M 245. Donnerstag, den 23. October 188-1.
Fuldaer ZM Zeilung.
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□ Mein Schlußwort.
Wenn ich noch, obwohl in so später Stunde, mit einigen Worten auf die in Nro. 240 der .Fuld.Ztg.' enthaltene Besprechung meiner „Replik" zurückkomme, so geschieht das nicht zur weiteren Vertheidigung meiner Wahltheorie, sondern lediglich aus Reverenz gegen meinen, wie es scheint, sehr hoch gestellten Gegner, der meine Ausführungen einer so eingehenden Prüfung gewürdigt hat. Es ist mir ein Bedürfniß, mich mit demselben über einige Punkte zu verständigen.
Was zunächst die vorr mir gebrauchten Ausdrücke „allzu lax" und „total inkorrekt" betrifft, so deutete ich mit dem ersten an, daß mir auch meine eigene Wahltheorie lax genug vorkomme, insofern ich, entgegen der Meinung Vieler, in der Stichwahl prinzipiell keine andere Pattei, als die konservative,
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Auf dunklen Wegen.
Roman von E. Wagner.
„Eine furchtbare Kette von Beweisen," sagte Alexa gedankenvoll; ihr Gesicht war todtenbleich, als sie die Schwierigkeit der Ausgabe erkannte, die sie übernommen hatte.
„Ja. Seitdem meine Gemahlin und ihr Vater meine Flucht bewerkstelligten, habe ich bis jetzt nicht die geringste Hoffnung gehabt, daß das ungerechte Urtheil aufgehoben und mein guter ehrlicher Name wieder hergestellt werden würde. Ich floh, um meiner Gattin und Dir den Schimpf meines schmach- vollen Todes zu ersparen. Der Gefangenenwärter entkam nach Amerika und ist nicht ergriffen worden. Er hatte für seine Hilfe eine ansehnliche Summe erhalten und ist hoffentlich wohlhabend und glücklich. Meine Gattin erwirkte eine Scheidung von mir und wird bald wieder heirathen; der Fluch des Mordes lastet hauptsächlich auf mir und Dir, Alexa. Das Geheimniß zu erforschen, steht nicht in meiner Macht. Wer töbtete meinen Bruder? War es ein Einbrecher, der die Juwelen stahl, oder einer der genannten fünf Männer? War
wenn diese überhaupt betheiligt ist, unterstützt sehen möchte. Der zweite Ausdruck erklärt sich in höchst einfacher Weise als eine Zurücksendung der mir zuerst zum Vorwurf gemachten Inkorrektheit in gesteigerter Form. Mehr Bedeutung^ lege^jich aber dem neuen Vorwurfe bei, KA MW
die „Replik" bekämpfe „eine in der „„Meinungsäußerung"" enthalten sein sollende Zumuthung an die katholischen Wähler, welche gar nicht in derselben" gestanden habe.
Die Zumuthung war folgende:
Falls es zweifelhaft wäre, ob der konservative Kandidat in die Stichwahl kommen werde, sollen diesen die katholischen Wähler selbst dann wählen, wenn derselbe auch ganz einseitig von der konservativen Partei aufgestellt worden wäre."
Es wird gut sein, den Text des verehrten Gegners, wo ich diese „Zumuthung" fand, noch einmal zu citiren. Derselbe lautet:
„In den Kreisen, wo die Person des konservativen Kandidaten feststcht und deshalb von Seiten der Katholiken kein Einfluß auf die Auswahl der Persönlichkeit genommen werden kann und es ferner auch nicht zweifelhaft ist, welcher von den verschiedenen Kandidaten in die Stichwahl kommen wird, mag die Theorie, im ersten Wahlgang Centrumskandidaten als Strohmänner aufzustellen, ihre Berechtigung haben" rc.
Das ist der fragliche Text. Derselbe stellt „offen- bar" das allgemeine Wahlprinzip dar, wonach „die katholischen Wähler" am 28. October sich richten sollen. Nach meiner, allzeit „unmaßgeblichen" Meinung gehörte nun wenig Scharfsinn dazu, aus dem angezogenen Wortlaute, neben den vom geehrten Herrn Verfasser der „Meinungsäußerung" selbst gemachten Anwendungen, auch die heraus- zulesen, daß wir selbst- dann, wenn der konservative Kandidat ohne Mitwirkung unserer Partei aufgestellt wäre, denselben unterstützen sollten, falls es zweifelhaft wäre, ob er in die Stichwahl kommen könnte oder nicht. Man hat dazu nur nöthig, 1) festzuhalten, daß mein Herr Gegner eine andere als die konservative Partei überhaupt nicht unterstützt wissen will und 2) zu bedenken, daß unter jenes allge mein e Wahlprinzip alle Fälle, die eintreten können, subsumirt werden müssen, oder wenigstens dürfen. Gewiß ist aber auch der Fall möglich, daß eine von den Konservativen ganz einseitig aufgestellte Persönlichkeit eine unsichere Aussicht habe, in die Stichwahl zu kommen. Ergo. Da übrigens der verehrte Herr in Nro. 240 der ,Fuld. Ztg.' meine Interpretation zurückweist, so wissen wir jetzt durch diese authentische Erklärung, daß an den oben besprochenen Fall gar nicht gedacht worden war.
es sonst Jemand, auf den kein Verdacht fallen konnte? Eins ist gewiß: In dem Moment, als ich an der Thür von meines Bruders Zimmer stand, lag dieser bereits ermordet in seinem Bette, ober doch in ben letzten Zügen. Währenb ich vor der Thür stand, war der Mörder im Zimmer, lauschend, den blutigen Dolch in der Hand. Bedenke, Alexa — nur eine schwache Wand zwischen ihm und mir!"
„Hattest Du einen Feind, Vater?"
„Nicht, daß ich es wüßte. Das zerrissene Taschentuch, welches sich im Kamin meines Zimmers befand und von welchem ein Stückchen die Hand meines Bruders hielt, war mir gestohlen worden, ebenso der Dolch, um den Verdacht auf mich zu lenken, Es schien mir als sei das Ganze das wohlgeplante Werk eines Feindes, aber ich konnte gegen Niemanden Verdacht schöpfen — nur daß ich manchmal leise daran dachte, Nenard könnte die That verübt haben. Diesen mochte ich nicht leiden, und er wußte es."
„Ich muß mir das Alles in's Gedächtniß einprägen," sagte Alexa, „denn zu Papier bringen darf ich es nicht. Der Schein war allerdings stark gegen Dich, und ich kann mich nicht wundern, daß Fremde Dich schuldig glaubten; aber daß die
Die Nro. 242 der ,Fuld. Ztg.', worin mein verehrter Herr Gegner seine Polemik gegen mich zum Abschluß gebracht hat, bietet bezüglich des zwischen uns strittigen Punktes nichts Neues. Als „vollständig unrichtig" wird meine Behauptung bezeichnet, daß es unter den Katholiken Konservative im Gegensätze zum Centrum gebe. Aber wer zweifelt daran, daß katholische Beamte, besonders in Städten, wo die Katholiken die Minderzahl bilden, selbst in solchen Wahlkreisen konservativ wählen, wo Centrumskandidaten aufgestellt find? Daß das Centrum eine Reihe der konservativsten Männer aufzuweisen hat, ist sehr richtig; das beweist aber nur, daß eine Reihe von Centrumsmännern die Prinzipien der Konservativen im politischen und sozialen Leben voll und konsequent vertreten, gestattet aber noch nicht, sie mit ben Mitgliedern der konservativen Fraktion auf eine Stufe zu stellen.
Wenn die Kandidatenfrage im Wahlkreise Hanau- Gelnhausen-Orb von den Angehörigen der Centrumspartei im Sinne der Konservativen entschieden worden ist, so bedauere ich das im Interesse des Centrums, und zwar deshalb, weilHr. Hellwig bei der 2. Wahl sicher durchfällt.
Jede weitere Diskussion halte ich deshalb für überflüssig, weil die Centrumspartei in Kur- hessen sicherlich überall sich bereits entschieden hat, wie sie an der nahe bevorstehenden Reichstagswahl sich betheiligen will. .
Deshalb möchte ich lieber de:: Ceutrumswählern - Kurhessens die lauteste Mahnung zurufen: Thuet am 28. Oktober Eure Schuldigkeit! Jede Stimme, die für das Centrum abgegeben wird, fällt zu dessen Gunst in die parlamentarische Wagschaale, erhöht dessen Ansehen und Gewicht. Jede Stimmabgabe für das Centrum ist eine That für unseren hl. Glauben, die um so verdienstvoller vor Gott ist, je weniger sie von den Menschen beachtet wird; sie ist zugleich eine Stellungnahme gegen ben Geist ber Unordnung und ber Auflehnung, gegen Lug unb Trug, für Wahrheit, Recht und Freiheit!
Deutsches Reich.
Berlin, 22. October.
** Auf ber Tagesordnung der morgigen Bundesrathssitzung stehen der deutsch-griechische Handelsvertrag, die Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Transport-Gewerbe und die
Frau, welche Dich liebte, auch an Deine Schuld glauben konnte, scheint mir unglaublich. Sie kannte Dich so gut, sie mußte wissen, daß Du zu einem Morde unfähig warst. Ich könnte Dich einer schlechten Handlung nicht für fähig halten, Vater. Wie ist es möglich, daß ihr Vertrauen um ihre Liebe in dieser Zeit der Prüfung wankend werden konnte?"
„Ich weiß es nicht. Sie war sehr stolz und besaß eine große Ersurcht vor ihrem Vater. Ich denke, er muß sie von meiner Schuld überzeugt haben. Ich werde sie nie wiedersehen, Alexa, aber ich wünschte um ihretwegen, daß ich von dem schrecklichen Verdacht frei würde. Denn ich kann es nicht ertragen, daß sie mich bis zu ihrem Tode fchuldig glaubt. Sie wird Jngestre, den gegenwärtigen Marquis, heirathen, aber wenn sie einst wissen könnte, daß ihr erster Gatte ihrer nicht unwürdig war, würde ich glücklich sterben."
„Sie soll es wissen, Deine Frau soll Dir Gerechtigkeit erweisen —"
„Du nennst sie nicht 'Kutter, Alexa?"
„Ich kann es nicht. Sie hat aufgehört, Deine Frau zu sein; sie wandte sich von Dir in Deiner Bedrängniß; sie ist die Verlobte eines Andern — wie kann ich sie da meine Mutter nennen?"