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Donnerstag, den 16. October

1884.

Die ,>ald«er Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Fei.-rtiige ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnemenlLpreis ohne Bringerlobn und Bestellgeld: 1 Ak. 50 Pfg., — mit der Selletristischcn Wochenbeiluae ,Sterile uni Blumen' in Fulda 1 Ml. 70 Pig., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bet Wiederholungen entsprechender Rabatt.

für —

regelt ist und ob die Neneinführung"'

(Nachdr. verb.)

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England daran hindern würden, eigenmächtig in fernen Erdtheilen seine Grenzen zu stecken. Die­ser englischen Anmaßung muß ein Riegel vorge­schoben werden.

tiSÖT Bestellungen auf das IV. Quartal 1884 der »Fuldaer Zeitung^ werden von dm Post-Anstalten, Boten und in der Expedition noch fortwährend entgegengenommen. Die Nachlieferung der bereits erschienenen Exemplare erfolgt auf Verlangen.

Zaire ist nicht nur der gewaltigste Strom Süd­afrikas, dessen ausgedehntes Ländergebiet er bewäs­sert und durch seine Wasserstraße ausschließt, son­dern es läßt sich unter Zuhilfenahme eines Bettes auch eine Verbindung mit dem Nil Herstellen, ja vielleicht sogar der atlantische mit dem indischen Ozean verbinden. Die ausgedehnten langgestreck­ten Seen in Südafrika, die sich in nördlicher Rich­tung bis über den Aequator hinziehen, werden bei europäischer Kolonisation in nicht geringem Grade zur Erleichterung der Kommunikation und zur Civi- lisirung des Innern beitragen. Schon vor Jahren haben deshalb Afrikaforscher auf die hohe Bedeu­tung des Kongo hingewiesen, dessen Mündungen sich seit Jahrhunderten im portugiesischen Besitze befinden, wenngleich Portugal wenig in's Innere des Landes eingedrungen ist. Dem Afrikareisenden Stanley gelang es, den König von Belgien für die Kongofrage zu interessiren, und so entstand unter defien Protektorat vor etwa 10Jahren die Kon­gogesellschaft, die im Laufe der Zeit an den Ufern des Stromes zahlreichen Besitz erworben und viele Niederlassungen gegründet hat. Durch die Gesellschaft sah sich jedoch England in seiner Krä­merpolitik bedroht und es beeilte sich, mit Portu­gal einen Vertrag abzuschließen, worin es die früher bestrittenen Rechte der Lissaboner Regierung aner­kannte, dadurch aber die Herstellung von Zollta­rifen erlangte, welche den englischen Handel vor jedem andern begünstigten. Der englisch-portugie­sische Vertrag verstieß aber gegen die früher schon zwischen Frankreichs und, Portugal- stipulitt-' Han­delsfreiheit im Kongogebiet und daher lehnten die meisten Staaten Europas die Anerkennung des Vertrages ab. So liegen die Sachen augenblick­lich. Bei der steigenden Wichtigkeit des Gebietes muß eine Rechtsordnung geschaffen werden, welche die Interessen aller Nationen gleichstellt. Dazu hat jetzt Fürst Bismarck die Kongokonferenz angeregt, welche im November in Berlin zusam­mentreten wird. Die Einladungsschreiben sind be­reits an alle interessirten Mächte ergangen und an­gesichts deren Einigkeit dürfte England es nicht wagen, die Einladung abzulehnen. Doch werden die Mächte zu der Konferenz wahrscheinlich nicht Spezialbevollmächtigte senden, sondern wie in Lon­don ihre Gesandten mit den Verhandlungen betrauen. Die Konferenz hat insofern eine hohe Bedeutung, als hier zum ersten Male alle europäischen Mächte

Der Marquis verhöhnte Lady Stratford eben­falls und hieß sie zu ihrem Vater gehen. Ec sagte, daß er am Morgen ihre Zimmer gebrauchen werde für seine Braut, die er am Morgen heim­bringen werde, und es sei doch besser, sie ginge, ehe die Braut ihren Einzug halte.

Diese unerhörte Beleidigung machte den jungen Gatten rasend. In der Erbitterung rief er seinem Bruder manches unbedachte Wort, und ich glaube sogar einen Fluch über denselben zu; dann zog er den Arm seiner Gattin in den seinen und wollte das Zimmer verlassen.

An der Thür wandte er sich noch einmal um, und, vielleicht zum Zweck eines thörichten Apells an die zu erwartende Braut, rief er in heftig drohendem Tone: „Du denkst, morgen eine Braut heimzuführen in der Absicht, mich des Erbes zu berauben, welches Du mir versprochen hast? Der Himmel wird solches Unrecht nicht geschehen lassen! Du wirst nie eine Braut nach Mont Heron bringen! Und ich schwöre Dir, daß ich für dieses beabsichtigte Unrecht, welches nicht zur Ausführung kommen wird, mich rächen werve! Nimm Dich in Acht, Marquis von Montheron!"

Das waren allerdings unvernünftige Worte, in der Hitze mit furchtbarer Heftigkeit ausgestoßen,

zulässig ist.

* Nachträglich theilt der .Reichs-Anzeiger' auch das amtlich festgestellte Ergebniß der diesjährigen Ernte im Reg.-Bez. Wiesbaden mit. Dasselbe lautet:

„Roggen hat meistens nur mittelmäßigen Körnerertrag geliefert, die Qualität ist jedoch gut und der Ertrag an Stroh überall sehr reichlich. Weizen hat durchweg in Qualität und Quantität, sowohl an Körnern als an Stroh eine gute Ernte geliefert und meistens als reichlich wird der Ertrag an Gerste und Hafer angegeben. Die Grum­meternte und Nachschur an Klee war nur in feuchteren Lagen eine bessere. Kartoffeln versprechen in Quantität und Qualität durchweg ein gutes Resultat. Der Wein verspricht an Quantität kaum mehr als einen halben Herbst, wogegen die Qualität der Trauben bei noch an­haltender günstiger Witterung einen guten, theilweise sogar vortrefflichen Wein erwarten läßt. Der zum Theil noch in Ausführung begriffenen Wintersaat war die bisherige warme Witterung recht günstig und förderlich".

Hätte der Marquis ans Liebe geheirathet, un­geachtet seiner bestimmten Erklärung, ledig zu bleiben, würde das junge Paar diese Enttäuschung ruhig ertragen haben; so aber empörte sich ihr Ehr- und Rechtsgefühl.

Es gab eine stürmische Scene — und vor allen Zeugen!

Lord Stratford Heron drang in seinen Bruder, seinen Entschluß zurückzunehmen; dieser aber ver­höhnte ihn.

Der Marquis blieb dabei, daß die Hochzeit schon am andern Morgen um elf Uhr stattfinden und große Festlichkeiten veranstaltet werden würden. Der Hausvogt, Kellermeister und Koch waren in’s Vertrauen gezogen worden und hatten schon eine ganze Woche lang die Vorbereitungen zu den Fest­lichkeiten betrieben, während der zurückgesetzte Erbe keine Ahnung von der ganzen Sache gehabt hatte.

Neu eintretenden Abonnenten werden auf Verlangen die bisher erschienenen Fortsetzungen des Romans „Alexa" gratis und franco nachgeliefert.

aber ohne böse Absicht; ich schwöre es Dir, Alexa! Es waren wilde, wahnsinnige Worte, aber sie be­deuteten keine Schlechtigkeit oder ein beabsichtigtes Verbrechen. Aber diejenigen, welche sie hörten, bewahrten sie in ihrem GedäLtniß, um sie zu einer Zeit zu wiederholen, wo jede Silbe ein Nagel zum Sarge Desjenigen war, der sie ge­sprochen hatte.

In derselben Nacht wurde James, Marquis von Montheron, ermordet!

In der Frühe des Morgens wurde er von seinem Diener gefunden, in seinem Blute schwim­mend. Lord Stralford Heroil hatte den größten Theil der Nacht außer dem Hause _ zugebracht, versuchend sein erhitztes Blut in der frischen Luft des Parkes zu kühlen. Er kaur durch eine Neben- thür in's Haus etwa um zwei Uhr Morgens und stahl sich hinauf in fein Zimmer. Er mußte an dem Zimmer seines Bruders vorbei. Er blieb eine Minute stehen, in der Absicht, seinen Bruder zu wecken zu einer zweiten Unterredung; doch be­dachte er sich und ging weiter. Als er leise und langsam dahinschritt, wurde er von dem Keller­meister gesehen, welcher auf dem Wege nach einem unteren Zimmer war, um nach Tropfen gegen Halsschmerzen zu fuchen. Lord Stratford sah

x Alcra

oder

Ans dunklen Wegen

Roman von E. Wagner.

Deutsches Reich.

Berlin, l5. October.

*** Der Bundesrath wird feine nächste Plenar­sitzung am Freitag ober Sonnabend abhalten. Wahrscheinlich wird in derselben auch die Abstim­mung über den Antrag Ackermann (§ 100e der Gewerbeordnung) stattfinden, an dessen Ge­nehmigung unter den Bevollmächtigten nicht mehr gezweifelt wird, nachdei« der Bundesrath in feiner letzten Sitzung sich der Mehrheit nach für den Antrag erklärt haben soll. — Das,Berl. Tagebl.' läßt sich aus Elbing telegraphiren, auf den bis­herigen fortschrittlichen Abg. Dirichlet sei ein — Attentat verübt worden. Die Sache ist einfach die, daß ein Unbekannter irgend einen Gegenstand gegen den Wagen geworfen hat, in dem Dirichlet saß. Die Wagenfenster sind kaput gegangen, Dirich­let ist erschrocken, gethan hat es ihm glücklicher Weise nichts. — In Folge allgemeiner Anweisung des Ministers des Innern an die Verwaltungsbe­hörden werden die Orts- und andere hierher ge­hörigen Behörden veranlaßt, dem Landrath mitzu- theilen, in welchen ländlichen Gemeinden ihrer Bereiche die Besteuerung öffentlicher Tanz­lustbarkeiten besteht, wie die Erhebung ge-

* Ueber die Kongo-Frage

schreibt man dem ,Bad. Beob.' aus Berlin: Seitdem die orientalische Frage verstummt ist, macht der schwarze und bis in die letzte Zeit so dunkle WelttheilAfrika der europäischen Diplomatie am meisten zu schaffen. Die egyptische Frage harrt noch der Lösung, die Zukunft des Sudans ist trotz englischer Siege noch sehr unsicher und schon er­hebt sich in Westafrika ein Streit, zu dessen Lösung sich demnächst die ganze europäische Diplomatie versammeln soll. Das Interesse, das die civilisir- ten Staaten an Afrika nehmen, ist aber auch er­klärlich. Während alle anderen Weltiheile entweder anerkannte einheimische Regierungen haben, oder auch als Kolonialgebiete europäischen Mächten un­terstehen, ist der größte Theil Afrikas jungfräu­licher Boden, seine Negerhäuptlinge und ihre Duo­dezstaaten zählen nicht int Weltkonzerte und sie finden sich in der Regel bereit, ihre Rechte gegen einige Fässer Rum und blinkende Kleinigkeiten ab-- zutreten, resp. ihr Gebiet unter das „Protektorat" europäischer Staaten zu stellen. Allerdings 'sind lange Küstenstrecken schon okkupi'rt. Abgesehen von Egypten und dem der Türkei unterstehenden Tri­polis, besitzt Frankreich seit den 30er Jahren Al­gerien und seit 1881 Tunis; Marokko ist als Sul­tanat anerkannt, die Südspitze befindet sich im eng­lischen Besitze und an den verschiedensten Punkten besitzen civilisirte Staaten kleinere Niederlassungen. Aber trotzdem ist in Afrika noch am meisten zu holen und zu annektiren. Hat ja auch Deutsch­land, bisher das Aschenbrödel auf dem Kolonisa­tionsgebiete, in letzter Zeit zugegriffen und sich weite Länderstrecken annektirt, deren Werth aber« dings noch sehr problematijch ist. Werthvoll da­gegen ist zweiffellos die Kongogegend, welcher all­gemein eine große Zukunft vorausgesagt wird. Ein Blick auf die Karte genügt, um die Richtigkeit die­ser Behauptung zu erkennen. Der Kongo ober