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Dienstag, den 14. October

1884.

Fuldaer

eilung

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Die Würde der Presse.

Fulda, 14. Oct. 1884.

** Wenn wir heute einen Leitartikel über die „Würde der Presse" schreiben, so veranlaßt uns hierzu ein besonderer Vorfall, der sich dieser Tage zwischen dem hiesigen .Kreisblatt' und der .Fuldaer Zeitung' abspielte und der unseren Lesern bekannt ist. Wir meinen die Adreßbuch. Ange­legenheit. —

Daß es zwischen Blättern ebenso gut wie zwischen einzelnen Personen und Parteien mitunter zu Meinungsdifferenzen kommen muß, das erleben wir in politischer Beziehung tagtäglich. Niemand wundert sich darüber. Die Politik erfordert diesen Kampf.

Weniger alltäglich sind die Zeitungsdifferenzen auf lokalem Gebiete. Und eben deshalb, weil sie nicht gewohnheitsmäßig vorkommen, wirken sie um so auffallender und wollen um so vorsichtiger durchgeführt sein. Je kleiner die Stadt, und je unwichtiger der Fall, desto peinlicher die Aufgabe, bei aller Schärfe sachlicher Kritik jede persönliche Verletzung und jede Herabwürdigung der Presse fernzuhalten. Es erfordert darum die Polemik, welche sich auf Fragen letztgenannter Art erstreckt, einen höheren Grad von Bildung und Taktgefühl, als der bloße politische Meinungsaustausch. Wir wollten damit nur andeuten, daß es nicht so ganz nebensächlich ist, Streitfragen lokaler Natur ehr« lich und mit Würde durchzufechten. Die. Schwierig­keit liegt aber gewöhnlich nicht sowohl in dem streitigen Gegenstände selbst, denn bei gutem Willen und gesundem Verstände wird auf der Welt gar Manches in's Reine gebracht, als viel­mehr in der Kunst, gemachte Fehler zu rechter Zeit öffentlich einzugestehen oder, sofern man selbst der Gekränkte ist, die Stiche des Gegners ohne Leidenschaft hinzunehmen. Der sachlich inaugurirte Kampf endigt alsdann in der Regel auf der einen oder anderen, wenn nicht auf beiden Seiten mit persönlichen Beleidigungen, di? den Unwillen aller gebildeten Leser Hervorrufen. Die Zeitung geht dabei ihrer Autorität verlustig, und das ist um so schlimmer, weil die Prefle auch eine volksbildende, pädagogische Aufgabe hat.

Wie stellt sich nun unser Fall zu dem eben Ge­sagten?

Wir haben den Hergang der Sache bereits ge­

schildert und dürfen ihn als bekannt voraussetzen. Es kann sich also nur mehr darum handeln, ob das ,Kreisblatt' die längere Vertheidigung, zu welcher es uns herausgefordert hatte, und welche in zwei Artikeln erfolgte, als zutreffend anerkennen oder als irrig abweisen muß.

Was thut aber das ,Kreisblatt'? Widerlegt es unfern Pertheidigungsartikel? Oder widerlegt es die „Erwiderung" unseres Hrn. Einsenders, wel­cher ein ganzes Register von Ungenauigkeiten und sogar wichtigen Auslastungen beigefügt war? Oder weist es vielleicht irgend welche Beschimpfungen zu­rück, die wir ihm angethan? Nein, das Alles suchen wir, nachdem seine letzte Nummer gar nichts über die ganze Angelegenheit zu sagen wußte, auch in der neuesten Nummer vergebens. Und doch findet sich in dieser abermals ein spaltenlanger diesbe- treffender Artikel.

Die Redaktion des .Kreisblattes^, so heißt es anmerk­ungsweise, läßt sich von „befreundeter Seite einen Bericht eines Korrespondenten eines angesehenen auswärtigen Blat­tes zur Verfügung stellen, den es seinen Lesern nicht vor­enthalten will, damit durch denselben die leidige Angelegen­heit des Adreßbuches (man beachte den Stil) ihren heiteren Abschluß finde"

Die Redaktion des .Kreisblattes' läßt sich, neben­bei gesagt, gleichzeitig von ebendemselben Korre­spondenten in ihrem friedlichen Vorhaben „des- avouiren" durch dessen Schlußworte: „Weitere Berichte lasse ich bei wichtigen Vorkommnissen folgen".

Doch die Red-aktion des ,Kreisbleiter', welche mir in dieser Sache selbst zu sprechen wünschten, weil sie uns auch selbst dazu eingeladen hatte, finden wir ja, wie gesagt, nicht zu Haus», und so müssen wir uns denn, ohne indiscret zu werden und weiter hinter die Koulissen zu leuchten — an den sogenannten Herrn „Korrespondenten eines angesehenen auswärtigen Blattes" verweisen lassen, den wir diesmal am Redaktionstisch des hiesigen ,Kreisblattes' antreffen.

Nun denn, Herr Korrespondent, auch ein Wort mit Ihnen! Sie haben's mit der Wahrheit nicht so genau genommen, weil es Ihnen weniger um diese, als um das Zustandekommen eines Artikels zu thun war. Es mußte doch anstandshalber etwas erwidert werden. — Sie haben weniger die stra­tegischen Gesichtspunkte der beiden Gegner, als vielmehr die Bearbeitung des lesenden Publikum's in's Auge gefaßt. Sie haben das Feld nüchterner

Beweisführung links liegen lassen und haben in Nachäffung unserer erzählend satyrischen Dar­stellungsweise so viel leere Redensarten angesam­melt, daß uns zu einer Recension en detail aber­mals die Zeit fehlt. Sie „konnten in Ihrer Ver­legenheit nicht umhin" — die ganze vom.Kreisblatt' so bitter ernst intonirte Ouvertüre in's Lächer­liche zu ziehen und die ganze Fuldaer Localpresse derLächerlichkeit zu überantworten. Man wollte sich mit leeren Witzen aus der Patsche wieder heraushelfen. Wenn wir uns die Mühe neh­men, Ihnen dabei auf die Finger zu sehen, so geschieht es nur im Interesse der Würde und des Ernstes, dessen sich die Presse nicht selbst berauben darf. Wir begreifen nicht, wie sich eine Redak­tion, „im eigenen Interesse", zur Aufnahme eines solchen Artikels hergeben kann. Wenn wir Miene machten, mit dem .Kreisblatt' in Frieden zu leben, so verdient diese Absicht doch wahrlich nicht, daß man sie hinterher mit Worten wie „SchmolliS" u. dgl. in's Lächerliche zieht. Und wenn Sie u. A. behaupten, der Redakteur ds. Bl. habe in seiner Erwiderung „eine große Zahl der olympischen Götter citirt", so gestatten Sie doch wohl die leise Anfrage, welchem dieser Götter Sie neben dem blitzschleudernden Zeus, auch genannt Jupiter, in dem Artikel zu begegnen die Ehre hatten. Auch wähnen Sie im Dreizack Jupiters eine Verwechslung mit Neptun zu finden, und doch wissen Sie recht gut, daß man, ohne dem Herrn Neptun zu nahe zu treten, doch den Zickzack des Blitzes symbolisch auch mit Dreizack bezeichnen kann. Und wenn Sie behaupten, daß wir für den folgenden Tag einen weiteren „unge­heuer witzigen" Artikel angekündigt hätten, so sind Sie mutterseelenallein in der glücklichen Lage gewesen, eine solche Ankündigung zu lesen. Alle anderen Leser wissen nichts davon. Die „Heiterkeit" von welcher die Rede war, ist nicht ausgeblieben. Daß Sie und mit Ihnen auch andere Herren sich darüber geärgert haben, ist ja erklärlich. - Wenn man in die Welt posaunt „de^ Name des Verfassers bürgt schon allein dafür rc." und hinterher nicht mit „Handel Stieb" sondern mit einem wahrhaft erdrückenden Register von Ungenauigkeiten mund- tobt gemacht wird, so ist das allerdings keine Entdeckung, die zur Heiterkeit anregt. Wir begreifen den Schmerz voll und ganz.

Sie vermuthen, Herr Korrespondent, daß das

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Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Wenige Minuten später befanden sie sich am Bord des Schiffes. Die Segel wurden gehißt, die Anker gelichtet und die Dacht setzte sich langsam in Bewegung. Mr. Strange und seine Tochter nahmen auf einer Bank Platz und sahen nach dem Lande zurück, in der Erwartung, zum Ab­schied noch einen Schimmer von der alten lieben Heimath zu entdecken; aber es war so dunkel, daß sie nicht einmal die Umrisse des Hauses am Himmel abgegrenzt sahen.

Die Dacht war in vollem Lauf, getrieben von einem frischen Luftzug, als den Flüchtlingen noch ein Anblick ihrer Heimalh zu Theil wurde, aber ein solcher, wie sie ihn nicht gewünscht und nicht erwartet hatten. Einzelne Blitze zuckten auf, schwere, dunkelrothe Rauchwolken quollen empor, und kaum eine Minute später brachen die Hellen Flammen au», immer mehr sich ausbreitend, den Himmel mit glühendem Roth färbend und die Umgegend mit Tageshelle erleuchtend. Das Haus brannte! Die jahrelange, sichere Zufluchtsstätte

des Geächteten, das friedliche, trauliche Heim des Einsiedlers, in welchem er sogar zu Zeiten seinen Kummer hatte vergessen können, der Ort, wo die glückliche Kindheit des Mädchens verronnen, der Ort, wo die Jungfrau ihre süßen Träume ge­träumt — war durch rohe, mordlustige und rach­süchtige Wütheriche der Zerstörung durch Feuer preisgegeben. Und um das brennende Haus herum bewegten sich bunte Gestalten, die in der rothen Gluth wie bei ihrer Höllenarbeit beschäftigte Teufel aussahen.

„Unsere alte, liebe Heimath," seufzte Alexa.

„Ich hatte gehofft, das Grundstück in Athen zu verkaufen," sprach der Vater; „aber diese Schurken werden, da sie einmal mit ihrem Zer­störungswerk begonnen, nicht eher ruhen, bis alle Gärten und Anlagen in eine Wüste verwandelt sind."

Die Dacht flog vor dem stärker werdenden Winde wie ein Pfeil dahin, und die brennenden Ruinen entschwanden allmälig den Blicken der Fliehenden. Die Nacht war kühl und Alexa begab sich in die kleine Kajüte und legte sich auf das Sopha. Sie schlief diese Nacht nicht, sondern lauschte den Tritten ihre» Vater», welcher gedanken­voll auf dein Verdeck auf- und abging, horchte

auf das zeitweilige Rufen' der Schiffer, auf da» Knarren des Tauwerks und das leise Plätschern des Wasser» am Schiffe; dabei dachte sie an ihren Geliebten, der nun doppelt für sie verloren schien, da er nicht wußte, wo sie sich ein neues Asyl gegründet hatten.

Beim Anbruch des Morgens ankerte das Schiff am Piräus. Mr. Strange brachte seine Tochter an's Land und in ein Gasthaus, ging dann an's Schiff zurück, um die Ausladung des Gepäcks zu bewachen. Nachdem dies geschehen, fuhr er mit seiner Tochter mit dem ersten Zuge nach Athen, wo sie in einem Hotel zwei Zimmer mietheten und sich als Mr. Staffo und Tochter in's Fremden­buch eintrugen.

Alexa im Hotel zurücklassend, begab sich Mr. Strange zu seinem Agenten, dem er nach kurzer Verhandlung das Schiff nebst Ladung für drei Viertel des wirklichen Werthes verkaufte. Er theilte dem Agenten sein Mißgeschick mit und be­auftragte ihn, das Grundstück zu besuchen und zu jedem nur einigermaßen annehmbaren Preise zu verkaufen.

„Sie wollen nicht zurückkehren?" fragte der Agent verwundert; „selbst nicht, wenn Spiridion gefangen werden sollte?"