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Die Fuldaer geitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Rk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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t* »Über die prekäre Lage der katholischen deutschen Anstalten in Palästina"

b brachten verschiedene katholische Blätter unlängst a einen Artikel, an deffen Schluß der Hoffnung Aufdruck gegeben wurde, daß nunmehr das Aachener Komitee endlich die Sache in neuen V \ Fluß bringen würde. Es freut uns, daß wir jetzt in der Lage sind, Genaueres über diese An­gelegenheit mittheilen zu können.

' Wie vielfach bekannt, traten schon vor 5 Jahren

\ in Aachen mehrere katholische Männer zusainmen, z welche, veranlaßt durch die Mittheilungen des deutschen Franziskaners P. Ladislaus aus Jeru- ) salem, den Entschluß faßten, für die katholischen Deutschen im hl. Lande bessere Zustände in reli­giöser, wie auch sozialer Hinsicht anzubahnen.

$ Während nämlich fast alle anderen Nationen be-

l sonders Russen, Franzosen, auch unsere nicht

- katholischen deutschen Brüder, innerhalb der letzten , j' Jahrzehnte wahrhaft großartige Unternehmungen

in Palästina ins Werk gesetzt haben, fehlt es den katholischen Deutschen an kirchlichen und wohl- thätigen Anstalten noch ganz und gar. Am besten empfinden das alle deutschen Pilger, deren sich ein drückendes Gefühl bemächtigt, wenn sie im hl. Lande, wo doch unsere Vorfahren fo groß­artiges geleistet, jetzt nichts finden, wodurch das katholische Deutschland repräsentirt wird; während zu unserer Beschämung die deutschen Protestanten schon festen Fuß gefaßt haben und besonders auf : sozialem Gebiete in kurzer Zeit fast Unglaubliches

geleistet haben. So haben dieselben mit den reichen Mitteln der protestantischen Mission unter­stützt, schon 2 blühende Kolonieen gegründet, haben kaufmännische Geschäftshäuser und Magazine, Banquiers, Fuhrunternehmer, Dampfmühlen, Bäcker selbst Bierbrauer, kurz alle nöthigen Geschäftsleute, Gewerbe und Handwerker; sie haben ihr Museum, Bibel-Depots, Hotels, Apotheken und Aerzte. Auch auf kirchlichem und religiösem Gebiete blieben sie nicht zurück; sie haben ihre Schulen, Spitäler und andere religiöse Anstalten. Noch vor kurzem lief durch die Blätter die Mittheilung, daß neben der großen protestantischen Christuskirche jetzt noch ein protestantischer Dom im hl. Lande gebaut werden soll, wozu vom Sultan das Terrain geschenkt ist und allein in Preußen circa 350,000 Mark auf­gebracht sind.

All dem gegenüber nennen die katholischen Deut­schen fast nichts ihr Eigenthum, und obwohl der seit 28 Jahren bestehende Verein vom hl. Grabe in Köln jährlich 80 bis 100 000 M. nach Pa­lästina sendet, konnte nach den Statuten des Ver­eins damit noch nichts Spezielles für katholische Deutsche neu angeschafft werden. Es ist näm­lich Aufgabe des Vereins vom hl. Grabe, zunächst das von Pius IX. wieder errichtete Patriarchat in Jerusalem, sowie die Wächter an den hl. Stät­ten, die Väter Franziskaner, sodann (ohne Rück­sicht auf Nationalität) die schon bestehenden katholischen Anstalten, die dem Unterrichte, der geistlichen Erziehung und der Mission gewidmet sind, zu unterstützen. Für das wichtige Unter­nehmen, wie es im Plane des P. Ladislaus lag, müssen daher nothwendig andere und neue Hilfsquellen beschafft werden. Dazu bildete sich das Aachener Komitee.

Ehe es jedoch mit seinen Plänen und Absichten vor die Oeffentlichkeit treten konnte, waren mancherlei Schmierigkeiten zu überwinden, um für das Unter­nehmen jenen Boden zu finden, auf welchem eine des katholischen Deutschlands würdige Schöpfung sich aufbauen ließ. Wir wollen nur erinnern an die Verhandlungen mit den rheinisch­westfälischen und schlesischen Malteser-Rittern einer­seits uno dem Großmeisterthum des Ordens in Rom andererseits, welche ein langes Aufschieben veranlaßten und leider durch den vor zwei Jahren erfolgten Tod des General-Konsuls im hl. Lande, des Grafen Caboga, ohne Erfolg blieben. Der hohe Malteser-Orden hat jetzt in Palästina keinen offiziellen Vertreter mehr, und so ist leider der schöne Plan, das Unternehmen an den Malteser- Orden anzulehnen resp. mit diesem gemeinschaftlich vorzugehen, vereitelt worden.

Weil die orientalischen Zustände, Einrichtungen und Negierungsformen so durchaus verschieden von europäischen Verhältnissen und Anschauungen sind, so boten sich auch in Besitz-, Eigenthum- und Personal-Fragen manche Schwierigkeiten, die, Gott sei Dank! jetzt alle geregelt oder beseitigt sind.

Nachdein man sich über das „Was" und „Wie" nunmehr völlig klar ist, steht, wie wir aus zuver­lässiger Quelle vernehmen, gleich nach den Wahlen von Seiten des Aachener Comitvs ein Aufruf an alle Katholiken Deutschlands zu erwarten, in welchem zur materiellen Unterstützung dieses wahr­

haft großartigen, sowohl echt deutschen, als echt katholischen Unternehmens aufgefordert wird. Tritt so ein „Palästina-Verein" der Katholiken Deutschlands ins Leben, dann wird sich gottlob »endlich" der Wunsch von Tausenden erfüllen, daß auch sie zur Verherrlichung der hl. Stätten, die jedem katholischen Herzen so theuer sind, mit beitragen können; der Wunsch, der auf den Generalversammlungen des katholischen Deutsch­lands wiederholt zum Ausdrucke kam: „einzu­treten für die Stärkung deutschen, ka­tholischen Wesens auf dem geheiligten Boden Palästinas."

Deutsches Reich.

Berlin, 17. October.

* Zur Frage der Postsparkassen, welche gegenwärtig die gesammte Presse lebhaft beschäf­tigt, schreibt die,Germ.': „Wiewohl wir dem Ein­wurfe, die Postsparkaffen wären eine Verstaat­lichung des Sparens, eine gewisse Berechtigung nicht absprechen können, müssen wir doch zugeben, daß die Einrichtung sehr viele gute Seiten hat. Die Erfahrungen anderer Läirder zeigen deutlich, daß die Einrichtung — besonders für die kleinen Leute — segensreich wirken kann."

* Binnen Kurzem wird sich der Bundesrath mit den von den Ausschüssen bereits berathenen Uebergangsbestimmungen zu der veränderten Maß- und Gewichtsordnung beschäftigen. Sobald diese Bestimmungen genehmigt sind, wird eine Ab­änderung der Aichordnung unmittelbar folgen. Die Normalaichungs-Kommission hat in den letzten Tagen schon über den vollständig neuen Entwurf einer Aichordnung Berathung gehalten und dürfte damit nächste Woche zu Ende gelangen.

* Zu der Nachricht von einem Erlaß des pro­testantischen Oberkirchenraths, betreffend die Assistenz der Geistlichen beim Begräbniß von Selbstmör­dern, bemerkt die .Kreuzztg.', daß seit dem längst publizirten Zirkular-Erlaß vom 18. Juli d. I., welcher das Verhalten der Geistlichen bei Beerdi­gung von Selbstmördern ausführlich erörterte, irgend eine neuere Verfügung in dieser Angelegen­heit nicht ergangen ist.

* Braunschweig, 17. Oct. Sybillenorter Depeschen zufolge ist der Zustand des Herzogs von Braunschweig hoffnungslos.

X Alk!«

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Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Verlobt! Meine Mutter! Dein Weib!"

„Mein geschiedenes Weib, Alexa. Ich habe keinen Anspruch an sie."

„Verlobt! O, Vater, es kann nicht wahr sein."

„Sie glaubte mich schuldig, wie alle Welt. Verdamme sie nicht, Alexa. Ich habe keinen Vorwurf für sie; dazu habe ich sie zu sehr geliebt. Ich liebe sie noch und würde Alles darum geben, wenn ich, selbst ungesehen, sie einmal wiedersehen könnte. Aber obwohl ich ihr keinen Vorwurf wachen kann, verzehre ich mich doch vor Eifersucht bei dem Gedanken, daß sie einen Anderen heirathet. Ich habe noch stets an sie gedacht als mein Weib, habe noch immer auf eine Wiedervereinigung mit ihr gehofft, wenn die Vorsehung die Wahrheit an's Licht bringen und meinen Namen reinigen sollte. Ein vergeblicher und thörichter Traum! Ich werde als Schuldiger in mein Grab steigen und sie wird einen Andern heirathen. Es ist sonderbar, sie dachte Marquise von Montheron zu

werden als mein Weib. Jetzt hat sie die Aus­sicht Marquise vvn Montheron zu werden, aber als die Gattin eines Andern!"

„Ich verstehe Dich nicht, Vater!"

„Da ich zum Tode verutheilt, also so gut wie tobt bin und Du in Wirklichkeit todt geglaubt bist, fallen die Titel und Güter der Montherons an den nächsten Verwandten. Dieser ist ein Kousin von mir und war früher als Roland Jngestre bekannt; nun ist er Marquis von Montheron. Roland Jngestre war einer von denjenigen, welche mein Bruder zu Zeugen meiner und meiner Frau Demüthigung erwählt hatte. Er ist nun der begünstigte Liebhaber der Lady Wolga."

„Was für ein Mann ist er, Vater?"

„Er ist sehr beliebt. Als Roland Jngestre mochte ihn Jedermann leiden, als Marquis von Montheron ist er ein Führer der Gesellschaft."

Alexa war eine Weile sehr gedankenvoll; ein ungewöhnlicher Ernst lag auf ihrem Gesicht; dann sagte sie:

„Vater, Du mußt viel über die Sache nach­gedacht haben. Hast Du nie einen Verdacht ge­habt, wer der Mörder Deines Bruders sein könnte?"

„Nein, Alexa, nein. Ich habe nachgedacht und erwogen, aber ich wüßte nicht, auf wen rch meinen Verdacht lenken sollte.

„War Jemand da, der durch den Tod Deines Bruders gewinnen konnte?"

„Niemand außer mir, so viel ich weiß. Er war ein Sonderling in Folge seiner Lahmheit und bit­teren Erfahrungen in der Liebe und hatte viele Feinde; aber ich weiß Niemanden, den ich in Ver­dacht haben könnte, den Mord mit kaltem Blute ausgeführt zu haben."

„Hast Du nie daran gedacht, daß dieser Roland Jngestre mit der Thal in Verbindung stehen könnte?"

Mr. Strange lächelte.

„Jngestre steht außer jedem Verdacht. Ec hatte nichts zu gewinnen, denn wenn mein Bruder und ich beseitigt waren, hättest Du ihm noch immer im Wege gestanden. Jngestre war eines Verbrechens unfähig."

„Wie ist es mit den Dienern?" forschte Alexa weiter. „Könnte nicht der Kellermeister, der Dich vor der Thür Deines Bruders sah, der Thäter gewesen sein?"

„Er? Ein alter, viele Jahre lang erprobter Diener? O nein, Alexa, selbst in meinem Elend könnte ich keinen Verdacht auf ihn heften."