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1884

Montag, den 20. Oktober

(R-chdr. »rrb.)

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Regierung sind? Diese Organe enthalten meist Gelegenheitsartikel oder schicken einen Fühler in die Welt. - Die Replik enthält folgenden Passus: „Man sagte, die Regierung wisse genug, daß das katholische Volk hinter dem Centrum stehe. Ich sage uingekehrt: „Die Regierung weiß recht gut, daß nicht Alle, die zu den Katholiken gezählt werden muffen, Anhänger der CentrumSpartei sind. Viele gehören dem Fortschritt, manche den Social­demokraten, einige sogar den Nationalliberalen an, was man in den höheren Regionen recht gut weiß. Selbst Conservative im Gegensatz zu dem Centrum gibt es unter den Katholiken." Diese Behauptung enthält einerseits leider eine große Wahrheit und dennoch ist sie in Beziehung auf meine Auslassungen unrichtig. Als ich von den katholischen Wählern sprach, hatte ich nicht die Katholcken im Auge, die nach der Statistik als solche gezählt werden, sondern nur die wirklichen Kinder der katholischen Kirche. Ich bestreite aber auf das Entschiedenste, daß unter den letzteren, insofern dieselben gut unterrichtet sind, was freilich Sache der Seelsorger ist, es Anhänger der zuerst genannten drei Parteien geben kann. In Betreff der Ausnahmegesetzgebung gegen die katholische Kirche haben freilich ein Theil der Fort­schrittler eine die Katholiken zufriedenstellende Auf­fassung kundgegeben, in einer anderen die Katho­liken ebenso tief berührende Frage stehen sie aber entschieden auf feindlichem Boden. Ich meine die Schulfrage. Bisher hat noch kein Führer der Fort­schrittspartei die Rothwendigkeit der konfessionellen Schule anerkannt und auch die Begründung ihrer Mißbilligung der Maigesetzgebung beruht auf Prin­zipien, welche von Seiten der katholischen Kirche längst ihre Verurtheilung erfahren haben. Gut unterrichtete Katholiken können nach meiner Auf­fassung deshalb unmöglich Anhänger der jetzigen Fortschrittspartei sein. Ebensowenig kann ein wirk­licher Katholik Socialdemokrat sein oder darf socialdemokratisch wählen. Unser heiliger Vater Leo XIII. hat ein derartiges Beginnen auf's Schälfste verurtheilt, aber auch an und für lich ist es schon durchaus widersinnig, wenn ein katho­lischer Christ auch nur durch seine Stimmenabgabe bei der Wahl eine Partei unterstützen will, die alles Christenthum leugnet, die Ehe und die Fa­milie abschaffen will und alle Grundlagen der Gesellschaft in Frage stellt. Man sagt nicht, daß Katholiken die socialdemokratischen Bestrebungen

Ihre Entschlossenheit, ihr Muth, ihr festes Ver» trauen in die Vorsehung erfüllten ihn mit neuem Leben. Zum ersten Male seit seiner ungerechten Verurtheilung durchdrang ein leises Gefühl von Hoffnung seine Seele. Möglicherweise von dem Schrecknisse seines Looses, von der Verurtheilung wegen eines furchtbaren Verbrechens entlastet zu werden, wieder frei umhergehen zu dürfen, ohne Furcht, verhaftet und hingerichtet zu werden, war ein Glück, so groß, so berauschend, daß er es kaum auszudenken wagte. Und doch lag es im Bereiche der Möglichkeit, daß ihm dieses Glück noch zu Theil werden würde.

Ein schwacher Leitfaden, ein Anhaltspunkt, wel­cher bei der früheren Untersuchung der Sache über­setzen worden war, mochte noch vorhanden sein und zur Enthüllung des Geheimnisses und Ermittelung des wahren Mörders führen. Wer konnte sich der Aufgabe, diesen Faden aufzusuchen, besser unter­ziehen, als seine Tochter,. welche die einzige Hoff­nung, der einzige Trost in seinem Exil war? Die Liebe würde ihr Klugheit verleihen. Die Liebe zu ihm würde sie wachsam und vorsichtig machen. Er wollte seine Sache in ihre Hände legen und der Vorsehung vertrauen, über sie zu wachen und sie auf den rechten Weg und zum Siege zu führen.

nur unterstützen um der materiellen Vorttzeile willen, welche dieselben verheißen, ohne aber die Grund­sätze der Socialdemokraten sich anzueignen. Das sind leere Ausflüchte. Die berechtigten Klagen der Arbeiter haben schon längst in katholischen Reihen warme Vertreter gefunden und gerade das Centrum hat sich ihrer auf das Energischste angenommen. Unberechtigten Forderungen freilich muß sowohl von katholischer Seite wie von allen Parteien, die es mit den Arbeitern ehrlich meinen und die Erhaltung der gesellschaftlichen Ordnung wollen, entgegengetreten werden.

Katholiken, welche der nationalliberalen Partei angehören, dürfen wohl kaum Anspruch machen, noch ernstlich als solche betrachtet zu werden; denn es war ja gerade die nationalliberale Partei, welche den Kampf gegen oie katholische Kirche auf ihre Fahne geschrieben. Vollständig unrichtig scheint mir aber die Behauptung, daß es unter den Ka­tholiken Konservative im Gegensatz zum Centrum gebe. Es ist leider eine Folge der unseligen Ver­hältnisse der Neuzeit und insbesondere des unglück­lichen Kulturkampfes, daß die Bezeichnung „konser­vative Partei" einen konfessionellen Beigeschmack erhalten hat, während doch das Centrum eine Reihe der konservativsten Männer in sich schließt. Wie es also unter den Katholiken Männer geben soll, die im Gegensatz zum Centrum konservativ sind, ist mir nicht recht begreiflich, da sie als Partei­genossen des Centrums ebenso konservativ sein können, wie als Anhänger der deutsch-konservativen Partei. Wenn man freilich von Seiten einiger Mitglieder der Centrumspartei alle diejenigen, welch- sich in einzelnen aber durchaus nicht prinzipiellen Fragen den Anordnungen ihrer Parteileitung nicht unterwerfen, von der Zugehörigkeit zur Partei ausschließen will, bann ist der obengenannte Satz wohl verständlich, aber nichtsdestoweniger vollstän­dig falsch.

Die Frage, ob ich in meinen Äußerungen Die Anschauung der Centrumsführer richtig wiederge- geben, und ob die .Germania' über die Anschauung der Centrumsführer sehr gut unterrichtet ist, hat mittlerweile in Betreff des Wahlkreises Hanau- Gelnhausen-Orb eine mich rechtfertigende Erledrgunz gefunden. Die.Germania', welche übrigens meinen Auffassungen gegenüber sich durchaus nicht so ab­lehnend verhalten hat, wie mein Herr Gegner zu glauben scheint, ist aber bekanntlich keineswegs als

Er war so auf geregt, daß er die ganze Nacht nicht schlafen konnte. Nachdenkend schritt er im Zimmer umher ober blieb am Fenster stehen unb schaute hinaus in bie Nacht. Dann unb wann warf er sich angekleibet auf das Bett ; aber es duldete ihn da nicht. Das stürmisch klopfende Herz, das heiß wallende Blut trieben ihn wieder empor. Es trieb ihn, seine Tochter nach England zu begleiten und selbst Theil zu nehmen an der Arbeit zur Wieder­erlangung seines guten Namens; aber er war zur Unthätigkeit verurtheilt, durste sich aus feiner Ver­borgenheit nicht hervorwagen, wenn er nicht den Erfolg von vornherein unmöglich machen wollte.

Als der Morgen kam, waren bie Spuren bet burchwachten Nacht bentlich auf feinem Gesichte zu sehen; aber doch waren seine müden Züge von neuer Hoffnung belebt unb seine Bewegungen be­kundeten eine ungewöhnliche Energie.

Sobald die Dienerschaft des Hotels aufgestanden war, ließ er sich eine Zeitung bringen, um bie Schiffsanzeigen durchzusehen. Er beschloß, daß Alexa mit dem am Sonnabend vorn Piräus nach Triest fahrenden Dampfer reisen sollte. Es blieben ihm also noch einige Tage Zeit, um die nöthigen Einkäufe für des Mädchens Aussteuer zu machen und die Geschichte nochmals in allen Einzelheiten

» Zur Frage der Wahltaktik wird uns ferner geschrieben:

Nachdem schon meine Erwiderung auf den in Nro. 235 der .Fuldaer Zeitung' enthaltenen Theil der Replik abgesandt war, erhielt ich Kenntniß von dem in Nro. 236 enthaltenen zweiten Theil derselben. Die Argumente, deren sich mein Herr Gegner bedient, sind freilich nicht von solcher Be­deutung, baß sie einer eingehenben Wiberlegung bebürften; benn er begrünbet feine Behauptung in Betreff bes Werths ber Zählkandibaturen in der einfachen Wiederholung derselben, ohne sie irgendwie zu belegen. Ueberhaupt enthält dieser zweite Theil mehr Behauptungen wie Begründungen, darunter auch folgende: „Die angestrebte Ent­kräftung meiner Gründe ist offenbar mißlungen", zu zählen ist. Diese Freude ist sehr billig, beson­ders wenn man sie sich durch eine einfache Be­hauptung verschafft. Eine socheKampfesweise würde viel zu weit führen, als daß ich mich darauf ein« lassen kann; ich beschränke mich daher darauf, in Betreff ber Stimmenzählung meine schon früher ausgesprochene Ansicht zu wieberholen, baß bie wirklich zu wählenben Centrumskanbibaten mit so sehr bebeutenben Majoritäten gewählt werben, als baß in solchen Kreisen, wo notorische katholische Minoritäten vorhanben finb, diese einem Zählkan­didaten aus den Reihen der Centrumsparteien zu­fallen. Besonders glaube ich, daß der durch diese Stimmenvermehrung erzielte Nutzen nicht im Ver- bältnisse steht zu dem Schaden, der eintritt, wenn durch' dieses Festhalten an der Zählkandidatur seitens ber katholischen Wähler ben katholcken- feindlichen Parteien die Möglichkeit geboten wird, einen Sitz im Reichstag zu erobern.

Die Behauptung, daß die offiziösen Organe bie Bemerkung ber katholischen Presse, baß so unb so viele katholische Stimmen, welche aus taktischen Grünben auf Kandidaten anberer Parteien gefallen seien, bem Centrum zugezählt werben müßten, in ihren Auslassungen ignorirten unb sich lediglich an bas wirkliche Wahlresultat hielten, kann mög­licher Weise zulreffen. Dieselbe beweist aber gar nichts, benn ich habe lebiglich von ber Regierung gesprochen, nicht aber von ihren Preßorganen. Welcher ernste Politiker wirb aber heute noch bie Ansicht vertreten wollen, baß bie offiziösen Organe bie wahrheitsgetreuen Vertreter ber Auffassung ber

ober

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Ich kann Dir nicht wieberstehen, Alexa!" rief er endlick entschlossen. „Gott wirb Dich beschützen unb leiten. Du sollst nach England gehen. Ich fürchte, die Ausgabe, die Du Dir gestellt hast, ist zu schwer für Dich; aber ob es Dir gelingt, meinen guten, alten Namen wieder herzustellen, ober ob es Dir fehlschlägt, meine Unschulb zu beweisen, ich werbe Dich segnen für Dem Ver­trauen zu mir und für Deine Aufopferung. Dem Vorhaben ist gefahrvoll; mich schaudert, wenn ich daran denke; ich zittere vor der ungeheuren Auf­gabe bie Du Dir gestellt hast. Unsere Feinde werben Dich zu vernichten suchen. Ich kann nichts thun, als für Dich beten; aber Du hast mein Wort — Du magst gehen."

12. Kapitel.

Die Beweise ber Schulb.

Mr. Strange nahm fein Versprechen, feine Toch­ter nach England gehen zu lassen, nicht zurück.

"'aSwättl °1 M. 75 Pfg.9