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M 235.

Sonnabend, den 11. October

1884.

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Die Fuldaer Zeitung' erscheint tiiglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Lbonnemen.spreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne Uv- Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Erstes Blatt.

□ Replik.

I.

In der Nummer 231 und 232 der .Fuldaer Zeitung' ist eine der verehrl. Redaktion „von her­vorragender Seite zugegangene" Meinungsäuße­rung bezüglich der „Stellung der katholischen Wäh­ler im Regierungsbezirk Kaffel" zum Abdruck ge­bracht worden, welche sich gegen meinen in Nro. 225 der .Fuldaer Zeitung' veröffentlichten Artikel „Die Centrumspartei und die Reichstagswahlen im Regierungsbezirk Kaffel" wendet und die „Korrekt­heit und Opportunität" der Ausführungen dessel- ben bestreitet. Ich verfehle nicht, diese Meinungs­äußerung jener hervorragenden Seite öffentlich zu würdigen, indem ich sine ira et studio, ohne ir­gend Jemanden zu nahe treten zu wollen, meinen Standpunkt mit spezieller Berücksichtigung der ge­machten Einwände noch einmal vertrete.

Was zunächst dieKorrektheit dieses mei­nes Standpunktes,

„daß die Gesinnungsgenoffen der Centrums. „Partei im ganzen deutschen Reiche, und folglich „auch im Regierungsbezirk Kaffel, bei der dem« „nächstigen Reichstagswahl im 1. Wahlgange „ausschließlich Centrumskandidaten wählen und „in unserem Regierungsbezirk bei eventuellen „Stichwahlen, wo ein Konservativer in die Stich- „wahl kommt, für diesen eintreten möchten", -betrifft, so wird nur dxm 2. Theile Fe» ausgestell­ten Wahlgrundsatzes rückhaltlose Züstiln- mung gespendet, der ersteTheil dagegen, welcher für mich der wichtigere ist, wird nur für diejenigen fraglichen Wahlkreise als berechtigt zugelassen, „wo die Person des konservativen Kandidaten feststeht und deshalb von Seiten der Katholiken kein Ein­fluß auf die Auswahl der Persönlichkeit genommen werden kann und es ferner auch nicht zweifelhaft ist, welcher von den verschiedenen Kandidaten in die Stichwahl kommen wird, insofern man nicht Gefahr läuft, den katholischen Wählern durch zu häufiges unnützes Wählen jede Wahlthätigkeit zu verleiden."

Offen gestanden, dieser von jener „hervorragen­den Seite" vertretene Standpunkt scheint mir denn doch allzu lax zu sein. Aus lauter Opportu­nitätsrücksichten, scheint es, empfiehlt man den katholischen Wählern eine total inkorrekte Hal­

tung. Denn: falls es unzweifelhaft wäre, ob der konservative Kandidat in die Stichwahl kommen werde, sollen diesen die katholischen Wähler im 1. Wahlgange selbst dann wählen, wenn derselbe auch ganz einseitig, ohne Berücksichtigung der Cen­trumswähler, von der konservativen Partei aufge­stellt worden wäre. Heißt das nicht, den Centrums­minoritäten den Rath geben, überall in Kurhessen, wo die Konservativen allein ihren Kandidaten nicht sicher in die Stichwahl bringen, ohne Rücksicht auf die individuelle Richtung des letzteren, für diesen ihre Stimmen in die Wagschale zu werfen? Wäre eine solche Haltung nicht offenbar inkorrekt? Ich glaube, daß selbst die Staatsbehörden eine solche sklavische Heeresfolge seitens der Gesinnungsgenos­sen der Centrumspartei nicht erwarten.

„In jenen Kreisen aber, in welchen die Katho­liken in der Lage sind, auf die Auswahl der kon­servativen Kandidaten einen Einfluß zu üben und durch die Zusage ihrer sofortigen Unterstützung die Aufstellung einer ihnen besonders genehmen Persön­lichkeit zu ermöglichen, würde die Befolgung der in dem Artikel ausgesprochenen Theorie nach meiner Ansicht ein großer politischer Fehler sein."

Also mein hochstehender Gegner! Ich gestehe, daß dieser Punkt einen Schein von „Korrektheit" für sich beanspruchen kann, aber nur einen Schein. Man vergesse nicht, daß von den Reichstagswah­len speziell mit Rücksicht auf Kurhessen die Rede ist. Nun steht es fest, daß die konservative Partei in Kurheffen ihre Kandidaten überall aufgestellt Hut,'und 9uhu ts-ii'. '. oshr? .den Führern, der Centrumspartei in den einzelnen Wahlkreisen zu verhandeln. Daß schon zu der ersten kon­servativen Wahlversammlung im Reichstags-Wahl- kreise Hanau-Gelnhausen-Orb auch katholische Geist­liche eingeladen waren, kann als Gegenbeweis nicht gelten, ebenso wenig die Thatsache, daß man sei­tens der Koniervativen im Wahlkreise Marburg- Frankenberg-Kirchhain bei jeder Reichstagswahl, auch in diesem Jahre den bewährten Führer der dortigen Centrumspartei, der unseres Wissens selbst schon einmal als Zählkandidat früher aufgestellt war, in freundschaftlicher Weise um Unterstützung ersucht. Es ist uns also gar nicht möglich, bei den bevorstehenden Wahlen jenen „großen politischen Fehler" zu begehen, wenn meine Theorie, im 1. Wahlgange nur „Centrum" zu wählen, befolgt wird. Sollte irgendwo sonst im deutschen Reiche

ein der Ansicht des Gegners entsprechender Pakt zwischen Centrumspartei und Konservativen bestehen, so wäre dieser natürlich zu halten. Wo aber, frage ich, ist dieser oder sind diese Wahlkreise zu suchen?!

„Noch unzweifelhafter ist aber ihre (meiner Theorie) Unrichtigkeit in Betreff der Wahlkreise, in welchen es von den katholischen Wählern abhängt, welcher von den aufgestellten Kandidaten in die Stichwahl kommt." MU

Auch diese Aeußerung der „hervorragenden Seite" schwebt bezüglich Kurheffens in der Luft. Denn überall, wo überhaupt die Wahl eines konservativen Reichstags-Abgeordneten in unserem Regierungs­bezirk möglich oder nur wahrscheinlich, bringen ihn die Conservativen allein in die Stichwahl. Und wo immer die Candidaten der Conservativen nur mit Hilfe des Centrums in die Stichwahl kommen, unterliegen sie sicher bei der zweiten Wahl, weil neben diesem von vornherein bestehenden Bündnisse überall Nationalliberale und Sozialdeinokraten den Fortschritt, resp. letzterer die Sozialdemokraten bei der Stichwahl unterstützt. Dagegen wird aber nach meiner Ansicht in einem kurhessischen Reichs- tagswahlkreise der Sieg der Konservativen wahr­scheinlicher, wenn sie im ersten Wahl gange vom Centrum nicht unterstützt werden, weil sie als­dann bei der zweiten Wahl eher auch von anderer Seite Hilfe finden könnten. Das praktische Resul­tat der Reichstags mahlen in Kurhessen wird also eher geschädigt als gefördert, wenn wir nach der oben wiedergegebenen Ansicht der „hervorragenden SHte" handeln. Oder soll es vielleicht den Cen­trumswählern zur Pfllchi gemacht werden, ohne Aussicht auf Erfolg der konservativen Partei die Ehre zu erkämpfen, in recht vielen Wahlkreisen in die Stichwahl gekommen zu sein? Die Stich­wahlen außerhalb Kgrhessens könnten wir füglich ganz außer Acht lassen, jedoch sei die dem hohen Gegner vielleicht „naiv" vorkommende Bemerkung gestattet, daß selbst dann, wenn die Katholiken irgendwo mit der Aussicht auf definitive Wahl des Konservativen diesen in die Stichwahl bringen könnten, während er ohne ihre Unterstützung gar nicht zur Stichwahl käme, die Abgabe ihrer, in solchem Falle gewiß sehr erheblichen Stimmenzahl für das Centrum und der in solchem offenen rit­terlichen Bekenntnisse des Centrumsprogrammes liegende moralische Gewinn unserer Partei die Niederlage der konservativen erträglich machen würde!

22) l ( X H (’M*1- •"*•)

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Ich habe Ihnen meine Antwort gegeben," sagte sie würdevoll; „ich habe nichts mehr zu sagen."

Sie wandte sich um und schritt schnell dem Hause zu. Kaum hatte sie zehn Schritte gethan, als Spiridion, ihr nacheilend, sie am Arm erfaßte und zurückhielt.

„Ich werde Sie nicht so leicht gehen lassen," sprach er mit zischender Stimme. „Ich lasse mich nicht so leicht abseitigen von einem Mädchen — einem schwachen Geschöpf, welches ich mit meiner Hand zerdrücken könnte. Sie müssen mein Weib werden. Sie wissen zu viel, als daß ich Ihnen die Freiheit lassen könnte. Ihre Schönheit macht mich rasend. Weigern Sie sich noch einmal, und ich wende Gewalt an."

Er hatte sich dicht über sie gebeugt, und seine Augen starrten durchbohrend in die ihrigen. Mit einer kräftigen Bewegung entzog sie ihm ihren Arm und trat ein paar Schritte zurück.

„Elender Feigling! Ist das Ihre Art, wehr­

lose Frauen anzufallen?" rief sie, ihm einen Blick voll Zorn und Verachtung zuschleudernd. „Ein Schrei von mir wird die Diener des Hauses heibeirufen, die Sie von unserm Gebiet treiben werden."

„Aber Sie werden nicht schreien", erwiderte Spiridion drohend. „Ich kam heute hierher, um zu siegen. Sanfte Worte waren erfolglos, so bleibt mir nichts übrig, als Gewalt zu üben. Gewalt hat schon manche stolze Frau gedemüthigt und zahm gemacht. Sie sollen nicht Zeit haben, Ihren Vater zu warnen und mir zu entgehen. Sie sind mein, und zwar jetzt und für immer!"

Er führte eine kleine Pfeife an den Mund, welcker er einen Ton entlockte, ähnlich dem eines unheimlichen Nachtvogels, und fast in demselben Augenblick sprangen zwei Gestalten über die Mauer und eilten an die Seite Spiridion's.

„Ergreift sie!" befahl dieser. „Führt sie fort zur Höhle!"

Dabei nahm er seinen Mantel von der Schulter und wollte ihn über des Mädchens Kopf werfen. Diese aber aus ihrer momentanen Erstarrung er­wachend, entschlüpfte ihm durch eine gewandte Bewegung und lief, einen lauten Hilferuf aus­stoßend, dem Hause zu.

Die Banditen eilten ihr nach.

Alexa hatte einen kleinen Vorsprung gewonnen; aber ihre Füße verwickelten sich in einen über den Weg hängenden Zweig eines Rosenstrauches, und sie stürzte nieder. Ehe sie sich wieder erheben konnte, hatten die Räuber sie eingeholt und er­griffen. Spiridion warf ihr seinen Mantel über den Kopf; aber ihrer verzweifelten Anstrengung gelang es, sich halb aus der Umhüllung zu be­freien und sie stieß einen zweiten Hilferuf aus, lauter und schriller, als der erste.

„Fluch ihr!" knirschte Spiridion. „Sie wird das ganze Haus in Aufruhr bringen."

Kaum waren diese Worte über seine Lippen gekommen, als es um das Haus her lebendig wurde. Aus den Ställen und Wirthschaflsgebäuden kamen die Diener, theils mit Gewehren, theils mit Knitteln und sonstigen Gegenständen bewaffnet. Gleichzeitig wurde eine Glasthür des Wohnhauses geöffnet und Mr. Strange eilte heraus in den Garren. Ein flüchtiger Blick seiner scharfen Augen auf die Scene genügte, ihn von der Gefahr zu unterrichten, in welcher seine Tochter schwebte.

Den Revolver in der Hand, stürzte er vorwärts, und die bewaffneten Diener, durch seine Uner­schrockenheit angespornt, folgten ihm, während die