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M 232.

Mittwoch, den 8. October

1884.

Fuldaer

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlshn und Bestellgeld: 1 Sil. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Die Stellung der katholischen Wähler im Regierungsbezirk Kassel.

4» (Schluß.)

Als zweites Argument wird auf die Rede, die Excellenz Windthorst in Amberg gehalten und auf die in ihr enthaltene, an alle Anhänger der Centrumspartei gerichtete Aufforderung, bei den bevorstehenden Reichstagsmahlen der ganzen Welt zu zeigen, daß das katholische Volk heute rote vor 10 Jahren hinter der Centrumsfraction stehe, hingewiesen. Ja es wird sogar als ein Mangel der Pietät bezeichnet, wenn man diesem Ruf nicht folgen würde und nicht im ersten Wahl­gange unter jeder Bedingung einem Centrums. candtdaten die Stimme geben wollte. Rach meinem Dafürhalten dürfte Exc.llenz Windthorst von der Auslegung, die man seinen Worten gegeben, nicht sehr erbaut sein. Gewiß ist es nicht nur wünschens- werth, sondern sogar nolhwendig, daß in allen den Wahlkreisen, in welchen mit einiger Aussicht auf Erfolg ein Centrumscandidat aufgestellt werden kann, dies geschehe, und sich alle Katholiken an der Wahl betheiligen, um dadurch den unumstößlichen Beweis zu liefern, mit welchem Vertrauen das katholische Volk an der Centrumsfraction hängt. Ebenso ist es rathsam, daß in allen den Kreisen, in welchen kein Candidat aufgestellt ist, der den Katholiken in kirchenpolitischer Beziehung eine ge­nügende Garantie bietet, dieselben durch die Ab­gabe ihrer Stimme für einen Ceutrumsmann ihrer abfälligen Simmung Ausdruck geben. Auch kann, rote schon oben gesagt, die Aufstellung eines Stroh­mannes für den ersten Wahlgang in solchen Wahl­kreisen sich empfehlen, in welchen es doch unzweifel­haft ist, welche Candidaten in die Stichwahl kommen. In allen den Wahlkreisen, in denen die Stimmen der Katholiken nothwendig sind, um wenigstens einen gesinnungsverwandten Candidaten in die Stichwahl zu bringen, würde es nach meiner An­sicht nicht nur ein großer politischer Fehler, sondern eine directe Verletzung der katholischen Sache sein, wenn sie durch Abgabe der Stimmen zu Gunsten eines Strohmannes es ermöglichen würden, daß zwei Candidaten der ihnen feindlich stehenden Par­teien in die Stichwahl kommen. Excellenz Windt­horst würde durch ein derartiges Manöver keines­wegs erfreut sein.

Ich wende mich jetzt zu dem dritten und letzten

Argument, indem ich gleichzeitig zugebe, daß dieses an und für sich die größte Berechtigung zu haben scheint. — Der Verfaffer weist auf die vielen Fälle hin, in welchen die conservative Partei die Unter­stützung der Katholiken nachgesucht und gefunden, auf die Versprechungen hin, welche von conseroa- tiver Seite bei dieser Gelegenheit gemacht und auf die Art und Weise hin, wie sie gehalten.

Gewiß hat die conservative Fraction in Betreff ihrer Thätigkeit bezüglich der gegen die katholische Kirche gerichtete Ausnahmegesetzgebung den berech­tigten Erwartungen des katholischen Volkes nicht immer entsprochen, aber es wäre ungerecht, wollte man alle Mitglieder der conservatioen Fraction hier­für verantwortlich machen. Es gehört zur Beur- theilung des Verhaltens der Einzelnen ein größeres Maß von Kenntniß der Verhältnisse, als die große Zahl der Wähler zu erwarten im Stande ist. Würde es sich um die Unterstützung der conservatioen Frac­tion ohne Ansehung der einzelnen Persönlichkeiten der Candidaten handeln, so wäre die Lektion, die der Herr Verfasser der conservatioen Fraction gern ertheilen möchte, gewiß sehr am Platze. Hierum handelt es sich nun gar nicht. Die Katholiken sol­len einem Candidaten, der in kirchenpolitischer Be­ziehung die vollste Garantie bietet und der gleich­zeitig der ihnen nächststehenden Partei, nämlich der conservatioen, zugehört, ihre Stimme geben. Nie­mand muthet ihnen zu, dies zu thun, ohne sich über die persönlichen Eigenschaften und Gesinnun­gen des Candidat-m Gewißheit zu verschaffen, und es handelt sich deshalb nicht so sehr um die Un­terstützung der conservatioen Fraction, sondern um die einzelner uns wegen ihrer persönlichen Richtung vollständig genehmen Candidaten.

Es ist möglich, daß in den ersten Wochen nach der Wahl die große Stimmenzahl, welche zu Gun­sten einer Partei im Reiche abgegeben werden, einigen Effekt macht, auch wird während der gan­zen Dauer des Reichstages die betreffende Partei- preffe Kapital daraus zu schlagen wissen und ge- wiffe moralische Erfolge erringen; wirklich greifbare Resultate werden aber nur dann erzielt werden können, wenn möglichst viele S:tze für Gesinnungs­genoffen und Gesinnungsverwandte erobert werden können. sWir müssen es, wie schon gesagt, zunächst dem Verfaffer des betr. Artikels anheimgeben, vorstehende Darlegung zu würdigen. D. RZ

Deutsches Reich.

Berlin, 7. October.

* Der Gesandte von Schlözer wurde heute vom Papste in Privataudienz empfangen.

— Die ,Reue Reichskorresp.' schreibt: Das Augenmerk unserer maßgebenden inilitärischen Kreise wird gegenwärtig vorzugsweise durch zwei Fragen in Anspruch genommen, betr. die Vornahme sach­gemäßer Aenderungen in unserem Bekleidungs und Ausrüstungsweseu, sowie betreffs Ein' führung eines neuen Exerzier-Reglements' für die Infanterie. Nach beiden Seiten hin sind die Erhebungen keineswegs abgeschloffen, wenn­gleich grundsätzliche Einigkeit insofern erreicht ist, als allgemein zugegeben wird, daß eine Erleichte­rung der Ausrüstungs- und Gepäckgegenstände sich empfiehlt, um die Beweglichkeit und damit die Kriegsbrauchbarkeit des Mannes zu erhöhen, und daß das Exerzier - Reglement reformbe­dürftig erscheint. Bis zur Gewinnung eines definitiv abschließenden Urtheils aber sind die Dinge noch nicht gediehen.

** Das nach der westafrikanischen Küste bestimmte deutsche Geschwader ist bekanntlich unter das Kommando des Kontreadmirals Knirr gestellt wor­den, der als besonders befähigter und energischer Seeoffizier gilt. Diese Ernennung hat nun in den Kreisen der Marine deswegen ein großes Aufsehen erregt, weil hier zum ersten Male ein Admiral für eine auswärtige Station kommandirt wird, während bisher nur ein Kapitän zur See zu solchen Posten ausersehen wurden. Mit der plötzlichen Verstär­kung durch die Korvette „Bismarck", die ursprüng­lich nach Ostasien, und der Korvette „Ariadne", die nach Egypten bestimmt war, erhält dieses neu' formirte Geschwader für die westafrikanische Küste eine Stärke, wie Deutschland noch niemals ein gleiches nach einer auswärtigen Station gesandt hatte — ein Beweis, welche Wichtigkeit Fürst Bis­marck dieser Angelegenheit beilegt und mit welcher Energie er nöthigenfalls einschreiten will. Nach seiner neuesten Formation wird das Geschwader, welches die deutsche Kriegsflagge an der westafri­kanischen Küste entfalten soll, aus 5 Schiffen mit öö Kanonen und 1298 Mann Besatzung bestehen, und zwar: aus dem Flaggschiff des Admirals, Volldeckskorvette „Bismarck", 16 Geschütze, 380 Mann, Kommandant Kapitän z. See, Karcher; der

Neu eintretenden Abonnenten werden auf Verlangen die bisher erschienenen Fortsetzungen des Romans „Alexa" gratis und franco nachgeliefert.

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oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Ich hörte manchen großen Namen, als ich vor Jahren in England war," sagte er vorsichtig, aber doch mit einer fieberhaften Hast. „Ich denke, daß eine neue Generation von Peers jetzt im Hause der Lords sitzt und eine neue Generation im Hause der Gemeinen. Ich weiß, daß die Königin Vik­toria noch regiert, kenne auch aus den Athener Zeitungen die politffchen Tagesneuigkeiten. Ich glaube, daß ich mit der engltschen Politik ebenso vertraut bin, wie sie selbst, Mylord. Aber um die Zeit zu verbringen, die wir noch bis zur An­kunft der Pferde und ihrer Begleiter vor uns haben, möchte ich wohl etwas Neues aus der Ge­sellschaft hören. Welches sind die hervorragendsten Personen aus der hohen Gesellschaft Englands?" . Lord Kingscourt nannte verschiedene Namen, welche jedoch seinen Wirth wenig zu interessiren schienen.

„Ich denke, mein Vormund kann als eine der

tonangebenden Personen bezeichnet werden," bemerkte der Graf. „Selbstverständlich ist er jetzt nicht mehr mein Vormund, aber er war es nach meines Vaters Tode, während der Zeit meiner Minder- jährigkeit. Er ist jedoch nicht verheirathet."

„Ihr Vormund?"

„Ja, der Marquis von Montherou."

Mr. Strange zuckte zusammen, als habe ihm eine Kugel die Brust durchbohrt.

Ein fernes Geräusch von Pferdetritten auf der andern Seite des Hauses nahm die Aufmerksam­keit Lord Kingscourt's in Anspruch.

„Die Leute kommen!" sagte er.

Mr. Strange stützte den Kopf in die Hand, da­durch sein Gesicht verbergend, welches von Schmerz verzogen und todtenbleich war. Seine Augen hatten einen seltsam starren Glanz, sein Athem war schwer und unregelmäßig, als sei ihm die Luft abgeschnitten und er dem Ersticken nahe.

„Ich habe mich geirrt," sprach der Graf nach einer Weile; es sind unsere Leute nicht. Es muß ein anderes Geräusch gewesen sein".

„Sie sprachen von ihrem früheren Vormund," sagte Mr. Strange mit gewaltiger Anstrengung. „Er ist nicht verheirathet?"

„Nein; aber er ist sehr beliebt in allen Kreisen.

Er ist reich und einer der feinsten Gentlemens. Ohne Zweifel hätte er schon längst eine geeignete Partie machen können, aber seit Jahren hat er mit unverbrüchlicher Ergebenheit eine Dame auge- betet, jedoch mit wenig Erfolg. Vor meiner Ab­reise aus der Heimath wurde aber seine Verlobung mit dieser Dame als bevorstehend ausgesprochen".

„Und wer ist diese Dame?"

„Eine der schönsten Frauen Englands, über ihre Jugend und Frühlingszeit hinaus, aber in einem wahren Sommerglanz von Lieblichkeit und Schön­heit. Sie ist die Tochter des Herzogs von Clyffe- bourne, — Lady Wolga!"

Ein tiefer, seltsamer Ton entfuhr Mr. Strange's Lippen. Sein Oberkörper sank kraftlos vorwärts, wie von einem Schlage plötzlich gelähmt.

Jetzt wurden die Pferde und Maulthiere in einiger Entfernung sichtbar, geführt von den Män­nern, welche zur Bedeckung dienen sollten, und der junge Graf achtete nicht auf Mr. Strange.

„Sie haben die beben Namen, die ich eben nannte, gewiß schon gehört," fuhr er, sich erhebend, fort. „Vor achtzehn Jahren wurde der Name Moutheron in der ganzen Welt genannt und die Namen des gegenwärtigen Marquis und der Lady Wolga wurden insbesondere überall erwähnt. Ich