1884
Fuldaer
Dienstag, den 7. October
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gemeinheit, in der sie ausgesprochen sind, ich bestreiten möchte. Einverstanden bin ich vollständig mit der in dem Artikel ausgesprochenen Behaup- tung, daß es im Regierungsbezirk Kassel für die Angehörigen der Centrumspartei gar nicht fraglich sein könne, ob sie den Candidaten einer anderen Partei, als der conservativen unterstützen wollen, denn die hessischen Conservativen sind wirkliche Conservative, d. h. sie vertreten echt conservative Prinzipien sowohl in den kirchenpolitischen, wie in den rein politischen Materien. — Wenn aber der fragliche Artikel die Frage: „Sollen wir sofort im ersten Wahlgange mit den Conservativen gehen oder erst bei der eventuellen Stichwahl" dahin beantwortet, daß die Katholiken dieses Mal unter keiner Bedingung schon im ersten Wahlgange mit den Conservativen gehen dürfen, sond-rn jedesmal einen Zählcandidaten aufstellen müßten, so glaube ich, diesein entgegentreten zu müflen. Ehe ich die Gründe, welche der Verfasser des Artikels für seine Behauptung anführt, einer Kritik unterziehe, möchte ich meinen Standpunkt näher präcisiren. In den Kreisen, wo die Person des conservativen Candidaten feststeht und deshalb von Seiten der Katholiken kein Einstuß auf die Auswahl der Persönlichkeit genommen werden kann und es ferner auch nicht zweifelhaft ist, welcher von den verschiedenen Candidaten in die Stichwahl kommen wird, mag die Theorie im ersten Wahlgange, Centrumscandr- daten als Strohmänner aufzustellen, ihre Berechtigung haben, insofern man nicht Gefahr läuft, den katholischen Wählern durch zu häufiges unnützes Wählen jede Wahlthätigk-it zu verleiden. — In jenen Kreisen aber, in welchen die Katholiken in der Lage sind, auf die Auswahl der conservativen Candidaten einen Einfluß zu üben und durch die Zusage ihrer sofortigen Unterstützung die Aufstellung einer ihnen besonders genehmen Persönlichkeit zu ermöglichen, würde die Befolgung der in dem Ar- tikel ausgesprochenen Theorie nach meiner Ansicht ein großer politischer Fehler lein. Noch unzweifelhafter ist aber ihre Unrichtigkeit in Betreff der Wahlkreise, in welchen es von den katholischen Wählern abhängt, welcher von den aufgestellten Candidaten in die Stichwahl kommt. Hier würde eine Aufstellung eines Centrumscandidaten als Strohmann, wenn von conservativer Seite ein Candidat aufgestellt worden ist, dessen Programm den von katholischer Seite in kirchenpolitischer Hin-
Strange's schon in voller Thätigkeit, und Lord Kings- court kam aus seinem Zimmer, vollständig reisefertig. Er sand seinen Wirth im Speisezimmer, seiner wartend. Die beiden Männer reichten sich grüßend die Hände, und ehe eine Verlegenheit Platz greifen konnte, erschienen Aminka und ein Mädchen mit dem Frühstück.
*♦ lieber die Stellung der katholischen Wähler im Regierungsbezirk Kassel
brachte die ,Fuldaer Zeitung' vor einigen Tagen an leitender Stelle einen längeren Artikel, der bekanntlich darauf abzielte, die Katholiken in jenen Wahlbezirken, wo sie nur Minoritäten aufzuweisen haben, zur Aufstellung von Zählkandidaten zu veranlaffen. Diese Mahnung befindet sich im Gegensätze zur bisherigen Praxis, nach welcher sich die Centrumsstimmen schon im ersten Wahlgange aus den conservativen Candidaten zu vereinigen pflegten. Ursache und Zweck dieses veränderten Wahlverfahrens wurden in jenem Artikel ausführlich erörtert. Das Centralorgan der Katholiken Deutschlands, die .Germania' schloß sich diesen Ausführungen rückhaltlos an, nahm sogar den Wortlaut derselben in ihre Spalten auf und will Aufstellung dieser Art von Zählcandidaten für das ganze Reich in Anwendung gebracht misten.
Die .Köln. Volksztg.' dagegen fügte der theil- weisen Wiedergabe jenes Artikels folgende Bemerkung bei: „Unseres Dafürhaltens wird sich das Prinzip: im ersten Wahlgange nur für Centrums- Candidaten zu stimmen, allgemein nicht aufrechterhalten lasten; man wird vielmehr im einzelnen Falle das voraussichtliche praktische Er- gebniß mit in Betracht zu ziehen haben."
Wie sehr man auf gewiffer Seite von dieser neuen Kundgebung überrascht wurde, ersehen wir beispielsweise aus der deutsch-freisinnigen Hanauer Zeitung', welche unterm 4. ds. folgende Original- corresvondenz aus Kastel brachte:
„Es gibt im ganzen deutschen Reiche keinen Bezirk, in welchem relativ unbedeutende ultramontane Minoritäten in so großer Anzahl für den Ausfall der Reichstagswahlen ausschlaggebend sind, wie gerade das ehemalige Kurhessen. Von den acht Reichstagswahldistrikten sind es nicht weniger als sechs — der siebente wählt ohnedies ultramontan — der achte mit ausschließlich protestantischer Bevölkerung aber liberal! —, in denen die in der Diaspora wohnenden Katholiken das Wahlresultat bestimmen. Ihnen allein ver- dankendie drei conservativen Abgeordneten ihre Mandate und drei conservative Candidaten haben den Vorzug, wenigstens in die Stichwahl gelangt zu sein. Ein Dezennium hindurch hat dies Verhältniß gutgethan, da die conservative Parteileitung auf kirchenpolitischem Gebiete Versprechungen machte, die in Fulda für genügend angesehen wurden und deshalb bewirkten, daß die Parole ausgegeben wurde, sofort im ersten Wahlgange konservativ zu stimmen. Dieses Kartell- verhäl niß soll nun diesmal gelöst werden, da die katholische Parteileitung erklärt hat, daß zwar die hessischen conservativen Deputirten, nicht aber deren Collegen im Reichstage eine genügend katholikenfreundliche Haltung eingenom
men hätten. Wenn nun heute bereits die .Fuldaer Zeüunq', das ultramontane Hauptorgan Hessens, die Aufstellung be- • sonderen Zählkandidaten der Centrumspartei in sechs Wahlkreisen befürwortet, so ist dies zwar nicht als ein unwiderruflicher Beschluß anzusehen, immerhin aber steht anzunehmen, daß die Ultramontanen für sich einen zweiten hessischen Wahlbezirk (außer Fulda) als Aequivalent für ihre bisherige und fernere Unterstützung der Conservativen fordern werden. (?) Ob Hanau-Gelnhausen oder Rotmburg-Hersfeld- Hünfeld verlangt werden wird, ist noch eine offene Frage."
Wie der Kasseler Correspondent der Hanauer Zeitung' zu der Behauptung kommt, die .Parteileitung' habe die fraglichen Erklärungen abgegeben, ist uns unverständlich, zumal der „Verfasser" jenes Artikels das darin Enthaltene ausdrücklich als seine „un m aß g ebliche Ansicht" bezeichnet hat. Nachträglich gewinnt diese als unmaßgeblich bezeichnete Ansicht allerdings eine festere Gestalt, nachdem sie von der .Germania' unterstützt und, soviel mir erfahren konnten, auch von unseren katholischen Lesern beifällig aufge- Kommen worden ist. Den hessischen Conservativen soll damit der wohlverdiente Ruf, daß sie sich stets als wahrhaft conseroativ bewährt haben, keineswegs angetastet werden. Maßgebend ist jedoch die Haltung der conservativen Mehrheit des Reichstags, welche den Unmuth des Centrums zu wiederholten Malen herausgesordert hat. Ja, es fehlt nicht an Stimmen, welche zur Zeit offen damit hervortreten, daß es zweckmäßiger sei, die Centrumsminoritäten auch im zweiten Wahlgange nicht den Conservativen, sondern den deutsch-freisinnigen Candidaten zukommen zu lasten.
Ohne auf den zuletzt genannten Punkt vorläufig näher einzugehen, lasten wir im Folgenden eine andere Ansicht als diejenige unseres ersten Gewährsmannes zur Geltung kommen und bemerken zum Nutzen und Frommen des Kasteler Correspon- denten der Hanauer Zeitung' vorerst noch, daß auch die folgenden Ausführungen nicht als Ausfluß der „Parteileitung", sondern als persönliche Meinungsäußerung anzusehen sind. Wir geben dieselbe unverkürzt wieder und behalten dem Ver- faffer des in Frage gezogenen Artikels das Recht vor, darauf zurückzukommen.
Diese uns von hervorragender Seite zugegangene Meinungsäußerung lautet:
Ihr geschätztes Blatt enthält in einem Artikel über die Stellung der katholischen Wähler im Regierungsbezirk Kastel einige Ausführungen, deren Correctheit und Opportunität ivenigstens in der All-
Beide Männer waren bleich und sorgenvoll und sprachen während des Essens nur wenig. Alexa ließ sich nicht blicken, und obwohl der junge Graf bei jedem Geräusch erschrack und in der Erwartung, sie zu sehen, aufblickte, hätte er doch kaum die Aufregung eines zweiten Abschiedes von ihr ertragen können.
Das Frühstück war vorüber, und der Wirth geleitete seinen Gast nach der Veranda, wo sie sich schweigend niedersetzten. Der eine blickte hinüber nach den Bergen, der Andere hinab nach der See.
„Ihr Pfird wird bald gebracht werden, Mylord" sagte Mr. Strange endlich, sich aus seinen Gedanken aufrüttelnd. „Briggs frühstückt in der Küche. Ich habe ein halbes Dutzend Arbeiter bestellt, die Sie nach Athen begleiten sollen. Die Leute reiten auf Maulthieren; Ihnen habe ich mein Reitpferd zur Verfügung gestellt, und Briggs soll Alexa's Pony reiten. Die Thiere können morgen von den Arbeitern zurückgebracht werden."
„Ehe ich gehe," sprach Lord Kingscourt, „gestatten Sie mir, Ihnen meinen innigsten Dank auszusprechen für all' die Güte und Gastfreundschaft, welche ich während der vier Monate in Ihrem Hause genoffen habe."
„Ich würde dasselbe für jeden Anderen gethan
„Gräme Dich nicht um mich, lieber Vater. Du hast mich in meiner Liebe verwundet; aber ich habe ja Dich noch. Wir wollen mehr als je einander Alles in der Welt sein, und ich werde für Dich leben!"
Und bann, nicht im Stande mehr zu ertragen, verließ sie hastig das Zimmer.
7. Kapitel.
Unangenehme Ueberraschung.
in die Nacht.
Lord Kingscourt trat Alexa ein paar Schritte näher und breitete seine Arme aus. Diese erhob sich und warf sich schluchzend an seine Brust.
Es ist schwer zu sagen, welches der drei Herzen in diesen wenigen Minuten am meisten litt. Der Graf bedeckte des Mädchens bleiches Antlitz " Küsten und ihre Lippen suchten die seinen in zweifelnder Liebe. Dann machte er sie sanft sich los und eilte aus dem Zimmer.
Alexa machte eine Bewegung zu fliehen, ihren Kummer jedem menschlichen Auge zu bergen und ihren Schmerz in der Stille und samkeit auszuweinen. Da machte ein schwaches Stöhnen ihres Vaters ihr Herz erbeben. Sie eilte zu ihm küßte ihn zärtlich und flüsterte:
Beim Morgengrauen des nächsten Tages, die ersten zarten Schimmer des Morgenroths östlichen Himmel sich zeigten, als Vorboten den baldigen Aufzug des majestätischen Tagesgestirns vorkündend, als noch dunkle Schatten in den Tiefen lagen und graue Nebelschichten die Thäler bedeckten; als ringsum noch tiefe Stille herrschte, die Natur gleichsam noch in festem Schlafe lag, — da war die Dienerschaft im Hause Mr.
oder
Auf dunklen Wegen.
Roman von E. Wagner.
Er trat an eine Glasthür und starrte hinaus
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