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M 248, Montag, den 27. October 1884*

Fuldaer SÄ DM

Ite .Fuldaer Zeitung- erscheint t«glich. Sonn- Und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementspreiS ohne »ringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., - mit der belletristischen »ochenbeilage .Sterne «n» Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserat«: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabat-.__

Auf zur Wahl!

Wir stehen am Vorabend der Wahlschlacht. Alle Vorbereitungen sind getroffen. Die Wichtig­keit des Wahlaktes ist allen Wahlberechtigten, sagen wir beffer, allen zur Wahl Verpflichteten, genug­sam an's Herz gelegt worden. Es kommt jetzt nur noch darauf an, daß man zur Wahlurne hingeht und wählt.

Auch in solchen Wahlkreisen, wo die Katholiken eine Niederlage nicht zu befürchten haben, wie z. B. in unserem Wahlkreise Fulda-Schlüchtern- Gersfeld, müssen dennoch alle katholischen Wähler bis auf den letzten Mann ihr Wahlrecht ausüben, damit die Zahl der katholischen Stimmen vor dem ganzen Lande Zeugniß ablege von der Rührigkeit und Stärke der CentrumSpartei des betr. Wahlkreises.

Und was andere Wahlkreise betrifft, wo das Centrum nur Zählkandidaten aufgestellt hat, oder wo unsere Partei aus politischen Klugheitsrück­sichten den bevorzugteren Gegner wählt, so gehe man auch da unter allen Verhältnissen zur Wahlurne und wähle denjenigen Kandi­daten der von dem betr. Wahlkomit« den Wählern vorgeschlagen und empfohlen ist. An unzwei­deutigen Fingerzeichen wird es auch da, wo man erst spät zur Entscheidung gelangen konnte, den katholischen Wählern sicher nicht fehlen. Man achte darauf und bleibe nicht unthätig zu Hause! Eine Entscheidung über den Gang der deutschen und preußischen inneren Politik, so wichtig, wie keine seit 187 4, steht uns bevor. Nie- mals waren die Netze unserer Feinde so schlau gestellt, um die Wähler zu überlisten. Das katholische Volk DeutfchlandS hat diese Netze erkannt und zerrissen. Darüber lassen alle Nach­richten aus Ost und West, aus Nord und Süd keinen Zweifel. Klarheit ist vorhanden, es bedarf nur noch des Ganges zum Wahl- tische, um für Wahrheit, Recht und Freiheit auch Zeugniß abzulegen. _______________

Wähler der Centrumspartei! Zeiget am mor­gigen Tage, daß man für eine Partei, die so ruhmreich, fest und unüberwindlich dasteht wie die unserige, mit glühendster Begeisterung eintritt. Das Beste von Vaterland, Fürst und Volk ist bei ihr wohlbewahrt.

Und vergessen mir nicht, unseren Gesinnungs­genossen, denen wir an der Urne nicht zu Hülfe kommen können, wenigstens im Gebet zu Gott beizustehen, damit der unerforschliche Lenker aller Dinge diesen Entscheidungstag zu einem für Thron und Altar, für Volk und Vaterland segensreichen gestalten möge.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. October.

* Der Kronprinz hat gestern Nachmittag 2 Uhr im Elisabethsaale des Kgl. Schlosses den Staats­rat h feierlichst eröffnet. Schon um y22 Uhr fuhren die ersten Wagen an. Die Mitglieder des Kgl. Hauses fuhren durch das Ostportal des Schlosses und den zweiten Schloßhof ein, so der Kronprinz, Prinz August v. Württemberg, Prinz Friedrich Karl, Prinz Wilhelm. Bald erschien auch Fürst Bismarck, zahlreiche Galauniformen der Geheimen Räthe wurden sichtbar, Kammer- Herrenfräcke blitzten, reichbesternte Militärs fuhren vor. Etwas vor 2 Uhr war die Auffahrt beendet. — Um 5 Uhr fand beim Kaiser zur Feier der um. 2 Uhr im königlichen Schlosse stattgehabten Eröffnung des neuen Staatsrath.s im königlichen Palaste ein Galadiner von circa 115 Gedecken statt, an welchem außer dem Kronprinzen und sämmtlichen königlichen Prinzen, welche zur Zeit hier anwesend sind, sowie dem Reichskanzler Fürsten Bismarck und sämmtlichen activen Staats­ministern, auch die hier anwesenden Mitglieder des Staatsrathes The'il nehmen.

* In Betreff der braunschweigischen Frage erklärt der konservative,Reichsbote', daß Preußen und der Bundesrath niemals eine Thronbesteigung des Herzogs von Cumberland zugeben könne. Die .Germania' dagegen schreibt:

„Durch das Gmundener Patent ist die braunschweigische Frage theoretisch wenigstens in ein neues Stadium gerückt. Der Herzog Ernst August hat durch dasselbe erklärt, daß

er die Garantie geben will, welche von einem Reichsfürsten verlangt werden. Er verspricht nach Maßgabe der Reichs­und Bundcsverfaffung regieren zu wollen und erklärt da­mit zugleich, daß er als Herzog von Braunschweig den jetzigen Zustand des Reiches anerkennt. Hiergegen ist kein Widerspruch möglich. Die Tüfteleien, welche einzelne libe­rale Blätter versuchen, sind ohne jeden Anhalt. Erkennt man das Successionsrecht des Herzogs von Cumberland an, so kann man nicht einsehen, was seiner späteren Thron­besteigung jetzt noch entgegenstehen könnte. Die Lamen­tationen liberaler Blätter, als ob das deutsche Reich sofort in die Brüche gehen müsse, wenn ein Welfe auf dem Throne des kleinen Braunschweig säße, sind doch zu lächer­lich, als daß man sich noch mit ihnen beschäftigen möchte."

* Braunschweig, 25. Oct. Die Feierlich­keiten der Bestattung der Leiche des Herzogs Wil­helm sind würdig verlaufen. Große Menschenmassen füllten Straßen und Plätze. Um P/a Uhr mar« schirte die Garnison auf den Schloßplatz, um 2 Uhr setzte sich unter Glockengeläute und dem Klange von Trauermärschen der Leichenzug in Bewegung. Voraus schritt die Garnison, dann kam die niedere und höhere Dienerschaft. Krone, Scepter und Orden wurden auf Kissen getragen. Dem reichverzierten, mit Kränzen überladenen Leichenwagen folgte zuerst der Herzog von Cambridge, dann Prinz Albrecht von Preußen, rechts der Großherzog von Hessen, links Prinz Heinrich von Hessen, dann der Erb- großherzog von Baden, der Erzherzog Franz von Oesterreich, Prinz Georg von Sachsen, Vertreter vieler fremden Höfe, auch ein Vertreter Cumber­lands, eine glänzende Suite von Generalen und Offizieren, der Regentschaftsrath, die Spitzen der Behörden der Stadt und Deputationen au» dem Lande. Der Zug ging durch die mit Menschen gefüllten Straßen zum Dom, wo ein Trauergottes' dienst stattfand, während dessen der Sarg auf einem Katafalk vor dem Hauptaltare aufgestellt war. Dann erfolgte die Beisetzung in der Fami­liengruft in Anwesenheit der Fürsten.

• Darmstadt, 26. Oct. .Der Landtag ist auf den 24. November einberufen.

* Karlsruhe, 25. Oct. Wegen Ablebens Sr. Königlichen Hoheit des Landgrafen Friedrich Wilhelm Georg Adolph von Hessen legte der Großherzogliche Hof die Trauer auf zwei Wochen bis zum 5. November einschließlich an, und zwar vom 23. bis inklusive 29. Oktober nach der dritten, vom 30. Oktober bis inklusive 5. November nach der vierten Stufe der Trauerordnung.

38) _

»der

Auf dunklen Wegen.

Roman von ®. Wagner.

Alexa verharrte in Schweigen. Tas Bewußt­sein, dem Geliebten so nahe zu sein, das Erwähnen der Räuberbande erweckte eine Fluth von Erinne­rungen in ihr und raubte ihr fast die Sinne. Es schwamm ihr Alles vor den Augen, und sie bemerkte es nicht, daß die Leute an ihr wieder­holt vorübergingen, sie neugierig ansehend und augenscheinlich auf ein Ereigniß wartend, welche« für sie mehr Anziehungskraft besaß, als alles Andere. Plötzlich rief Mr. Goff erregt:

„Da kommen sie. Sehen Sie, Miß. Nun können Sie den Marquis von Montheron sehen und den jungen Grafen von KingScourt, der von den Räubern gefangen genommen wurde, und all' die andern hohen Herren."

Alexa zog ihren Schleier dichter über ihr Gesicht und trat hinter ihre Dienerin, welche in ihrer Erregung aufgestanden und ein paar Schritte vor­getreten war.

Der elegante Wagen des Marquis von Mon- r Heron, von vier stattlichen Pferden gezogen, von

denen zwei von reichbetreßten Lakaien geritten wurden, rollte mit mäßiger Schnelligkeit daher. Es saßen zwei Herren darin, in deren einen Alexa ihren Geliebten erkannte.

Sie schwankte leise und mußte sich an der Lehne der Bank festhalten, um nicht umzusinken. Sie sah den Herrn von Montheron nicht, denn ihr Auge war umnebelt, sie sah nur das schöne, aus­drucksvolle Gesicht mit den dunkeln Augen und die stolze Gestalt des Geliebten, — den Mann, den eine furchtbare Kluft von ihr trennte. Ter Wagen fuhr vorüber, und ein kleiner Trupp von Reitern folgte.

Alexa erkannte unter diesen Mr. Berlin Kollys, welchen sie bei Gelegenheit seines Besuches bei dem Grafen in der Villa ihres Vaters von ihrem Fenster aus gesehen hatte, ohne jedoch von ihm gesehen worden zu sein.

Die kleine Gesellschaft verschwand bald in der Entfernung in der Richtung von Clyffebourne.

Alexa hatte sich niedergesetzt, und die Gruppen Neugieriger gingen auf ihre Plätze zurück. Alexa blickte gedankenvoll und schweigend vor sich hin, so lange, daß Mr«. Goff zu fürchten begann, sie sei krank. , ,

„Sie sehen leidend au», Miß Alexa," sagte sie,

als sie selbst durch den Schleier des Mädchens Blässe bemerkte. „Möchten Sie lieber nach Hause zurückkehren?"

„O, nein, nein!" erwiderte Alexa lebhaft. „Wir wollen etwas näher an das Orchester gehen. Ich möchte den Wagen des Marquis noch einmal sehen, wenn er zurückkommt."

Sie stand auf und ging über den Platz dem Musik-Pavillon zu, gefolgt von Mrs. Goff. Hier setzte sich das Mädchen auf einen Stuhl, beobach­tete die Segelfahrzeuge ans dem Meer und lauschte der Musik wohl über eine Stunde lang, bis die Luft schärfer wurde und sie zum Gehen gezwun­gen wurden, um sich zu erwärmen.

Die Sandbank war menschenleer, da die Fluth zurückkehrte, und auch der Hafenplatz leerte sich mehr und mehr, obwohl die Musikkapelle noch spielte. Eine plötzliche Bewegung unter den noch Anwesenden und ein Rufen durcheinander verkün­dete die Rückkehr der hohen Gesellschaft.

Alexa und ihre Dienerin hatten ihren früheren Platz an der Straße wieder eingenommen, als die Equipage, langsamer als vorher, vorüberfuhr. Ihre Augen energisch von ihrem Geliebten ab- wendend, auf den sie, wie durch magnetische Kraft angezogen, gerichtet waren, betrachtete Alexa genau