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1884

Sonnabend, den 4. October

Fuldaer

Erstes Blatt

(Nachdr. »erb.)

x Alera

16)

mit von

entdecken.

Der Graf beeilte sich Einwendungen zu machen, aber seine Worte fand-n keine Erwiderung. Mr. Strange saß noch da wie versteinert; er schien in den wenigen Minuten um Jahre älter geworden zu sein.

„Ich kann nicht glauben, daß Sie wirklich meinen, was Sie sagen, Mr. Strange," sprach

faktisch gezeigt, daß der geringe Zoll im weiteren Geschäftsverkehr ganz verschwindet, so daß in dm kleinen Konsumquantitäten, welche der geringe Mann verbraucht, gar keine Preisveränderung zu Tage tritt. Statt der befürchteten Erhöhung ist schon im Anfang des Jahres 1880 sogar eine Ernie­drigung des Roggenpreises eingetreten. Auch im Jahre 1882 hat der geringe Zoll non einer Mark für den Doppelcentner weder die durch die Ernte keineswegs bedingte Mehreinfuhr gehindert, noch auch das weitere Sinken der Preise aufgehalten. Ebensowenig als damals wird auch jetzt, wo die Ernte reichlicher ausgefallen ist, durch den Zoll die Konkurrenz des Auslandes in Schranken gehalten oder eine Vertheuerung der „nothwendigen Lebens­mittel" herbeigeführt werden. Daß nicht der in­ländische Konsum, sondern die ausländische Pro- duktion den Zoll bezahlt, läßt sich aus vielen Thal- fachen herleiten. Es ist bekannt, daß nach Erlaß des Zolltarifs zahlreiche ausländische Handlungs­häuser ihren deutschen Abnehmern sofort offerirt haben, trotz des Zolltarifs zu den alten Preisen zu liefern. Bezüglich der Getreideeinfuhr ist zu be­merken, daß die russische und amerikanische Ge­treideproduktion so bedeutend ist, daß sie auf aus­ländische Absatzquellen angewiesen ist, somit auf einen Einfuhrzoll gar keine Rücksicht nehmen kann.

Staaten, Gründe genug, um Deutschland zum Schutze einheimischer Produktion zu veranlaßen. Endlich ist auch noch ein allgemeiner Grund von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Schutz­zölle anzuführen. Die einheimische Produktion unterliegt den gesetzlichen Steuern und Abgaben, es wäre somit eine Ungerechtigkeit, eine Bevor- zugung des Auslandes, wollte man fremder Waare steuerfreien Eingang gestatten; schon die Billigkeit fordert daher, sie bei ihrer Einfuhr dem Zolle zu unterwerfen.

Die Aufstellung eines richtigen Zolltarifs ist sehr schwierig; sie erfordert die größte Rücksicht auf die besonderen Verhältnisie der betreffenden einheimischen Erwerbszweige, sowie eine genaue Kcnntniß der Bedingungen der gesummten wirth- schaftlichen Thätigkeit. Da aber diese Verhältmffe und Bedingungen fast stetig wechseln, so folgt daraus, daß ein Zolltarif nicht stabil sein kann. Fehlgriffe sind beim Zolltarif sehr leicht möglich, der Staat muß daher für alle Beschwerden ein offenes Ohr haben und den für die Zölle maß­gebenden Entwickelungen die schärfste Kontrole widmen. So hat denn auch die deutsche Gesetz- gebung seit 1879 bereits mehrfach den berechtigten Beschwerden einzelner Industriezweige durch Revision des Zolltarifs abgeholfen, und wird dies auch ferner­hin thun, wenn sich Unzuträglichkeiten Herausstellen sollten. m

Bei Prüfung der Berechtigung und der Vor- theile der Schutzzollpolitik sind huuptsächsich zwei Fragen zu erörtern, nämlich 1. ob die von den Freihändlern befürchtete Vertheuerung der noth- wendigen Nahrungsmittel infolge des Zolltarifs, 2. ob die von den Freunden der Schutzpolitik er­hoffte günstige Wirkung, der Zölle auf die darnieder- liegende heimische Industrie und auf die trostlose Lage der arbeitenden Klaffen nachweisbar einge­treten ist. c .

Tas freihändlerische Geschrei von der drohenden Lebensmittelvertheuerung erwies sich schon von An­fang an als eine bewußte Uebertreibung, wenn man bedachte, daß der Zollaufschlag bei den aus dem Auslande bezogenen Waaren per Pfund z. B. bei Roggen, Weizen und Hülsenfrüchten nur 1/2 Pfg., bei Gerste */< Pfg, bei Mühlenfabrikaten 1 Pfg. rc. beträgt. Solche Zahlen erscheinen ganz winzig gegenüber dem durch die Spekulation auf die Preise geübten Drucke. Run hat sich aber

Schutzzoll-Politik und Erhöhung des Getreidezolles.

I.

Seit dem Inkrafttreten des vor fünf Jahren vom Reichstage beschlossenen Zolltarifs ist man auf freihändlerischer Seite nicht müde geworden, das Volk mit der leeren Behauptung zu beun­ruhigen, der neue deutsche Zolltarif sei eine schwere politische Verirrung, die Schutzzölle würden noth- wendig einen Rückgang des wirthschaftlichen Lebens zur Folge haben. Dieser Schrcckruf erwies sich schon bei einer oberflächlichen Prüfung, noch mehr aber durch die folgenden >hatsächlichen Erfahrun­gen, als ein blinder Lärm. Bei gewiffen Leuten ist das Polemisiren gegen die Schutzzölle zu reiner Modesache geworden, und zwar werden die Schutz­zöllner geradezu als Menschen hingestellt, welche mit ihren veralteten Ideen weit hinter dem mo» deinen fortschrittlichen Zeitgeist emherschreiten. Man hütet sich wohlweislich, dem Volke zu sagen, daß z. B. das freisinnige Frankreich, wo der „Fortschritt" gewiß üppktz genug in'S Kraut ge­schoßen ist, weit höhere Schutzzölle hat, als Deutsch­land. In der französischen Republik erkennt man aber sehr wohl, daß die manchesterliche Prinzipien­reiterei vor den Rücksichten der praktischen Staats­klugheit keinen Stand halten kann, daß der Staat in erster Linie für das Wohl seiner eigenen Bür- ger zu sorgen hat, daß die internationalen Rück­sichten stets vor den nationalen zurückstehen müßen.

Deutschland hat übrigens noch weit eher, als andere Länder gegründete Ursache, seine heimische Produktion vor der ausländischen Konkurrenz zu schützen. Deutschland ist ein von der Natur nur mittelmäßig ausgestattetes Land; anderen Ländern stehen weit billigere Rohmaterialien und Trans­portwege zur Ve- fügung; sie erfreuen sich überhaupt günstigerer Produktionsbedingungen. Dazu kommt, daß gerade die Nachbarstaaten Deutschlands ihre Industrie meist vorsichtig geschützt haben, daß die deutsche Industrie auch durch die gesetzlichen Vor­kehrungen zu Gunsten der arbeitenden Klaßen Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit, so­wie neuerdings Krankenkaßen- und Unfallversiche­rungsgesetz rc. — gezwungen ist, theurer zu pro- duciren, als andere weniger human denkende

Diese Erklärung erfüllte die Liebenden Schreck und Entsetz n. Alexa zog ihre Hand dem Arm ihres Geliebten zurück und stand bleich und zitternd da, ihren Vater mit ungläubigen Augen ansehend. Lord Kingscourt war auf's Tiefste erschüttert; es schien ihm als habe der Geist seines Wirthes eine plötzliche Störung er- litten; er konnte nicht glauben, daß die Worte, die er soeben gehört hatte, in vollem Ernst und bei klarem Verstand gesprochen worden waren, und doch war in den bewegten Zügen des Ein­siedlers, in seinen finsteren Augen und seinem verzweifelten Blick keine Spur von Irrsinn zu

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

der junge Graf. „Ich liebe Ihre Tochter, und sie hat mir gestanden, daß Sie mich liebt. Ich weigere mich also, die Antwort welche sie mir gegeben, anzuerkennen," und seine Stimme klang fest und entschloßen. „Sie haben kein Recht uns zu trennen, einer bloßen Laune, vielleicht einer Idee wegen, welche keinen wirklichen Gruno haben kann. Verzeihen Sie mir meine Kühnheit, Mr. Strange, aber ich habe einen kaum geringeren Anspruch auf Alexa, als Sie. Ich bin fest davon überzeugt, daß wir für einander geschaffen sind und kann und will sie nicht aufgeben!"

Die verstörten blauen Augen Mr. Strange's ruthen auf dem edlen, leidenschaftlichen Antlitz des jungen Mannes mit Bewunderung, Mitleid und Theilnahme. Die feurige Natur des Grafen, sein unbegrenztes Vertrauen und seine feste lieber» zeugung, noch mehr aber seine überwältigende Liebe zu Alexa bewegten tief des Vaters Herz.

„Mylord," sagte er mit gebrochener Stimme, „wenn ich die ganze Welt durchwanderte, könnte ich keinen Mann finden, dem ich meine Tochter sreudiger geben würde, als Ihnen; aber sie dars nicht heirathen —"

„Warum nicht?" fragte der Graf ungeduldig. Sie sind mir gewogen, haben nichts an mir aus­

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Deutsches Reich.

Berlin, 3. October.

* Der preußische Landtag wird sich in seiner bevorstehenden Session in erster Reihe mit der vielbesprochenen Kanalvorlage und mit einer Vor­lage wegen Erweiterung unseres Eisenbahnnetzes (Secundärbahnvorlage) zu beschäftigen haben.

* Gegenüber der Nachricht, daß bezüglich des preußischen Staats rat Hs alles still geworden sei, verlautet von unterrichteter Seite, daß doch umfaßende Vorbereitungen für die Berathungen des Staatsraths getrosten werden und daß der Abschluß derselben nur noch der höhern Weisung harrt.

* Ende October wird hier eine Sachverständigen- Kommißion zusammentreten, um über die Imp f- frage zu berathen. Zu derselben sollen auch prin- cipielle Gegner des Impfzwanges berufen werden. Die Anregung hierzu hat der Reichstagsbeschluß vom 6. Juni 1883 gegeben, die beim Reichstage zusetzen: was also ist das Hinderniß, welches sie zwischen mich und Alexa zu schieben suchen?"

„Es ist ein Hinderniß, welches selbst Ihre glühende Liebe und Ihre edle Seele nicht zu be­seitigen vermögen," erwiederte Mr. Strange seufzend. „Meine Tochter ist fast von ihrer Ge- burt an zu einem Leben voll Einsamkeit und Entsagung verurtheilt worden — "

„Aber das ist unerhört!"

„Es lastet ein Fluch auf mir und ihr!" rief Mr. Strange in Verzweiflung.

Alexa zuckte zusammen und legte die Hand auf's Herz, als sei es von einem Dolche durch- bohrt worden. , . .

„Ich habe Ihnen die Wahrheit gesagt, Mylord. Sie darf nicht heirathen!" fuhr Mr. Strange fort. „Wenn ich Ihren Bitten nachgäbe, möchte eine Zeit kommen, da Sie mir und ihr fluchen würden. Sie würden Sie aus Ihrem Herzen und Ihrem Hause verstoßen —"

Vater!" rief das Mädchen, und Ihre Stimme klang schrill vor Angst und Schmerz. „Was habe ich gethan, daß Du so von mir sprichst?" Des Vaters Augen wandten sich voll Trauer und Zärtlichkeit zu seiner Tochter.

(Fortsetzung siehe Zweites Blatt.)