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(Nachdr. »erb.)

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oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

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Im Juni war Lord Kingscourt aus der Räu­berhöhle entlasten worden und nun war es Sep­tember, als er das Bett verlassen und, wenn auch nur mühsam, durch das Zimmer gehen konnte. Die Jugend und eine kräftige Körper-Konstitution hat­ten endlich gesiegt. Die geschwollenen Glieder hatten ihren normalen Umfang wieder erhalten, die Schmer­zen hatten fast gänzlich aufgehört und ließen von Tag zu Tag mehr nach. Alle Leiden waren vorüber, aber er war noch schwach, und die alte Aminka mahnte zur Versicht, damit kein Rückfall eintrete.

Der Tag, an welchem Lord Kingscourt, gestützt auf seinen treuen Diener, zum ersten Mal zum Diner in das Speiseziminer kam, war zu einem Festtag gemacht worden. Tas Zimmer war mit Blumen ausgeschmückt, der Tisch auf das Glän­zendste gedeckt, und Aminka hatte ihr Bestes in

M 228. Freitag, den 3. October 1884*

Fuldm 831 Mtung.

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der Auswahl und Zubereitung der Speisen gethan. Alexa war in tiefster Seele erregt, und selbst ihr Vater, die Freude des Mädchens theilend, war freundlicher und redseliger als sonst.

Einnral im Stande, mit Hilfe eines Stockes zu gehen, mied Lord Kingscourt das Zimmer, welches er so lange hatte hüten müssen und verbrachte mehrere Stunden des Tages mit Alexa tm Garten. Als er kräftiger wurde, gingen sie zusammen nach dem Gols oder durch die Frucht- oder Weingärten. An den Abenden spielte Alexa auf dem Piano und sie sangen zusammen und ihre Stimmen harmo- nirten wunderbar; sie lasen zusammen in Büchern, und Jedes machte im Stillen die Bemerkung, daß ihr Geschmack seltsam übereinstimmte.

Das Ende von diesem Allen war vorauszusehen.

Die anfängliche Bewunderung und Verehrung, die der Graf für Alexa hegte, verwandelte sich bald in leidenschaftliche Liebe, die mit jedem Tag sich mehr befestigte. Es war eine reine, selbstlose Liebe, innig, treu und stark, wie es seine Grundsätze in ihm waren. Sie zu seiner Gattin zu machen, war jetzt sein einziger Wunsch, seine einzige Hoffnung.

Eines Abends, spät im September, gingen Lord Kingscourt und Alexa Arm in Arm auf der Veranda hin und her. Der Mond schien hell und beleuch­

er dispensirt sich ganz davon unter der sehr oft irrigen Annahme, daß sein Name schon in den Listen stehe. Durch em Versehen fehlen nicht sel­ten Namen in den Listen, deren Inhaber sich mit Recht für bekannt genug hielten, um ihre Annahme vorauszusetzen. Die Kontrole ist unerläßlich. Wer nun einmal den Weg macht, kann in den meisten Verhältniffen sich auch umsehen, ob sein Nachbar 3E oder sein Freund I ausgenommen ist, um im gegentheiligen Falle denselben zu benachrichtigen. Es kostet ihn oft nur ein Wort, um einen oder mehrere aus seiner Umgebung zu veranlaffen, daß sie den gleichen Gang wie er unternehmen.

„Wenn die Wässerlein kämen zu Haus', gäb' es wohl einen Fluß." Aus lauter Tropfen besteht die unwiderstehliche Fluth. Wer Kleines beisteuert, wird theilhaft des Ruhmes und Verdienstes, den das sich sammelnde Große erwirbt.

Fangen wir Alle mit der Unterstützung der Schwachen schon jetzt an, setzt Jeder bis zum Abend des Wahltages die bescheidene freundschaft­liche Einwirkung in seinem kleinen Kreise fort, dann dürfen wir hoffen, daß der gefährlichste Feind, die Lauheit und Saumseligkeit, wenigstens von un­serem Lager fernbleibt.

* Die Auslegung der Wählerlisten hat, wie bereits mehrfach betont, mit dem 30. Sep­tember begonnen. Es gilt also, die wenigen Tage bis zum 7. October zu benutzen, damit jeder Wäh­ler sich über die Eintragung seines Namens verge- wiffere, von welcher die Ausübung des Wahlrechtes abhängig ist.

In den meisten Wahlkreisen ist der gesürchtetste Feind aller Parteien nicht die Beredtsamkeit der Gegner, sondern die Saumseligkeit und Gleich­giltigkeit der Freunde. „Wenn all' unsere Gesin­nungsgenoffen ihre Pflicht thun", ist die stets wie­derholte Bedingung, an welche sich die Hoffnung des Sieges knüpft. Es ist das Hauptziel aller Agi­tationen, sämmtliche Gesinnungsgenossen zu über­zeugen, daß sie sich nicht auf die Anderen verlaffen dürfen, daß es auch auf ihre Stimmen ankomme, daß sie die Verantwortlichkeit für den schlechten Ausfall der Wahlen auf ihr Gewissen laden, wenn sie aus Trägheit oder Unpünktlichkeit die Ausübung ihres Wahlrechts unterlassen.

Die Saumseligen, welche Alles auf morgen ver­tagen, und die Gleichgiltigen, welche glauben, daß es ohne sie ebenso ginge, sind von der Darlegung schwer zu erreichen. Ob sie in den Blättern die politischen Belehrungen und Ermahnungen lesen, ist mehr als zweifelhaft, und in die Wahlversamm­lungen kommen zum weitaus größten Theile nur diejenigen Leute, welche schon entschloffen sind, sich riftlg urib tranrr. der-Wahl -yr beteiligen.

Hier muß eine Art der Agitation in Wirksam­keit treten, welche die,Germ.' sogar für wichtiger als die öffentlichen Wahlaktionen hält: die Beleh­rung und Ermunterung von Mann zu Mann (oder auch von Frau zu Mann) in dem gesell­schaftlichen Verkehr.

Wenn wir in dem Wettstreit der Parteien mit Erfolg bestehen wollen, so dürfen wir vor Allem diesen Gesichtspunkt nicht unterschätzen. Wohin die schwungvollsten Wahlaufrufe und die begeistertsten Reden nicht bringen, dayin gelangt das gelegent­liche freundliche Wort eines Verwandten und Be­kannten. Diese Art der Agitation kostet keine Mühe und keine Zeit und bringt doch in ihrer Gesammt- heit reiche Früchte.

Schon bei der Listen-Prüfung hat sie zu ' beginnen. Der Nachlässige verschiebt den Gang zur Auslegestclle, bis der Termin vorüber ist, oder

tete mit seinem blaffen Lichte die reizende Land­schaft. Alexa war in Weiß gekleidet und halte um Kopf und Hals ein weißes Tuch geschlungen, aus welchem ihr ovales Gesichtchen gar lieblich heraus- schaute. In dem sanften Lichte hatte ihre Schön­heit, ihre ganze Erscheinung etwas Ueberirdischcs.

Der junge Graf sah mit einem Blick auf sie nieder, der sie verwirrt haben würde, hätte sie ihn gesehen.

„Ich bin wieder gesund, Alexa," sagte er seuf­zend. „Seit Juni bin ich in Ihrem Hause gewesen — beinahe vier Monate. Meine Freunde in Eng­land werden ängstlich um mich sein, und ich habe die Gastfreundschaft ihres Vaters in einer Weise in Anspruch genommen und ausgedehnt, daß er sich wundern wird, daß ich noch hier verweile. Ich muß reisen.

Alexa erschrak und wandte ihr Gesicht ab, so daß er nicht sehen konnte, wie bleich es plötzlich wurde. ' „Aber ehe ich gehe, Alexa," sagte der junge Lord mit tiefem Ernst, „muß ich Ihnen sagen, was Tag und Nacht, wachend und schlafend meinen Geist beschäftigt. Ich liebe Sie, Alexa! Ich liebe Sie von ganzem Herzen, mit ganzer Seele. Sie haben mir zweimal das Leben gerettet, theure Alexa! Wollen Sie mich Ihnen dieses Leben widmen lassen? Wollen Sie — meine Gattin werden?"

setzt durch Auszüge aus der russischerseits geführ­ten Fremdenverkehrs-Statistik. Für Afrika liegen nur die Nachrichten aus Egypten und Algier, für Asien gar keine vor. Immerhin geben die Nach­weisungen Aufschluß über die Vertheilung von etwa

Millionen Deutscher über fremde Länder. Die Gesammtzahl der Ausländer in Deutschland belief sich nach der 1880er Volkszählung auf nicht mehr als 276,057 Personen. — Dem Vernehmen nach liegt der Plan vor, die Verwaltung im Reichs­land zu vereinfachen. Die drei Bezirkshauptkassen sind bereits zu einer Steuerdirektion vereinigt. Nach der ,Köln. Ztg.' sollen auch die drei Bezirkspräsi­dien aufgehoben werden, vorausgesetzt, daß der Landesausschuß zustimmt, was indeß zweifelhaft erscheint.

* Der Centrumsabgeordnete Dr. Frhr. v. H e r t- ling hat bei Herder in Freiburg seine „Aufsätze und Reden sozialpolitischen Inhaltes" veröffentlicht. Ueber den gegenwärtigen.Stand der sozialen An­gelegenheiten. sowie über Inhalt und Zweck der Veröffentlichung spricht sich der Autor in der Vor­rede aus.

§ Die Klagen über die Seitens der Ho ll änder betriebene Raubfischerei in den Mündungen des Rheins verstummen niemals; leider sind aber auch bisher alle Bestrebungen, den Holländern das Handwerk zu legen, ohne Erfolg geblieben. Ein im Jahre 1880 seitens der Rheinuferstaaten Preußen, Baden, Heffen, ElsaßLothringen und der Schweiz gemachter- Versuch, durch eine Konvention der im höchsten Grade verderblich wirkendeu Art' u.-' Weise des Lachsfanges in den Niederlanden ein Ende zu machen, scheiterte an der Weigerung d-r holländischen Negierung einer solchen Konvention beizutreten. Neuerdings aufgenommene Verhand­lungen, herbeigeführt durch eine der Regierung vom preußischen Abgeordnetenhause zur Berücksich­tigung dahin überwieseni Petition eines Interes­senten, eine Erörterung darüber vorzunehmen, wie der holländischen Raubfischerei abgeholfen werden könne, sind leider bisher ebenfalls resultatlos ver­laufen. Neuerdings werden von den Holländern Fischnetze in Anwendung gebracht, die namentlich den Lachsfang ganz außerordentlich begünstigen und dadurch der Fischerei des Oberrheins in hohem Maße gefährlich sind. In Folge der Fangmethoden der Holländer ist es bereits dahin gekommen, daß sich im deutschen Theile des Rheins kaum noch

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Inserate: Die einsaitige Zeile o>er der n Raum ifi Pf?., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; Le, Wiederholungen entbrechender Rabats

Deutsches Reich.

Berlin, 2. October.

V Durch die Zeitungen läuft jetzt ein von England her verbreitetes Gerücht, daß eine Be- --geguurrg ^rvischen dem Wssis« Bismarck, nrd bar Mr. Gladstone ungebahnt werde und binnen Kurzem in England stattfinden solle. Im Zu­sammenhang mit diesen Gerüchten wird an einen früheren Artikel der „Times" erinnert, in welchem ebenfalls dem Gedenken Ausdruck gegeben wurde, daß die jetzt bestehenden „Mißverständniffe" zwischen englischer und deutscher Staatskunst durch eine persönliche Begegnung Bismarck's und Glad­stones vielleicht ausgeglichen werden könnten. Die Annahme, Fürst Bismark werde Gladstone in Eng­land besuchen, wird wohl Niemand ernst nehmen. — Das Augustheft der Statistik des deutschen Reiches enthält statistische Nachweise über „Die Deutschen im Auslande und die Ausländer im deutschen Reiche". Ueber die Deutschen im Auslande waren allerdings vollständige Nachrichten nicht zu erlangen. Die mangelnden Ausweise über die Zahl der Deutschen in Rußland werden einigermaßen er­