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□ Replik.

II.

Die Würdigung der an den Gründen, womit ich meine Wahltheorie stützte, geübten Kritik darf sich ganz kurz fassen. Die angestrebte Entkräftung meiner Gründe ist offenbar mißlungen. Die Gegner der Centrumspartei, namentlich die in dem offiziösen und offiziellen Deutschland heim­lich und öffentlich gegen dieselbe kämpfenden Geg­ner, würden sich nach vollzogener Reichstagswahl wenig darum kümmern, daß man in der Centrums­presse so und so viel Stimmen von der auf die Konservativen abgegebenen Gesammtsumme subtra- hirte und der auf Centrumsmänner lautenden Stimmenzahl addirte. Im ,Reichsanzeiger,' in der .Norddeutschen' rc. würde man einfach lesen: Das Centrum erhielt .... Stimmen gegen .... in 1881. Die Räsonnements, die nun folgen würden, wenn die erste Zahl kleiner als die zweite wäre, laffen sich voraussagen. „Also", würde es heißen, „hat das deutsche Volk abermals ge- zeigt, daß es die Opposition des Centrums gegen die Negierung allmählich müde wird; daß es den­jenigen Parteien seine Unterstützung in erhöhtem Maffe leihen wird, welche wirklich politische Par­teien sind und sich berufen fühlen, zu positivem Schaffen für das innere Wohl des Reiches rc." Diese offiziellen und offiziösen Auslaffungen würden in tausend Blättern an allen Ecken und Enden des deutschen Vaterlandes wiederholt und später einmal „auf Grund dieser Wolke von Zeugen" als unumstößliche Thatsache in den Annalen des deut- fchen Volkes eingetragen. Die nämlichen Auslas- fungen würden auch gewissen hochstehenden Pr- fonen als unantastbare Wahrheiten zu Ohren ge­bracht und nach Bedürfniß verwerthet. Dann würde es heißen: Windthorst hat seinen Anhang verloren. Seine Amberger Rede Hal gar nichts genützt. Die Konservativen aber würden mit Recht

23)

(Nachdr. oerb.)

x Alrra

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Manchmal erschrak er bei einem leisen Geräusch, meinend, es seien Fußtritte, unv einige Male schlich er nach dem Zimmer seiner Tochter, um sich zu überzeugen, daß sie noch sicher sei und fchlase.

Er unterwarf die Karten von Grreck-nland, der Türkei, von Rußland und andere einer sorgfältigen Prüfung, aber er konnte zu keinem Entschluß gelangen. Seufzend erhob er sich und ging lang­sam im Zimmer auf und ad, indem er murmelte:

„Ich muß weiter nach Osten gehen. Je weiter von England entfernt, desto besser. Am liebsten möchte ich mir eine Oase in der Wüste Sahara aufsuchen, eine Oase, so klein, daß sie nicht einmal von Arabern besucht wird. Dort könnten wir, Alexa und ich, mit einigen Negern als Diener ruhig leben und — sterben. Lord Kingscourt fragte,, was aus Alexa werden würde, wenn ich tobt wäre. Diese Frage beunruhigt auch mich. Könnte sie doch in irgend ein Stift gehen, damit ich diefer schweren Sorge enthoben wäre. Sonder­

folgendermaßen kalkuliren: Die Gesinnungsgenossen der Centrumspartei haben uns bei der 1882er Reichstagswahl so wacker unterstützt, sie h^ben fogar für uns in ihren eigenen Rerhen mit allem Nachdruck agitirt, obwohl wir unsere Versprechen nicht gehalten hatten, sie werden sich daher bei der nächsten Reichstagswahl gewiß ebenso stellen, wenn wir auch „der schwierigen Um­stände wegen" wiederum nichts für ihre religiöse Freiheit thun rc.

Daß solche Folgen nicht eintreten, daftzr müssen wir sorgen, so lange es noch Zeit ist. ■ Jetzt liegt der 28. October noch vor uns. Wir haben es noch in der Hand, die Summe der Centrumsstim- men auf eine Achtung- und Schweigen gebietende Höhe zu bringen. Noch können wir den Namen Windthorst, dessen Bedeutung quasi identisch ge­worden ist mit dem Kampf für die kirchliche Frei­heit, auf den Schild erheben, noch ist es Zeit, die Konservativen aus ihrer Unentschlossenheit- zur Ent­schlossenheit und namhaften Festigkeit anzutreiben.

Zum Schluffe noch einige Bemerkungen von wesentlicher Bedeutung. Man sagte, die Regie­rung wisse genug, daß das katholische Volk hinter dem Centrum stehe. Ich sage umgekehrt: Die Re­gierung weiß recht gut, daß durchaus nicht Alle, die zu den Katholiken gezählt werden müssen, An­hänger der Centrumspartei sind. Viele gehören dem Fortschritt, manche den Sozialdemokraten einige sogar den Nationalliberalen an, was man in den höheren Regiomn recht gut weiß. Selbst Kon­servative im Gegensatz zum Centrum gibt es unter den Katholiken. Deshalb halte ich auch den Aus­druck „die katholischen Wähler", den man be­liebte, für inkorrekt; korrekt sagt man „Centrums- Wähler" oder genauer „Anhänger des Centrums". Wie wesentlich die Bedeutung dieser Anmerkung sei, zeigen manche Orte unseres Regierungsbezirkes, z. B. Hanau, Bockenheim, Orb, Großauheim rc. Aus dieser Beobachtung folgt aber, daß man die wahre Stärke der Centrumspartei nicht anders mit Sicherheit schätzen kann, als mit Zugrunde­legung der im ersten Wahlgange für Zentrums« kandidaten abgegebenen Stimmen. Ferner hat man gesagt, man glaube di^ Anschauungen der Centrumsführer wieberzugetMfM.Mdem man, wie geschehen, gegen meine )u Felde zog.

Ick glaube, daß die .Germania' über die Anschau­ungen der Centrmnsführer sehr gut unterrichtet

bar, daß ich früher nicht daran geda'cht habe, was aus meiner Tochter werden wird, wenn ich tobt bin!"

Diese Frage beschäftigte ihn die ganzem Nacht, selbst wäyrenb er weiter in ben Karten fiubirte. Der Morgen fanb ihn bleich, angegriffen und müde und schwerfällig in seinen Bewegungkp.

Zar gewöhnlichen Stunde fand er sich- ain FruhstückStisch ein, und während Alexa nach dem Essen mit der alten Aminka über HauSstandsan- gelegenheiten sprach, rief er einige feiner erprob« testen Diener herbei und benachrichtigte Je, daß er nach Athen gehen und ein paar Tage ab­wesend sein würde.

„Meine Tochter geht mit mir," sagte er* „Wir fahr-n in unterem Schiff, welches im Golf zur Reise fertig liegt. Ihr könnt LebensmiNel und besonders werthvolle Gegenstände, welchEH Euch bezeichnen werde, an Bord bringen. Vermeidet aber jedes Aufsitzen, so daß Niemand von den Anordnungen etwas erfährt; denn Spind'.on hat überall Spione, und unsere Absicht -Möchte ihm verrathen werden."

Die Leute thaten, wie ihnen befohlen. Es wurden mehrere Kisten mit WerthsachM^ie ihnen Mr. Strange bezeichnete, gefüllt; ahpr der Trans-

ist; denn sie ist das tonangebende, erste Haupt­organ des CentrumS. Die .Germania' plädirt aber nachdrücklichst für meine Wahltheorie, die sie als eine Regel aufstellt, von der man nur in den seltensten Fällen abgehen dürfe. UM

Solche Ausnahmefälle mag es*sonstwo geben; im Reg.-Bez. Kassel gibt es keinen. Mag auch Bürgermeister Hellwig von Hadamar, Kandidat der Konservativen im Wahlkreise Hanau- Gelnhausen-Orb , ein „wirklicher Konservativer" sein, was wir einräumen, mag er auch von allen konservativen Kandidaten des deutschen Reiches die stärksten Garantien geben und feine Versprechen sicher halten, woran wir nicht zweifeln, so dürfte es doch als sicher anzunehmen fein, daß er mit Hilfe des Centrums nur in die Stichwahl, aber keinen Schritt weiter kommt und daß er ohne bas Centrum ebenso sicher zur Stichwahl und dann im zweiten Wahlgange vielleicht zum Siege gelangt.

„Greifbare Resultate werden nur dann erzielt, wenn möglichst viele Sitze für Gesinnungsgenossen und Gesinnungsverwandte erobert werden". So schließt die Auseinandersetzung meines Gegners. Ich sage „Für Gesinnungsgenossen"? Sehr gut! „Für Gesinnungsverwandte"? Nicht übel! Nur müssen diese „Verwandte" 1) eine wirkliche „Ge­sinnung haben, d. h. charaktersiste Männer fein, was man leider bei den Konservativen am aller­meisten vermißt. 2) Muß die „Verwandtschaft" eine solche sein, die Zuneigung und Siebe im Ge­folge hat, nicht aber eine solche, die. wie es ost bei reichen Erbonkeln paffirt, auf den Tod dessen, mit dem man verwandt sein will, spekulirt, um recht bald die Erbschaft desselben anzutreten. Die letztere Sorte von Verwandtschaft mit dem Cen­trum ist nun bei ben Conseroativen stark ver­treten. Deshalb muß bie Centrumspartei ihnen bei bet Reichstagswahl am 28. October zeigen, baß noch ein kerngesundes, kräftiges Leben in ihr schlägt, uub baß man auf ihren Tod noch lange warten kann!

Anmerkung. Sollte es sich nicht empfehlen, um unsere Gesinnungen bezüglich des Culturkampfes aus's Schärfste zu bocumentiren, überall, wo von uns ein Zählkanbidat aufgestellt werden soll, „Windthorst" zu wählen?

port derselben auf das Schiff wurde bis zum Abend verschoben. Dann entließ er die Männer zu ihrer Tagesarbeit und rief seine Tochter zu einer Unterredung.

„Wir wollen heute Abend diesen Ort verkästen, Alexa," sagte er ernst. „Wir nehmen keine Die­ner mit, ausgenommen die Männer zur Bedienung des Schiffes. Laß' Deine Kleider, Wäsche, Seinen und Alles, was Du mitzunehmen wünschest und was leicht zu bewegen ist, in Kisten packen, daß es am Abend an Bord gebracht werden kann."

Alexa sah ihren Vater erstaunt an.

„Müssen wir unsereMöbel zurücklassen?" fragte sie.

„Sie sind alt und von keinem großen Werth. Wir können keine Möbel mitnehmen. Du magst sie Aminka und den Anderen schenken."

„Wohin gehen wir, Vater?"

„Wir segeln nach dem Piräus und fahren dann mit der Eisenbahn nach Athen. Dort verkaufe ich mein Schiff und Alles, was wir entbehren können, sowie die Früchte, die schon seit einigen Tagen sich an Bord befinden, um an den Markt gebracht zu werden. Wohin wir von Athen ans gehen, weiß ich selbst noch nicht.

Nach weiterer kurzer Besprechung entfernte sich Alexa, um ihre Sachen einzupacken, was nicht gar