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M 227.

Donnerstag, den 2. October

1884.

Fuldaer

(Slachdr. »erb.)

x Alera

auf

dadurch, daß sie „furchtlos und treu" an höchster Stelle zum Ausdruck bringen wollten, was uns Alle bewegt, was der tiefe Grundakkord aller un- serer Gefühle und Forderungen ist. Der Zweck, den man mit diesen Adressen verfolgte, ist zudem trotz der Ablehnung derselben wohl erreicht worden: der Landesherr ist durch das geheime Civilkabinet zweifellos vertraulich über den Tenor der Adressen und damit über die Stimmung, die in den katho­lischen Landestheilen herrscht, unterrichtet worden, und das ganze Land erhält letzt auch von diesen vortrefflichen Adreffen Kenntniß, deren Würdigung und Befolgung nicht blos der katholischen Kirche, sondern auch der Dynastie und dem ganzen Vater­lande zum Heile gereichen würde.

zu finden erwartete.

Der Wirth führte sie in das Wohnzimmer und berichtete kurz über Lord Kingseourt's Befinden, Griechisch sprechend, wie er gegen Jedermann that, seine Tochter ausgenommen.

„Der Graf schläft jetzt, glaube ich," sagte er. „Er hat einen sehr schlimmen Tag gehabt, und deshalb ist es vielleicht besser, ihn nicht zu wecken. Sie sind ja doch genöthigt, die Nacht über hier zu bleiben. Ich will Sie jetzt nach Ihren Zimmern weisen [affen, und Sie können nach dem Thee Lord Kingscourt sehen."

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II. Die Adresse

der Kirchenvorstände und der Kirchenge­meinde-Vertretungen derProvinz West- falen hat folgende Faffung:

„Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaffer und König!

Allergnädigster Kaiser, König und Herr!

An dem Tage, an welchem Ew. kaiserliche und königliche Majestät nach einer Reihe ereignißvoller Jahre die Hauptstadt Westfalens wiederum mit Allerhöchstderen Gegenwart beglücken und in der Mitte Ihrer treuen westfälischen Unterthanen weilen, dürfen wir unter dem Jubel unserer Hul­digungen mit ganz besonderer Zuversicht auf den Ausdruck unserer Wünsche und Bitten dem von Gott mit Ruhm und Siegen reichgekrönten Lan­desvater zu Füßen legen.

Daher nahen sich die allerunterthänigst unter­zeichneten Mitglieder der katholischen Kirchenvor- stände und Kirchengemeindevertretungen der Provinz dem erhabenen Throne Ew. Majestät, um für das­jenige, was ihrem Herzen das Kostbarste und Theuerste ist: für die Erhaltung ihrer Religion, für die Wahrung ihres römisch-katholischen Glaubens und der darin gegebenen Verfassung ihrer Kirche den besonderen Schutz Ew., Majestät inständigst zu erflehen.

Ew. kaiserliche und königliche Majestät haben bei der feierlichen Krönung zu Königsberg am 18. Oktober 1861 zu unserem Metropoliten, dem damaligen Erzbischöfe von Köln, das Wort xze- sprochen:

„Es gereicht Mir zur Genugthuung, bte Verhältnisse der katholischen Kirche für den Bereich Meines ganzen Staates durch Ge­schichte, Gesetz und Verfassung wohlgeordnet zu miffen. Sie darf vertrauen, daß Ich ihr in Gerechtigkeit und Wohlwollen ferner Meinen landesväterlichen Schutz gewähren und sie in der Ausführung ihres heiligen Auftrages un­terstützen werde."

Und am 14. April 1866 bei der Eidesleistung der neuernannten Erzbischöfe von Köln und von Posen haben Ew. Majestät geruht, eine gleiche Versicherung zu wiederholen mit den Worten:

„So lange ich das Scepter führe, sollen die verfassungsmäßigen Rechte der katholischen Kirche garantirt sein."

ober

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Mr. Strange empfing die Ankommenden der Veranda, begrüßte sie höflich und lud sie zum Eintreten ein. Mr. Kollys war nicht wenig über­rascht, in diesem abgelegenen Winkel der Erde einen Mann von so auffällig hervorragender Er­scheinung zu finden, wo er einen griechischen Bauer

Deutsches Reich.

Berlin, 1. October.

♦* Die .Germania' reproduzirt den vorgestrigen Leitartikel der .Fuldaer Zeitung' über die Stellung der katholischen Wähler im Regierungsbezirk Kassel und schließt mit folgender Bemerkung: „Während die Stellung der Katholiken zu den konservativen Kandidaten in den meisten anderen Provinzen nicht so einfach und günstig ist, wie es der Veifaffer für Kaffel annimmt, so gilt die Mahnung, me Stimmen im ersten Wahlgang für das Centrum zählen zu lassen, für das ganze Reich. Der moralische Effekt dieser Stimmabgabe auch in den für uns aussichtslosen Wahlkreisen ist in der That von größter Bedeutung."

• ♦ Der Vexem mit bem langen Namen zd. y. H Wahrung der wirthschafilichen Interessen von Handel und Gewerbe) hat sich heute conftituirt, wozu sich etwa 120 Theilnehmer eingefunden hatten. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 763 Kopfe Ohne Widerspruch wurde Geh. Commerzien-Rath Delbrück zum Vorsitzenden der Versammlung er­wählt, worauf Consul E. Ruffel über die Ziele des Vereins sprach. Die Versammlung nahm die Statuten im Ganzen an und wählte die von dem provisorischen Vorstände vorgeschlagenen 4? Mit- alieder aus allen Theilen Deutschlands m i)en Ausschuß. Erwähnt sei noch, daß zu stellver­tretenden Vorsitzenden Woermann-Hamburg und Passerwant-Frankfurt a. M. und zum Schriftführer Amecke gewählt wurden. .

* * Der Ausschuß des Vereins deutscher Prr- vateisenbahnen berieth am Dienstag in Berlin gespannt nach der Thür, als sein Freund eintrat. Mr. Kollys eilte zu ihm und tief:

Im Bett? Das ist ja eine traurige Geschichte, Kingscourt. Hier ist der Doktor - ein ftubirter Grieche. Du weißt — er wird Dich sogleich wie­der zurechtsetzen. Dies ist kein schlechtes Quartier, und er sah sich mit mit kritischen Augen um. „Ich hatte geglaubt, Dich in der Hütte des Wemgart- ners zu finden, und war sehr besorgt um Dich. Hier aber läßt es sich schon aushalten.

Er stellte den Arzt vor. Es folgte eine kurze ärztliche Untersuchung und der Doktor schüttelte bedenklich den Kopf. .

Die Anordnungen der Wärterin sind ausge- zeichnet," bemerkte er nach einigen Fragen in be­treff der Pflege. „Ich will noch einige Heilmittel hinzufügen; aber Sie können vcw einem Monat nicht fortgebrachr werden, Mylord.

Mr. Kollys machte ein trauriges Gesicht.

Nichl vor einem Monat!" rief er unwillig.

"(Sie sehen, seine Glieder sind geschwollen," ent» qegnete der Doktor, „und seine Füße haben fast den doppelten Umfang ihrer normalen Größe. D,e Wärterin hat Alles gethan, was ich und leber An­dere auch gethan haben würbe, unb ich kann nur noch einige kräftige Mittel oerorbnen, um den Rück-

Im biefe glücklichen, durch Geschichte, Gesetz und Verfaffung damals wohlgeordneten Verhältnisse der katholischen Kirche Preußens hat die kirchenpolltffche Gesetzgebung der neuesten Zeit einen tiefen Riß gebracht. Unseren Oberhirten ist die freie Aus­übung ihrer wichtigsten Amtspflichten verwehrt; unsere Pfarreien mußten sie zu Hunderten, _ ja schon bis zu Tausenden unbesetzt lassen; untere ehedem blühenden Anstalten zur Heranbildung des katholischen Klerus und zur Hebung von Werken christlicher Liebe stehen geschloffen; unsere Ordens­leute, ja selbst die beiden höchsten Kirchenfürsten unseres Landes effen das Brod der Verbannung, die Seelsorge, wenn darin auch kürzlich wieder einige Erleichterungen zugestanden wurden, bleibt durch vielfache Hemmnisse und Störungen behindert und beschränkt. ’

Und diese unsere kirchliche Bedrängmß und Roth wird kein Ende finden können, sondern von Jahr zu Jahr an Umfang zunehmen und sich noch steigern, wenn nicht mit jener kirchenpolittschen Ge­setzgebung Wandel geschaffen wird. Denn nach den einmüthigen und wiederholten Erklärungen der berechtigten kirchlichen Organe, des Papstes und der Bischöfe, ist die von Gott geordnete Verfaffung der katholischen Kirche mit zahlreichen Bestimmun- gen dieser Gesetze absolut unvereinbar.

Ew. kaiserliche und königliche Majestät wollen daher geruhen, den früheren Rechtszustand der katholischen Kirche in Preußen und die damalige als bewährt anerkannte Ordnung der katholffch- höchstderen katholische Unterthanen von der jetzt schwer dieselben belastenden Bedrückung zu befreien.

Darum bitten in tiefster Ehrfurcht

Ew. kaiserlichen und königlichen Majestät Allerunterthänigst treugehorsamste (folgen die Unterschriften).

Am 24. September 1884."

Diese Adresse trägt 8268 Unterschriften von den Mitgliedern der katholischen Kirchenoorstände und Kirchengemeindevertretern der nach Dekanaten ge­ordneten 420 Stadt- und Landgemeinden West- falens. . .

Wir gehen gewiß nicht fehl, wenn wir lagen, baß ber Inhalt ber beiden Adressen den Gefühlen aller Katholiken Preußens, ja Deutschlands auf bas Vollkommenste entspricht, unb daß sich unsere westfälischen Brüder ein Verdienst erworben haben

Die Gäste stimmten ihm bei und wurden in be­hagliche luftige Zimmer gebracht, wo sie einen Die­ner zu ihrer Arffwartuna bereit fanden, welcher ihnen Waffer brachte und den Staub von ihren Kleidern bürstete. , m ,

Später begaben sie sich wieder in s Wohnzimmer, wo ihr Wrrth sie erwartete. Er führte sie in's Speisezimmer und erwies sich nicht nur gastfreund­lich, sondern auch gewandt und angenehm unterhal­tend. Mr. Strange hatte niemals Gäste gehabt, so lange er dieses Haus bewohnte, und so hatte seine heutige Gesellschaft für ihn den Reiz der Neu­heit. Unter dem anregenden Einfluß der gebilde­ten Fremden entwickelte er eine Fülle tiefer Ge­danken und zeigte eine Schärfe und Feinheit des Geistes, daß Mr. Kollys in immer größeres Er­staunen geriet!).

Als das Mahl vorüber war, schickte Mr. Strange einen Diener in das Zimmer des Kranken, welcher bald mit ber Meldung zurückkam, daß Lord Kings­court wach und bereit sei, seine Besucher zu em­pfangen. Der Wirth führte sie zu dem Kranken- zimmer und ging bann weiter in das Gemach sei­ner Tochter, wo dieselbe auf Wunsch ihres Vaters, sich den Gästen nicht zu zeigen, geblieben war.

Lord Kingscourt saß aufrecht im Bette und sah

.Die .Fuldaer Zeitung« erscheint täglich, Soun- und F.t-rtag- «urgcnc'nm-n.Bi-tt-si-hrttch-r 5 '

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