Sonnabend, Den 25. October
1884
Fuldaer
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(Nachdr. »erb.)
durch Gründung kleiner, lokaler Vereine, um augenblicklicher Noth und Verlegenheit abzuhelfen. Die Darlehenskassenvereine nach Reiffeisenschem System haben sich als die besten bewährt. Schulze- Delitzsch taugt nichts für die Bauern. S
Um die Bauern in Norhfällen möglichst unabhängig vom Kapital zu machen, sind gemeinsame Versicherungen auf Grundlage der Hessischen Brandoersicherungs-Anstalt zu errichten. Besonders die Versicherung der Feldfrüchte gegen Hagelschlag, ferner Viehversicherung, namentlich des Rindviehes, und zwar der besseren Kontrolle wegen in kleineren, begrenzten Bezirken ins Auge zu fassen.
Um den Zwischenhandel möglichst zu beseitigen und möglichst günstige Preise zu erzielen, muß ferner mit der Bildung bäuerlicher Genossen- schaften zum Absatz der Produkte vorgegangen werden.
Von Amerika, Rußland und Indien aus werden unsere Kornmärkte mit Getreide überschwemmt. Um nun den inländischen Getreidebau vor der bei weitem günstiger gestellten ausländischen Konkurrenz zu schützen, muß, da der bisherige Schutz nicht ausreicht, eine Erhöhung des Getreidezolles erstrebt werden. Es wird Euch Hessischen Bauern eine Petition an den Reichstag behufs Erhöhung des Kornzolles unterbreitet werden. Unterschreibt sie Alle. Auf den Leim von der Vertheuerung des Bcodes lassen wir uns nicht mehr locken. Die Brodpreise sind trotz des bedeutenden Rückganges der Getreidepreise um keinen Pfennig billiger geworden. Wird nur der Zwischenhandel und die Spekulation eingeschränkt, so ertragen die Getreidepreise noch eine ganz erhebliche Steigerung, ohne daß die Brodpreise davon berührt werden. Damit aber unsere Bauern trotz der einzuführenden höheren Getreidezölle nicht dem Wucherer preisgegeben sind, der ihnen einen Spottpreis bietet um Korn und Getreide für größere Kunstmühlen aufzukaufen, während die Ortsmühlen leer und stille stehen, weil die Bäcker ihr Mehl von auswärts beziehen, so ist eine Steuer auf per Bahn importirtes Mehl zu legen. Und ferner führe man die althessische Brodtaxe ein, sowie die Fleischtaxe: dann wird der Zwischenhandel, der bisher den Hauptprofit einsteckte, schon von selbst beschränkt und in die gehörigen Schranken gewiesen werden.
Ein weiteres Ziel unserer Bestrebungen im Interesse des Bauernstandes nmß sein, darauf
15. Kapitel.
Am Hafen.
Am Nachmittag verließ Alexa Strange, begleitet von ihrer neuen Dienerin, ihr Logis und schritt langsam dem Wall zu. Sie trug ein schwarzes Kleid und hatte einen kleinen Schleier über ihr Gesicht gezogen. Mrs. Goff ging in geringer Entfernung hinter ihr. Ihr Gesicht glänzte vor Freude über ihre hübsche und graziöse junge Herrin, welche, das stand fest bei ihr, einer edler Familie angehörte.
Sie gingen die Straße entlang. Im Vorbeigehen besah Alexa die wenigen kleinen Kaufläden, die kleine hübsche Kirche, die reizenden Villen, in grünen Gärten anmuthig gelegen, bis sie endliu- auf den Wall kamen, wo die Bewohner der Ville n
hatte ein ehrliches, gutmüthiges und angenehmes Gesicht. Sie machte eine tiife Verbeugung vor Alexa, welche sie mit forschenden Blicken betrachtete. Auf die Frage des Mädchens erklärte sie sich geübt in den Obliegenheiten einer Kammerzofe. Sie wurde engagirt und trat sofort ihre neue Stelle an.
„Und nun," sagte Alexa zu der Wirthin, „wollen Sie mir etwas Essen heraufschicken; später will ich einen Spaziergang auf den Hafendamm machen und Mrs. Goff soll mich begleiten."
„Bitte, nennen Sie mich Majory, Miß," sagte Mrs. Goff, als die Wirthin fort war. „Ihr liebliches Gesicht und Ihre Freundlichkeit haben bereits mein Herz gewonnen."
„Rennen Sie mich Miß Alexa," versetzte das Mädchen ruhig, welche fühlte, daß die Worte der Frau keine bloße Schmeichelei, sondern ein Ausbruch der Herz.mpfindung waren.
Sie trat wieder an's Fenster und blickte hinüber nach dem alten Schlöffe mit der stolz vom Thurm herabwehenden Flagge. Sie brannte vor Begierde, von ihrer treuen Dienerin die Geschichte der Mord- that von Montheron zu hören, aber sie beherrschte ihre Ungeduld.
„Ich will bis zum Abend warten," sprach sie
Schon vor Jahresfrist hat sich nach dem Vorgänge anderer Provinzen auch für Hessen-Kassel ein Bauern-Verein gebildet. Daniit das Interesse für die Sache ein allseitiges werde, sind für jeden Kreis Männer gewählt worden, von denen man annehmen kann, daß sie ein Herz haben für das Wohl des Hessen-Landes und Volkes und das Vertrauen ihrer Mitbürger genießen. Um diese Männer sammelt Euch Ihr Bauern Hessens beider Konfessionen! Lasset Euch nicht irre machen durch liberale Schreier und Schreiber. Das Auftreten dieser Leute inuß Euch mahnen zusammenzustehen wie Ein Mann! Warum hetzen sie Kleingrundbesitzer gegen Großgrundbesitzer, warum städtische Bürger gegen die Bauern auf? Sie fühlen den Boden unter ihren Füßen wanken, sie wissen, daß, wenn alle Bauern einig sind, sie eine Macht bilden, welche groß genug ist, die Gesetzgebung zum Heile des Gesammt-VaterlandeS günstiger für die ackerbautreibende Bevölkerung zu gestalten, als das bisher der Fall war.
Als vor 20 Jahren der bewährte edle Führer des großen westfälischen Bauernvereins, Freiherr v. Schorlemer-Alst, zur Gründung eines Bauernvereins aufforderte, lachte man über ihn: Heute sind die Lacher verstummt angesichts der Thätig- keit und der großen Erfolge jenes Vereins. Rach dem Muster dieses sind in den Rheinlanden, in Raffau, im Lippeschen, in Bayern, Heffen-Kaffel u. s. w. Bauernvereine gebildet worden. Jeden Tag mehren sich die Eintrittserklärungen zu denselben, lasset auch uns nicht zurückstehen! Wer könnte die Sache der Bauern besser in die Hände nehmen, wer seine Interessen besser vertreten, als der Bauer selbst?
Es gilt den Untergang des Bauernstandes, den Ruin unseres Grund und Bodens abzuwenden in unserem Hessenlande, es gilt durch alle erlaubten und gesetzlichen Mittel die bäuerlichen Interessen zu wahren, zu sichern und zu fördern.
Vor allem muß der Bauer zu jeder Zeit Geld zu mäßigen Zinsen haben können. Und da müssen wir dahinzuwirken suchen, daß der Zinsfuß bei der Landeskreditkasse für Hessen-Kassel mit der Grundrente, d. h. mit dem Reinertrag des Grundbesitzes in Einklang gebracht werde. Der Bauer kann unter den jetzigen Verhältnissen kaum mehr als 4% aufbringen. Für den landwirthschaftlichen Personalkredit müssen die Bauern selbst sorgen
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oder
Auf dunklen Wegen
Roman von 6. Wagner.
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„Ich werde sie Ihnen gelegentlich gern erzählen Miß. Ich habe Sie schon hundertmal meinen Gästen erzählt, bin aber nicht müde geworden, sie zu wiederholen."
„Was bedeutet die Flagge auf dem Thurm?" fragte Alexa.
„Sie bedeutet, daß der Marquis zu Hause ist. Er war sonst fast beständig auf Reisen; aber im letzten Jahre war er zu Hause, ausgenommen mährend der Londoner Saison."
„Ist er sehr beliebt?"
„Der Marquis? Ja, er ist allgemein beliebt, und mehr noch in London, als hier, wie ich höre; aber Jedermann sieht ihn gern und er hat viele Freunde."
Hiermit war das Gespräch zu Ende, und bald darauf verabschiedete sich die Wirthin von Alexa.
Rach Ablauf von einer Stunde kam sie schon mit MrS. Goff zurück. Die Erscheinung der Letzteren gewann sogleich die Gunst Alexa'S. Sie war eine ruhige, ältliche Person, einfach gekleidet, und
zu sich selbst. „Es ist schon ein kleiner Schritt nach vorwärts, daß ich mir eine Dienerin gesichert habe, welche zur Zeit des Mordes auf dem Schlöffe und eine Zeugin vor Gericht war. Es mag sich im Laufe der Zeit etwas zugetragen haben, was einen Lichtstrahl in das Dunkel werfen kann. Ich will mich gedulden bis heute Abend, und dann soll diese Frau mir das „Drama von Montheron" erzählen.
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An,ruf an die Bauern des Regierungsbezirks Hessen-Kassel.
Der Vorstand des Bauernvereins für Hessen- Kassel hat folgenden zeitgemäßen Aufruf an alle Bauern des Regierungsbezirks Hessen-Kassel ergehen lassen:
Bauern und Bauernfreunde unseres schönen Heffenlandes, es ist die höchste Zeit in rechter Er- kenntniß der Nothlage unserer Landwirthschaft aus Mittel und Wege zu sinnen, den Untergang des Bauernstandes und den Ruin unseres Bodens abzuwenden. Daß der Bauernstand wie überall in Deutschland auch bei uns darniederliegt — wer das bestreiten und nicht einsehen wollte, der wäre in der That ein „blinder" Hesse.