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Mittwoch, den 15. October

1884

Verantwortlicher Redakteur: L. Deibel in Fulda. -

Dru and Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (Ludwig Lo rb ach).

I .hätten nach dem Programme der Unternehmer zu erscheinen gehabt. Das Publikum, welches eingeladen war t tänc$ter äu /ungiren, hatte sich ziemlich zahlreich eingefunden, war aber sehr bald sehr erstaunt, nicht er­staunt zu sein. Emer sah neugierig die Nase des Anderen an und die Ueberraschung über so viele Normalnasen war em« allgemeine. Eine riesenlange Nase gab es doch, die nämlich, welche das Publikum machte, das zu dieser Nasen- schau gekommen war und alle seine Erwartungen um zahl-

I lose Nasenlangen geschlagen fand.

§ (Ein Kerzenauslöscher). Beim trüben Schein einer Kerze im Bette zu lesen, verdirbt die Augen und ist .^.übelsten Gewohnheiten zu rechnen, wenn man dabei einschlaft, welche Wirkung ein langweiliges Buch bisweilen auch bei fon|i munteren Leuten hervorbringen soll. Brennt nun die Kerze herunter, so kann leicht ein Brand dadurch • UJtb eS haben daher viele Erfinder sich bemüht, ”n Etel dagegen ausfindig zu machen. Das neueste ist der selbstthatige Kerzenauslöscher von L. Cordier-Pinel in Paris Die brennende Kerze wird mit dessen Hilfe nach «ner bestimmten und gewünschten Zeit, ohne Zuthun des Schlafenden oder Wachenden, ohne Gefahr ausqelöscht. Der Apparat besteht aus zwei Drahtklammern, welche, wenn die Kerze soweit h-runtergebrannt ist, den Docht umklammern und demselben dadurch die Nahrung entziehen, so daß das Licht verlöscht.

. § [®tn Andreas Hofer-Dokument.) Aus Ried mi Ober-Innthal wird dem .Tiroler Boten- geschrieben- Bei der Scartirung der hiesigen Gemeinde-Akten wurde nachstehendes Schriftstück aufgefunden: „Abschrift. Königlich Bayerisches Armeekorps Tagesbefehl. Der AndräHofer sogenannter Sandwirth und Haupträdelsführer in Tirol' der so oft sein gegebenes Wort brach und nicht aufhörte' das Volk durch falsche Eingebungen zu verführen, wurde soeben mit einem seiner Mitschuldigen durch die Truppen Er. Maiestät des Kaisers der Franzosen, Königs von Italien, welche Südtirol besetzt halten, aufgefanaen. Im

Sa kam des W-g's von Fern- ein römischer Mann zu Fuß, der sprach: guten Tag meine Herren, ich heiße Tacitus. -iiv

Von Ihres Landes Sitten schreib' ich eine Biographie, drum möchte ich Sie bitten, erklären Sie mir die.

Da schwiegen die alten Germanen und reichten ihm einen Krug: er trank in kurzen Zügen, sprach bald: jetzt hab ich genug.

Da lachten die alten Germanen auf beiden Ufern des Rheins, und ließen ihn spinnen und trinken noch eins und immer noch eins.

, , als er am anderen Morgen sich seinen Jammer besah, da schrieb er voller Rache in seine Germania:

Es wohnten die alten Germanen auf beiden Ufern des Rheins, sie liegen auf Bärenhäuten und trinken immer noch eins."

Dichter dieses Liedes ist der Amtsrichter Wilhelm Ruer m Trarbach an der Mosel.

S »Wovon existiren (Sie?" fragte die hohe Polizei.— „Ich lebe von der Hand in den Mund!" war die Antwort ~ xWas fürn Gewerbe?" - „Na, Zahnarzt natürlich!"

»Auch möchte ich Ihnen anrathen, nicht zu viel Bier zu trinken." — „O, Herr Doctor/ da können s ganz außer Sorg' sein, 's Bier wird mir nie z viel.

I Drvrfions-General Kommandirender des Königlich Bave- rischen Armeekorps unterzeichneter ReichSgraf v. Erlon Für gleichlautende Abschrift der Adjutant, Chef des Generalstabes: Boyer." - Als Erl-digung hat der da­malige Gemeindevorsteher Homobon Hüter die Worte darunter geschrieben: „Au weh!"

S Espenschied, im October 1884. Herr Bäckermeister Kraus, Wann thun Sie wohl am Brotpreis aus? Das Mehl ist gar nicht theuer, Auch billig Holz und Feuer Und sechsundvierzig Pfennig Für vier kleine Pfund: Diesen Preis erkenn' ich Für jetzt zu hoch und bunt. Dies thu' ich Ihnen sagen,

« Ze bald abschlagen. Ein Kunde.

8 Vor Gericht sind als Parteien Katz und Kater qe- laden. Zum Vertreter des Letzteren, der wegen rückständi- ger Mieth- verklagt ist, erscheint dessen Ehefrau. Nachdem der Aufruf Katz gegen Kater durch den Gerichtsboten er- Wflt *!*' treten die Parteien ein. Richter zu der Frau: „Sie sind also die Katz?" — „Nein, ich bin der Kater." Allgemeine Heiterkeit int Gerichtssaale, in welche auch Rich-

Parteien einstimmen müssen. — Diese heitere Ge- 'st als wörtlich wahr aus dem oberschlesischen Grenz- stadtchen M. berichtet worden. ’

§§ Das Lied von d-n alten Deutschen, welche „immer noch eins" tranken, lautet wie folgt:

„An einem Sommerabend im Schatten des heiligen Hams, da lagen die alten Germanen und tranken immer noch eins.

, I ,n Trauerhausern v wiegten und zwar so, daß sie ab- warteten, bis die Trauernden sich zum Leichenbegängniß

> begaben und inzwischen die Wohnungen erbrachen und aus- räumten. Drei bestrafte Subjekte, die sich zur Cultioirung dieser neuen Branche im Diebstahlshandwerk associirt hatten

I sind hinter Schloß und Riegel gebracht. — Soldaten mit ^rsch-edenen Probe-Ausrüstungen sieht man jetzt täglich in den Straßen. Sie werden dem Kriegsminist-rium vorgestellt. Die Tornister sind meist von dunklem, wasser- EPSZWWL1 iä» atä die bisherigen, mit Fell bezogenen.

8 I" der großen Karthause zu Grenoble hat sich vor einigen Tagen ein beklagenswerther Unfall ereignet. Die Mönche des Klosters, vierzig an der Zahl, machten ihren gewöhnlichen wöchentlichen Spaziergang auf den hart an dasselbe stoßenden Berg, als sich plötzlich gerade über ihren Köpfen einige Felsstücke ablösten und mit donnern­dem Gekrach herabstürzend fünf derselben im Schutt- be­gruben. Mit großer Anstrengung gelang es, dieselben her- vorzuzrehen, aber einer war bereits tobt und die anderen stark verletzt; doch hofft man dieselben zu retten. Der Verunglückte, welcher sein Leben eingebüßt hat, heißt Don Augustin, ist aus Lyon gebürtig und erst 32 Jahre alt.

8 Die Frage, was ein Kritiker empfindet, wenn er seine Kritiken verfaßt, namentlich aber, ob er, wenn er einen Tadel ausspricht, dies mit der Absicht thut, zu beleidigen, hat neulich in Stettin das Schöffengericht beschäftigt. Der Direktor des daselbst bestehenden neuen „Conservatoriums der Musik", Herr W., hatte am 11. Februar d. I. ein Concert veranstaltet, das u. A. auch in einer Leipziger Musikzeitung in stark absprechender Weise kntlsirt war. Das Spiel des Herrn W. auf der Geige war als unrein, die Ausführung der von diesem vorge­tragenen „Ungarischen Tänze" von Brahms als „böhmisch" bezeichnet worden. Herr W. fühlte sich durch diese Kritik schwer verletzt und richtete an den Redakteur des genannten Blattes zwei Briefe, in derem letztem er d-n betr-ffenden Recensenten mit verschiedenen beleidigenden Ausdrücken be­legte. Es ist leider, wie wir bemerken wollen, keine un­gewöhnliche Erscheinung, daß Künstler, deren künstlerische Leistungen einzig und allein von der Kritik angefochten werden, ihre Antikritiken mit einem Angriff auf die per­sönliche Ehre des Kritikers würzen. Der beleidigte Recen- sent war nun in diesem Falle nicht gesonnen, die Belei- digMg ruhig hinzunehmen. Er strengte gegen Herrn W. die Beleidigungsklage an, der seinerseits Gegenklage erhob indem er namentlich sich auf den in der Recension ge- brachten Ausdruck „böhmisch" bezog, in welchem er eine beleidigende Anspielung auf seine Nationalität erblicken zu muffen glaubte. Der Gerichtshof trat dieser Auffassung des Gegenklägers nicht bei, erklärte sich vielmehr dahin, daß es einem Recensenten, den eine Redaktion zu diesem Zwecke angestellt und den sie daher auch zur Ausübung dieses Berufes für qualifizirt erachten mußte, freisteht sich über em- öffentliche Kunstleistung frei zu äußern, so lange er nur die Form der Beleidigung ver­meide. Das Gericht erkannte, indem es die Gegenklage verwarf, gegen Herrn W. wegen Beleidigung des Recen- fenten auf eine Geldstrafe von 30 Mark, eventuell von 5 Tagen Äefängniß. Der Staatsanwalt hatte 100 Mark Beantragt.

§ [Ser Nasen-Conzreß.) Dor einigen Tagen war m Wien in den Drei-Engel- Sälen eine Versammlung der größten Nasen Wiens ausgeschrieben. All- Diejenigen, bei denen dieser unentbehrliche Th-il des menschlichen Ge- sichts mit besonderer Vollkommenheit räumlich ausgebildet

LZ w e 4 t e s B l a t t. I vor, daß er seine Zeitung aus Bewilligung des __ - ----------- Ehs vor zwei Jahren angefangen habe. Da

äMP Bestellungen auf das IV. °ie’e Bennlllgung aber nicht beigebracht werden Quartal 1884 der »Fuldaer « te' erging der Rathsbeschluß: „Actum in

der Expedition noch fortwährend uff ihre Gefahr zu drucken gestatten und daneben enrgegengenommen. Die Nachlieferung der Birghden, wegen seiner verübten Ungebühr stattlich bereits erschienenen Exemplare erfolgt auf Weg sagen lassen soll.") Im Jahre 1618 Verlangen. I folgte dann der ,Postreuter', der in

b-ssses-k-bsss-ssb——-—- »"/da herauskam, und beinahe ebenso

* Aur Geschickte der frühe Spuren hat man von Nürnberger,

O r c Zerrungen. Augsburger und Brüsseler Zeitungen.

entstanden 1536 als Hand- Wie zahlreich aber im achtzehnten und neunzehnten .^r Tagesneuigkeiten in Jahrhundert die Zeitungen geworden sind, bedarf AuUen. Aehnuch eingerichtet waren die gesandt- keiner weiteren Ausführung.

schaftlichen Berichte. Die früher gewöhnlichen Flug- ——____________________________________________

blätter und Relationen von wichtigen Ereignissen

sind als Vorläufer der Zeitungen zu betrachten. DctmifdltcS.

ein englischer Merkur erschien 1588 zu London, § Berlin, 13. Oct. Der hiesigen Criminglpolizei ae. eine ^ofjeitung «m 22. August 1642 zu Oxford, sang -s, der frechen Diebe habhaft zu werden, welche sich In Deutschland finden sich Spuren von Relationen m längster Zeit auf Diebstähle r-sp. Einbruchsdiebstähle zuerst zu Augsburg und Wien (1524), zu Regens- .......... ~ ‘

bürg (1528), zu Dillingen (1569), zu Nürnberg (1571), wo sie anfangs in Briefform erschienen, und zwar gedruckt, jedoch ohne Angabe des Druck­orts oder einer Nummer. Kriegsvorfälle und Na­turerscheinungen waren die Lieblingsmaterien. Schon

den Zeiten der Armada (1588) veranlaßte die Königin Elisabeth in England eine fortwährende Bekanntmachung der Kriegsvorfälle, und der dreißig­jährige Krieg gab einer eigenen englischen Kriegs­chronik die Entstehung. Nach dieser Zeit entstan­den in England Merkuries und Zeitungen ohne Zahl. Allein sie waren nicht nach der Form der heutigen Zeitungen verfaßt. Die ersten eigentlichen Zeitungen sind: 1. Der,Public Jntelligencer' und 2. die .London Gazette' von 1665. In Deutsch­land hingegen hatte man schon seit Anfang des siebzehnten Jahrhunderts fortlaufende Neuigkeits- blätter, und zwar kann man als das erste derselben ansehen die „Aviso, Relation oder Zeitung. Was sich begeben und zugetragen hat, in Deutsch- und I Welschland, Spanien, Niederlande," vom Jahre 1612, von welcher zwar nur einzelne Blätter exi- stireu, welche aber, weil sie numerirt, auf ein fortlaufendes Erscheinen schließen lassen. Unmittel- bar hierauf folgend, und wegen seines unausgesetzt fortlaufenden Erscheinens als die erste eigentliche Zeitung in deutscher Sprache zu betrachten, ist das ,Frankfurter Journal', welches drei Jahre später von dem Buchhändler Emmel daselbst (1615) herauszugeben angefangen worden. Diesem folgten dann alsbald (1617) die ,Postavisen', von dem Postmeister van der Birghden veranstaltet, welche einen merkwürdigen Rechtsstreit von Seiten Emmels veranlaßten. (Emmels Klage ging dahin: Ew. Edlen und fürsichtigen Weisheiten tragen gnädige Wissenschaft, daß ich die Zeitungen zuerst ange- fangen, auf meine Kosten und Verlag zu drucken, solches auch bisher kontinuirt rc., und seine Bitte: als werde ich verursacht, Ew. Evle und fürsichtiqe Weisheiten unterthänig zu bitten, daß Sie groß­günstig geruhen, mir behülflich zu erscheinen, und mich bei demjenigen, was ich bei zwei Jahren ge­druckt und vor andern Druckern hergebracht, Hand­zuhaben rc. Er bezieht sich dabei auf einen Brief von dem Peter Marschall, der ihm am 18. Ja­nuar 1617 geschrieben: Der Postmeister zu Frank- furt habe ihm eine Zeitung angeboten, welche sei­ner Sage nach frischer sein soll, als die andere Emmel erhielt auf seine Bitte ein Verbot an den Postmeister van der Birghden, der als Frankfurter Burger dortiger Gerichtsbarkeit unterworfen war. 1 Birghden blieb aber bei seinem Unternehmen, und ! leistete nicht Folge. Emmel stellte darauf nochmals i

ÄtlMg.

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