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Mittwoch, den 15. October

1884.

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Die , ^uldner Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltig« Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Erstes Blatt.

* Ein zeitgemäßes Mahnwort.

Die Zeit ist wieder gekommen, wo die K a l e n d e r- kolporteure das Land unsicher machen, an allen Thüren anklopfen und selbst bis zum Dachstübchen hinaufsteigen, um ihre Waare an den Mann zu bringen. Leider wird vielfach unter den Namen „Kalender" ein Schund verkauft und theuer be­zahlt, der nichts anderes verdient, als ins Feuer geworfen und verbrannt zu werden. Welche elende Sudelei von Erzählungen, welche Verhöhnung jeder guten Sitte, welche Verspottung alles Heiligen und Uebernatürlichen macht sich da breit! Vor allen aber hat es die schlechte Kalenderliteratur auf die katholische Kirche, ihre Diener und Ein­richtungen abgesehen. Die Wahrheiten des Glau­bens werden entstellt und in's Lächerliche gezogen, Papst, Bischöfe und Priester zum Gegenstand des Spottes, der Lüge und Verleumdung gemacht, die Gebräuche der Kirche verzerrt und bespöttelt. Traurig ist e», daß man solchen Kalendern nicht selten sogar in katholischen Familien begegnet. Sollte man so etwas für möglich halten? Haben denn solche Katholiken so wenig für ihre Kirche übrig, daß sie die Beleidigungen und Verhöhnun­gen dieser ihrer geistigen Mutter nicht bloß ruhig hinnehmen, sondern mit ihrem guten Gelde be­zahlen? Denken denn die Eltern gar nicht an die schwere Verantwortung, die sie einstens abzu­legen haben, wenn sie solches Schund- unv Schanv- zeug offen auf den Tisch legen und in die Hände ihrer Kinder geben? Oder hat unsere heutige Jugend noch nicht Gefahren genug zu be­stehen , um ihren Glauben und ihre Un­schuld zu bewahren? Müffen auch noch die eigenen Eltern mithelfen, diese Gefahren zu ver­mehren und selbst das Gift in die Herzen der Kin­der zu streuen? Man täusche sich nicht! Ein schlechter Kalender ist weit gefährlicher als ein anderes nichtsnutziges Buch. Dieses wird nur einmal gelesen und dann bei Seite gelegt, der Ka­lender dagegen wird immer und immer wieder her- vorgeholt und gelesen. Vergeffe man doch die Maxime nicht, nach der die schlechten Kalender­macher verfahren: „Verleumde nur wacker drauf los; es bleibt immer etwas hängen!" Glaubt auch mancher Leser das nicht, was der Kalenderfabri-

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oder

• Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

10. Kapitel.

Ein Familien-Drama.

Alexa harrte in banger Erwartung und klopfen­den Herzens der Erzählung ihres Vaters, welcher noch immer am Fenster stand, den Blick hinaus­gerichtet in die finstere Nacht. Der Trieb, seiner Tochter die schreckliche Geschichte zu erzählen, war stark in ihm; aber er wußte doch nicht, wo er be­ginnen sollte. Die Ereignisse der Vergangenheit schwirrten ihm wild durch den Kopf. Heimathlos stand er da — ein Fremdling im fernen Lande — ein Flüchtling, der nicht wußte, wohin er sei­nen Fuß lenken sollte. Seit Monaten hatte sich seiner ein unsägliches Heimweh bemächtigt; seitdem er Lord Kingscourt zum ersten Male gesehen, war die alte Liebe zu seinem Vaterlande mit unwider­stehlicher Heftigkeit in ihm erwacht. Er hatte seine Bürde Jahre lang tapfer getragen, jetzt aber wurde sie ihm zum Erdrücken schwer, und das Verlangen nach menschlicher Theilnahme wurde immer mächtiger.

Es schien ihm manchmal, als müsse sein Geist

kant gegen [bie Kirche zusammenlügt, so setzt sich doch^nach und nach ein gewisser Zweifel in seinem Herzen fest. Weil diese Schmähungen sich mit großer Bestimmtheit und Sicherheit in der Be­hauptung einführen und weil sie gedruckt vorlie­gen, kommt gar Mancher schließlich zu der Mei­nung, vielleicht sei doch etwas an diesen Erdichtun­gen, vielleicht sei es doch wahr, was hier über Papst, Bischöfe, Priester und Ordensleute geschrieben steht! Darum sei man auf der Hut, wenn Kolporteure die Wohnung betreten. Am besten thut man daran, wenn man diese Leute, sofern sie einem nicht als zuverlässig bekannt sind, ihre Waare gar nicht auskramen läßt, sondern sie einfach da hinausweist, wo sie herein gekommen sind. Wir haben gar nicht nöthig, Bücher und Kalender von solchen Hausirern zu kaufen. Allenthalben bietet sich Gelegenheit, von einem katholischen Buch­händler dieselben zu beziehen. Und was speziell die katholischen Kalender betrifft, so haben wir darin eine so reiche Auswahl, daß man nicht in Verlegenheit kommen und keine Entschuldigung dafür beibringcn kann, wenn man einen schlechten Kalender kauft. Die Namen der guten Kalender, sind nachgerade so bekannt geworden, daß man gar nicht mehr die Ausrede machen kann, man sei im Zweifel gewesen, welchen Kalender man kaufen solle. Was man auf diesem Gebiete nicht kennt, und was die katholischen Zeitungen nicht ausdrücklich empfehlen, da« halte man aus seinem Hause fern, will man sein Gewissen nicht belasten und zum Schlechten, insbesondere zar Berderbnih der Jugend beitragen.

Indem wir unseren Lesern zunächst den bekann­ten „Fuldaer katholischen Kalender für das Jahr 1885", welcher dieser Tage im Verlage der „Fuldaer Aktiendruckerei" erschienen ist und nur 20 Pfg. kostet, auf's Beste und Wärmste empfehlen, werden wir nicht verfehlen, in einer besonderen „Kalenderschau" auch auf die übrigen katholischen Kalender pro 1885 hinzuweisen.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. October.

V DasGesammtergebniß der diesjährigen Ernte im Königreich Preußen gestaltet sich wie folgt:

Wintergetreide (Weizen und Roggen) hat — mit Ausnahme der Bezirke Breslau, Merseburg, Erfurt, Han-

sich verwirren unter der Aufregung der erschüttern­den Erinnerungen, als müsse ihm die Brust zersprin­gen im Sturm der widerstrebenden Einpfindungen.

Er wandte sich vom Fenster ab und schritt ge­senkten Hauptes und mit über der Brust gekreuz­ten Armen im Zimmer auf und ab. Er schien ver­gessen zu haben, daß er seiner Tochter seine Lebens­geschichte erzählen wollte. Lange herrschte tiefes Schweigen, welches endlich Alexa mit ihrer sanften Stimme brach.

„Vater," sagte sie schmeichelnd, „es wird Dir zu schwer, Dein Geheimniß mir zu erzählen. Ich will nicht darauf bestehen, es zu hören."

Mr. Strange fuhr wie aus einem Traume em­por und sah das Mädchen mit trüben Augen an.

„Du hast ein Recht, es zu kennen," sagte er. „Der Himniel vergebe mir, wenn ich Dir eine zu große Last aufbürde, mein armes Kind. Ich hatte gehofft, Dir die schreckliche Wahrheit zu verbergen, Dir stets Alles zu sein. Ich hatte gedacht, daß Du in der Abgeschlossenheit unserer griechischen Heimath, wohin in 16 Jahren kein Fremder ge­kommen, ein langes, friedliches Leben würdest füh­ren können, keine andere Liebe kennend, als die zu Deinem Vater; das Schicksal aber hat es anders gefügt. Die Liebe hat den Weg zu Deinem Her-

nover, Lüneburg und Aurich, in denen kaum ein mittel­mäßiger Ertrag zu verzeichnen ist — eine gute Mittelernte im Erdrusch und einen überaus hohen Strohertrag gelie­fert. Wo der Körnerertrag ein weniger reichlicher ist, scheint die Menge des geernteten Getreides, sowie der hohe Strohertrag den Mangel an Körnern auszugleichen. Dem weiteren Umsichgreifen des im Mai und Juni hier und da aufgetretenen Rostes hat die trockene Witterung des Juli Einhalt gethan und sind die Schädigungen nicht in dem befürchteten Maße eingetreten. — Dasselbe gilt von dem Sommergetreide. Gerste und Hafer haben fast überall mindestens eine Mittelernte, vielfach eine reichliche Ernte bei sehr reichlichem Strohertrage ergeben, nur in zwei Be­zirken (Gumbinnen und Stettin) ist das Stroh kurz ge­blieben. — Die Kartoffelernte hat im Großen und Ganzen — wenngleich fast überall die Qualität der Kar­toffeln eine gute ist — quantirativ das Maß einer Mittel­ernte nicht überschritten, da die Knollen in Folge der an­haltenden Dürre meist klein geblieben sind; in den Bezir­ken Liegnitz. Aurich, Arnsberg, Wiesbaden, Koblenz, Trier, Aachen, Düsseldorf und Sigmaringen ist jedoch das Ergeb- niß ein durchaus befriedigendes gewesen. — Bei den Zuckerrüben ist — mit Ausnahme der Bezirke Liegnitz, Merseburg, Schleswig, Minden und Sigmaringen, in denen der Ertrag einer guten Mittelernte gleichkommt — die Ernte quantitativ nur gering ausgefallen, da die Rüben in Folge der andauernden Trockenheit sich nicht genügend entwickeln konnten; dagegen wird ihr Zuckergehalt fast all­seitig gerühmt. — Heu und Futterkr äuter endlich haben durchweg einen außergewöhnlich reichen Ertrag bei vorzüglicher Qualität geliefert.

• Es ist nicht ohne Interesse, zu hören, wie der Richter'sche .Reichsfreund' die deutsch-freisinnigen WählerüberZähl-Kandidaten belehrt. „Zähl- Kandidaten stellt eine Partei nur in solchen Wahl­kreisen auf, in denen sie von vornherein auf den Sieg verzichten muß. Die Parteigenossin werden daselbst, öffentlich, anfaeforde-t, ihre Stimmen auf einen bestimmten Parteigenossen zu vereinigen, sie also nicht auf ein Mitglied einer andern Partei abzugeben und sich nicht der Wahl zu enthalten. Im erstern Falle würden die Stimmen in der amt­lichen Statistik einer andern Partei zugezählt, im letztern Falle überhaupt nicht mitgerechnet. In beiden Fällen entstände dadurch ein unrichtiges Bild von der Stärke der Partei; diese würde schwächer erscheinen, als sie in der That ist. Und das ist nicht gut. Denn je stärker die Partei im Lande ist, desto mehr flößt sie der Regierung und den Gegnern Respekt ein, desto mehr müssen diese mit ihr rechnen. Zähl-Kandidaten aufzustellen, mahnt deshalb die deutsche freisinnige Partei ihre Partei­genossen in allen denjenigen Wahlkreisen, in denen die Partei zu einem ernstlichen Wahlkampfe zu schwach ist. Zu Zähl-Kandidaten wählt man ent«

zen gefunden, selbst in unserem einsamen Thale, wo wir wie Einsiedler lebten."

Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust. Er setzte seinen Gang durch's Zimmer fort.

„Es steht geschrieben, daß die Sünden der Väter heimgesucht werden sollen an den Kindern," sprach er weiter, „und wir mögen wohl hinzufügen: auch das Unglück der Väter. Der Fluch, der Dein un­schuldiges Haupt trifft, Alexa, ist derselbe, der zu- erst auf mich fiel. Du bist von der Welt ausgestoßen durch mich —"

„Vater!" seufzte Alexa.

„Gern würde ich gestorben sein, hätte ich Dir ersparen können, was Du bereits erduldet hast," sagte Mr. Strange mit einer Traurigkeit, welche seine Tochter tiefer bewegte, als ein Ausbruch der Verzweiflung. „Wäre Lord Kingscourt nicht nach Griechenland gekommen, könnten wir vielleicht heute noch zufrieden und glücklich in unserem Hause leben. Sein Kommen hat all' das Unheil über uns gebracht."

„Er hat uns kein Leid zufügen wollen, Vater. Er war das unschuldige und unbewußte Werkzeug der Vorsehung."

Mr. Strange wiegte zuftimmcnd sein Haupt.

„Laß mich denn meine Geschichte erzählen, ehe ich wankend werde," begann er nach kurzem Schwei-