am besten zur weitesten Verbreitung von Inseraten. Wer also die .Fuldaer Zeitung' auch durch Inserate unterstützt, fördert damit zugleich seine eigenen Interessen auf die wirksamste Weise.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. October.

** Die Verhandlungen des Slaatsraths sol­len geheim geführt werden; zu welchem Zwecke, ist einstweilen noch unklar. Unter den 7 Abheilun­gen des Staatsraths ist diejenige für geistliche, Unterrichts« und Medizinal-Angelegenheiten, bei welcher wir auch den hochw. Hrn. Bischof von Fulda erblicken, folgendermaßen zusammengesetzt: Graf v. Arnim-Boitzenburg, Dr. Brückner, Dr. Büchsel, Droop, Dr. v. Goßler, Dr. Heimsoeth, Dr. Hermes, Dr. Koch, Dr. Kögel, Dr. Kopp, Dr. Krementz, Dr. Lucanus, Frhr. v. Massenbach, Dr. Mejer.

*»* Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sitzung dem Anträge des Reichskanzlers vom 23.

X Alen

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Der Wagen mit den ihm folgenden Reitern war bald den Blicken entschwunden. Die Kapelle hörte zu spielen auf. Die Spaziergänger entfernten sich. Die Luft wurde rauh und der Wind stärker und unerträglicher. Alexa sprach den Wunsch aus, nach dem Gasthof zurückzukehren, und führte diesen Wunsch sogleich durch die That aus. Auf dem Wege sprach sie kein Wort. In ihrem Zimmer angenommen, nahm sie ihren Hut ab und legte sich auf's Copha, während Mrs. Goff den Koffer auspackte und den Inhalt in die Schubladen legte und in einem Schrank aufhing. Sie wunderte sich über die geringe Garderobe ihrer Herrin, welche in Paris nicht Zeit gehabt hatte, dieselbe zu ver- vollständigen; aber sie hatte eine Summe Geld nebst ihrem Maß bei ihrer früheren Gouvernante in Paris zurückgelassen mit dem Auftrag, ihr Kleider anfertigen zu taffen und bald nachzuschicken.

Alexa bemerkte das Erstaunen der Dienerin und äußerte, daß ihre Sachen nachkommen würden.

„Aus welchem Theile Englands kommen Sie,

d. M. entsprechend beschlossen, den vom Regent- schaftsrathe des Herzogthums Braunschweigs als Vertreter Braunschweigs zu bestellenden Be­vollmächtigten anzuerkennen. — Generalfeldmar­schall Graf v. Moltke feierte gestern seinen 84. Geburtstag. Der Kronprinz brachte dem greifen Schlachtendenker persönlich seine Glückwünsche dar. — Der ReichstagSabg. Dr. Fr. Kapp ist heute früh gestorben. Er gehörte erst den National- liberalen an und machte dann die Sezession und schließlich die Fusion mit dem Fortschritt mit. Er beteiligte sich namentlich in Konsulatsfragen an den Debatten, worin er durch seinen langjährigen Aufenthalt in Nordamerika — er hatte sich an der 1848er Revolution betheiligt und war nach Niederwerfung derselben flüchtig geworden — Er­fahrungen besaß.

* Zur Kongokonferenz sollen jetzt alle Ein­ladungen bejahend beantwortet fein. Man er­wartet das Zusammentreten derselben für die erste Woche des November.

* ES wird gegen einzelne Wahl-Kommissare Be­schwerde erhoben, weil sie auf das Allerheili- genfest, welches in den katholischen Bezirken zu den höchsten Feiertagen gehört, den Termin für die Ermittelung des Wahlresultats angesetzt haben. Die Kommissare können aber nicht anders handeln; sie müssen nach dem Wahlreglement die Ermittelung unbedingt am 4. Tage nach der Wahl (28. October — 1. November) vornehmen. Der Reichskanzler hätte bei Auswahl des Wahltages die Kollision des Ermittelungs-Termins mit dem katholischen Feiertag beachten müssen, was er ver­mutlich übersehen hatte. Die Wahlkommissare haben blos die Auswahl der Stunde des Ter­mins in der Hand; wenn man an mehreren Stellen die Stunde des Hauptgottesdienstes gewählt hat, so ist dar eine bedauerliche Rücksichtslosigkeit und ein Verstoß gegen die gesetzliche Sonntagsordnung.

* Die Dampfervorlage enthält 3 Para­graphen. § 1 ermächtigt den Kanzler, für die Dampferlinien nach Ostasien, Australien und was gegenüber dem letzten Gesetz neu ist, nach Afrika auf 15 Jahre Beihilfen bis zum Höchstbetrag von jährlich 5,400,000 Mk. aus Reichsmitteln zu be­willigen. Der neueingeschobene § 2 sagt: Abzu­schließende Verträge bedürfen zur Giltigkeit der Genehmigung des Bundesraths. Ueber den In­halt derselben und die Höhe der Beiträge muß

Miß?" fragte Mrs. Goff, der es jetzt erst einstel, daß sie nichts über ihre junge Herrin wußte.

„Ich kam hierher von Paris," antwortete Alexa.

„Meine Heimath ist nicht in England."

„Nicht in England? O, Sie sprechen so gut englisch und sehen aus wie eine Engländerin."

„Ich bin Engländerin von Geburt."

„Und ihre Eltern wohnen in Paris?" forschte Mrs. Goff weiter.

„Ich habe keine Mutter," erwiderte Alexa, und ein leises schmerzliches Zucken ihrer Lippen veran­laßte die Dienerin zur Annahme, daß der Verlust ihr noch wehe that. „Ich bin allein und kam in Geschäften nach England."

„In Geschäften? Ein junges Mädchen wie Sie!" rief Mrs. Goff ungläubig und erstaunt.

„Ich bin zwanzig Jahre alt," sagte Alexa ruhig, „alt genug, um Vieles thun zu können."

Mrs. Goff berichtigte sogleich ihre Schlüsse in Bezug auf Alexa. Deren unvergleichliche Schön­heit, stolze Haltung und Würde hatten sie zu der Ueberzeugung gezwungen, daß das Mädchen aus vornehmer Familie war. Jetzt änderte sich ihre Ansicht darin, daß Alexa die Tochter eines herun­tergekommenen Adeligen fein müsse, der nach Frank­reich geflohen war, um seinen Gläubigern zu ent« |

dem Reichstag bei Vorlage des nächsten Etats Mittheilung gemacht werden. § 3 bestimmt, daß die Beiträge in den Etat einzustellen sind: 1) nach Ostasien: a. eine Hauptlinie von der deutschen Küste nach Hongkong, über Rotterdam bezw. Ant­werpen, Lissabon, Suez, Colombo, Singapore; d. eine Zweiglinie von Venedig oder Triest über Brindisi bezw. von Genua über Neapel und Alexandrien; c. eine Zweiglinie zwischen Hongkong und Iokohama über Shangai, Nagasaki und einen noch zu bezeichnenden Hafen in Korea; 2) für Australien: a. eine Hauptlinie von der deutschen Küste nach Sidney über Suez, Adelaide und Mel- bannte; b. eine Zweiglinie von Sidney über Auck­land, Tonga, Samoa-Inseln und Brisborne zurück nach Sidney; 3) für den Verkehr mit British-Jn« dien: im Anschluß an die ostasiatische und austra­lische Hauptlinie eine Linie zwischen Aden und Bombay; 4) für den Verkehr mit West- und Ost­afrika: eine Hauptlinie von der deutschen Küste nach der Delagoa-Bay über Havre ober Cherbourg, die Insel Goree, Angra-Pequenna, Kapstadt, Na­tal, Mozambique, Zanzibar. Im Anschluß an diese Linie wird eine Umgestaltung der schon jetzt bestehenden deutschen Dampferlinien nach der west- afrikanischen Küste beabsichtigt, vermöge deren der Postdienst nach den westafrikanischen Plätzen regel­mäßig ausgesührt werden kann.

* Posen, 25. Oct. Staatspfarrer Czerwinski aus Zirke erklärt heute im .Kuryer Poznanski', daß er seine ihm vom Staate einseitig verliehene Pfründe als unrechtmäßigen Besitz verläßt und sich seiner geistlichen Behörde bedingungslos unterwirft. ■

* Braunschweig, 27. Oct. Heute wurde der Landesversammlung das Schreiben des K a i s e r s an den Regentschaftsrath mitgetheilt. Der Kaiser erkennt die Konstituirung des Regentschaftsrathes als mit den Gesetzen übereinstimmend an und ist bereit, den Anträgen des Regentschaftsrathes zu entsprechen. Er werde es sich angelegen sein lassen, die sich aus der Situation ergebenden Rechts- und Verfassungsfragen, welche mit der Zukunft des Herzogthums verknüpft sind, in Gemeinschaft mit den verbündeten Regierungen verfassungsmäßig zu lösen und dabei die Rechte und Interessen des Herzogthums und seiner Bevölkerung der Ver­fassung und den gegenwärtig bestehenden Gesetzen entsprechend sicher zu stellen. Die Versammlung hörte das Schreiben des Kaisers stehend unter

gehen, und daß, nachdem sie in Luxus erzogen, sie gezwungen war, sich selbst ihren Unterhalt zu verdienen. Sie war in Geschäften nach England gekommen; das mochte bedeuten, sie wollte sich eine Stelle als Gouvernante oder Gesellschafterin suchen. Vielleicht war ihre Gesundheit etwas an» gegriffen, welche zu kräftigen sie hierhergekommen war, ehe sie eine Stelle antrat. Wahrscheinlich hatte ihr Jemand Mont Heron als ruhigen und nicht zu theuern Ort angerathen. Mrs. Goff durch­dachte diese Idee weiter, und Alexa machte keinen Versuch, sie auf andere Gedanken zu bringen.

„Die Dienerin, welche Sie hierher brachte, wohnt doch in England?" fragte sie.

„Ja; sie war so freundlich, mich während der Reffe von Paris hierher in ihre Obhut zu neh­men," sagte Alexa. „Ich bin nicht daran gewöhnt, ein Mädchen zu halten, aber ich bin hier allein, und Ihr freundliches Geplauder wird mir gut thun."

„Haben Sie eine Stelle angenommen, Miß?" fragte Mrs. Goff.

„Das habe ich nicht."

„Es ist besser, Sie warten damit, bis Sie kräf­tiger sind," sagte die Dienerin, deren Theorie jetzt schon zur feststehenden Thatsache geworden war. „Ein paar Rosen auf diesen zarten, weißen Wan-