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1884

Freitag, den 10. October

(Rochdr. »tri.)

In den meisten Ländern bedeutet es nichts anderes, als Anfeindung jeder positiven Religion und Ab­brechen mit allen historischen sozialen Traditionen. Leo XIII. wird in diesem hochwichtigen Rund­schreiben jenen Liberalismus, besten Ziel Ver­nichtung jedes positiv-religiösen Einflusses auf die Gesellschaft, besonders aber Befehdung des mo­ralischen Einflusses der Kirche auf die sozialen Verhältniste ist, brandmarken. Insofern ist das Dokument der lichtvollste Commentar zu ver­schiedenen Sätzen des vielgeschmähten Syllabus. Es wird zeigen, wie das religiöse, politische und soziale Leben der Gegenwart durch den Liberalis­mus vergiftet ist.

Abermals wird die neue Encyklika das Ver- hältnitz zwischen Kirche und Staat, die nothwendige Freiheit der Gewesten, die freie Thätigkeit der religiösen Ordensgenofsenschaften, überhaupt die großen sozialen Fragen der Gegenwart zur Sprache bringen. — Schließlich giebt der Papst, seiner Gewohnheit gemäß, den Katholiken spezielle Regeln und Vorschriften für ihr Verhalten inmitten des hin- und herwogenden Kampfes. Er betont be­sonders die Rothwendigkeit einer fruchtbaren, thätigen Vereinigung aller derjenigen, welche be- sonders berufen und befähigt sind, die Jnteresten des Reiches Gottes auf Erden zu fördern und zu kräftigen. Dies ist die immer wiederkehrende Lieblingsidee Leo XIII., welcher die Katholiken aller Länder wie eine geschlossene Phalanx dem modernen Heidenthum gegenüberstellen möchte, zur Vertheidigung der Rechte der Kirche und zur Rettung der in ihrer Existenz bedrohten christlichen Gesellschaft.

^Vorstehendes mußte wegen der Dringlichkeit des gestrigen Leitartikels auf heute zurückgestellt werden. D. R.j

„Dieser junge englische Lord war also beinahe vier Monate hier," unterbrach sie Spiridion in aufsteigender und deutlich sich zeigender Eifersucht. „Es ist gut für ihn, daß er fort ist, denn wäre ich auch nur um einen Tag früher angekommen, würde ich ihn wieder gefangen genommen und ihn in seinem alten Logis festgehalten oder ihn ge- tobtet haben!"

„Ist es das, was Sie mir zu sagen wünschten?" fragte das Mädchen ruhig.

„Zum Theil. Als ich ihn auf Ihre Fürsprache entließ, um Ihnen gegenüber meinen Schwur zu halten und in Ihrer Gunst zu steigen, dachte ich, er werde nach Athen und bald darauf nach Eng­land zurückkehren; hätte ich nur im Entferntesten daran gedacht, daß er hier in Ihrem Hause bleiben werde, würde ich ihn gelobtet haben!"

Seine Stimme hob sich und seine Augen blitzten drohend bei diesen Worten. „Doch er ist nun fort; aber ich weiß, daß es ein Unglück für ihn ist, wenn er diese Gegend wieder betreten sollte."

Deutsches Reich.

Berlin, 9. October.

v Auf der Tagesordnung der heutigen Bun- desraths-Sitzung stand u. A. der Antrag Ackermann betr. das Halten von Lehrlingen. Der Antrag will bekanntlich der Aufsichtsbehörde-die Befugniß ertheilen, in solchen Bezirken, in denen die Innungen Hervorragendes auf dem Gebiete des Lehrlingswesens geleistet, das Halten von Lehr- lingen seitens der nicht zu den Innungen gehören­den Meister zu untersagen. Dem Vernehmen nach

wäre diese Angelegenheit abermals von derlTages- ordnung abgesetzt worden, weil noch nicht sämmt- liche Bundesbevollmächtigte in Besitz der Instruk­tionen ihrer Regierungen bezüglich dieser Frage seien. Man scheint also erst das Resultat der Wahlen abwarten zu wollen, ehe man eine für das Gedeihen des Handwerkerstandes bichwichtige Entscheidung fällt. Möge diese Thatsache für die Handwerker Deutschlands ein Sporn sein, mit aller Energie die mittelparteilichen Candidaten zu bekämpfen und ihre Stimmen recht zahlreich auf Jene zu vereinigen, die sich als Freunbe des Hand­werks bewährt haben. — Ueber den Ausfall der diesjährigen Ernte in der preußischen Monarchie veröffentlicht der .Reichsanzeiger' Mittheilungen, die nach den bei dem landwirthschaftlichen Ministerium eingelaufenen Berichten der Regierungen zusammen- gestellt sind. Das Facit ist, daß der Eidrusch der Halmfrüchte den gehegten Erwartungen quan­titativ nicht voll entsprochen hat, doch ist immer noch im Durchschnitt eine gute Mittelernte zu konstatiren.

* Posen, 9. Dctbr. In Folge des Todes des Propstes Prokop zu Schneidemühlchen sind in unserer Erzdiöcese 183 Pfarreien mit 308,000 Seelen verwaist und davon besitzen 144 mit 190,000 Seelen keinen Priester mehr. Also fast 200,000 Katholiken entbehren in unserer Diöcese jedes geistlichen Trostes. Wie es im Einzelnen aussieht, dafür bietet die eben verwaiste Pfarrei Schneidemühlchen einen belehrenden Beleg. Die 2600 Serien zählende Pfarre liegt ron her nächsten Nachbarpfarrei, Filehne, über 2 Meilen entfernt und der jeder Hülfe beraubte Pfarrer von Filehne selbst ist nicht im Stande, seine 4000 über 6 Quadratmeilen zerstreuten Seelen genügend zu pastoriren.

[•] Das Befinden des Herzogs von Braun­schweig wird als bedenklich bezeichnet. Es wird entgegen anberweiten Melbungen berichtet, baß bis Krankheit mit einem rheumatischen Leiben, von welchem ber Herzog seit einiger Zeit heimgesucht ist, nichts zu schaffen habe, vielmehr in einer all­gemeinen Kräfteabnahme bestehe, welche ernste Be­sorgnisse erregt. Der Herzog steht im 79. Lebens­jahre.

* Limburg a. d. L., 9. Oct. Unser allver- ehrter Oberhirte, Peter Joseph, würbe am 2. October 1842 in seiner Kathebrale consecrirt

Golfs, unb ein Rückzug im Falle ber Roth bliebe uns offen, wenn alle unsere heimlichen Ausgänge unb Schlupfwinkel versperrt werben sollten. Wir müffen alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, ob« wohl wir kaum etwas zu fürchten haben; benn unsere Höhle ist fast unangreifbar und ich könnte bem ganzen griechischen Heere Wiberstand leisten. Meine Leute aber fühlen sich unsicher, murren und sind unlustig, weil sie meinen, von der Gnade eines Mädchens abzuhängen, welches sie verrathen könnte."

„Habe ich nicht mein Wort gegeben, Ihr Ge« heirnniß zu bewahren?" rief Alexa stolz.

„Ich weiß und ich vertraue Ihnen. Sie hätten mich verrathen können, als ich hilflos in Ihrem Hause lag; aber Sie thaten es nicht. Ich bin sicher, daß Sie uns nicht verrathen würden, wenn Sie sich selbst überlassen bleiben; aber diese Eng- länder werben erzählen, wie Sie sie befreit haben unb bie Regierung wird Ihnen eine große Beloh« nung bieten, uns zu verrathen. Ihr Vater wird sagen, baß es Ihre Pflicht sei, ben Schwur zu brechen, ben Sie zu geben gezwungen waren. O, ich weiß, wie man Sie von allen Seiten bestürmen wirb, unb ich halte es wohl für möglich, baß Sie enblich bem Drängen nachgeben könnten."

„Unmöglich! Ich werbe mein Wort halten!"

X Alk!»

oder

Auf dunklen Wegen

Roman von E. Wagner.

„Wenn bas Alles ist, was Sie mir zu sagen haben, werbe ich mich in's Haus begeben."

„Bleiben Sie! Ich habe noch mehr zu sagen. Meine Leute siub uuzufrieben, weil bas Geheimniß unseres Verstecks im Besitz eines Mädchens ist. Ich würbe Ihnen trauen, sie aber sind unruhig. Ich bin gekommen, um ein Abkommen mit Ihnen zu treffen, welches nicht nur meine Leute, sondern auch mich befriedigen würde und — vielleicht auch Sie!"

Alexa neigte leise ihr Haupt, antwortete aber nicht. Sie war begierig, zu hören, was kommen würde.

„Diese Höhle, zu welcher Sie den Eingang ent­decken, ist für uns die beste Zufluchtsstätte in ganz Griechenland," fuhr Spiridion fort. „Wir durch­streifen das Land nach Süden und Norden, nach Osten und Westen unb sind manchmal Monate lang abwesend, kehren aber stets fröhlich in diese sichere 'Gebirgsfestung zurück. Die Straßen dieser Gegend sind sehr produktiv für Leute unseres Geschäfts. Die Bauern hier sind unsere Freunde, beuachrich- tigen uns von den Bewegungen ber Soldaten, ver­sorgen uns mit Lebensmitteln und sonstigen Be­dürfnissen und bekommen nicht selten einen Theil unseres Gewinnes. Wir sind hier in der Nähe des

NM" Bestellungen auf das IV. Quartal 1884 der ,Fuldaer Zeitung' werden von den Post-Anstalten, Boten und in der Expedition noch fortwährend entgegengenommen. Die Nachlieferung der bereits erschienenen Exemplare erfolgt auf Verlangen.

Die bevorstehende Encyklika Leos XIII. über den Liberalismus.

Schon vor längerer Zeit wußten manche Blätter zu berichten, daß der h. Vater seiner zeitgemäßen Encyklika über die Freimaurerei ein weiteres Dokument von einschneidender Bedeutung hinzu­zufügen gedenke Die Publikation dieses neuen Rundschreibens, welches sich gegen den modernen, allenthalben graffirenden falschen Liberalismus richtet, ist nun nahe bevorstehend. Leo XIII. hatte den Plan dazu längst entworfen, und ein Korrespondent der .Codl. Vztg.' erfährt sogar, daß Se. Heiligkeit schon dem Cardinal Lavigerie vor seiner Abreise nach Afrika denselben unter­breitet unb mit bem erleuchteten Erzbischöfe Über bas Thema conferirt hat.

Der hl. Vater war bei ber Abfassung betreiben von bem Gebauten geleitet, ber großen sozial­politischen Strömung, welche sich glücklicherweise in fast allen Säubern gegen ben falschen Liberalis­mus geltend macht, mehr Nachdruck >mb Kraft zu verleihen, aufzuforbern zu einheitlicher Be- kämpfung eines Systems, welches bie moberne Gesellschaft an ben Abgrunb bes Verderbens gedrängt hat. Angesichts der Ruinen, welche der Liberalismus in Familie, Staat und Kirche ge« schaffen, find viele zur Besinnung gekommen, die früher durch den trügerischen Schein sogenannter „Freiheit und Freisinnigkeit" sich verführen und zu dem Wahne verleiten ließen, als sei vom „liberalen" Regiment die Erlösung der Sozietät zu erwarten. Es gilt, die guten Elemente, welche die christlich-soziale Rechtsordnung aufrecht zu erhalten, resp. wieder herzustellen bestrebt sind, zu sammeln und jenes heuchlerische System, das feine verderbenbringende Natur hinter dem Namen Liberalismus verbirgt, zu entlarven und ihm den Todesstoß zu geben. Wie viel Humbug ist nicht mit dem Worte Liberalismus getrieben worden?

Fuldaer

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